Baiersdorf

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Baiersdorf (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Baiersdorf
Baiersdorf
Deutschlandkarte, Position der Stadt Baiersdorf hervorgehoben
49.65638888888911.032777777778275Koordinaten: 49° 39′ N, 11° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Erlangen-Höchstadt
Höhe: 275 m ü. NHN
Fläche: 11,79 km²
Einwohner: 7404 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 628 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91083
Vorwahl: 09133
Kfz-Kennzeichen: ERH
Gemeindeschlüssel: 09 5 72 115
Stadtgliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Waaggasse 2
91083 Baiersdorf
Webpräsenz: www.baiersdorf.de
Bürgermeister: Andreas Galster (CSU)
Lage der Stadt Baiersdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt
Birkach (gemeindefreies Gebiet) Neunhofer Forst Mark (gemeindefreies Gebiet) Kraftshofer Forst Kalchreuther Forst Geschaidt Forst Tennenlohe Erlenstegener Forst Buckenhofer Forst Nürnberg Nürnberg Landkreis Nürnberger Land Fürth Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Landkreis Fürth Erlangen Landkreis Ansbach Landkreis Bamberg Landkreis Bamberg Landkreis Forchheim Buckenhof Aurachtal Eckental Heroldsberg Kalchreuth Lonnerstadt Möhrendorf Mühlhausen (Mittelfranken) Oberreichenbach (Mittelfranken) Spardorf Uttenreuth Vestenbergsgreuth Weisendorf Wachenroth Röttenbach (bei Erlangen) Marloffstein Höchstadt an der Aisch Heßdorf Herzogenaurach Hemhofen Großenseebach Gremsdorf Bubenreuth Baiersdorf Adelsdorf Dormitzer ForstKarte
Über dieses Bild
Ortszentrum

Baiersdorf ist eine Stadt im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt Baiersdorf liegt auf der zu großen Teilen hochwasserfreien Terrasse der 500 Meter entfernten Regnitz, acht Kilometer nördlich von Erlangen und acht Kilometer südlich von Forchheim, auf halbem Wege zwischen Nürnberg und Bamberg.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Baiersdorf besteht aus insgesamt fünf Stadtteilen:[2]

Das neue Baugebiet In der Hut ist fertiggestellt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Forchheim, Poxdorf, Langensendelbach, Bubenreuth, Möhrendorf, Röttenbach und Hausen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Baiersdorf wurde 1062 erstmals urkundlich erwähnt und besitzt seit über 650 Jahren die Stadtrechte. Das ehemalige Obervogtamt des 1792 preußisch gewordenen Fürstentums Bayreuth lag ab 1500 im Fränkischen Reichskreis. Es fiel im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und kam 1810 zum Königreich Bayern.

Baiersdorf hat einen großen Anteil am europäischen Meerrettich-Anbau; es gibt dort zwei weitbekannte Firmen, die Meerrettich-Produkte herstellen und vertreiben. Markgraf Johann der Alchemist (1401–1464) ließ zum ersten Mal in Baiersdorf Meerrettich pflanzen als Beginn des Anbaus in Mittel- und Oberfranken. Das Spezialunternehmen Schamel wurde 1846 in Baiersdorf gegründet und ist der älteste Meerrettichbetrieb der Welt. Auch die Wurzeln des Unternehmens KOCHs im Meerrettichhandel reichen über hundert Jahre zurück, bis heute ist es in Baiersdorf ansässig.

Der Ortsteil Hagenau gehörte bis zur Gemeindegebietsreform 1978 zur Nachbargemeinde Poxdorf. Die Siedlung entstand 1939. Zunächst wurde ein Luftwaffenlager eingerichtet, dann eine Barackensiedlung gebaut, in der französische Kriegsgefangene, nach 1945 dann Vertriebene aus dem Sudetenland einquartiert wurden. Ab 1946 wurde dann die Siedlung Hagenau gebaut. Vom 1. bis 3. September 2006 fand die 60-Jahr-Feier statt.

Am Abend des 21. Juli 2007 wurde Baiersdorf nach ungewöhnlich starken Regenfällen überschwemmt, rund tausend Häuser standen unter Wasser, die Bundesautobahn 73 musste für den Verkehr gesperrt werden. Der Schaden wurde auf etwa 100 Millionen Euro[3] geschätzt.

Chronologie
Jahr Baiersdorf mit den Stadtteilen Wellerstadt, Igelsdorf und Hagenau
1007 Erste urkundliche Erwähnung Wellerstadts in der Schenkungsurkunde von König Heinrich II.
1062 Erste urkundliche Erwähnung von Baiersdorf in der Schenkungsurkunde von König Heinrich IV.
1133 Erstmalige Erwähnung der Baiersdorfer Sankt-Nikolaus-Kirche
1158 Nürnberger Burggrafen erhalten das Schirm- und Schutzrecht über Baiersdorf
1348 Erste urkundliche Erwähnung von Igelsdorf im Bamberger Urbar (Güterverzeichnis der Bischöfe)
1353 König Karl IV erlässt das Recht, Baiersdorf zu einer Stadt auszubauen
1368 Erstmalige Erwähnung einer „Veste Bayersdorf“, welche später auch Scharfeneck genannt wird
1473 Erste Nennung einer jüdischen Gemeinde in Baiersdorf
1474 Großer Stadtbrand. Von der Kirche blieb nur der Turm und das Sakrament übrig.
1525 Thomas Beck - ehemaliger Mönch - wird als erster evangelischer Geistlicher vom Stadtrat eingesetzt.
1528 Baiersdorf wird evangelisch und 1558 Sitz des Dekanats.
1602 Die Pest tritt auf - durch einen Bettler eingeschleppt.
1611 Baiersdorf wird Sitz des Oberrabbinats.
1632 Fünfte Zerstörung von Baiersdorf mit dem neu gebauten Schloss durch die Bamberger.
1698 Baiersdorf wird zum Oberamt erhoben.
1711 Bau einer Synagoge in der Judengasse
1774 Weihe der Kapelle am Johannisfriedhof
1791 Baiersdorf wird preußisch.
1810 Anschluss an das Königreich Bayern. Außerdem werden Ämter nach Erlangen abgezogen.
1812 Das Justizamt und damit die letzte überörtliche Verwaltungsbehörde wird abgezogen.
1814 Baiersdorf verliert den Sitz des Dekanats.
1819 Baiersdorf verliert den Sitz des Oberrabbinats.
1892 Abbruch der Ruine Scharfeneck.
1905 Einweihung des Kindergartens in der Seligmannstraße.
1911 Errichtung der Jahnturnhalle.
1925 Bau der ersten katholischen Kirche Sankt Josef seit der Reformation.
1938 Zerstörung der Synagoge in der Pogromnacht.
1946 Hagenau wird durch die eintreffenden Heimatvertriebenen gegründet.
1965 Bau der zweiten katholischen Kirche.
1969 Bau der Industriestraße zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben.
1972 Die ersten Wohnhäuser entstehen im neuen Baugebiet „In der Point“.
1983 Einweihung der neuen Hauptschule und der dazugehörigen Mehrzweckhalle. Im Stadtteil Hagenau wird das Pfarrzentrum Sankt Marien eingeweiht.
1998 Beginn der Ausweisung des Baugebietes „In der Hut“ (heute ca. 1.000 Einwohner).
2007 In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli wird Baiersdorf von einer riesigen Flut heimgesucht. Es entstehen im gesamten Stadtgebiet enorme Schäden in Millionenhöhe.
2008 Einweihung der neu errichteten Stadtsporthalle
2010 In Baiersdorf leben 7800 Menschen. Es sind 2000 Personen in Baiersdorf beschäftigt und rund 600 Unternehmen und Gewerbetreibende in Baiersdorf ansässig.
2011 Fertigstellung der Sanierungsmaßnahmen nach der Flutkatastrophe.
2012 Baiersdorf feiert „950 Jahre Baiersdorf – Erste urkundliche Erwähnung“.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. April 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wellerstadt eingegliedert.[4] Ebenso wurden der Ort Igelsdorf der Nachbargemeinde Langensendelbach (Landkreis Forchheim) mit damals mehr als 600 Einwohnern und der Ort Hagenau der Gemeinde Poxdorf (ebenfalls Landkreis Forchheim) mit etwa 600 Einwohnern aufgenommen.[5]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat hat 21 Mitglieder einschließlich des Bürgermeisters.

  • CSU: 7 Sitze + Bürgermeister
  • SPD: 5 Sitze
  • FW: 04 Sitze
  • ÖWG: 3 Sitze
  • FDP: 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: Gespalten; vorne geviert von Silber und Schwarz; hinten auf grünem Boden stehend ein grün gekleideter Geleitsmann mit schwarzem Gürtel, Hut und schwarzen Stiefeln, der in ein goldenes Horn bläst und in der Linken einen goldenen Spieß hält.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Mit der Marktgemeinde Ulrichsberg in Oberösterreich besteht seit 1974 eine Städtepartnerschaft. Seit 2000 ist auch die Stadt Pacé in Frankreich Partnerstadt, nach der der Park nahe der Point benannt wurde. Die Partnerschaft mit der Gemeinde Brenna in Polen wurde im Juli 2007 zur Tausendjahrfeier von Wellerstadt besiegelt.

Gewerbe[Bearbeiten]

Aufgrund der günstigen Lage an der Bundesautobahn 73 und der Bahn hat Baiersdorf eine gute Verkehrsanbindung, die ein bedeutender Standortfaktor für Industrie und Handel ist.

Zwei Industriegebiete, der rund 15.000 Quadratmeter große Gewerbehof Heinlein im Süden der Stadt und der im Nordosten gelegene Gewerbepark bilden das Rückgrat des Baiersdorfer Gewerbes. Dort stellt das 1846 gegründete traditionsreiche Unternehmen Schamel Meerrettichprodukte her. Daneben haben sich moderne Handelsunternehmen unterschiedlicher Branchen angesiedelt. 1991 ließ sich die Brodos AG im Gewerbehof Heinlein nieder. Mit rund 200 Vollzeitbeschäftigten ist der Mobiltelefongroßhandel und IT-Dienstleister größter Arbeitgeber am Ort. Deutschlandweit gehört Brodos zu den drei größten Distributoren von Telekommunikationsartikeln und erzielt einen Umsatz von über 200 Millionen Euro.

Einzelhandelsunternehmen und Gastronomiebetriebe sichern die Nahversorgung der Baiersdorfer Bevölkerung, wenn auch nicht in allen Ortsteilen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Baiersdorf

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die Baiersdorfer Kirchweih am Johanniswochenende im Juni und die Wellerstädter Kirchweih (Kerwa) am zweiten Augustwochenende haben eine lange Tradition.

Am Faschingssonntag ziehen die sogenannten Fasalecken durch Baiersdorf. Dies ist ein alter Brauch des Winteraustreibens, der aber nichts mit Fasching/Fastnacht zu tun hat.

Seit dem Jahr 2006 findet jeweils am dritten Sonntag im September in der Stadtmitte der Baiersdorfer Krenmarkt mit bis zu 10.000 Besuchern statt. Alle zwei Jahre wird in Baiersdorf die bayerische Meerrettichkönigin in ihr Amt eingeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Heinrich Arnold Stockfleth (1643–1708), lutherischer Theologe und Dichter, Pfarrer in Baiersdorf
  • Johann Lorenz Buchner (1775–1852), Gründer des Schulbuchverlages C. C. Buchner (Bayreuth, seit 1850 in Bamberg), geboren in Baiersdorf
  • Hirsch Aub (1796–1875), Rabbiner in München, geboren in Baiersdorf
  • Joseph Aub (1804–1880), Rabbiner in Bayreuth, Mainz und Berlin; geboren in Baiersdorf
  • Joseph Seligman (1819–1880), amerikanischer Bankier, in Baiersdorf geboren
  • Carl Neudel (1842–1897), Komponist und Königlich bayerischer Kapellmeister (Bayerisches Infanterie-Regiment Nr. 3, Augsburg 1872–1897)
  • Gottfried Merzbacher (1843–1926), Geograph, Alpinist und Forschungsreisender, in Baiersdorf geboren, die Merzbacherstraße erinnert an ihn
  • Siegfried Lichtenstaedter (1865–1942), Verwaltungsjurist und Publizist zu Fragen des Judentums
  • Paul Gossen (1872–1942), deutscher Unternehmer, Gründer der Paul Gossen Co. K.-G. 1919 in Baiersdorf, später nach Erlangen verlegt
  • Thomas Stöhr (*1976), Geigenbaumeister spezialisiert auf Cellobau, fertigt hochwertige Celli in Handarbeit für nationale und internationale Orchester und Solisten. Gewann 2004 und 2012 den Deutschen Musikinstrumentenpreis in der Kategorie Cello.

Verkehr[Bearbeiten]

Baiersdorf liegt an der Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg. Hier halten Züge der S-Bahn Nürnberg (Linie S1 Bamberg–Hartmannshof). Am 4. Mai 2014 wurde der S-Bahn-Triebwagen 442 222 am Bahnhof Baiersdorf auf den Namen der Stadt Baiersdorf getauft.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111027/165024&attr=OBJ&val=1380
  3. 100-Millionen-Euro Schaden in einem Dorf. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 24. Juli 2007, abgerufen am 12. Dezember 2010.
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 458.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 684 und 685.
  6. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 118
  7. http://www.nordbayern.de/region/erlangen/zwei-stolpersteine-erinnern-an-zwei-ausgeloschte-leben-1.663594
  8. Zugtaufe in Baiersdorf bei nahverkehr-franken.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Baiersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien