Feuerwerk am helllichten Tage

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Filmdaten
Deutscher Titel Feuerwerk am helllichten Tage
Originaltitel Bai Ri Yan Huo
Produktionsland China
Originalsprache Hochchinesisch
Erscheinungsjahr 2014
Länge 106 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Diao Yinan
Drehbuch Diao Yinan
Produktion Qu Vivian, Wan Juan
Musik Wen Zi
Kamera Dong Jingsong
Schnitt Yang Hongyu
Besetzung

Feuerwerk am helllichten Tage (Originaltitel: Bai Ri Yan Huo, chinesisch 白日焰火Pinyin Bairi yanhuo, „Feuerwerk bei Tageslicht“, englischer Titel Black Coal, Thin Ice) ist ein chinesischer Thriller aus dem Jahr 2014. Es ist der dritte Spielfilm von Regisseur Diao Yinan. Der Film gewann den Goldenen Bären der 64. Internationalen Filmfestspiele von Berlin und startete am 24. Juli 2014 in den deutschen Kinos.

Handlung[Bearbeiten]

In einer Kleinstadt im Norden Chinas werden im Sommer 1999 in mehreren Kohleanlagen Leichenteile entdeckt. Bei dem Versuch, einen Verdächtigen festzunehmen, sterben zwei Polizisten, ein weiterer namens Zhang Zili wird verletzt. Nach seiner Suspendierung tritt er einen Job als Sicherheitsfachkraft an. Sein Leben ist aus den Fugen geraten, er beginnt zu trinken.

Einige Jahre später werden im tiefsten Winter erneut Leichenteile mehrerer Opfer in gleicher Weise gefunden. Nachdem Zhang einen früheren Kollegen trifft, beginnt er, den mysteriösen Vorgängen auf eigene Faust auf den Grund zu gehen. Er findet heraus, dass eine junge Frau namens Wu Zhizhen mit mehreren der Opfer liiert war. Zhang gibt sich an ihrer Arbeitsstelle, einem Reinigungsdienst, als einfacher Kunde aus und beginnt, sie zu beobachten. Er macht ihr Avancen, und sie verabreden sich zum Schlittschuhlaufen, weil die Polizei herausgefunden hat, dass die Opfer mit einem Schlittschuh getötet bzw. zerstückelt wurden.

Als sein Kollege dem vermeintlichen Mörder auf die Spur kommt, wird er bei dem Versuch, ihn festzunehmen, von diesem mit einem Schlittschuh getötet. Zhang trifft sich weiterhin mit Wu Zhizhen, auf die sich die Ermittlungen in den Mordfällen konzentrieren. Es kommt heraus, dass der vermeintliche Mörder ihr Ex-Mann ist, der angeblich bei dem ersten Mordfall getötet wurde. Auf Bitten der Polizei stellt sie ihm eine Falle. Als er versucht, zu entkommen, wird er von den Polizisten getötet.

Durch Ungereimtheiten in Wu Zhizhens Aussagen gegenüber der Polizei bekommt Zhang Zweifel an ihrer Darstellung, dass ihr Ehemann für alle Morde allein verantwortlich gewesen sei. Es kommt heraus, dass das erste Mordopfer ein Kunde der Reinigung war, in der Wu arbeitet. Da dessen wertvoller Mantel (vermeintlich) verschwunden war, hatte der Kunde, Besitzer des Nachtlokals „Feuerwerk am hellichten Tage“, eine hohe Entschädigung verlangt, die Wu nicht aufbringen konnte. Daraufhin missbrauchte er sie sexuell, weshalb sie ihn mit Hilfe ihre Ehemannes umbrachte. Um den Mord zu vertuschen, wurden Beweise deponiert, um den Ehemann als Opfer auszugeben. Dieser lebte seither als U-Boot im Verborgenen, nur nachts von seiner Ehefrau besucht. Er tötete jene Männer, mit denen Wu Affären begann und warf die Leichenteile in vorbeifahrende Güterzüge. Wu wird verhaftet und zeigt der Polizei den Tatort des ersten Mordes. Auf dem Nachbarhaus brennt jemand ein Feuerwerk ab und beschießt die Polizei mit Feuerwerkskörpern, während Wu im Polizeiwagen weggefahren wird.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film wurde 2014 auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Der Hauptdarsteller Liao Fan erhielt für seine Darstellung einen Silbernen Bären der Jury.

Rezeption[Bearbeiten]

Der Film erhielt überwiegend positive Kritiken. Die schauspielerische Leistung von Liao Fan und die Darstellung des chinesischen Systems innerhalb des Filmes wurden gelobt.[1]

„Zum Interessantesten dieses wunderbaren Films gehört die Darstellung der Staatsmacht. In ihren winzigen Autos sich beratend, misstrauisch beäugt von den Arbeitern, traktiert von Kriminellen und erschöpft ihren Feierabend begießend, erscheint sie für chinesische Verhältnisse sensationell verwundbar. Der Staat, verkörpert von diesem desolaten Ermittler, hat die Kontrolle verloren – über die Liebe, den Sinn des Lebens, den Alltag. Für alles hatte er seine Deutungen und Reglements. Jetzt wird er sogar am hellichten Tag von einem Feuerwerk drangsaliert.“

Harald Jähner: Frankfurter Rundschau[2]

Auch die Kritik-Seite Filmstarts konnte dem Film viel Gutes abgewinnen.

Feuerwerk am hellichten Tage hat alles, was ein waschechter Neo-Noir-Thriller benötigt: Der von Fan Liao („Full Circle“) hervorragend gespielte Zhang ist ein typischer abgehalfterter Ermittler, ein ungehobelter Antiheld, der säuft und seinen Job verloren hat. Die von der Taiwanerin Lun-mei Gwei („The Stool Pigeon“) verkörperte Wu ist zudem eine Femme Fatale, die schön und geheimnisvoll ist, im Vergleich zu amerikanischen Vorbildern allerdings wesentlich fragiler wirkt. Dass der Schauplatz der Handlung nicht die etwas die Großstadt Shanghai (in der z. B. Orson Welles‘ Noir-Klassiker „Die Lady von Shanghai“ spielt) ist, sondern ein heruntergekommenes Provinznest ist, das nicht vom mondänen Leben der chinesischen Oberschicht geprägt ist, sondern von einfachen Leben der Arbeiterklasse, verhaftet Diaos Film zusätzlich im gegenwärtigen China.“

Gregor Torinus: Filmstarts[3]

The Guardian lobte die geheimnisvolle Art der Handlungsstränge.

„The film is littered with suggestions that it’s withholding information, from the jarring way the plot moves – gradually and slowly, then quick and jolting – to the stubbornly secretive manner with which Diao stages some of his most important sequences. The final reel is visually interesting in ways nobody could anticipate; it is also smugly perplexing, as if the filmmaker took joy from the knowledge virtually nobody would understand it.“

Englisches Original: The Guardian

„Der Film ist übersät von Andeutungen, die darauf hinweisen, dass er noch Informationen vorenthält, von der schrillen Art wie sich die Handlung abspielt - schrittweise und langsam, dann schnell und aufrüttelnd - bis zu der hartnäckigen, geheimnisvollen Art mit welcher Diao einige seiner wichtigsten Szenen inszeniert. Der letztendliche Film ist optisch so interessant wie es keiner geahnt hätte, er ist eingebildet verwirrend, als ob es dem Regisseur spaß gemacht hätte zu wissen, dass nahezu niemand den Film verstehen wird.“

Luke Buckmaster: The Guardian[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kritiken von Filmstarts: http://www.filmstarts.de/kritiken/226441/kritik.html
  2. fr-Online Kritik von Harald Jähner: http://www.fr-online.de/film/-feuerwerk-am-hellichten-tage--sensationell-verwundbar,1473350,27925264.html
  3. Gregor Torinus über den Film:http://www.filmstarts.de/kritiken/226441/kritik.html
  4. Luke Buckmasters' Kritik