Bachelor

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Der Bachelor ([ˈbætʃə.lɚ] oder [ˈbætʃlɚ], auch Bakkalaureus oder Baccalaureus [m.] bzw. Bakkalaurea oder Baccalaurea [f.]) ist entweder ein akademischer Grad und hierbei üblicherweise der erste eines gestuften Studiums an einer Hochschule oder eine staatliche Abschlussbezeichnung. In den meisten Fällen hat das Studium zum Bachelor eine Regelstudienzeit von drei bis vier Jahren.

In vielen Ländern und Universitäten gibt es sehr unterschiedliche Bachelor-Varianten. Beispielsweise werden in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich oder in Kanada ein dreijähriger Bachelor (auch Basic oder Minors genannt), ein vierjähriger Bachelor (auch Majors genannt) sowie ein hono(u)rs Bachelor (auch Bachelor (Honours) genannt) angeboten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Bachelor leitet sich von dem neulateinischen Kunstwort baccalaureus ab (zusammengezogen aus bacalis, -is, „beerenreich“[1] und laurus, i, f. „Lorbeer“,[2] übersetzbar als „einer, der mit beerenreichem Lorbeer bekränzt ist“, was seit der Antike eine besondere Ehrung war, s. poeta laureatus), mit dem im Mittelalter der Inhaber des untersten akademischen Grades bezeichnet wurde.[3] Daneben wird an den Hochschulen im deutschen Sprachraum vereinzelt auch Bakkalaureus als Alternativbezeichnung verwendet. Baccalaureus darf nicht mit dem Wort baccalaureatus verwechselt werden (hergeleitet von baculum, „vergoldet“ und aureatus, „Stab“ bzw. „Augurenstab“ übersetzbar als „vergoldetes Zepter“), das in einigen Ländern den ein- bis zweijährigen postgradualen akademischen Grad Bachelor with Honours (Baccalaureatus Cum Honore) bezeichnet.

In der Ausgabe Wahrig, Grosses deutsches Wörterbuch von 1967 ist zu finden:

Bak-ka|lau-re'at <n. 11> unterster akadem. Grad (in England, Frankreich u. den USA) [zu Bakkalaureus] ~ 'lau-re-us <m.; Gen. ~; Pl. -rei [re:i]> Inhaber des Bakkalaureats [ < mlat. baccalarius „Ritter, der einem anderen untergeordnet ist, Knappe“, dann „Inhaber der dem Doktorgrad untergeordneten akadem. Würde“; beeinflußt von lat. laurea „Lorbeer“][4]

Bakkalaureus lässt sich aus der im Mittelalter gebräuchlichen Bezeichnung Baccalaria herleiten, die im späten Mittelalter ein „kleines Lehngrundstück“ bezeichnete.[5]

Daher war die ursprüngliche Schreibweise auch baccalarius, hatte also mit lat. aureus „golden“ oder laureus „Lorbeer“ nichts zu tun.[6] Das Wort bezeichnete zunächst einen jungen Geistlichen, der Anwärter werden wollte. Erst später wurde dann der erste akademische Grad darunter verstanden, da der Baccalarius nicht ohne Aufsicht des Magisters lehren durfte. Die Abkürzung lautete allgemein bacc. art.[7] Später wurde baccalarius dann zu baccalaureus verballhornt.

Im Folgenden wurde ein junger Vasall ohne Lehen, ein Edelknecht oder auch ein niederer Kleriker darunter verstanden. Das französische bachelier leitet sich möglicherweise ab von bas chevalier „niederer Ritter“. Im Angelsächsischen spricht man vom bachelor, im deutschen vom Bakkalaureus. Der Bakkalaureus ist seit dem 13. Jahrhundert der erste zu erwerbende akademische Grad, der zuerst an der Pariser Sorbonne verliehen wurde. Die Form Bakkalaureus aus Baccalar und lateinisch laureus („Lorbeer“) ist eine falsche Wortschöpfung aus späterer Zeit, die sich jedoch durchgesetzt hat. Dies gilt beispielsweise für das französische baccalauréat (Abitur bzw. Matura).

Der Baccalarius der mittelalterlichen Universität hatte ursprünglich diesen Grad nach Abschluss des Triviums (Grammatik, Dialektik, Rhetorik) der Artistenfakultät erworben (baccalarius artium). Danach wurde der Absolvent gleichzeitig Hilfslehrer, nachdem der ins Quadrivium übergewechselt war. Später hat der Baccalarius die Fakultät der Artisten mit dem Grad des magister artium abgeschlossen und konnte in eine höhere Fakultät als magister non regens eintreten oder als magister regens an der Artistenfakultät selbst lehren.[8]

Im deutschen Sprachraum verschwand der akademische Grad des (zu diesem Zeitpunkt längst so genannten) Bakkalaureus um 1820, da die Matura bzw. das sogenannte Abitur nun dessen Zweck erfüllte. Es gab um 1930 noch an einigen Universitäten den baccalaureus juris (bacc. jur.) als Vorstufe für den Doktorgrad.[9]

Die Gestalt eines Bakkalaureus erscheint auch in der Literatur, so in Johann Wolfgang von Goethes Faust II (Vers 6689 ff.). Der Bakkalaureus ist offensichtlich identisch mit dem Schüler aus Faust I (Vers 1868 ff.); er hat nun sein Examen gemacht und tritt Mephistopheles abermals gegenüber. Er symbolisiert einerseits die Originalgenies des Sturm und Drangs, andererseits die in Burschenschaft und Wartburgfest hervorgetretene Studentenbewegung nach den Befreiungskriegen, in der Goethe in mancher Hinsicht eine Wiederholung des Sturm und Drangs erblickte. Goethe sieht die jungen Studenten mit einer Mischung aus Sympathie und Geringschätzung.

Bachelor-Abschluss in Europa[Bearbeiten]

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Aufbau, Umfang und Einordnung[Bearbeiten]

Grundkonzept[Bearbeiten]

Der Bachelor ist der erste akademische Grad und berufsqualifizierende Abschluss eines mehrstufigen Studienmodells. Die Regelstudienzeit beträgt grundsätzlich mindestens drei und höchstens vier Jahre.[10]

Nach dem European Credit Transfer System (ECTS) sind durchschnittlich 30 Leistungspunkte (LP, credit points) pro Semester zu erwerben. Bei einem Bachelor-Studium von sechs Semestern ergeben sich so 180 LP, bei sieben Semestern 210 LP und bei acht Semestern 240 LP. Es existieren auch Intensivstudiengänge, bei denen in sechs Semestern 210 LP vergeben werden, wie beispielsweise an einer Dualen Hochschule.

Ein Punkt entspricht einer Arbeitsbelastung des jeweiligen Studenten von 30 Stunden, mindestens jedoch 25 Stunden. Die deutsche Hochschulrektorenkonferenz (HRK) beschloss die Empfehlung, stets für 30 Stunden einen Leistungspunkt zu vergeben.[11] Bei 30 Stunden pro LP ergibt sich eine rechnerische Arbeitsbelastung von 40 Stunden in der Woche (bei sechs Wochen Urlaub im Jahr). Zu der Arbeitsbelastung zählt die gesamte Zeit, die vom Studenten für das Studium aufgewendet werden muss (also z. B. die Zeit für Vorlesungen, Seminare und Prüfungen sowie die Zeit für deren Vor- und Nachbereitung).

Die meisten Bachelor-Studiengänge beschränken sich auf ein einzelnes Fach. Einige Hochschulen bieten jedoch Bachelor-Studiengänge an, bei denen gleichzeitig mehrere Studienfächer belegt werden. So besteht häufig die Möglichkeit, ein so genanntes Zwei-Fach-Bachelor-Studium zu absolvieren. Sollten die Absolventen schon vor oder während des Bachelor-Studiums einen Master of Education für Gymnasien und Gesamtschulen bzw. Berufskollegs anstreben (ehemals Lehramt für die Sekundarstufe II), bildet diese Art des Bachelors die Grundvoraussetzung. Jedoch kann auch ein fachwissenschaftlich ausgerichteter Master in beiden Fächern angeschlossen werden.

Modulstruktur[Bearbeiten]

Die Lehrveranstaltungen in Bachelor-Studiengängen sind durch Module strukturiert. Ein Modul fasst eine oder mehrere Lehrveranstaltungen mit einem Lernziel zusammen und ist die Einheit, für die Leistungspunkte vergeben werden. Durch den Bachelor-Abschluss wird die Vereinheitlichung der Studienabschlüsse in Europa und damit eine bessere internationale Vergleichbarkeit angestrebt.

Die dafür im Rahmen des Bologna-Prozesses von den Ländern entwickelten detaillierten Vorgaben sollen (in Deutschland) insbesondere durch die Akkreditierung gewährleistet werden, die von speziellen Agenturen vorgenommen wird. Diese externe Prüfung der Studiengänge soll sowohl die formale Kompatibilität zum Bachelor-System als auch die Qualität der Lehre, des Lehrkörpers und der Studieninhalte sicherstellen. Bei den Akkreditierungsagenturen handelt es sich um Vereine, die wiederum vom zentralen Akkreditierungsrat akkreditiert werden. Die nicht in allen Bundesländern gesetzlich vorgeschriebene Akkreditierung läuft oft erst nach Einführung eines neuen Studiengangs an. Dies führt häufig zu der Kritik, dass die ersten Jahrgänge eines Bachelors Versuchskaninchen seien, da der Ausgang des Akkreditierungsverfahrens ungewiss ist.

Abschluss und mögliche Umorientierung[Bearbeiten]

Mit dem Bachelor erwirbt der Student einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss. Der Bachelor-Abschluss ist aber auch Qualifikationsnachweis für ein anschließendes Masterstudium. Durch ein Masterstudium kann entweder das Studienfach fortgeführt und vertieft bzw. im fachlichen Zusammenhang fachübergreifend erweitert werden („konsekutiv“) oder eine fachliche Umorientierung erfolgen mit dem Wechsel in einen Masterstudiengang, der nicht auf das bisherige Studium aufbaut („nicht-konsekutiv“).

Studium und Beruf[Bearbeiten]

Ziel der Einführung eines Bachelor-Abschlusses in Europa war neben der Vereinheitlichung innerhalb der EU und einer kürzeren Studiendauer auch ein stärkerer Praxisbezug des Studiums. Da in den Geistes- und Sozialwissenschaften die möglichen Berufsfelder oft nicht klar abgegrenzt werden können, werden in der Regel zwei oder drei Fächer studiert und um Inhalte aus dem Bereich General Studies ergänzt. In den natur-, ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern wird meist schon zu Beginn ein einzelnes Fach gewählt.

Baccalaureus- und Bachelor-Abschlüsse in Deutschland[Bearbeiten]

Abschlussbezeichnungen[Bearbeiten]

Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg war die erste deutsche universitäre Einrichtung, die in den 1990er Jahren im Rahmen der in den drei Studienrichtungen Betriebswirtschaftslehre, Ökonomie und Sozioökonomie identischen Diplomvorprüfungen jeweils einen akademischen Bakkalaureatsgrad verliehen hatte, lange bevor Bachelor- und Masterstudiengänge Einzug in die deutsche Hochschullandschaft hielten. Die Bezeichnung dieser wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen akademischen Erstausbildung lautete:

Baccalaureus/-a Oeconomiae (bac.oec.)
Absolventen der Wirtschaftswissenschaften und Sozialwissenschaften

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat in den Strukturvorgaben aus dem Jahr 2003[12] festgelegt, dass in Deutschland folgende Abschlussbezeichnungen zu verwenden sind:

Bachelor of Arts (B.A.)
Absolventen der Sozial-, Sprach-, Kultur-, Informations- und Wirtschaftswissenschaften
Bachelor of Science (B.Sc.)
Absolventen der MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, Natur- und Technik- bzw. Ingenieurwissenschaften (meist von (Technischen) Universitäten), sowie Psychologie. Je nach inhaltlichem Schwerpunkt vereinzelnd auch Wirtschaftswissenschaften
Bachelor of Engineering (B.Eng.)
Absolventen der Ingenieurwissenschaften (meist von Fachhochschulen)
Bachelor of Laws (LL.B.)
Absolventen der Rechtswissenschaften
Bachelor of Education (B.Ed.)
Absolventen des Lehramtsstudiums

An Kunst- und Musikhochschulen kommen außer dem Bachelor of Arts folgende Abschlussbezeichnungen hinzu:[12]

Bachelor of Fine Arts (B.F.A.)
Absolventen der Studiengänge zur (bildenden) Kunst
Bachelor of Music (B.Mus.)
Absolventen musischer Studiengänge
Bachelor of Musical Arts (B.M.A.)
Operngesang

Die Abkürzungen werden häufig mit Punkten geschrieben, aber insbesondere beim „BA“ können sie auch wie beim früheren Magister Artium („MA“) entfallen.

Die Hochschule kann die Abschlussbezeichnungen auch in zulässigen Formen deutscher Sprache verleihen (z. B.: Bakkalaureus der Wissenschaften). Gemischtsprachige Bezeichnungen sind jedoch ausgeschlossen. Der Absolvent muss die Abschlussbezeichnung so führen, wie sie verliehen wurde, und darf nicht eigenmächtig eine andere Sprache wählen. Die Bezeichnung wird meist im angloamerikanischen Stil hinter dem Namen geschrieben, beispielsweise Erika Mustermann, B.A.

Der Bachelor-Grad darf nicht um einen fachlichen Zusatz oder einen Hinweis auf die Art der Bildungseinrichtung ergänzt werden, die den Bachelor-Grad verliehen hat (z. B.: (FH) oder (Univ.)). Der Grund dafür ist, dass es keine für die Hochschulart spezifisch unterschiedlichen Vorgaben (z. B. Dauer des Studiums) gibt und alle Hochschulen denselben Akkreditierungsanforderungen unterliegen.[12] Detaillierte Information zum jeweiligen Studiengang gehen aus der Bachelor-Urkunde, dem Bachelor-Zeugnis und dem Diploma Supplement hervor. Viele Universitäten vergeben aus ihrem akademischen Anspruch heraus Science- statt Engineering-Abschlüsse für Ingenieursstudiengänge; vergleichbares gilt für den Bachelor of Education, für den kein Berufsbild existiert.

In ihren Strukturvorgaben von 1999 hatte die KMK noch eine Unterscheidung zwischen stärker forschungs- und stärker anwendungsorientierten Gradbezeichnungen festgelegt, die jetzt nicht mehr zulässig ist. Fachliche Zusätze sind infolgedessen ebenfalls nicht mehr erlaubt (z. B. Bachelor of Computer Science oder Bachelor of Arts in Economics). Die Umstellung der Gradbezeichnungen in bereits bestehenden Studiengängen erfolgt im Rahmen der Akkreditierung und Reakkreditierung.

Bachelor-Abschlüsse von Berufsakademien[Bearbeiten]

In der Bundesrepublik Deutschland kann der Bachelor-Abschluss auch an Berufsakademien erworben werden. Die Absolventen erhalten eine staatliche Abschlussbezeichnung anstelle eines akademischen Grades. Bei einem Weiterstudium entscheidet die jeweilige Hochschule anhand zusätzlicher Prüfungskriterien, ob der Berufsakademie-Absolvent zu einem Masterstudiengang zugelassen werden kann. Mit einem Bachelor-Abschluss an einer Hochschule (Universität oder Fachhochschule) kann dagegen auf jeden Fall ein Master-Studium angeschlossen werden. In Baden-Württemberg wurden die Berufsakademien im März 2009 durch die Duale Hochschule Baden-Württemberg abgelöst. Da diese nun den Status einer Hochschule haben, erhalten seitdem auch alle Absolventen einen akademischen Abschluss.

Vergleich mit traditionellen Abschlüssen[Bearbeiten]

Die meisten Bachelor-Abschluss-Varianten verleihen grundsätzlich dieselben Berechtigungen wie Diplomabschlüsse an Fachhochschulen.[12] Die KMK hat im Jahr 1999 noch explizit festgehalten, dass das Diplom (FH) dem an ausländischen Colleges verbreiteten drei- bis vierjährigen honors Bachelor entspricht. Diese Bachelor-Variante ist nicht zu verwechseln mit dem selteneren nordamerikanischen vier- bis fünfjährigen universitären Bachelor with Honours (wissenschaftliches Diplomstudium), der ein zusätzliches postgraduales Jahr und eine Diplomarbeit verlangt und direkt zum Ph.D.-Studium berechtigt, ohne vorher einen Master absolviert zu haben, und somit dem traditionellen Diplom/Magister entspricht; (vgl. unten). Während generell der Bachelor als erster berufsqualifizierender Abschluss gelten soll, reicht er in Studiengängen, an deren Ende bislang Staatsexamina standen, allein nicht aus. Mit dem notwendigen anschließenden Master zusammen ergibt sich eine ähnliche Studiendauer wie bisher.

Da jedoch ein wesentlicher Teil des Bologna-Prozesses die Einführung eines mehrstufigen Abschlusssystems ist, das sich grundlegend von der früher gebräuchlichen Einteilung in Grund- und Hauptstudium unterscheidet, muss jeder Vergleich mit traditionellen Abschlüssen vergröbern. Die strukturellen Unterschiede zum bisherigen System können nicht erfasst werden, sodass die in der Öffentlichkeit wahrgenommene Wertigkeit des neuen Abschlusses stark variiert und von einer Gleichsetzung mit dem Bestehen des Vordiploms bis hin zum Diplom reicht.[13]

Die folgende Abbildung zeigt einige mögliche Kombinationen von Regelstudienzeiten für konsekutive Bachelor- und Masterstudiengänge und stellt sie dem traditionellen Diplom gegenüber:

1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr 4. Jahr 5. Jahr
Bachelor ⇒
6 Semester / 180 ECTS (häufigste Variante)
konsekutiver Master
4 Semester / 120 ECTS
Bachelor ⇒
7 Semester / 210 ECTS (seltenere Variante)
kons. Master
3 Semester / 90 ECTS
Bachelor ⇒
8 Semester / 240 ECTS (seltene Variante)
kons. Master
2 Sem./ 60 ECTS
Vordiplom ⇒
Diplom
ca. 8-10 Semester
Vordiplom ⇒
Diplom (FH)
ca. 8 Semester

Promotion ohne Master[Bearbeiten]

Einem Vorschlag der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) folgend soll besonders guten Bachelor-Absolventen eine Promotion ohne vorherigen Masterabschluss ermöglicht werden.[12] Der Deutsche Hochschulverband als Vertretung der Hochschullehrer steht dieser Möglichkeit aber ablehnend gegenüber. Die Möglichkeit, in Deutschland nach erfolgreichem Abschluss eines Bachelorstudiums eine Promotion aufzunehmen, ist bislang in den Hochschulgesetzen nicht vorgesehen.

Bachelor-Abschluss an „Business Schools“[Bearbeiten]

Bereits vor dem Bologna-Prozess etablierten sich auch in Deutschland einige, meist private „Business-Schools“, also Wirtschafts-(Hoch-)Schulen, die einen Bachelor-Abschluss nach angelsächsischem Vorbild anboten. Die fehlende staatliche Anerkennung dieser Abschlüsse nach dem deutschen Hochschulrecht umgingen die „Business-Schools“ durch Partnerschaften mit US-amerikanischen und englischen Universitäten, die es den Absolventen ermöglichten, mit integrierten Auslandsstudien den nach dem jeweiligen Hochschulrecht anerkannten Hochschulabschluss der Partneruniversität zu erlangen. Einige dieser früheren „Business-Schools“ sind heute auch in Deutschland als Hochschule staatlich anerkannt.

Kritik[Bearbeiten]

Nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems bricht in Universitäten heute jeder vierte Bachelor-Student sein Studium ab, in Fachhochschulen sogar jeder dritte.[14] Die Abbrecherquote in den Ingenieurwissenschaften ist in den neuen Bachelor-Studiengängen erheblich höher als in den früheren Diplom-Studiengängen.[15] Dies wird darauf zurückgeführt, dass die Umstellung der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge von Diplom- zu Bachelor-Abschluss häufig zwar mit einer zeitlichen Straffung verbunden ist, nicht jedoch mit einer entsprechenden Kürzung des Lernstoffes, woraus sich notwendigerweise eine Stoffverdichtung ergibt.[14] Bei Bachelor-Studiengängen in Sozial-, Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften ist die Abbrecherquote ebenfalls auf hohem Niveau, jedoch niedriger als bei vorherigen Diplom- und Magisterstudiengängen.[15] Probleme resultieren auch aus dem Umstand, dass bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses in Deutschland zwar der angelsächsische Studienaufbau, nicht aber das angelsächsische Tutorensystem übernommen wurde.[16] Auch viele Studenten beurteilen den Bachelor-Abschluss kritisch, wie eine Befragung unter Studenten aus dem Mai 2013 ergab. Nur 9 % streben demnach den Bachelor als höchsten akademischen Abschluss an. Der Großteil sieht ihn als Station auf dem Weg zu einer höheren Qualifikation, wie dem Master. 33 % der Bachelor-Studierenden gaben an, sich fachlich nicht ausreichend vorbereitet zu fühlen. Am häufigsten forderten Studierende einen stärkeren Praxisbezug.[17]

Bachelor-Abschluss in Österreich[Bearbeiten]

In Österreich wurde der Bachelor-Abschluss bis Mai 2007 Bakkalaureat genannt, der Absolvent war der Bakkalaureus bzw. die Bakkalaurea (beide abgekürzt Bakk.). In gestuften Studiengängen, die ab Beginn des Wintersemesters 2006/2007 eingerichtet werden, wird künftig der Bachelor anstelle des Bakkalaureus verliehen (Novelle des Universitäts-Studiengesetzes 2002, BGBl. I Nr. 74/2006). Die bisherigen Bakkalaureat-Studiengänge können allerdings auch weiterhin mit dem Bakkalaureusgrad abgeschlossen werden.

Gemäß § 54 Universitätsgesetz 2002 müssen Bachelor-Studien einen Arbeitsaufwand von 180 ECTS-Leistungspunkten umfassen.

Abschlussbezeichnungen nach dem heutigen Bachelor-System (B.)[Bearbeiten]

In Österreich werden unter anderem folgende Abschlussbezeichnungen verwendet:

  • Bachelor (BA) für das individuelle Bachelorstudium (gemäß § 55 UG)
  • Bachelor of Arts (B.A. oder BA)
  • Bachelor of Science (B.Sc. oder BSc)
  • Bachelor of Laws' (LL.B.)
  • Bachelor of Education (B.Ed.)
  • Bachelor of Engineering (B.Eng.)
  • Bachelor der Statistik (B.Stat.)
  • Bachelor of Science in Engineering (B.Sc. oder BSc)
  • Bachelor of Theology (BTh)
  • Bachelor of Philosophy (B.phil.)
  • Bachelor of Science in Nursing (BScN)

Bakkalaureatsgrade bis 2007 (Bakk.)[Bearbeiten]

Die Bakkalaureatsgrade in Österreich waren:

  • Bakkalaureus/-a der Künste. (Bakk. art.)
  • Bakkalaureus/-a der Naturwissenschaften. (Bakk. rer. nat.)
  • Bakkalaureus/-a der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. (Bakk. rer. soc. oec.)
  • Bakkalaureus/-a der Philosophie. (Bakk. phil.)
  • Bakkalaureus/-a der technischen Wissenschaften. (Bakk. techn.)
  • Bakkalaureus/-a der Kommunikationswissenschaft. (Bakk. Komm.)

Diese Grade werden hinter dem Namen geführt.[18]

Bachelor-Abschluss in anderen europäischen Staaten[Bearbeiten]

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten]

In Vereinigten Königreich ist der Bachelor traditionell der übliche für einen akademischen Beruf qualifizierende Abschluss. Ganz überwiegend dauert das Studium bis zum Bachelor drei Jahre, ist stark strukturiert und fachlich spezialisiert. Vierjährige Bachelorstudiengänge werden fast ausnahmslos in anwendungsnahen Fächern angeboten, im Curriculum dieser sogenannten „sandwich courses“ ist ein Praxisjahr vorgesehen. Das System aus Bachelor und Master wurde in Großbritannien vor dem Bologna-Prozess nicht als gestufte Ausbildung verstanden – an den traditionellen Universitäten wie Oxford und Cambridge wird der Mastertitel bis heute ehrenhalber und nicht aufgrund eines zusätzlichen Studiums verliehen.[19] Insgesamt schließen in Großbritannien nur 12 Prozent der Bachelorabsolventen direkt ein Masterstudium an. Das Masterstudium selbst kann berufsqualifizierend sein, alternativ können sich Absolventen für einen sogenannten „research master“ entscheiden.[20]

Man unterscheidet im Vereinigten Königreich zwischen dem einfachen Bachelor und dem Bachelor with Honours. Beide werden nach dreijähriger Studienzeit mit einer wissenschaftlichen Arbeit abgeschlossen. Die Unterscheidung zwischen Honours und einfachem Bachelor bezieht sich auf die Leistungen während des Studiums. In der Regel müssen im zweiten und dritten Studienjahr alle Prüfungen beim ersten Versuch bestanden werden, um den Titel Bachelor with Honours führen zu dürfen.

Schottland[Bearbeiten]

Der Bachelor of Divinity (Hons) der schottischen Universitäten St. Andrews, Aberdeen, Glasgow und Edinburgh entspricht einem Masters-Abschluss.

Belgien[Bearbeiten]

In Belgien ist mit bachelier wiederum der akademische Bachelor-Grad bezeichnet (dieser Titel löst das alte Baccalauréat ab).

Frankreich[Bearbeiten]

In Frankreich wird der Abschluss als licence bezeichnet. Der englische Name birgt dort eine Verwechslungsgefahr mit dem baccalauréat, das dem Abitur oder der Matura entspricht; außerdem ist licence der eingebürgerte Begriff für einen universitären Abschluss mit „bac+3“-Niveau (ein Abschluss, der drei Jahre nach dem Abitur erworben wird, also nach dreijähriger Studienzeit).

Italien[Bearbeiten]

In Italien heißt der Bachelor-Abschluss Laurea di 1° livello.

Polen[Bearbeiten]

In Polen heißt der Bachelor-Abschluss licencjat.

Schweden[Bearbeiten]

In Schweden bestanden Studiengänge auf Bachelor-Ebene bereits vor Beginn des Bologna-Prozesses, siehe Kandidatexamen.

Spanien[Bearbeiten]

Das Pendant des Bachelor in Spanien nennt sich Título de grado, da auch hier ähnlich wie in Frankreich das Bakkalaureat (Bachillerato) bereits als Name für den Abschluss der weiterführenden Schule existierte.

Bachelor-Abschluss in Nordamerika[Bearbeiten]

USA[Bearbeiten]

Ein klassischer Collegeabschluss (Bachelor) in den USA soll weniger berufliche Qualifizierung vermitteln, sondern vielmehr allgemeine, traditionell auch die demokratische und bürgerschaftliche Bildung.[21] Das Studium dauert vier Jahre, wobei die ersten beiden häufig fachlich sehr breit angelegt sind (general studies). Deswegen erfolgt die Spezialisierung auf das eigentliche Hauptfach oft erst gegen Ende des zweiten Studienjahres.[22] Ein Universitätsabschluss in den USA bedeutet traditionell weniger fachspezifische Festlegung, als dies in Europa der Fall ist. Durchlässigkeiten sowohl zwischen den Disziplinen als auch zwischen Wissenschaft und Praxis sind größer.[23] Masterstudiengänge sind wissenschaftlich orientiert und in der Regel auf zwei Jahre angelegt, sie werden in Graduate Schools der Universitäten organisiert.

Kanada[Bearbeiten]

In Kanada erreicht man entweder den Bachelor-Abschluss ("Minor"/"General") nach Absolvierung eines Studienlehrgangs mit einer Studiendauer von drei Jahren an einem College oder seltener an einer University, oder den universitären "Major", "Specialization" bzw. "Honours" Bachelor-Abschluss mit einer Studiendauer von vier Jahren. Bachelorarbeiten werden "paper", "term paper" oder "essay" genannt. Selten wird auch der traditionelle konsekutive Bachelor with Honours-Abschluss (Baccalaureatus Cum Honore degree) angeboten, der nach einem vorangegangenen Bachelor-Abschluss derselben Fachrichtung erreicht wird, mit einer Studiendauer von ein bis zwei Jahren an einer Universität. Er wird durch Absolvierung von Kursen und durch Verfassen einer längeren wissenschaftlichen Diplomarbeit ("honours seminar thesis") erreicht. Der Baccalaureatus Cum Honore ist Zulassungsvoraussetzung für zwei- bis dreijährige "very high research" Master-Studiengänge oder für einfache Ph.-D.-Studiengänge.[22] Dieses Schulmodell wurde, ähnlich dem traditionellen Magister/Diplom in Deutschland oder dem "postgraduate" Bachelor with Honours in Australien, zunehmend zum Auslaufmodell und ist zwischenzeitlich weitgehend durch kürzere konsekutive Master-Varianten ersetzt worden.

Bachelor-Abschluss im Commonwealth[Bearbeiten]

In Australien, Neuseeland und Südafrika kann nach dem regulären Bachelor bei guten bis sehr guten Leistungen (upper second and first class) das Studium des Bachelor with Honours (Abk.: Hons.) aufgenommen werden. Dieses meist zweisemestrige Studium verlangt Kurse und eine längere wissenschaftliche Diplomarbeit (Thesis). Es kann auch als erstes Jahr des Masters anerkannt werden. Ein guter Abschluss (second class) ermöglicht ein längeres Master-Studium an einer Spitzenforschungsinstitution. Ein sehr guter Abschluss (first class) dagegen kann auch direkt eine Promotion gestatten.

Die Systeme der aufgeführten Länder unterscheiden sich im Zeit- und Leistungsumfang. So dauert der B. Hons. in Australien ein bis zwei Jahre und enthält eine längere schriftliche Forschungsarbeit. In Neuseeland hingegen kann die Erstellung einer weniger umfangreichen Forschungsarbeit innerhalb des einjährigen B. Hons. innerhalb der Kursarbeit freiwillig erfolgen. Inhaltlich erfolgt im Honours-Jahr auch hier eine vor allem wissenschaftlich ausgerichtete Vertiefung der bisherigen Studieninhalte. Beide können als erstes Master-Jahr anerkannt werden. In Südafrika gilt der Grundsatz, dass ein Masterstudium erst nach einem vierjährigen Studium begonnen werden kann. Daher wird ein einjähriges Honours-Jahr bei den dreijährigen Studiengängen eingefügt, um die geforderte Studienzeit zu gewährleisten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bologna-Reader I und II: Texte und Hilfestellungen zur Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses an deutschen Hochschulen. Herausgegeben von der Hochschulrektorenkonferenz. (PDF-Dateien: B.-R. I, 2004, 3,73 MB; B.-R. II, 2007, 3,16 MB)
  • Alexandra Kertz-Welzel: Motivation zur Weiterbildung: Master- und Bachelor-Abschlüsse in den USA. In: Diskussion Musikpädagogik. Nr. 29. 2006, S. 33–35.
  • Georg Bollenbeck (Hrsg.): Der Bologna-Prozess und die Veränderung der Hochschullandschaft. Synchron, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-939381-04-4.
  • European University Association: EUA Bologna handbook. “Making Bologna Work“ basic edition including CD-ROM. J. Raabe, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8183-0209-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bachelor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Karl Ernst Georges: Ausführliches Lateinisch Deutsches Handwörterbuch. Nachdruck. Darmstadt 1998, Bd. 1, Sp. 771 s.v. bacalis, daraus auch bacalia (laurus), ae, f. ibid.
  2. Karl Ernst Georges: Ausführliches Lateinisch Deutsches Handwörterbuch. Nachdruck. Darmstadt 1998, Bd. 2, Sp. 589 f. s.v. laurus.
  3. Erich Pertsch: Langenscheidts Großes Schulwörterbuch Lateinisch-Deutsch. Langenscheidt, Berlin 1978, ISBN 3-468-07201-5.
  4. Wahrig (Hrsg.), Grosses Deutsches Wörterbuch, Rheda 1967, Sp. 555.
  5. Vgl. Encyclopaedia Britannica, 11th. Edition, Vol. 3, Part 1, Slice 1 by Various, EPUB mit Bildern, 1200,7/1436.
  6. J.F. Niermeyer, C. van de Kieft: Mittellateinisches Wörterbuch. Darmstadt 2002.
  7. Siehe auch Heinrich Denifle, Emile Chatelain: Chartularium Universitatis Parisiensis. Bd.I. Ab anno MCC usque ad annum MCCLXXXVI. 1889., Bd.II. Sectio prior MCCXXXVI-MCCCL. 1891., Bd.III. MCCCL-MCCCLXXXXIII. 1894., Bd.IV. MCCCLXXXXIIII-MCCCCLII. Paris 1897.
  8. Siehe Konrad Rückbrod: Universität und Kollegium, Baugeschichte und Bautyp. Darmstadt 1977, ISBN 3-534-07634-6, S. 9–33.
  9. vgl. Hans Joachim Meyer, „Die akademischen Grade im englischen Sprachraum und der deutsche Wissenschaftsbegriff”, in Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Heft 6 (2011)
  10. § 19 Abs. 2 HRG
  11. Bologna-Reader der Hochschulrektorkonferenz. S. 92, abgerufen am 12. Mai 2010.
  12. a b c d e Ländergemeinsame Strukturvorgaben / Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10. Oktober 2003 i. d. F. vom 18. September 2008 (PDF-Datei, 36 kB), KMK
  13. Bergen-Deklaration (PDF-Datei; 22 kB)
  14. a b tagesschau.de, 14. Februar 2008: Studie des Hochschul-Informationssystems. Mehr als jeder vierte Bachelor-Student bricht ab. (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, tagesschau.de
  15. a b Ulrich Heublein, Robert Schmelzer, Dieter Sommer, Johanna Wank: Die Entwicklung der Schwund- und Studienabbruchquoten an den deutschen Hochschulen. Statistische Berechnungen auf der Basis des Absolventenjahrgangs 2006. (PDF-Datei, 2,32 MB), Hochschul-Informations-System, S. 2.
  16. Heike Schmoll: Reise in ein unbekanntes Land: Die Bildungsrepublik Deutschland. Sendung im Deutschlandradio, Reihe Hintergrund Politik. 28. Dezember 2008.
  17. Studitemps: Datenauszüge zur Studienreihe „Fachkraft 2020“. Was wird aus dem Bachelor? (PDF-Datei, 420 KB)
  18. BMWF: Eintragung akademischer Grade in Urkunden. (Eintragungsrichtlinien 2011) (PDF-Datei; 568 kB)
  19. http://bibliothek.wzb.eu/wzbrief-bildung/WZBriefBildung102009_guelker_knie_simon.pdf
  20. Heublein, Ulrich; Schwarzenberger, Astrid – Studiendauer in zweistufigen Studiengängen : ein internationaler Vergleich, ISSN: 1611-1966
  21. http://bibliothek.wzb.eu/wzbrief-bildung/WZBriefBildung102009_guelker_knie_simon.pdf
  22. a b Ein Vergleich angelsächsischer Bachelor Modelle: Lehren für die Gestaltung eines deutschen Bachelors?, J. Witte u. a., Centrum für Hochschulentwicklung, Arbeitspapier Nr. 55, Mai 2004 (PDF-Datei; 387 kB) Abgerufen am 30. Dezember 2011.
  23. http://bibliothek.wzb.eu/wzbrief-bildung/WZBriefBildung102009_guelker_knie_simon.pdf