Bahnhof Roma Tiburtina

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Roma Tiburtina
Luftaufnahme des Bahnhofs Tiburtina
Luftaufnahme des Bahnhofs Tiburtina
Daten
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 20
IBNR 8300262
Eröffnung 1866
Architektonische Daten
Architekt Paolo Desideri[1]
Lage
Stadt Rom
Provinz Rom
Region Latium
Staat Italien
Koordinaten 41° 54′ 37,4″ N, 12° 31′ 48,7″ O41.910412.5302Koordinaten: 41° 54′ 37,4″ N, 12° 31′ 48,7″ O
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in Italien
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Der Bahnhof Roma Tiburtina ist ein Durchgangsbahnhof und nach dem Hauptbahnhof Roma Termini der zweitgrößte Bahnhof Roms. Er liegt im nordöstlichen Bereich der italienischen Hauptstadt und wird von der RFI-Tochter CentoStazioni S.p.A. als einer von 103 mittelgroßen Bahnhöfen Italiens verwaltet.

Geschichte[Bearbeiten]

Der erste Bahnhof in Tiburtina wurde 1866 im Zuge der Eröffnung des ersten Teilstücks der Strecke nach Florenz eröffnet und trug zunächst die Bezeichnung Portonaccio. Im Hinblick auf die geplante Weltausstellung 1942 wurde mit der Neugestaltung zahlreicher Bahnhöfe in Rom begonnen, so auch Roma Tiburtina. Ein neues Aufnahmegebäude wurde von Angiolo Mazzoni entworfen und ab 1937 errichtet. Während des Zweiten Weltkrieges besetzten im Juli 1943 Truppen der Wehrmacht Italien ("Fall Achse"), nachdem Mussolini abgesetzt worden war. Am 12. Juli besetzten sie Rom. Am 19. Juli 1943 wurde das Gebäude bei einem Luftangriff von US-Bombern weitgehend zerstört.

Am 18. Oktober 1943 wurden über tausend kurz zuvor verhaftete jüdische Menschen am Bahnhof Tiburtina in 18 Viehwaggons gepfercht, von dort aus via Brenner in das Vernichtungslager KZ Auschwitz-Birkenau transportiert. Nur 15 Männer und eine Frau überlebten.[2]

In den 1950er Jahren wure der Bahnhof in vereinfachter Form wieder errichtet. Vom damaligen Bauwerk sind heute noch einige für die Bahnhofsarchitektur Mazzonis typische Wassertürme erhalten.

1990 wurde mit dem Bau eines neuen Bahnhofsgebäudes begonnen, das die gesamten Gleisanlagen quer überbrücken sollte. Es wurde zunächst jedoch nur die tragende Plattform für dieses Bauwerk errichtet und das alte Bahnhofsgebäude beibehalten. Aus einem Wettbewerb ging der Entwurf des Architekturbüros ABDR Architetti Associati unter der Führung des Architekten Paolo Desideri als Sieger hervor, der ab 2007 zur Ausführung kam.

Am 24. Juli 2011 fiel ein Flügel des alten Bahnhofs einem Brand zum Opfer; er wurde wegen Einsturzgefahr gesperrt. Die Feuerwehrleute kämpften rund 15 Stunden gegen den Brand. Wegen des Feuers wurden auch Bahnanlagen gesperrt, was zu einem Chaos im italienischen Schienenverkehr führte, da das Stellwerk des Bahnhofs durch den Brand zerstört wurde. Der Neubau war vom Feuer nicht betroffen.[3]

Das neue Gebäude wurde am 28. November 2011 im Beisein des italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano feierlich eröffnet.

Der neue Bahnhof Cavour[Bearbeiten]

Der neue, nach Camillo Benso von Cavour benannte Bahnhof wurde als Durchgangsstation angelegt, so dass die Hochgeschwindigkeitszüge im Nord-Süd-Verkehr, die nicht in Rom enden, den Kopfbahnhof Roma Termini nicht mehr anfahren und dort nicht mehr wenden müssen.[4] Sie halten stattdessen nun in Roma Tiburtina, der als Durchgangsbahnhof mit einer neuen Zulaufstrecke zur Schnellfahrstrecke nach Neapel eingerichtet wurde.


Das neue Bahnhofsgebäude ist als 300 m lange Brücke angelegt, die in 9 m Höhe über alle 22 Gleise führt. Von diesen verfügen 20 über eine Bahnsteigkante und sind direkt von der Brücke aus über Rolltreppen und Aufzüge erreichbar. Zwei Gleise dienen der Durchfahrt ohne Halt. Die Brücke verbindet direkt die Stadtviertel Nomentano und Pietralata, die bisher durch die Bahn voneinander getrennt waren. In Inneren befinden sich Fahrkartenschalter, Warteräume, Ladengeschäfte und sonstige Einrichtungen für die Reisenden, die zum Teil in auf halber Hallenhöhe aufgehängten Kojen untergebracht sind. Die Außenfassade ist mit Glas transparent verkleidet. Auf dem als Stahltragwerk ausgeführten Dach befindet sich eine Photovoltaik-Anlage. Außerhalb des Gebäudes führt auf einer Seite der Brücke eine Fahrbahn vorbei, die für Taxis und Einsatzfahrzeuge reserviert ist.[5]

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Bahnhof ist eine wichtige Station sowohl im Regional- als auch im Fernverkehr und wird sich in Zukunft nach und nach zur wichtigsten Bahnstation im Großraum Rom entwickeln, zumal er sowohl im öffentlichen als auch im privaten Straßenverkehr teilweise besser zu erreichen ist als Termini. Alle Eurostar-Italia-Züge, die nicht in Rom enden, halten in Tiburtina. Die Verbindung zum Bahnhof Termini ist per U-Bahn und Regionalverkehr gewährleistet. Auch das ab 2012 operierende Konsortium Nuovo Trasporto Viaggiatori wird Tiburtina bedienen, es werden pro Tag rund 40 Züge der Relationen SalernoTurin und Roma Ostiense – Venezia S.L. anfahren.

Verkehr und Anbindung[Bearbeiten]

Der Bahnhof liegt am Straßenverkehrsring Tangenziale, der im Zuge des Bahnhofsneubaus untertunnelt und auf die stadtauswärtige Seite der Bahnanlage verlegt wurde, sowie am Ende der Autobahn A 24. Gegenüber dem Bahnhof befindet sich Roms zentraler Busbahnhof.

Fernverkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof wird tagsüber von Frecciarossa-Zügen bedient, zudem von InterCity- und Schnellzügen. In der Nacht hielt bis 11. Dezember 2011 ein InterCity-Notte-Zugspaar von Udine nach Napoli Centrale in Tiburtina. Ebenso verfügt der Bahnhof über eine Verladeanlage für Autoreisezüge, die jedoch zurzeit nicht bedient wird, nachdem Trenitalia alle inneritalienischen Autoreisezüge mit 11. Dezember 2011 eingestellt hat. Eine saisonale Führung von Autoreisezügen nach Roma Tiburtina durch das private Eisenbahnunternehmen Arenaways ist geplant.[6]

Regionalverkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof ist ein Regionalverkehrsknoten, er wird von den Linien FL1 und FL2 des S-Bahn-ähnlichen Agglomerationsverkehrsystems der Trenitalia bedient. Ab 2012 ist ein Non-Stopp-Verkehr zum Flughafen Rom-Fiumicino geplant.

Lokalverkehr[Bearbeiten]

Neben der Station der Linie B der Metropolitana di Roma wird Roma Tiburtina von zahlreichen städtischen und regionalen Buslinien angefahren.

Linie Verlauf
FL1 Orte – Gallese Teverina – Civita Castellana-Magliano – Collevecchio-Poggio Sommavilla – Stimigliano – Gavignano Sabino – Poggio Mirteto – Fara Sabina-Montelibretti – Piana Bella di Montelibretti – Monterotondo-Mentana – Settebagni – Fidene – Nuovo Salario – Val d’Ala – Roma Nomentana – Roma Tiburtina – Roma Tuscolana – Roma Ostiense – Roma Trastevere – Villa Bonelli – Magliana – Muratella – Ponte Galeria – Fiera di Roma – Parco Leonardo – Fiumicino Aeroporto
FL2 Tivoli – Marcellina-Palombara – Guidonia-Montecelio – Bagni di Tivoli – Lunghezza – Salone – La Rustica UIR – La Rustica Città – Tor Sapienza – Palmiro Togliatti – Serenissima – Roma Prenestina – Roma Tiburtina

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.architettiroma.it/archivio.aspx?id=4247
  2. www.gedenkorte-europa.eu; siehe auch Pius XII.
  3. http://news.tripsbytips.de/verschiedenes/grosbrand-im-romischen-bahnhof-tiburtina/
  4. In Italien entsteht ein Hochgeschwindigkeitsnetz. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 8–9/2006, ISSN 1421-2811, S. 390–393
  5. [1]LA NUOVA STAZIONE AV ROMA TIBURTINA E LA RIQUALIFICAZIONE URBANA (RFI)
  6. Renfe alquila tres composiciones de Tren Hotel al operador italiano Arenaways, via libre, 4. Mai 2011