Balzac – Ein Leben voller Leidenschaft

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Filmdaten
Originaltitel Balzac /
Balzac – Ein Leben voller Leidenschaft
Produktionsland Frankreich, Italien, Deutschland
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1999
Länge 180 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Josée Dayan
Drehbuch Didier Decoin
Produktion Jean-Pierre Guérin,
Edith Colnel,
Doris Kirch
Musik Bruno Coulais
Kamera Willy Stassen
Schnitt Pauline Casalis,
Adeline Yoyotte,
Marie-Josèphe Yoyotte
Besetzung

Balzac – Ein Leben voller Leidenschaft ist ein zweiteiliger französisch-italienisch-deutscher Fernsehfilm aus dem Jahr 1999. Die Filmbiografie über den französischen Schriftsteller Honoré de Balzac (1799–1850) entstand unter der Regie von Josée Dayan mit Gérard Depardieu in der Titelrolle.

Handlung[Bearbeiten]

Im Jahre 1850 verstirbt Honoré de Balzac, einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Sein Freund und Kollege Victor Hugo, der ebenfalls sehr erfolgreich Romane und Erzählungen veröffentlicht, blickt auf das ausschweifende Leben von Balzac zurück:

Seit jeher sucht Balzac nach Anerkennung seiner Mitmenschen, was im abweisenden Verhalten seiner Mutter Charlotte-Laure begründet liegt. Er versucht sich als Autor, Verleger und Geschäftsmann, zunächst jedoch ohne Erfolg. Hochverschuldet hält nur noch eine einzige Person zu ihm. Dabei handelt es sich um die gutherzige Madame de Berny, die ihn finanziell unterstützt und von deren gesellschaftlichen Kontakten Balzac profitiert. Zudem wird sie seine Geliebte, obwohl sie einige Jahre älter ist als er.

Balzac schreibt weiter und wird mit Unmengen an Kaffee einer der produktivsten Autoren seiner Zeit. Es dauert jedoch Jahre, bis er endlich Erfolge mit seinen Romanen für sein Gesamtwerk Die menschliche Komödie feiern kann. Der Ruhm und sein Hang zum Luxus machen ihn derweil verschwenderisch, was ihn erneut an den Rand des Bankrotts treibt. Er liebt das Leben und vor allem die Frauen. Eine Zeit lang schwärmt er für die Herzogin d’Abrantès, doch es ist letztlich die schöne Gräfin Eve Hanska, in der er seine große Liebe erkennt. Diese ist mit dem russischen Adeligen Graf Hanska verheiratet, was Balzac und Eve jedoch nicht davon abhält, einen regen Briefwechsel zu betreiben.

Nachdem Madame de Berny und Graf Hanska verstorben sind, reist Balzac nach Russland, um Eve für sich zu gewinnen und sie nach Paris zu holen. Balzac und Eve müssen jedoch noch lange Zeit warten, ehe sie heiraten dürfen. Erst kurz vor seinem Tod werden sie vermählt, worauf er sie zu seiner alleinigen Erbin macht. Balzac hat als Schriftsteller alles erreicht, noch immer fehlt ihm jedoch die Anerkennung seiner Mutter. Als er durch Überanstrengung und seinen übertriebenen Kaffeekonsum im Sterben liegt, hält sie mit Tränen in den Augen seine Hand.

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Schloss Saché, Balzacs Residenz von 1824 bis 1837

Die Dreharbeiten für den Fernsehfilm, der als europäische Prestigeproduktion angelegt wurde, erfolgten unter anderem in Paris, in Bordeaux, in Balzacs Heimatstadt Tours, auf Schloss Saché, wo Balzac zeitweilig lebte, sowie in Tschechien, wo die Szenen mit den Winterlandschaften entstanden. Die Hauptdarsteller Gérard Depardieu und Fanny Ardant hatten zuvor in Die Auferstehung des Colonel Chabert (Le Colonel Chabert, 1994) in einer Leinwandverfilmung von Balzacs Erzählung Oberst Chabert ebenfalls die Hauptrollen gespielt. Bereits 1998 hatten Regisseurin Josée Dayan, Drehbuchautor Didier Decoin und Depardieu für den Fernsehmehrteiler Der Graf von Monte Christo erfolgreich zusammengearbeitet. Im Jahr 2000 versuchte sich das Trio mit Les Misérables – Gefangene des Schicksals an einer Fernsehverfilmung von Victor Hugos Roman Die Elenden.

In Deutschland wurde Balzac – Ein Leben voller Leidenschaft erstmals am 2. und 3. Januar 2000 in zwei Teilen im Fernsehen gezeigt. 2001 und 2009 erschien der Mehrteiler auf DVD.

Kritiken[Bearbeiten]

Für das Lexikon des Internationalen Films war der Mehrteiler ein „opulenter Bilderbogen, der nicht nur das zähe Ringen um literarische Anerkennung beinhaltet, sondern auch Schlaglichter auf das ausschweifende Leben des Bonvivants wirft“. Herausgekommen sei ein „ebenso glaubwürdiger wie unterhaltsamer Film über das Abenteuer eines Künstlerlebens“. Den „durchweg großartigen Schauspielerleistungen“ sei es zu verdanken, dass der Film beim Zuschauer Mitgefühl hervorrufe.[1] Prisma bezeichnete Balzac – Ein Leben voller Leidenschaft als „brillant besetztes Historiendrama mit opulenten Bildern und einer mitreißenden Story“.[2] „Bilder, Kostüme und Dialoge sind ein Genuss“, lobte auch TV Spielfilm. Zudem sei der Film „[p]rächtig inszeniert und souverän gespielt“.[3]

Nikolaus von Festenberg sprach im Spiegel von einem „europäischen Angriff auf die alte Zeit“, bei dem man „auf große Schauspieler und die Kraft der Dialoge“ gesetzt habe. „Wie Obelix erwatschelt sich Depardieu den Balzac-Part, schelmisch, täppisch, aber voller Ehrfurcht für den großen Poeten“, so Festenberg. Dabei werde Balzac „konterkariert von seiner kalten Mutter, die die Moreau souverän hinlegt“. Diese habe ihre Rolle so gespielt, „als schaute das alte Europa voller Skepsis, aber auch mit liebender Weisheit auf seine großen Dichter“.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Balzac – Ein Leben voller Leidenschaft im Lexikon des Internationalen Films
  2. vgl. prisma.de
  3. vgl. tvspielfilm.de
  4. Nikolaus von Festenberg: Kampf der Schinken. In: Der Spiegel, 15. November 1999.