Bahnhof Schwäbisch Gmünd

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Bahnhof Schwäbisch Gmünd
Bf Schwaebisch Gmuend 2008.jpg
Daten
Kategorie 4
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 4
Abkürzung TSG
IBNR 8000329
Eröffnung 25. Juli 1861
Architektonische Daten
Baustil Neoklassizismus
Architekt Georg Morlok
Lage
Stadt Schwäbisch Gmünd
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 48′ 4″ N, 9° 47′ 18″ O48.8011111111119.7883333333333Koordinaten: 48° 48′ 4″ N, 9° 47′ 18″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Baden-Württemberg

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Der Bahnhof Schwäbisch Gmünd wurde 1861 eröffnet, liegt nordwestlich des Stadtzentrums von Schwäbisch Gmünd an der Remsbahn und ist ein InterCity-Halt. In seinem Einzugsbereich leben zirka 140.000 Menschen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Planung und Bau[Bearbeiten]

Alternativen von 1858
Bahnhof Schwäbisch Gmünd 1868

Für die Trassenführung der Remsbahn im Stadtgebiet und die Lage des Bahnhofes wurden 1858 drei Alternativen diskutiert:

  • südlich der Stadt
  • nördlich der Stadt, aber südlich der Rems
  • nördlich der Rems

Bei den ersten Varianten wären Eingriffe in bebautes Gebiet oder in Grünanlagen nötig gewesen, und die künftige Ausdehnung der Stadt wäre beeinträchtigt worden. So entschied man sich für die Linienführung nördlich der Rems, bei der der Bahnhof allerdings am weitesten entfernt vom Stadtzentrum lag. Dabei war eine Verlegung des Flussbettes der Rems nötig, wodurch auch die Stadt vor Hochwasser geschützt werden sollte.[2][3]

Stadtseite des Empfangsgebäudes, 1907

Wie in den 1850er und 1860er Jahren in Württemberg üblich, oblag die Gestaltung der Empfangsgebäude dem leitenden Ingenieur für den Streckenbau, im Fall der Remsbahn Georg Morlok. Der Bau folgt der neoklassizistischen Bahnhofsarchitektur früherer württembergischer Vorbilder. Typisch für Morloks Bauten dieser Epoche sind der kleine, die Mitte betonende Glockenaufsatz und die Pilaster zwischen den Rundbögen im Erdgeschoss.[4]

Inbetriebnahme[Bearbeiten]

Die amtliche Abnahmefahrt des Remsbahnabschnittes Schorndorf–Gmünd fand am 29. Juni 1861 in festlichem Rahmen unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Eine offizielle Eröffnungsfahrt mit Ehrengästen folgte am 18. Juli 1861, und am 25. Juli wurde der fahrplanmäßige Betrieb zwischen Stuttgart und Wasseralfingen aufgenommen.[5] Die Gleisanlagen hatten zunächst 25 Weichen, eine Drehscheibe und eine Wasserstation mit zwei Wasserkränen.[2] Eine Fahrkarte von Gmünd nach Stuttgart kostete in der II. Klasse 81 Kreuzer, in der III. Klasse 51 Kreuzer.[6]

Umbau ab 1907[Bearbeiten]

Um dem gestiegenen Verkehr gerecht zu werden, und um die geplante Nebenbahn nach Göppingen, die Hohenstaufenbahn, anzubinden, wurde der Bahnhof vom 16. September 1907 bis 1910 umgebaut. Hierbei wurde ein Inselbahnsteig und die dazu führende Unterführung gebaut; ein schienengleicher Bahnübergang östlich des Empfangsgebäudes wurde durch eine Straßenunterführung ersetzt. Südlich der Hauptgleise westlich des Empfangsgebäudes, wo bis dahin der Güterschuppen stand, wurden zwei Stumpfgleise und eine Drehscheibe für die Hohenstaufenbahn gebaut. Nördlich der Hauptgleise wurden zwei Lokomotivremisen abgerissen, um dort die neue Güterabfertigung zu bauen. Das zweite Gleis der Remsbahn wurde von der damaligen Blockstelle Deinbach bis Gmünd verlängert und am 27. April 1910 in Betrieb genommen. Die Gleisanlagen des Bahnhofes hatten nach dem Umbau 116 Weichen und zwei Drehscheiben; der Bahnhof wurde zu einer der 24 württembergischen Stationen I. Klasse. Die Teilstrecke Gmünd–Wäschenbeuren der Hohenstaufenbahn wurde am 1. August 1911 eröffnet.[2][7]

1923 wurde das Industriegleis Ost erstellt, das als Stammgleis Industriebetriebe in der Stadt nördlich der Remsbahn an den Güterbahnhof anschloss, darunter ab 1937 eine Niederlassung der Zahnradfabrik Friedrichshafen am Ziegelberg; 1936 folgte das Industriegleis West, das südlich der Hauptstrecke verlief.[8]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Infolge des Zweiten Weltkriegs forderten ab Ende 1944 Bombenangriffe und Bordwaffenbeschuss aus alliierten Jagdbombern immer wieder Todesopfer und Verletzte im Bahnhof und auf den umliegenden Bahnstrecken und behinderten den Bahnverkehr durch Zerstörung von Gleisanlagen und Fahrzeugen. Ein Bombentreffer zerstörte am 19. April 1945 eine Bahnbrücke westlich des Bahnhofes und unterbrach damit die Verbindung auf der Remsbahn nach Stuttgart.[8]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Der nördlich der Personengleise liegende Güterbahnhof, auf dem 1959 rund 14.900 Güterwagen eintrafen,[2] wurde vor einigen Jahren stillgelegt; die Gleisanlagen wurden 2013 abgebaut.

Sanierung 2013/2014[Bearbeiten]

Im Rahmen der Landesgartenschau 2014 und der damit verbundenen Planungen in Schwäbisch Gmünd wurden der Bahnhof und die Umgebung umgestaltet. Eine die Gleise überquerende Fußgängerbrücke war zunächst vorgesehen, die neben der Südseite und dem Inselbahnsteig auch die bisher nicht direkt angebundene Nordseite anschließen sollte. Diese Planung wurde verworfen. Die Bahn führte ab 2013 eine umfangreiche Sanierung des Bahnhofgeländes durch, wobei anstatt der Fußgängerbrücke die vorhandene Unterführung erweitert und nach Norden verlängert sowie mit Aufzügen ausgestattet wurde. Die Sanierungsmaßnahmen, bei denen unter anderem auch die Bahnsteige erhöht werden, kosteten 6,4 Millionen Euro. Das Gebiet des ehemaligen Güterbahnhofes dient während der Gartenschau teilweise als Parkplatz, teilweise als Gewerbefläche und soll anschließend vollständig zu einer Gewerbesiedlung umgestaltet werden.[9][1] Die Ost-West-Durchgangsstraße durch Schwäbisch Gmünd, die bis 2013 als Bundesstraße 29 rund 100 Meter südlich des Bahnhofes verlief, wurde durch den Gmünder Einhorn-Tunnel vom Durchgangsverkehr entlastet, und führt direkt vor dem Bahnhof vorbei, um ein zusammenhängendes Gartenschaugelände zu ermöglichen.[10] Am 17. April 2014 wurden die umfangreichen Umbauarbeiten abgeschlossen.[11]

Ausstattung[Bearbeiten]

Der Bahnhof 2011 mit ausfahrendem RE 19458 vom St. Salvator aus gesehen. Im Hintergrund finden die Abrissarbeiten für die Neugestaltung im Zuge der Landesgartenschau 2014 statt.

Seit der Generalsanierung im Jahr 2014 hat der Bahnhof vier barrierefrei zugängliche Bahnsteige, die durch eine Unterführung verbunden sind. Zudem stehen moderne Personenaufzüge bereit. Auf der Seite des Hausbahnsteiges befand sich das 500. in einem Bahnhof installierte Transportband, was durch eine Hinweistafel aus Bronze deutlich gemacht wird. Es wurde im Zuge von Umbauarbeiten an der Fußgängerunterführung am 16. Mai 2013 abgebaut.

Am Hausbahnsteig liegt Durchgangsgleis 1; am Inselbahnsteig liegen das Durchgangsgleis 2, das aus Richtung Stuttgart kommende Stumpfgleis 3; am Seitenbahnsteig liegt Durchgangsgleis 4.

Das Empfangsgebäude von 1861 wird weiterhin als solches genutzt. Die heute dort bestehenden öffentlichen Einrichtungen sind Fahrkartenschalter, ein Kiosk, ein Imbiss und ein Restaurant. Zudem ist ein Reisezentrum der Deutschen Bahn ansässig.

Verkehr[Bearbeiten]

Am Bahnhof halten die im Zwei-Stunden-Takt verkehrenden InterCity-Züge der Linie Karlsruhe–Stuttgart–Nürnberg von DB Fernverkehr. Den Regionalverkehr bedient die DB Regio durch ein Interregio-Express-Zugpaar täglich zwischen Aalen und Stuttgart Hauptbahnhof, Regional-Express-Züge auf derselben Relation im Stundentakt (morgens und abends im Halbstundentakt), und einzelne Regionalbahnen zwischen Schwäbisch Gmünd und Schorndorf.

Fernverkehr[Bearbeiten]

Linie Strecke Haupttaktfrequenz
IC 61 (Basel SBB –) KarlsruhePforzheimStuttgartSchwäbisch GmündAalenNürnberg (– Passau) Zweistundentakt

Regionalverkehr[Bearbeiten]

Linie Strecke Haupttaktfrequenz
IRE Stuttgart – Schorndorf – Schwäbisch Gmünd – Aalen Mo–Fr 1 Zugpaar täglich
RE Stuttgart – Waiblingen – Schorndorf – Schwäbisch Gmünd – Aalen Stundentakt, Mo–Fr in der Hauptverkehrszeit alle 30 Minuten
RB Schorndorf – Schwäbisch Gmünd einzelne Züge am frühen Nachmittag

Anbindung[Bearbeiten]

Busbahnhof

Westlich des Empfangsgebäudes steht heute der zentrale Busbahnhof der Stadt; auf dem ebenerdig zugänglichen Vorplatz liegen Taxi-Stellplätze und eine Fahrradabstellanlage; östlich steht ein Park-and-ride-Parkhaus.

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  einhorn, Illustrierte Zeitschrift zur Pflege des Heimatgedankens in Stadt und Kreis Schwäbisch Gmünd. Nr. 47, Schwäbisch Gmünd Juni 1961 (8. Jahrgang) (Sonderheft aus Anlass des 100. Jubiläums der Remsbahn).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Schwäbisch Gmünd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Artikel zur Sanierung des Bahnhofes auf gmuender-tagespost.de.
  2. a b c d  Felix Klaus: 100 Jahre Bahnhof Schwäbisch Gmünd. (in: einhorn, S. 143 ff.).
  3.  Helmut Mende: Eisenbahn und Stadtplanung. (in: einhorn, S. 154 ff.).
  4.  Roland Feitenhansl: Der Bahnhof Heilbronn – seine Empfangsgebäude von 1848, 1874 und 1958. DGEG Medien, Hövelhof 2003, ISBN 3-937189-01-7, S. 173.
  5.  Kurt Seidel: Die Remsbahn. Schienenwege in Ostwürttemberg. Theiss, Stuttgart, ISBN 3-8062-0483-7, S. 44 ff..
  6.  E. T.: Ein großes Ereignis im Spiegel der Presse. (in: einhorn, S. 150 ff.).
  7. Seidel: Die Remsbahn, S. 71 ff.
  8. a b Seidel: Die Remsbahn, S. 112 ff.
  9. Landesgartenschau: Städtebauliche Entwicklung. Stadt Schwäbisch Gmünd.
  10. Schwäbisch Gmünd Blog: Der neue Boulevard. Stadt Schwäbisch Gmünd.
  11. [1]