Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg
Die Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg führt von der Frankenmetropole Nürnberg über Fürth, Erlangen, Forchheim nach Bamberg und ist Teil des Nordabschnitts der Ludwig-Süd-Nord-Bahn. Sie verläuft als eine der wichtigen deutschen Verkehrsachsen entlang des Regnitztals.
Die Strecke hat seit der deutschen Wiedervereinigung wieder eine große Bedeutung im Fernverkehr. Als Zulauf zur Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt soll sie ausgebaut werden.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Die Bauarbeiten für die Strecke begannen, nachdem der Bayerische Landtag das Gesetz zum Bau der Ludwig-Süd-Nord-Bahn am 25. August 1843 gebilligt hatte, noch im gleichen Jahr. Verantwortlich für den Grunderwerb und die Trassenführung war die Königliche Eisenbahnbau-Kommission zu Nürnberg. Am 1. September 1844 erfolgte die Eröffnung der Strecke.
Die ursprüngliche Streckenführung zwischen Nürnberg und Erlangen parallel zum Ludwig-Donau-Main-Kanal und östlich an Fürth vorbei wurde 1862 bzw. 1876 mit dem Bau der Bahnstrecke nach Würzburg und des sogenannten Fürther Bogens geändert. Bis zu diesem Zeitpunkt kreuzte die Ludwigs-Süd-Nord-Bahn die Ludwigseisenbahn an der Stadtgrenze Nürnberg – Fürth, wofür man mit Fürth Kreuzung einen eigenen Haltepunkt mit umfangreichen Rangieranlagen für Güterwagen einrichtete.
Die wie alle zur damaligen Zeit gebauten Bahnstrecken in Bayern ursprünglich eingleisige Strecke wurde zwischen 1862 und 1892 in vier Etappen auf zwei Gleise erweitert. Am 10. Mai 1939 war die Elektrifizierung der Strecke abgeschlossen.
Im Rahmen von Testfahrten erreichten deutsche Reisezüge zwischen Bamberg und Forchheim erstmals eine Geschwindigkeit von 200 km/h.[1]
[Bearbeiten] Eröffnungsdaten
- 1. September 1844: Nürnberg–Fürth Kreuzung–Großgründlach–Bamberg
- 1. Oktober 1862: Fürth Kreuzung–Fürth Bahnhof
- 1. August 1876: Fürth Bahnhof–Großgründlach (Fürther Bogen)
[Bearbeiten] Streckenbeschreibung
[Bearbeiten] Verlauf
Die Strecke verlässt den Hauptbahnhof Nürnberg zusammen mit den Strecken nach Würzburg, Augsburg und Crailsheim nach Westen, wovon die beiden letzteren an der Stelle An den Rampen nach Süden bzw. Südwesten abzweigen, und wendet sich anschließend nach Nordwesten parallel zum Frankenschnellweg. Zwischen diesem Abzweig im Süden und den Stadtteilen Gostenhof und Eberhardshof sowie dem Containerbahnhof und dem Bahnbetriebswerk Nürnberg West im Norden führt die Strecke am Haltepunkt Rothenburger Straße vorbei, überquert an der Stadtgrenze Nürnberg – Fürth den Frankenschnellweg und erreicht schließlich den Fürther Hauptbahnhof.
Nach dem Bahnhof zweigt die Strecke nach Würzburg nach Westen sowie die Rangaubahn nach Süden ab. Anschließend überquert die Strecke die Rednitz auf der Siebenbogenbrücke und wendet sich danach in einer lang gezogenen Rechtskurve (dem sogenannten Fürther Bogen) nach Norden und überquert südlich von Stadeln den nun Regnitz genannten Fluss. Anschließend schwenkt die Strecke nach links, erreicht den zwischen Stadeln und Herboldshof liegenden Bahnhof Vach, wechselt danach auf die Ostseite des Frankenschnellwegs und erreicht bei Eltersdorf das Erlanger Stadtgebiet. Bevor sie den Bahnhof Erlangen erreicht, fädelt bei Erlangen-Bruck die ehemalige Nebenbahn nach Herzogenaurach ein. Nach dem Bahnhof durchläuft die Strecke den 306 Meter langen Burgbergtunnel und führt weiter parallel zum Frankenschnellweg über Bubenreuth, Baiersdorf und Kersbach nach Forchheim. Am dortigen Bahnhof zweigt noch die Nebenbahn nach Ebermannstadt ab, die Nebenbahn nach Höchstadt ist dagegen seit 2005 stillgelegt.
Weiter führt die Strecke nach der Überquerung des Frankenschnellwegs zwischen ihm auf der rechten und dem Main-Donau-Kanal auf der linken Seite über Eggolsheim, Buttenheim und Hirschaid zum Bahnhof Strullendorf, an dem die Obere Steigerwaldbahn nach Ebrach und Schlüsselfeld abzweigte. Nachdem die Strecke die Bundesstraße 505 unterquert und den südlichen Ausläufer des Hauptsmoorer Staatsforstes berührt hat, erreicht sie den Bamberger Bahnhof.
[Bearbeiten] Ausbau
Die Strecke ist auf der gesamten Länge zweigleisig und elektrifiziert. Neben GSM-R-Zugfunk auf der Gesamtstrecke ist der Abschnitt zwischen Nürnberg (Km 0) und Bubenreuth (Km 28) für aktive Neigetechnik ausgerüstet.
[Bearbeiten] Verkehrsverbünde
Der gesamte Strecke Nürnberg–Bamberg ist mit der Regionalbahnlinie R2 und der S-Bahnlinie S1 der S-Bahn Nürnberg in den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg integriert.
[Bearbeiten] Zugverkehr
Hier fahren Intercity-Express-Züge der Linie München–Nürnberg–Leipzig–Berlin(–Hamburg) im Stundentakt. Zum Einsatz kommen ICE T (Baureihe 411).
Im Nahverkehr wird die Strecke stündlich von mehreren Regional-Express- und S-Bahn-Linien bedient. Konkret sind dies:
- RE Nürnberg–Bamberg–Schweinfurt–Würzburg
- RE Nürnberg–Bamberg–Lichtenfels–Sonneberg (Thüringen)
- S1 Hartmannshof-Nürnberg-Fürth-Erlangen-Bamberg
Die beiden Regional-Express-Linien verkehren im Zweistundentakt, durch Überlagerung ergibt sich ein Stundentakt. Die S-Bahn bietet einen Stundentakt von Nürnberg bis Bamberg und einen 20/40-Minuten-Takt von/bis Forchheim. Alle Regionalbahnleistungen von DB Regio wurden von dieser Strecke abgezogen und durch die S-Bahn ersetzt. Es verkehren aber seit Mitte 2011 einzelne Regionalbahnen von agilis auf dem Abschnitt von Bamberg nach Forchheim zur Weiterfahrt nach Ebermannstadt. Seit Einführung der S-Bahn erfolgen keine RE-Halte mehr in Baiersdorf.
Auf den beiden erstgenannten Linien verkehren von der Baureihe 146.2 bespannte Doppelstockzüge. Sowohl die Lokomotiven als auch die Wagen sind fabrikneue Fahrzeuge und erst seit Dezember 2005 im fahrplanmäßigen Einsatz. Sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, die insbesondere auf dem Abschnitt Erlangen–Bamberg voll ausgefahren werden kann.
Bis zur endgültigen Lieferung der neuen Züge (Baureihe 442) für die S-Bahn Nürnberg werden die Leistungen mit den bisher auf der S1 verwendeten Loks der Baureihe 143 bespannt mit x-Wagen erbracht. Agilis setzt für seine Verbindungen die Baureihe 650 ein. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011 sollte es auf der Stecke nach erfolgter Ausschreibung durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft zu einem Wechsel im Zugangebot bei den Regionalexpresslinien kommen. Es war vorgesehen stündlich einen RE nach Sonneberg Hbf verkehren zu lassen. Dieser aus der Baureihe 442 bestehende Verbund sollte abwechselnd in Bamberg oder Lichtenfels geflügelt bzw. wieder zusammengeführt werden. Die nicht nach Sonneberg verkehrenden Zugteile sollten jeweils im Zweistundentakt Würzburg Hbf und Jena Saalbahnhof erreichen bzw. in umgekehrter Richtung, nach der erfolgten Zugvereinigung, von dort nach Nürnberg zurückfahren. Da die Baureihe 442 noch nicht voll zugelassen und geliefert ist, erfolgt der Zugverkehr bis auf Weiteres nach dem alten Schema. [2] [3] [4]
[Bearbeiten] Zukunft
[Bearbeiten] Viergleisiger Ausbau Nürnberg–Fürth
Mit dem ersten Spatenstich am 10. August 2006 an der Eisenbahnüberführung Rothenburger Straße begann der viergleisige Ausbau des Streckenabschnitts zwischen Nürnberg und Fürth.[5]
Dieses 162 Millionen Euro[6] teure Projekt soll im Zusammenhang mit der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt sowie der S-Bahn Nürnberg–Forchheim realisiert werden.
Zwischen Nürnberg und Fürth wurde eine Bahndammverbreiterung von 1,75 km Länge errichtet, die ab März 2008 zwei zusätzliche Gleise südlich der bestehenden Strecke aufnahm. Im Rahmen des viergleisigen Ausbaus werden insgesamt 22,3 km Gleise sowie acht Brücken neu- oder umgebaut.
Am Hauptbahnhof Fürth und am Haltepunkt Nürnberg-Steinbühl entstand ein neuer Bahnsteig, die Station Nürnberg Rothenburger Str. wird S-Bahn-gerecht umgebaut. Anpassungen erfolgen ebenfalls am Westkopf des Hauptbahnhofes Nürnberg sowie am Ostkopf des Güterbahnhofs Fürth.[5]
Im Zuge des Ausbaus wird im Bahnhof Fürth ein elektronisches Stellwerk errichtet. Dessen erster Bauabschnitt ging am 14. September 2009 in Betrieb.[7] Seit Dezember 2011 wird von dort der Bahnhof Fürth teilweise und der Streckenabschnitt zwischen Nürnberg und Fürth komplett mit insgesamt 87 Hauptsignalen und 94 Achszählern gesteuert.[8] Seit dem 18. Dezember 2010 steht zwischen Nürnberg und Fürth ein Gleis für die S-Bahn zur Verfügung.[9] Seit Dezember 2011 werden alle vier Gleise dafür genutzt. Am Fürther Hauptbahnhof ist der S-Bahn-Bahnsteig ebenfalls fertiggestellt. Der S-Bahn-Halt Nürnberg-Steinbühl ist noch nicht betriebsfähig. Noch Anfang 2008 war geplant, den viergleisigen Ausbau Ende 2010 abzuschließen. [10]
[Bearbeiten] S-Bahn-Ausbau Nürnberg–Forchheim
Im Zuge des Verkehrsprojektes soll die Gesamtstrecke von Nürnberg nach Bamberg viergleisig ausgebaut werden.
Die Bauarbeiten am Fürther Bogen nahe dem Hauptbahnhof Fürth begannen 2008.[11] Zwischen Fürth Hbf und der Brücke über die Regnitz in Fürth ist die Strecke in Bau. Hier werden zwei neue Gleise für die S-Bahn verlegt. Dafür musste die Siebenbogenbrücke in Fürth verbreitert und die bisherigen Gleise in ihrer Lage nach Westen versetzt werden. Dies ist bis Ende 2010 bereits fertiggestellt worden. Der Bau der S-Bahn Gleise in diesem Bereich wird im Jahr 2011 erfolgen. Nach Fertigstellung wird der Haltepunkt Fürth-Unterfarrnbach in Fürth-Klinikum umbenannt. Nördlich dieses Ausbaubereiches bis zur Stadtgrenze Erlangen sind noch keine weiteren Arbeiten erfolgt.
Die Streckenführung hier ist umstritten und noch nicht planfestgestellt. Nach Angaben des Bayerischen Verkehrsministeriums von Dezember 2010 erreiche die geplante S-Bahn-Trassenführung (sogenannter Fürther Verschwenk) über Schmalau einen Nutzen-Kosten-Faktor von 1,18. Die beiden von der Stadt Fürth favorisierten Trassen entlang der Bestandstrasse seien dagegen volkswirtschaftlich nicht rentabel und damit nicht förderfähig.[12]
Die Strecke ist im Stadtgebiet von Erlangen und bis nördlich von Baiersdorf planfestgestellt.[13] Die Arbeiten in diesem Bereich begannen 2011.[14] Im Stadtgebiet von Bamberg sollen die Bauarbeiten frühestens im Jahr 2017 beginnen. Ein im Jahr 1994 begonnenes Planfeststellungsverfahren soll hierzu 2011 wieder aufgenommen werden.[15]
Die Entwurfsgeschwindigkeit der S-Bahn liegt bei 140 km/h.[16]
[Bearbeiten] Ausbaustrecke Nürnberg–Ebensfeld
Die Strecke soll zwischen Nürnberg und Ebensfeld für Geschwindigkeiten von bis zu 230 km/h ausgebaut werden, um die Fahrzeit von München nach Berlin, die mit der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München schon erheblich gesenkt wurde, noch weiter zu verringern. Zur Entlastung des Knotens Fürth, in dem der Güterverkehr der Relation Nürnberg Rbf – Fürth – Bamberg die durchgehenden Personenzugverbindungen Nürnberg Hbf – Bamberg bzw. Würzburg kreuzt, ist für 20 Millionen Euro die Modernisierung und Elektrifizierung der Verbindung Rangierbahnhof–Hauptgüterbahnhof vorgesehen.[6] Des Weiteren soll bis 2021 eine ca. 13 Kilometer lange Güterumgehungsstrecke in Tunnellage unterhalb des Nürnberger und Fürther Stadtgebiets realisiert werden.[6][17]
Im Rahmen einer Sperrung des Streckenabschnitts Bamberg–Forchheim vom 1. August bis 14. September 2009 wurden u. a. die Bahnhöfe von Buttenheim und Strullendorf für die S-Bahn umgebaut und die neuen Gleise zwischen Nürnberg und Fürth angebunden.
[Bearbeiten] Weblinks
- Bilder der Tunnelportale (privat)
- Bilder der Strecke auf bahnfoto.net (privat)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Heinz Dürr, Knut Reimers (Hrsg.): Hochgeschwindigkeitsverkehr. 1. Auflage. Hestra-Verlag, 1991, ISBN 3-7771-0234-2 (Jahrbuch des Eisenbahnwesens, Band 42), S. 39.
- ↑ DB Regio Nordostbayern: [1].
- ↑ Pressemitteilung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft .
- ↑ [2] Artikel aus der Nürnberger Zeitung vom 13. Oktober 2011.
- ↑ a b Deutsche Bahn AG, Kommunikation / DB ProjektBau GmbH, Großprojekt VDE 8 (Hrsg.): Ausbaustrecke Nürnberg–Ebensfeld. Abschnitt Nürnberg–Fürth. Nürnberg, September 2007, ohne ISBN.
- ↑ a b c DB-Konzern (Hrsg.): Bahn-Schwerpunkt Nürnberg: DB investiert rund eine Milliarde Euro in neue Gleise und Anlagen. Pressemitteilung vom 1. Februar 2008.
- ↑ Fürther Nachrichten: Kleines Häuschen, große Wirkung. Artikel vom 15. September 2009.
- ↑ Siemens Mobility: Auftrag von der Deutschen Bahn für das innovative elektronische Stellwerk Simis D von Siemens. Presseinformation vom 18. Dezember 2008.
- ↑ S-Bahn: Die Lücke ist geschlossen. In: Nürnberger Nachrichten, 20. Dezember 2010.
- ↑ Deutsche Bahn AG: Viergleisiger Ausbau Nürnberg-Fürth. Presseinformation vom 23. Januar 2008.
- ↑ Deutsche Bahn AG: „Baubeginn für neue S-Bahn von Nürnberg nach Forchheim im ‚Fürther Bogen‘“. Presseinformation vom 18. September 2008
- ↑ Bayerisches Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie (Hrsg.): Hessel: „S-Bahn-Verschwenk über Schmalau ohne Alternative“. Presseinformation Nr. 660/10 vom 16. Dezember 2010.
- ↑ ICE- und S-Bahnstrecke - Unterlagen. Stadt Erlangen, Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung, abgerufen am 21. Dezember 2011.
- ↑ DB Mobility Logistics AG: Neuer Bauabschnitt im Großprojekt Nürnberg-Berlin (VDE8) beginnt. Presseinformation. Abgerufen am 21. Dezember 2011.
- ↑ Fränkischer Tag: Eine vier Meter hohe Lärmwand teilt Bamberg. Zeitungsartikel. Abgerufen am 21. Dezember 2011.
- ↑ DB ProjektBau GmbH (Hrsg.): Infrastrukturprojekte 2010. Bauen bei der Deutschen Bahn. Eurailpress-Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-7771-0414-0, S. 36 f.
- ↑ Güterzugtunnel im Bahnknoten Nürnberg/Fürth Flyer auf der Website des Projekts VDE Nr. 8.1 Neu- und Ausbaustrecke Nürnberg–Erfurt (pdf)