Ballonett

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Ballonett ist ein ballonartiger Luftsack im Inneren eines halbstarren oder Prallluftschiffs, mit dessen Hilfe die Volumenänderung des Traggases ausgeglichen wird. Es sorgt dafür, dass im Inneren des Auftriebskörpers stets ein leichter Überdruck herrscht, um ihn dadurch prall zu halten. Dieser Überdruck beträgt nur wenige Millibar, üblicherweise etwa fünf Millibar.

Vorgeschlagen wurde diese Lösung erstmals 1784 von Jean-Baptiste Meusnier de la Place (1754-1793).

Anordnung der Ballonetts in einem Luftschiff

Ballonetts werden innerhalb der Hülle mit Luft aufgeblasen, die vom Luftstrom des Antriebspropellers abgezweigt wird. Bei einigen Modellvarianten kommen aber auch gesonderte Gebläse zum Einsatz. Die Größe solcher Ballonetts beträgt im voll aufgeblasenen Zustand üblicherweise etwa 25 − 40 Prozent des gesamten Hüllenvolumens.

Das Traggas ändert sein Volumen durch Änderung der Außentemperatur beziehungsweise des Außendruckes (z. B. durch Änderung der Flughöhe oder durch Wettererscheinungen) gemäß der allgemeinen Gasgleichung:

\frac{p\cdot V}{T}=const.

(p = Druck, V = Volumen, T = Temperatur)

Bei den meisten Luftschiffen sind zwei Ballonetts vorhanden, die in der Nähe des Bugs und des Hecks innerhalb der Hülle angeordnet sind, um eine statische Trimmung des Luftschiffes um die Querachse ohne zusätzlichen Ballast zu ermöglichen. Der Pilot kann das Füllen und Leeren durch entsprechende Ventile kontrollieren und den Schwerpunkt des gesamten Luftschiffs durch unterschiedliche Füllgrade der Ballonetts verlagern.

Steigt der Druck des Traggases innerhalb der Hülle über einen Grenzwert an, dann öffnen sich Ventile an den Ballonetts automatisch und lassen Luft in die Umgebung ab, um dem Gas Raum zur Ausdehnung zu geben. Die Höhe, in der die Ballonetts leer sind und das Traggas das gesamte Volumen der Hülle einnimmt, wird als Prallhöhe bezeichnet. Steigt ein Luftschiff über seine Prallhöhe, so steigt der Überdruck im Inneren weiter an, da bei sinkendem Außendruck das Traggasvolumen nicht mehr vergrößert werden kann. Automatische Sicherheitsventile lassen dann Traggas ab, um das Platzen der Hülle in der Höhe zu verhindern.

Eines der Ballonets verfügt meistens über eine Reißleine, die es erlaubt, das Ballonett innerhalb der Hülle zu öffnen. Dies kommt zur Anwendung, wenn die Hülle selbst ein Leck hat und Traggas entweicht. Dann kann nach dem Öffnen des Ballonetts Luft direkt in die Hülle geblasen und der innere Überdruck und damit die Form und Steuerbarkeit des Schiffes erhalten werden, bis es gelandet ist.

Auch der Zeppelin NT als halbstarres Luftschiff verfügt über zwei Ballonetts.