Bahnstrecke Deggendorf–Kalteneck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deggendorf–Kalteneck
Kursbuchstrecke (DB): ehem. 876
Streckennummer (DB): 5841
Streckenlänge: 54,0 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: C2
Strecke – geradeaus
von Bayerisch Eisenstein
Bahnhof, Station
0,0 Deggendorf Hbf 321 m
   
nach Metten
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Plattling
Bahnhof ohne Personenverkehr
2,7 Deggendorf Hafen
   
6,2 Halbmeile
   
7,4 Seebach
   
7,9 Deggendorf Textilwerke
   
11,6 Hengersberg 311 m
   
Sägewerk Schwaiger
   
16,6 Schwanenkirchen
   
20,2 Iggensbach
   
24,2 Schöllnach 376 m
   
26,5 Gunzing
   
29,2 Außernzell
   
33,3 Eging 398 m
   
37,2 Nammering
   
41,0 Fürstenstein
   
43,0 Englburg
   
44,6 Tittling West
   
45,6 Tittling Markt 510 m
   
49,3 Witzmannsberg
   
von Freyung
Bahnhof, Station
54,0 Kalteneck 334 m
Strecke – geradeaus
nach Passau

Die Bahnstrecke Deggendorf–Kalteneck war eine Nebenbahn in Bayern. Sie verband die in den Bayerischen Wald führende Bahnstrecke von Plattling über Zwiesel nach Bayerisch Eisenstein mit der von Passau über Waldkirchen nach Freyung führenden Bahnstrecke Passau–Freyung (Ilztalbahn). In Anlehnung an die Waldbahn Plattling–Bayerisch Eisenstein wurde sie auch Vorwaldbahn genannt.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Nach dem Bau der Waldbahn von Plattling über Deggendorf nach Bayerisch Eisenstein, fertiggestellt 1877, und der Ilztalbahn von Passau nach Freyung, fertiggestellt 1892, strebten auch die Gemeinden zwischen diesen Linien, u. a. Aicha, Eging am See und Tittling, einen Bahnanschluss an. Sie favorisierten eine Stichbahn von Vilshofen nach Norden. Einer Verwirklichung standen aber zum einen die starken Steigungen aus dem Donautal und zum anderen das Erfordernis einer Donaubrücke entgegen. Nach langem Ringen entschied sich die Bayerische Staatsbahn zum Bau einer Querverbindung zwischen den beiden vorhandenen Bahnen als der kostengünstigeren Möglichkeit.

So beschloss der bayerische Landtag mit Gesetz vom 26. Juni 1908 den Bau einer eingleisigen Nebenbahn von Deggendorf über Eging nach Kalteneck mit Anschluss an die Ilztalbahn. Durch diese Linienführung konnten auch der Deggendorfer Hafen und der Markt Hengersberg an das Bahnnetz angeschlossen werden. Die Haftung für strittige Grundabtretungen hatten Deggendorf, Hengersberg und Passau gegenüber der Staatsbahn übernommen.

Der Bahnbau begann im Sommer 1910 von beiden Endpunkten aus. Dadurch konnten die 11,62 km lange Strecke von Deggendorf nach Hengersberg und die 20,75 km lange Strecke von Kalteneck nach Eging schon am 26. November 1913 mit großen Feiern eröffnet werden. Das Mittelstück, 21,66 km lang, ging am Vorabend des Ersten Weltkriegs am 1. August 1914 ohne großes Aufsehen in Betrieb.

Zugverkehr[Bearbeiten]

Für den Zugverkehr standen die bayerischen Lokalbahnmaschinen der Bahnbetriebswerke Plattling und Passau zur Verfügung. Auf der Strecke Deggendorf-Hengersberg liefen in den ersten Monaten täglich drei Zugpaare, zwischen Eging und Kalteneck vier Zugpaare. Die nach der vollständigen Inbetriebnahme anfänglich eingesetzten durchlaufenden vier Zugpaare wurden während des Ersten Weltkriegs nach und nach auf zwei Zugpaare reduziert. Da diese Züge auch Güterwagen mitnehmen mussten, ergaben sich lange Fahrzeiten auf der Strecke. 1936 liefen fünf Zugpaare auf der Strecke, wobei abends in Eging Züge aus beiden Richtungen endeten, die morgens wieder zurückfuhren. 1976 liefen die fünf Zugpaare nur noch an Werktagen. Sonntags wurden sie durch drei Buskurse ersetzt.

Stilllegungen[Bearbeiten]

Mit der Zunahme des Individualverkehrs gingen auch auf dieser Bahnstrecke die Benutzerzahlen ständig zurück, obwohl noch eine Reihe von Haltestellen zusätzlich eingerichtet und der Betrieb auf Schienenbusse umgestellt wurde. Der Fracht- und Stückgutverkehr hatte ebenfalls Einbußen hinzunehmen. So kam es auch hier schrittweise zu Stilllegungen. Den Anfang machte der Personenverkehr, der zwischen Eging und Kalteneck am 1. Oktober 1972 eingestellt wurde. Es folgte am 3. Juni 1973 der Güterverkehr von Tittling nach Kalteneck. Bemerkenswert hierbei ist, dass dieser Abschnitt für gelegentliche Umleiterverkehre von/nach Freyung noch über zwanzig Jahre betriebsfähig gehalten wurde. Die nächste Stilllegung traf wieder den Personenverkehr, der von Deggendorf bis Eging am 25. September 1981 eingestellt wurde. Es folgte die Einstellung des Güterverkehrs von Eging bis Tittling und damit einhergehend die Gesamtstilllegung des Abschnitts Eging–Kalteneck am 2. April 1995. Am 2. September 2002 ereilte dasselbe Schicksal den Abschnitt Hengersberg–Eging. Nach dem Abbau der Gleise wurde die Trasse in einen Radweg umgebaut, der 2006 vollständig eröffnet werden konnte. Auf der 11,6 km langen Reststrecke von Deggendorf Hbf über Deggendorf Hafen nach Hengersberg findet heute noch Güterverkehr statt.

Heutiger Betrieb[Bearbeiten]

Das Teilstück Deggendorf Hafen (ausschließlich)–Hengersberg ist zum 1. September 2007 als privates Anschlussgleis in den Besitz der DHB Grundstücks GmbH + Co. KG übergegangen. Dieses Teilstück wird für Güterverkehr des Sägewerks Schwaiger benutzt. Die Teilstrecke Deggendorf Hafen–Deggendorf Hbf dient darüber hinaus dem Güterverkehr von und zum Donauhafen.

Es gibt Vorschläge die Bahnstrecke 2014 zur Anbindung des Landesgartenschaugeländes zu nutzen. [1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Zeitler, Walther: Eisenbahnen in Niederbayern und der Oberpfalz. 2. Auflage, Amberg 1997, ISBN 3-924350-61-2.
  • Siegfried Bufe: Nebenbahnen im Passauer Land. Egglham 1998, ISBN 3-922138-66-7.
  • Bernhard Rückschloß: Nebenbahn Deggendorf - Eging. Deggendorf 2004, ISBN 3-934726-16-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deggendorfer Zeitung:„Gartenschau-Bahn: Minister Brunner unterstützt OB“, 5. Dezember 2012, abgerufen am 6. April 2013