Bahnhof Stuttgart Schwabstraße

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Stuttgart Schwabstraße
Blick auf Gleis 1
Blick auf Gleis 1
Daten
Kategorie 3
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung TSS
IBNR 8006698
Eröffnung 1. Oktober 1978
Lage
Stadt Stuttgart
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 46′ 12,8″ N, 9° 9′ 23,5″ O48.7702349.156533Koordinaten: 48° 46′ 12,8″ N, 9° 9′ 23,5″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Baden-Württemberg
i7i11i12i13i15i16i16i17i20

Der unterirdische Bahnhof Stuttgart Schwabstraße im Stadtbezirk Stuttgart-West westlich der Innenstadt liegt am Ende des ersten Bauabschnittes der Stuttgarter Verbindungsbahn. Im Bahnhof enden die Linien S4, S5, S6 und S60 sowie Zwischentaktzüge der S1 (Mo–Fr zwischen 12 und 15:30 Uhr und samstags zwischen 9 und 15 Uhr) der S-Bahn Stuttgart. Eine betriebliche Besonderheit ist eine 1,5 km lange Wendeschleife am Ende der Station.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Planung der S-Bahn Stuttgart war der Bahnhof als vorläufiger Endpunkt des 3,2 km langen Innenstadttunnels geplant. In der 1. Betriebsstufe der S-Bahn wurde mit 30.000 Fahrgästen pro Tag gerechnet, in der 2. Betriebsstufe (mit der Verlängerung nach Böblingen und zum Flughafen) mit etwa 35.000.[1]

Die Station war Teil des 1. Ausführungsvertrags zur S-Bahn, der 1971 geschlossen wurde.[2] Der Bauauftrag für den Rohbau wurde 1974 an eine Arbeitsgemeinschaft der Firmen Holzmann (Frankfurt am Main), Baresel (Stuttgart) und Hochtief (Essen) vergeben.[1] Der Bau gestaltete sich aufgrund des von der Baugrube aus aufgefahrenen bergmännischen Baus der Wendeschleife sehr aufwändig. Der Rohbau wurde im Dezember 1977 abgeschlossen.[3] 1978 ging der erste Bauabschnitt der Verbindungsbahn vom Hauptbahnhof zur Schwabstraße in Betrieb. 1985 folgte eine Verlängerung in Richtung Südwesten zur Universität. Ein Teil der Züge endet jedoch auch weiterhin im Bahnhof Schwabstraße und durchfährt anschließend die Wendeschleife.

Anlagen[Bearbeiten]

Der Bahnhof liegt auf Ebene −2[1] zwischen 11 und 27 m unter der Straßenoberfläche, bei einem in 6 bis 8 Meter Tiefe liegenden Grundwasserspiegel.

Der Bahnhof verfügt über einen 210 m langen und 8,80 m breiten Mittelbahnsteig mit zwei Bahnsteigkanten. Er liegt in einer Längsneigung von 1,6 Promille.[1] Gleis 1 dient den Zügen in Richtung Vaihingen und den in hier endenden Zügen, Gleis 2 den Zügen in Richtung Hauptbahnhof. Zugänge zum Bahnsteig befinden sich an beiden Bahnsteigenden. Am westlichen Bahnsteigende verzweigen sich die Gleise in Richtung Universität und Wendeschleife.

Auf der darüber liegenden Ebene −1 liegen Ausgangsbauwerke.[1]

Wendeschleife[Bearbeiten]

Liniennetz der S-Bahn Stuttgart mit dem Bahnhof Schwabstraße in der Mitte

Der Bahnhof besitzt eine bei Eisenbahnen seltene betriebliche Besonderheit: eine 1,51 km lange Wendeschleife. Sie fädelt mit Streckenkilometer 0,0 südlich des Bahnsteigsbereichs (Kilometer 2,6) aus dem Gleis Richtung Vaihingen aus und verläuft auf einer Länge von 1,0 km eingleisig. Daran schließt sich ein rund 300 m langer zweigleisiger Abschnitt an, der ein Ausweich- und Abstellgleis von 210 m Nutzlänge aufnimmt. Beim Streckenkilometer 1,3 beginnt der zweigleisige Abschnitt. Eingleisig fädelt die Strecke anschließend Richtung Hauptbahnhof ein.[4]

Die Überdeckung beträgt zwischen 17 m in der Nähe der Bahnsteige und 80 m unter dem Westbahnhof. In Anbetracht der zahlreichen dort wendenden Züge wurde eine Wendeschleife trotz der höheren Baukosten für wirtschaftlicher befunden als stumpf endende unterirdische Wendegleise.[5] Mit der Wendeschleife sollte gegenüber einer ebenfalls erwogenen zweigleisigen Stumpfgleis-Wendeanlage eine Mindestzugfolgezeit von 1,2 Minuten (gegenüber sonst 2,5 Minuten) erreicht werden können. Die Schleife sollte darüber hinaus fünf statt zwei Langzüge aufnehmen können. Durch die kürzere Wendezeit, in der weder Führerstandswechsel noch Bremsproben erforderlich waren, sollten im Rahmen des vorgesehenen Betriebsprogramms insgesamt drei Vollzüge eingespart werden können. Daneben galt die Aufteilung in mehrere eingleisige Tunnelröhren gegenüber der Stumpfgleis-Wendeanlage als bautechnisch einfacher und wirtschaftlicher.[1]

Während der Bahnsteigbereich der Station Schwabstraße in offener Bauweise erstellt wurde, wurde die Schleife bergmännisch vorgetrieben.[1] Am 7. Oktober 1974 begann der Vortrieb an der Schleife und der Bau von Verzweigungsbauwerken und von zunächst jeweils 60 m[4] langen Tunnelstümpfen der beiden eingleisigen Röhren des Hasenbergtunnels in Richtung Gäubahn. (Der übrige Hasenbergtunnel Richtung Vaihingen wurde ab 1979 gebaut und ging 1985 in Betrieb.)

Der Tunnel wurde in Neuer Österreichischer Tunnelbauweise mit zwei Teilschnittmaschinen mit seinem vollen Querschnitt von 50 m² (im eingleisigen Bereich) bis zu 120 m² (Abzweigbereich) aufgefahren. Der Baugrund wurde dazu vereist.[1]

Der vordere Teil der Wendeschleife liegt in ausgelaugtem Gipskeuper. Weil dieser brüchig ist und die Überdeckung hier gering ist, wurde das Gestein über dem Tunnelfirst mittels Gefrierverfahren standfest gemacht. Geologisches Problem im hinteren Teil der Wendeschleife war die Lage in anhydrithaltigen Gipskeuperschichten, die bei Wasserzutritt, der bei üblichen Tunnelbauverfahren unvermeidlich ist, stark quellen und somit starke Kräfte auf den Tunnelkörper ausüben.

Um ein Aufquellen des unausgelaugten Gipskeupers zu vermeiden, wurde die Wendeschleife völlig trocken aufgefahren. Der Tunnelquerschnitt hat einen lichten Radius von 4 m, an den sich eine 1 m dicke Tunnelschale anschließt. Im Betrieb sind keine durch den Anhydrit bedingten Schäden aufgetreten (Stand: 2003).[6]

Bei der Vermessung der Wendeschleife kamen 40 Messpunkte zum Einsatz. Da es ansonsten keine Verbindung zur Oberfläche gibt, war die alleinige Basis der Vermessung die Station Schwabstraße. Nach einer Vortriebslänge von 850 m rechts und 900 m links fand der Durchschlag unter dem Westbahnhof statt; der Querfehler betrug dabei 8 mm, der Höhenfehler 2 mm. Das Tunnelprofil hat einen Innendurchmesser von 6,70 m im eingleisigen und 9,80 m im zweigleisigen Bereich. Der Radius der Schleife beträgt 190 m, die Länge 1500 m.[7]

Bahnbetrieb[Bearbeiten]

Der Code im Betriebsstellenverzeichnis lautet TSS. Der Bahnhof liegt im VVS. Im Kategoriensystem der Deutschen Bahn AG, Stationen und Service liegt der Bahnhof Schwabstraße in der Bahnhofskategorie 3.[8] Die Stationsfarbe ist gelb.

S-Bahn[Bearbeiten]

Linie Strecke
S 1 Kirchheim (Teck)WendlingenPlochingenEsslingenNeckarparkBad CannstattHauptbahnhofSchwabstraßeVaihingenRohrBöblingenHerrenberg
S 2 Schorndorf – … – Endersbach – … – FellbachWaiblingen – … – Nürnberger StraßeBad CannstattHauptbahnhof – Stadtmitte – … – Schwabstraße – … – VaihingenRohr – … – Flughafen/MesseFilderstadt
S 3 BacknangWinnenden – Waiblingen – Bad Cannstatt – Hauptbahnhof – Schwabstraße – Vaihingen – Rohr – Flughafen/Messe
S 4 Schwabstraße – Hauptbahnhof – ZuffenhausenLudwigsburgMarbachBacknang
S 5 Schwabstraße – Hauptbahnhof – Zuffenhausen – Ludwigsburg – Bietigheim
S 6 Schwabstraße – Hauptbahnhof – Zuffenhausen – LeonbergWeil der Stadt
S 60 Schwabstraße – Hauptbahnhof – Zuffenhausen – LeonbergRenningenMagstadtSindelfingenBöblingen

Busverkehr[Bearbeiten]

Die SSB-Buslinien 42 und 44 verkehren hier. Die Haltestelle der Linie 42 befindet sich in der Schwabstraße, die der Linie 44 in der Rotebühlstraße.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h  Rolf Grüter, Karl-Heinz Böttcher: S-Bahn Stuttgart: Bauwerke der Tunnelstrecke Hauptbahnhof-Schwabstraße. In: Die Bundesbahn. Nr. 5, 1976, ISSN 0007-5876, S. 317–325.
  2.  Jürgen Wedler: Die S-Bahn Stuttgart 1981 – auf sechs Linien erweitert. In: Die Bundesbahn. 57, 1981, ISSN 0007-5876, S. 681–688.
  3. Jürgen Wedler, Karl-Heinz Böttcher: Der Tunnel. Verbindungsbahn der S-Bahn Stuttgart. Dokumentation ihrer Entstehung. Herausgegeben von der Bundesbahndirektion Stuttgart. Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-925565-01-9, S. 100–104.
  4. a b  Jürgen Wedler: Planung und Bau der S-Bahn Stuttgart. In: Die Bundesbahn. 54, Nr. 9, 1978, ISSN 0007-5876, S. 683–695.
  5. Jürgen Wedler, Karl-Heinz Böttcher: Der Tunnel. Verbindungsbahn der S-Bahn Stuttgart. Dokumentation ihrer Entstehung. Herausgegeben von der Bundesbahndirektion Stuttgart. Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-925565-01-9, S. 19–20.
  6.  Peter Jäckle, Walter Wittke: Grundlagen für wirtschaftliche Entwürfe sowie termin- und kostengerechte Ausführung von Tunnelbauwerken. In: Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen (Hrsg.): Tunnel – Lebensadern der mobilen Gesellschaft (= Forschung + Praxis. 40). Bauverlag, Gütersloh Dezember 2003, ISBN 3-7625-3602-3, S. 60–66.
  7.  Günter Dutt: Ein Streifzug durch 150 Jahre Tunnelbauwerke in Württemberg. In: Jahrbuch für Eisenbahngeschichte. Nr. 28, Uhle & Kleimann, Lübbecke 1996, ISSN 0340-4250, S. 47–63.
  8. Bahnhofskategorieübersicht 2013 der Deutschen Bahn (gültig ab 1. Januar 2013; PDF; 315 kB)

Weblinks[Bearbeiten]