Balduin von Luxemburg

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Balduin von Luxemburg (Balduinbrunnen, Trier)
Die Kurfürsten bei der Königswahl 1308: v.l. Peter von Mainz, Balduin und Rudolf I. Pfalzgraf bei Rhein (Darstellung aus dem Jahre 1341)

Balduin von Luxemburg oder Balduin von Trier (* um 1285 in Luxemburg; † 21. Januar 1354 in Trier) aus dem Geschlecht der Luxemburger war von 1307 bis 1354 Erzbischof und Kurfürst von Trier, von 1328 bis 1336 Administrator des Erzbistums Mainz und von 1331 bis 1337 mit Unterbrechungen Administrator der Bistümer Worms und Speyer. Balduin war einer der einflussreichsten Reichsfürsten seiner Zeit und gilt als bedeutendster Kurfürst von Trier.

Biografie und Politik[Bearbeiten]

Für den jüngsten Sohn des Grafen Heinrich VI. (nach anderer Zählart III.) von Luxemburg war von Anfang an eine geistliche Laufbahn vorgesehen. Balduin studierte Theologie und kanonisches Recht in Paris, da die Luxemburger zum Hof der Kapetinger gute Beziehungen unterhielten. Im Alter von 22 Jahren wurde er vom Trierer Domkapitel zum Erzbischof gewählt und 1308 von Papst Clemens V. in Poitiers zum Bischof geweiht.

Balduin sollte sich zu einem der erfolgreichsten Politiker im Heiligen Römischen Reich des frühen 14. Jahrhunderts entwickeln. Durch geschickte Diplomatie setzte er zusammen mit dem Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt 1308 die Wahl seines Bruders Heinrich zum römisch-deutschen König durch. Anschließend begleitete er ihn von 1310 bis 1313 auf seinem Zug nach Italien, wo Heinrich als erster deutscher König seit fast einem Jahrhundert zum Kaiser gekrönt wurde. Heinrich versuchte in Italien eine Politik der Erneuerung des Kaisertums zu betreiben, verstarb aber schon am 24. August 1313 an Malaria in der Nähe von Siena. Die Erlebnisse dieses Romzugs wurden später in der prachtvollen Bilderchronik Kaiser Heinrichs Romfahrt festgehalten.

Bei der anschließenden Königswahl von 1314 unterstützte Balduin Ludwig den Bayern. Später distanzierte er sich von ihm und verhalf schließlich 1346 seinem Großneffen Karl zur Wahl, obwohl das gegenseitige Verhältnis durchaus gespannt war. Dennoch war er bis zu seinem Tode die wichtigste Stütze Karls im Westen des Reiches. Eine wichtige Etappe auf dem Weg dazu stellte das Weistum von Rhens dar, in dem die Königswahlrechte der Kurfürsten gestärkt und die päpstlichen Approbationsrechte zurückgewiesen wurden. Auch diese Rechtsweisung geht auf die überlegene Diplomatie Balduins zurück, der die europäische Politik in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entscheidend mitgestaltete.

Territorialpolitik[Bearbeiten]

Die Balduinbrücke in Koblenz
Balduinsburg in Boppard – Wurde als Stadtburg nach dem Krieg mit Boppard ausgebaut.

Balduin wird als eigentlicher Begründer des Trierer Kurstaates angesehen. So gelang es ihm, das Kurtrierer Territorium zu festigen und zu arrondieren, indem er die beiden Zentren Trier und Koblenz entlang der Mosel durch Erwerbung von verschiedenen Besitzrechten fester miteinander verband. Dabei half ihm nicht zuletzt eine ausgeklügelte Finanzpolitik, die er auch durch die planmäßige Ansiedlung von Juden als „Banken des Mittelalters“ im gesamten Erzstift zu realisieren versuchte.

Ebenso war Balduin auch maßgeblich an der Entwicklung der Stadt Trier und der Umgebung beteiligt. Er ließ nicht nur die Balduinbrücke in Koblenz erbauen, sondern sehr wahrscheinlich geht auch die Sanierung der Römerbrücke in Trier auf seine Initiative zurück.

Darüber hinaus ließ er Burgen errichten, um das Gebiet zu festigen oder um Gegner niederzuwerfen. Beispiele hierfür sind etwa Burg Trutzeltz (siehe Eltzer Fehde), Burg Baldenau, Burg Balduinseck, Rauschenburg oder aber der heutige Ort Balduinstein, der ebenfalls auf eine Burggründung zurückgeht.

Bereits 1309 verpfändete sein Bruder ihm die Reichsstädte Boppard und Oberwesel mit dem dazugehörigem Umland. Die Pfandschaft wurde niemals mehr eingelöst. Damit wurde das Trierer Territorium am Rhein stark erweitert. Allerdings musste Balduin den Widerstand der Bopparder Bürger 1327 mit Waffengewalt brechen.

Balduin scheute auch vor kriegerischen Mitteln nicht zurück und ließ z. B. in der Eltzer Fehde die an der Untermosel gelegene Burg Eltz belagern. Dies rief den Widerstand der vom kurtrierischen Machtspruch bedrohten kleineren Adelsgeschlechter der Region hervor. 1328 etwa wurde Balduin von Loretta von Sponheim gefangen genommen und auf der Starkenburg (Mosel) festgesetzt. Erst nach der Zahlung eines Lösegeldes und Zugeständnissen an ihre Familie − unter anderem im Streit um das Kröver Reich − wurde er wieder freigelassen. Allerdings bevorzugte Balduin es, seine Gegner durch Lehnsverträge oder andersartige Verpflichtungen an sich zu binden, da die Fehdeführung sehr kostspielig war.

1328 gelang es Balduin die wildgräfliche Schmidtburg zu erwerben. Bis 1342 versuchten die verschiedenen Zweige der Wildgrafen, die Burg wiederzugewinnen. Höhepunkt der Auseinandersetzung war die sogenannte „Dhauner Fehde“ (1337–1342), bei der die meisten Adelsgeschlechter der Hunsrück-Nahe Region beteiligt waren. Zentrum der Kämpfe war die wildgräfliche Burg Dhaun.

Eine empfindliche Niederlage musste Balduin in der Grenzauer Fehde hinnehmen.

Reformen[Bearbeiten]

Im kulturellen wie verwaltungstechnischen Bereich blühte das Erzbistum auf. Er ließ seit den 1330er Jahren als Grundlage einer geordneten Verwaltung die Urkunden und Besitztitel des Trierer Erzstifts sammeln und abschreiben. Diese Urkundensammlungen, die sogenannten Balduineen, in denen andere Urkunden abschriftlich zusammengefasst waren, werden heute in vier Handschriften im Landeshauptarchiv Koblenz aufbewahrt. Ein kleines, handliches Format dieser Urkundenbücher führte er als Reiseexemplar – als transportables Präsenzarchiv – stets auf seinen Reisen mit sich. Als Vorläufer der Balduineen kann der Liber annalium iurium angesehen werden, der bereits in Ansätzen unter Erzbischof Albero von Montreuil vorhanden war und unter Erzbischof Johann I. vollendet wurde. Allerdings sind die Balduineen auf einem aktuelleren Stand und spiegeln die Rechtslage des Erzbistums im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts wider.

Zu den vielfältigen Reformen gehört unter anderem die Schaffung von Ämtern und Kellnereien sowie eine Feiertagsordnung.

In dem zu Mainz gehörigen Teil der Landgrafschaft Thüringen rekrutierte er Schreiber und Notare. Dieser Thüringische Bildungskreis um den späteren Mainzer Domdekan Rudolf Losse aus Eisenach schuf eine deutsche Urkundensprache, die sehr fortschrittlich war. Diese Kleriker waren auch als hochrangige Diplomaten auf der politischen Bühne Europas präsent und stützten die ausgreifende Reichspolitik des Luxemburgers.

Münzwesen[Bearbeiten]

1310 bekam Balduin von seinem kaiserlicher Bruder Heinrich das Recht verliehen, an jedem Ort im Erzstift Münzen zu schlagen. Eine noch weitere Ausdehnung erfuhr das Privileg durch Kaiser Karl IV. im Jahre 1346, als dieser ihm das Recht einräumte, königliches und kaiserliches Geld von Gold und Silber mit allgemeiner Gültigkeit zu prägen, falsche Münzen zu kassieren sowie Fälscher und Hehler zu bestrafen. Dies geschah auch aus Dank und Belohnung für seine Erhebung zum König bei seiner Krönung in Bonn. Damit hatte Balduin bereits vor der Veröffentlichung der Goldenen Bulle von 1356 die Einverleibung der königlichen Münzhoheit in die Trierer Territorialgewalt erreicht. Nach urkundlichen Angaben prägte Balduin nicht nur in Trier, sondern auch in Koblenz, Boppard und Cochem. Es gibt allerdings keine bekannten Angaben über Schrot und Korn der Münzen oder über deren Wertverhältnisse untereinander. Trierer Goldmünzen wurden allerdings erst unter Balduins Nachfolger Boemund II. geprägt.[1]

Administrator in Mainz[Bearbeiten]

Nach dem Tod des Mainzer Erzbischofs Peter von Aspelt wählte das Mainzer Domkapitel 1320 Balduin zum neuen Erzbischof. Bis zu einer päpstlichen Bestätigung trat er sein Amt sogleich als Administrator an. Eine solche Bestätigung wurde jedoch von Papst Johannes XXII. nie erteilt. Johannes XXII. bestand auf dem von Papst Bonifatius VIII. im Jahre 1300 verfügten Recht zur Provision des Mainzer Erzstuhls und ernannte stattdessen am 4. September 1321 Matthias von Buchegg zum neuen Erzbischof. Dies lag darin begründet, dass Balduin ein Parteigänger Ludwigs des Bayern war, den Johannes XXII. aus eigenen Machtinteressen bekämpfte. Balduin erkannte Matthias von Buchegg sofort als rechtmäßigen Erzbischof von Mainz an, was sich als weitsichtig und klug herausstellte, denn so gewann er den Mainzer Erzbischof als Vertrauten und konnte ihn seiner eigenen Position in der offenen Königsfrage annähern.

Mainzer Schisma[Bearbeiten]

Nach dem Tod des Mainzer Erzbischofs Matthias von Buchegg im Jahr 1328 wurde Balduin erneut vom Mainzer Domkapitel zum Erzbischof von Mainz postuliert, während der Papst Heinrich III. von Virneburg zum Mainzer Erzbischof ernannte. Trotzdem verwaltete Balduin das Mainzer Erzstift mit Unterstützung durch das Mainzer Domkapitel. Als Erzbischof von Mainz residierte Balduin in Eltville, wo er den Bau der Kurfürstliche Burg initiierte.[2] Er gab seinen Anspruch erst 1336 nach einem Urteil der Kurie in Avignon auf und beendete so das Mainzer Schisma. Das Domkapitel forderte am 28. Oktober 1338 Balduin auf, seine Mitra und andere Bischofsinsignien aus Mainz wieder zurückzugeben. Ähnlich wie in Mainz wurde Balduin ab 1331 auch zum Administrator der Bistümer Worms und Speyer und vereinte so vier Territorien zu einer bedeutenden Landesherrschaft. Ab 1337 beschränkte er sich allerdings wieder auf das Erzbistum Trier.

Tod[Bearbeiten]

Balduin starb am 21. Januar 1354. Sein monumentales Grabmal aus schwarzem Marmor befindet sich im Westchor des Trierer Doms. Am 18. Mai 1897 wurde vor dem Trierer Hauptbahnhof, am Schnittpunkt von Christophstraße und Balduinstraße, der Balduinbrunnen mit einer Bronzefigur des Kurfürsten aufgestellt. Ein weiteres Denkmal befindet sich an der Balduinbrücke in Koblenz.

Nach ihm wurden das Kurfürst-Balduin-Gymnasium in Münstermaifeld und die Kurfürst-Balduin-Realschule in Wittlich benannt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Balduin von Luxemburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Diether von Nassau Erzbischof von Trier
1307–1354
Boemund II. von Saarbrücken
Matthias von Buchegg Administrator von Mainz
1328–1336
Heinrich III. von Virneburg
Walram von Veldenz Administrator von Speyer
1332–1336
Gerhard von Ehrenberg

Belege[Bearbeiten]

  1. Stadtsparkasse Trier: Die Münzen und Siegel der Erzbischöfe von Trier, 1973
  2.  Karl Rolf Seufert: Die geistigen Ströme sind nie versiegt. In: Der Hessische Minister für Landwirtschaft und Forsten, Freundeskreis Kloster Eberbach e.V. (Hrsg.): Eberbach im Rheingau. Zisterzienser – Kultur – Wein. Der Hessische Minister für Landwirtschaft und Forsten, Wiesbaden/Eltville 1986, S. 9–40.