Bahnstrecke Delémont–Delle

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Delémont–Boncourt–Delle
Steinbogenviadukt Combe Maran bei Saint-Ursanne mit einem Flirt-Triebzug
Steinbogenviadukt Combe Maran bei Saint-Ursanne mit einem Flirt-Triebzug
Fahrplanfeld: 240
Streckenlänge: [1]39.93 km / 0.38 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz ~
Maximale Neigung: 16 
Strecke – geradeaus
SBB-Strecken von Basel und Moutier
Bahnhof, Station
84.61 Delémont 413 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
87.87 Courtételle 437 m ü. M.
Bahnhof, Station
90.11 Courfaivre 451 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
93.50 Bassecourt 478 m ü. M.
Bahnhof, Station
96.40 Glovelier 505 m ü. M.
Strecke – geradeaus
Anschluss an CJ-RSG
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
96.68 Rollschemelanlage 508 m ü. M.
Tunnel – Anfang
Glovelier 2012 m
   
98.10 Kulminationspunkt 520 m ü. M.
Tunnel – Ende
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Montmelon 223 m
Brücke (mittel)
Malvie 68 m
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Malvie 213 m
Brücke (groß)
Combe Maran 237 m
Bahnhof, Station
101.66 St-Ursanne 492 m ü. M.
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Château 228 m
Tunnel
Croix 2966 m
Bahnhof, Station
107.82 Courgenay 488 m ü. M.
Brücke (groß)
Noir-Bois 198 m
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
112.54 CJ-RPB von Bonfol 426 m ü. M.
Bahnhof, Station
112.87 Porrentruy 423 m ü. M.
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Courchavon 194 m
Haltepunkt, Haltestelle
116.13 Courchavon 406 m ü. M.
Bahnhof, Station
117.99 Courtemaîche 397 m ü. M.
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Courtemaîche–Bure (CH-VBS)
Haltepunkt, Haltestelle
119.66 Grandgourt 391 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
121.45 Buix 382 m ü. M.
Bahnhof, Station
123.35 Boncourt 374 m ü. M.
Grenze
124.53
464.57
Staatsgrenze CH–F 369 m ü. M.
Strecke – geradeaus
Eigentumsgrenze SBB–RFF
   
464.19 Delle 367 m ü. M.
   
RFF-Strecke nach Belfort

Die Bahnstrecke Delémont–Delle ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke im Schweizer Kanton Jura und gehört den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).

Die 40 Kilometer[1] lange Strecke von Delémont über Glovelier, Porrentruy und Boncourt über die Grenze ins französische Delle wurde zwischen 1872 und 1877 in drei Etappen eröffnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Als erster Abschnitt wurde die Strecke Porrentruy–Boncourt–Delle am 23. September 1872 von der Chemin de fer Porrentruy-Delle (PD) eröffnet. Die Strecke fand in Delle Anschluss an die Bahnstrecke Montbéliard–Audincourt–Morvillars–Delle, die am 29. Juni 1868 von der Compagnie Paris-Lyon-Méditerranée (PLM) eröffnet wurde. Mit der Abtretung des Elsass 1871 an das Deutsche Kaiserreich wurde Delle zum nördlichsten Grenzbahnhof zwischen der Schweiz und Frankreich.

Die PD wurde am 16. August 1876 von der Compagnie du Jura bernois (JB) übernommen. Die JB, wörtlich zu deutsch übersetzt «Berner Jura», entwickelte sich im namengebenden Gebiet früh zur grössten Bahngesellschaft; dies sowohl durch die eigene rege Bautätigkeit, wie auch den Kauf zweier weiterer Bahngesellschaften.

Anzeige zur Streckeneröffnung am 30. März 1877
Militärtransporte während des Ersten Weltkriegs im Bahnhof Pruntrut
Umfangreicher Verkehr im Bahnhof Delle vor der Elektrifizierung
Viadukt Combe Maran im Ursprungszustand

Am 15. Oktober 1876 eröffnete die JB den Abschnitt Delémont–Glovelier. Der Zusammenschluss mit der ehemaligen PD-Strecke erfolgte am 30. März 1877 mit Eröffnung des Abschnitts Glovelier–Porrentruy, der über aufwändige Kunstbauten verfügt.

Dieser Zusammenschluss mit dem übrigen Schweizer Normalspurnetz markierte auch den Beginn des Aufschwungs des Schienenverkehrs über den Grenzbahnhof Delle. Die Compagnie de l'Est (EST), die mit der Abtrennung des Elsass auch einen Teil ihrer Strecken und den Zugang nach Basel verloren hatte, eröffnete am 13. August 1877 die Verbindungsstrecke Belfort–Morvillars, die in Danjoutin von der Hauptstrecke Paris–Mulhouse abzweigt. Zwischen Morvillars und Delle verlegte die EST zudem ein eigenes, zweites Gleis.

Der Eigentümer der Strecke Delémont–Delle wechselte in den nächsten Jahren mehrfach den Namen: Am 1. Juli 1884 wurde die JB zur Jura–Bern–Luzern (JBL) umbenannt, die JBL fusionierte dann per 1. Januar 1890 die Jura-Simplon-Bahn (JS). Die JS war eine der fünf grossen Privatbahngesellschaften der Schweiz, die verstaatlicht wurden, sie wurde per 1. Mai 1903 in die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) integriert.

Neben internationalen Personenzügen verkehrten insbesondere Güterzüge aus Frankreich über Delle, da der alte Zugang nach Basel durch das Elsass und damit über deutsches Gebiet führte. Um die zusätzliche Zollbehandlung zu umgehen, wurden Züge bevorzugt über Delle nach Delémont und weiter nach Basel oder einen Umweg nach Biel geleitet. Gemessen an der Transitgütermenge rangierte der Bahnhof Porrentruy im Jahre 1913 statistisch auf dem vierten Rang. Mit Inbetriebnahme des Grenchenbergtunnels 1915 wurde zudem die Strecke zwischen Delémont und Biel stark verkürzt.

Der elektrische Betrieb der SBB unter 15 kV 16⅔ Hz Wechselstrom wurde auf der Strecke Delémont–Delle am 15. Mai 1933 aufgenommen, dabei wurde auch der kurze Abschnitt zwischen der Landesgrenze und dem Bahnhof Delle von den SBB ebenfalls elektrifiziert.

Die französischen Anschlussstrecken kamen mit der Verstaatlichung der PLM und der EST per 1. Januar 1938 ins Eigentum der SNCF. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kam der Grenzverkehr via Delle zum Erliegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnverkehr wieder aufgenommen und 1948 vereinbarten die Schweiz und Frankreich den Bau eines neuen Grenzbahnhofs in Delle. Auf französischer Seite setzte allerdings ein Abschwung ein, der zuletzt doppelspurige Abschnitt Morvillars–Delle wurde 1953 aufgrund von Einsparungen auf ein Gleis zurückgebaut. Von der beabsichtigten Elektrifikation sah die SNCF 1957 endgültig ab, stattdessen wurde Strecke bis Basel SNCF elektrifiziert. Der neue Grenzbahnhof in Delle konnte allen Widrigkeiten zum Trotz 1967 eröffnet werden.

Im Laufe der Zeit verlor Delle gegenüber den elektrifizierten Eisenbahn-Grenzübergängen Basel, Les Verrières und Vallorbe sukzessive an Bedeutung. Die letzten durchgehenden Züge zwischen Delémont und Belfort – mit guten Anschlüssen an Fernverkehrszüge nach Paris – wurden am 26. September 1992 aufgegeben und die Strecke Belfort–Delle von der SNCF für den Personenverkehr stillgelegt. Der grenzüberschreitende Güterverkehr auf dem Abschnitt Boncourt–Delle wurde von den SBB per 30. Juni 1993 eingestellt, im selben Jahr legten auch die SNCF den Abschnitt Morvillars–Delle vollständig still.

Mit Fahrplanwechsel vom 27. Mai 1995 stellten die SBB die Bedienung des Bahnhofs Delle von Schweizer Seite her ein. Mit dem Wegfall des Personenverkehrs wurde der Abschnitt Boncourt–Delle am 1. Juni 1996 stillgelegt und de-elektrifiziert. Da der ehemalige Grenzbahnhof Delle nutzlos wurde, wurden in den Jahren 1996 und 1997 praktisch die gesamten Gleisanlagen des weitläufigen Bahnhofs demontiert.

Am 16. September 1996 stiess in Courfaivre der NPZ-Regionalzug Porrentruy–Delémont mit der von Delémont nach Glovelier verkehrenden Lokomotive Re 4/4 II 11304 zusammen. 30 Personen wurden verletzt, zwei davon schwer. Der Triebfahrzeugführer des NPZ wurde von Jugendlichen abgelenkt, die die Türschliessung behinderten.[2]

Nach 2000 kamen erste Ideen auf, die Strecke Belfort–Delle zu reaktivieren und den grenzüberschreitenden Personenverkehr wieder aufzunehmen. Nach Inbetriebnahme der LGV Rhin-Rhône soll der an der Strecke Belfort–Delle gelegene Bahnhof Belfort-Montbéliard TGV von Regionalzügen aus Belfort und aus der Schweiz erschlossen werden, die über die alte Strecke verkehren.

Als erster symbolischer Schritt wurde der 1,6 km lange Abschnitt Boncourt–Delle reaktiviert. Die Kosten von rund 1,3 Mio. Schweizer Franken trugen in erster Linie die Region Franche-Comté und der Kanton Jura, finanzielle Beiträge leisteten zudem Frankreich, die Schweiz, die EU, die RFF, die SBB, die SNCF und die Gemeinde Delle. Für die Wiederinbetriebnahme musste das stellenweise zugewachsene Trassee freigelegt und der Unterbau erneuert werden. Im sonst schienenlosen Bahnhof Delle wurde ein neues Gleis verlegt und die Strecke wurde re-elektrifiziert. Nach der offiziellen und symbolträchtigen Einweihungsfeier vom 8. Dezember wurde mit Fahrplanwechsel vom 10. Dezember 2006 der grenzüberschreitende Schienenverkehr durch die SBB wieder aufgenommen.

Kunstbauten[Bearbeiten]

Das Viadukt «Combe Maran» bei St-Ursanne wurde zwischen 1875 und 1876 von den Gebrüdern Decker aus Cannstatt in Baden-Württemberg erstellt. In 50 Metern Höhe verschwenkt es in einer leichten Kurve über das Tal. Ursprünglich als auf fünf Pfeilern ruhendes Viadukt mit Stahlauflieger errichtet, wurde es zwischen 1929 und 1930 durch weitere Pfeiler verstärkt.[3]

Anschlussstrecken[Bearbeiten]

Delémont
  • Die Strecke Delémont–Basel wurde am 25. September 1875 von der JB eröffnet.
  • Die Strecke Moutier–Delémont wurde am 16. Dezember 1876 von der JB eröffnet.
Glovelier
  • Die Strecke Saignelégier–Glovelier wurde am 21. Mai 1904 von der RSG eröffnet. Nach der Fusion der RSG zur CJ wurde die Strecke am 8. Mai 1948 stillgelegt und auf Meterspur umgebaut. Seit der Wiedereröffnung am 4. Oktober 1953 besteht in Glovellier eine Rollschemelanlage für den Umlad und Transport normalspuriger Wagen auf der meterspurigen Strecke.
Porrentruy
Courtemaîche
  • Die Strecke Courtemaîche–Bure wurde am 19. März 1968 von der Eidgenossenschaft eröffnet und dient für Militärtransporte zum Armeewaffenplatz Bure.
Delle
  • Die Strecke Belfort–Delle wurde am 29. Juni 1868 von der PLM eröffnet.

Verkehr[Bearbeiten]

Seit Dezember 2004 verkehren stündlich Züge der Linie S3 der S-Bahn Basel von Basel bis Porrentruy. Seit Dezember 2010 verkehren noch halbstündlich weitere S3 Züge von Delémont bis Glovelier mit Anschlüsse in Delémont auf den ICN und den RegioExpress. Im Fahrplanjahr 2011 verkehren stündlich RegioExpress-Züge zwischen Delle und Delémont, einige werden bis Biel verlängert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Streckenlängen: Delémont–Boncourt-Grenze 39,93 km; Delle-Grenze–Delle 0,38 km (RFF); befahrene Gesamtstrecke 40,31 km
  2.  Unfall in Courfaivre (JU). In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 10/1996, Minirex, Luzern, ISSN 1022-7113, S. 395.
  3. Une centenaire: La ligne CFF Delémont–Delle. 1877–1977. Porrentruy 1977.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich 1998, ISBN 3-905111-21-7.
  • Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz 2005. Diplory Verlag, Grafenried 2004.
  • Mathias Rellstab, Theo Stolz: Strecke Boncourt–Delle wieder offen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 2/2007, Minirex, Luzern 2007, ISSN 1022-7113, S. 102.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Delémont-Delle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien