Bally (Schuhhersteller)

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Bally-Unternehmenslogo seit 2008

Bally ist ein 1851 von Carl Franz Bally in Schönenwerd gegründeter Schweizer Schuhhersteller. Das Unternehmen stellte zunächst Damen- und Herrenschuhe, später auch Accessoires her. Die internationale Luxusmarke Bally (als Hersteller von Schuhen, Bekleidung und Accessoires) ist seit 2008 im Besitz der österreichischen Labelux Group GmbH.

Gründung und weltweite Expansion[Bearbeiten]

Bally-Filiale in Hongkong (2009)
Bally-Filiale in Bonn (1988)
Bally-Schuhmuseum in Schönenwerd (2011)

1851 wurde von Carl Franz Bally (1822 - 1899) und seinem Bruder Fritz Bally die Schuhfabrik «Bally & Co.» im schweizerischen Schönenwerd gegründet. Diese Fabrik ging aus dem vom Vater übernommenen Betrieb hervor, einer Gummiband- und Hosenträger-Manufaktur. Fritz schied 1854 aus dem Betrieb aus, woraufhin das Unternehmen in C.F. Bally Co. umfirmiert wurde und Filialen in Bern, Basel und Zürich eröffnete.

1860 beschäftigte Bally bereits mehr als 500 Arbeiter. Nach einem weiteren Jahrzehnt expandierte das Unternehmen auch ausserhalb der Schweiz mit Niederlassungen in Buenos Aires, Montevideo und Paris. Bally-Schuhe wurden dank hervorragender Materialien, Qualität und Verarbeitung zu Luxusprodukten.

Carl Franz Bally starb 1899 und das Unternehmen wurde von seinen Söhnen Eduard und Arthur weitergeführt. Zu diesem Zeitpunkt wurden jährlich ca. 2 Mio Paar Schuhe produziert und in zahlreichen europäischen Ländern sowie Nord- und Südamerika verkauft. Das Unternehmen beschäftigte 3200 Mitarbeiter. 1907 erfolgte der Gang an die Börse, die Familie Bally behielt jedoch die Stimmenmehrheit. Das zusätzliche Kapital erlaubte eine massive Expansion. 1908 wurde erstmals das Bally-Firmenlogo vorgestellt, das von verschiedenen Künstlern kreierte Werbeplakatkampagnen zierte. 1916 beschäftigte das Unternehmen mehr als 7000 Personen und produzierte 3,9 Mio. Paar Schuhe.

Bally überstand die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg, indem man das Portfolio auf sportliche Schuhe und Militärstiefel ausweitete. In der Nachkriegszeit expandierte das Unternehmen und etablierte sich erfolgreich im weltweiten Markt. 1942 wurde das ehemalige Wohnhaus Zum Felsengarten von Carl Franz Bally in Schönenwerd in ein Schuhmuseum umgewandelt, das bis heute als Bally-Schuhmuseum besteht.[1] 1951 lancierte Max Bally, Enkel von C.F. Bally, den Scribe, einen rahmengenähten Herrenschuh, der nach dem Pariser Hôtel Scribe benannt wurde und bis heute gefertigt wird. 1953 trug Edmund Hillary zur Erstbesteigung des Mount Everest Stiefel von Bally.[2] 1976 wurden Bekleidung, Handtaschen und andere Lederaccessoires ins Sortiment aufgenommen.

Schwere Zeiten, Verkauf und Neubeginn[Bearbeiten]

1976 erlangte der Schweizer Finanzspekulant Werner K. Rey die Aktienmehrheit an Bally, die er auf öffentlichen Druck im Folgejahr veräussern musste.[3][4]

1977 zog sich die Bally-Familie aus dem Unternehmen zurück. Der Rüstungskonzern Oerlikon-Bührle unter Dieter Bührle übernahm 1977 die Aktienmehrheit von Rey. Es folgten harte Zeiten, denn das Unternehmen wurde zunehmend durch Billigimporte aus Entwicklungsländern bedrängt, die den Weltmarkt überschwemmten. Missmanagement, unkluge Lizenzvergaben und zwangsläufige Qualitätsverminderungen in den 1980ern schadeten dem Ansehen der Marke Bally. Aufgrund der dezentralen Organisationsstruktur der Bally International AG hatte Bally je nach Land völlig unterschiedliche, uneinheitliche Profile. Tausende Angestellte wurden in den rezessionsgeprägten Jahren ab 1990 entlassen und zahlreiche Fabriken wurden geschlossen, darunter das Stammhaus in Schönenwerd.[5] Der Betriebsverlust belief sich 1995 auf 6,7 Mio. Franken.

Oerlikon-Bührle verkaufte seine Anteile 1999 an die US-Investmentgesellschaft Texas Pacific Group (TPG). In dieser Zeit betrieb Bally über 400 eigene Boutiquen.[6] TPG restrukturierte den Betrieb, verkleinerte das Filialnetz, änderte das Distributionskonzept und setzte den Italiener und ehemaligen Gucci-Manager Marco Franchini als CEO sowie den New Yorker Designer und ehemaligen Salvatore Ferragamo-Mitarbeiter Scott Fellows als Kreativdirektor ein.[7][8][9] Bally repositionierte sich zunehmend erfolgreich als Lifestyle-Marke im Luxus-Segment.[10] Man konzentrierte sich wieder auf das Kerngeschäft Schuhe und seit 2004 schrieb das Unternehmen wieder schwarze Zahlen.[11] 2001 feierte das Unternehmen sein 150-jähriges Bestehen. Der Chef-Designer Fellows verliess das Unternehmen Ende 2002 weil seine Kreationen kommerziell nicht erfolgreich waren[12]; ihm folgte bis 2006 der Designer Luca Ragonese (1969 - 2006).[13]

Seit 2000 liegt der Hauptsitz des Unternehmens im schweizerischen Caslano, wo dem Unternehmen bereits zuvor eine Produktionsstätte gehörte. Die Verlegung des Firmensitzes von Schönenwerd ins Tessin war mit der Nähe zur Modemetropole Mailand begründet worden. 2007 wurde in Caslano die Fondazione Bally per la Cultura ("Bally-Stiftung für die Kultur") zur Förderung von Künstlern aus der Region Ticino gegründet.

Bally in der Populärkultur[Bearbeiten]

In den späten 1980ern erreichten Bally-Schuhe unter Rappern einen Kultstatus. Bekannte Vertreter der Szene erwähnten Bally in ihren Liedern, darunter Jay-Z und Slick Rick. Letzterer rappte 1985 in «The Show/La Di Da Di» folgenden Satz: «Put on the Bally shoes and the fly green socks». Bally-Schuhe sind zudem eine Ikone der Old School-Szene.[14]

Bally heute[Bearbeiten]

"Bally-Haus" in Stuttgart (2010)

Im April 2008 wurde das Unternehmen für geschätzte € 370 Mio. erneut verkauft.[15] Die neue Besitzerin, die 2007 in Wien gegründete Labelux Group GmbH, gehört der deutschen Johann A. Benckiser SE, der auch ein Anteil an Reckitt Benckiser gehört.[15][16] Zur Labelux-Gruppe gehörten zum Stand 2011 ausserdem die Marken Belstaff (Bekleidung), Jimmy Choo, Derek Lam und Solange Azagury-Partridge (Schmuck). Die Gruppe verlegte Ende 2011 ihren Sitz von Wien nach Caslano, Standort des Hauptsitzes von Bally. Die Bally-Umsätze wurden zuletzt für 2008 mit € 400 Mio. angegeben, seither wurden keine Zahlen mehr veröffentlicht. Die Bally-Erlöse setzten sich Ende der 2000er zusammen aus Schuhen (50 %), Taschen und Accessoires (40 %) sowie Bekleidung (10 %). Ab 2009 war der Deutsche Berndt Hauptkorn (* 1968) Nachfolger von Marco Franchini und damit CEO von Bally. Hauptkorn war bereits ab 2007 am Aufbau der Labelux-Gruppe beteiligt und bekleidete dort bis Ende 2009 die Position des CEO.[17][18] Er verliess das Unternehmen im Dezember 2011. Interimistisch übernahm Reinhard Mieck, seit Anfang 2010 CEO der Labelux Group und ab 1997 Mitarbeiter bei Reckitt Benckiser, die Stelle.[19]

Bally unterhält global ca. 250 Filialen - in Deutschland in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt am Main und München sowie Fabrikverkaufstellen in Metzingen und Wertheim - zudem 72 zollfreie Niederlassungen an internationalen Flughäfen sowie seit 2009 einen Onlineshop und bedient zahlreiche unabhängige Geschäftspartner weltweit.[11][20] Ab Februar 2007 war der US-Amerikaner Brian Atwood, zuvor Designer bei Versace und Designer seines eigenen Schuh-Labels, Kreativ-Direktor bei Bally.[21][22] Im Frühjahr 2010 kündigte die Labelux Group an, dass man sich von Atwood trenne und er durch die ehemaligen Aquascutum-Designer Graeme Fidler und Michael Herz aus Grossbritannien ersetzt werde.[23] Das Design-Studio von Bally (15 Mitarbeiter) befindet sich seither in London, die Produktion verblieb in Italien. 2011 beschäftigte das Unternehmen 1560 Mitarbeiter, davon 430 in der Schweiz.[19]

Für die Sommerkampagne 2010 verpflichtete Bally das Model Christy Turlington und den Schauspieler Til Schweiger als Testimonials.[24][25]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Heim: Königreich Bally – Fabrikherren und Arbeiter in Schönenwerd. hier + jetzt, Baden 2000, ISBN 978-3-906419-21-3

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Gemeindes Schönenwerd - Bally-Schuhmuseum, Oltnerstr. 6, schoenenwerd.ch, abgerufen: 15. Juli 2011
  2. Neue Zürcher Zeitung am Sonntag - Bally und die Bergsteiger, magazin-z.ch, 18. Januar 2010
  3. Werner K. Rey, spiegel.de, 12. September 1988
  4. Dunkle Konsorten, spiegel.de, 18. Juli 1977
  5. Der Ladenhüter, manager-magazin.de, 1.September 1999
  6. Chronologie: Eine Firma erfindet sich neu, bilanz.ch, 20. September 2005
  7. Bally: Kleiner und feiner, bilanz.ch, 20.September 2005
  8. Neuer Besitzer für Bally: Texas Pacific verkauft Traditionsfirma an Labelux, handelszeitung.ch, 23.April 2008
  9. Luxuriöser Auftritt, bilanz.ch, 22.März 2005
  10. Interview mit: Scott Fellows, persoenlich.com, Februar 2002
  11. a b Bally Schuhe laufen wieder, morgenpost.de, 13.Oktober 2007
  12. Bally: Kleiner und feiner, bilanz.ch, 20. September 2005
  13. Bally-Designer gestorben, textilwirtschaft.de, 22. Juni 2006
  14. Bally: In Hiphop-Kreisen gern getragen, 20min.ch, 17.Januar 2008
  15. a b Benckiser: von Calgon bis Bally, manager-magazin.de, 11.August 2008
  16. Finanzinvestor veräussert Bally-Schuhe (Version vom 2. August 2012 im Webarchiv Archive.today), ft.de, 23.April 2008
  17. Berndt Hauptkorn kauft still und heimlich Luxusmarken, handelsblatt.com, 26. Juni 2009
  18. Bally bekommt neuen Chef, textilwirtschaft.de, 30. Oktober 2009
  19. a b Bally: Déjà vu In: bilanz.ch vom 13. Januar 2012
  20. Bally in österreichischer Hand, regiolive.ch, zuletzt aufgerufen: 15.August 2008
  21. Bally & Brian Atwood: Helvetisch-amerikanische Zusammenkünfte, subwasief.de, 28.April 2008
  22. Bally’s Fashion Turn, dnrnews.com, 25.Juni 2007 (englisch)
  23. Textilwirtschaft: Bally: Neues Designteam mit Graeme Fidler und Michael Herz (19. März 2010)
  24. shinyshoes.edelight.de: Til Schweiger für Bally (22. März 2010)
  25. Bolero: Ballys Neuer (12. Januar 2010)