Balzers

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Balzers
Flagge Wappen
Flagge von Balzers
Wappen von Balzers
Basisdaten
Staat: LiechtensteinLiechtenstein Fürstentum Liechtenstein
Wahlkreis: Oberland
Gemeindenummer: 7003
Postleitzahl: 9496
UN/LOCODE: LI BAZ
Koordinaten: 757110 / 21516747.0688839.507226Koordinaten: 47° 4′ 8″ N, 9° 30′ 26″ O; CH1903: 757110 / 215167
Höhe: 477 m ü. M.
Fläche: 19,7 km²
Einwohner: 4539 (31. Dezember 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 230 Einwohner pro km²
Ausländeranteil: 26,8 % (31. Dezember 2011)[2]
Website: www.balzers.li
Karte
Eschen Eschen Gamprin Mauren Ruggell Schellenberg Balzers Balzers Balzers Planken Schaan Schaan Schaan Triesen Triesenberg Triesenberg Vaduz Vaduz Vaduz Vaduz VaduzLage der Gemeinde Balzers  im Fürstentum Liechtenstein (anklickbare Karte)
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Blick auf Balzers

Balzers (Dialekt: Baltsers) ist eine Gemeinde im Wahlkreis Oberland des Fürstentums Liechtenstein. Balzers verfügt über zwei Exklaven und ist somit eine dreigeteilte Gemeinde. Sie ist die westlichste wie auch die östlichste Gemeinde des Fürstentums und mit rund 4500 Bewohnern einwohnermässig die viertgrösste Gemeinde des Landes.

Geographie[Bearbeiten]

Balzers grenzt im Westen und Nordwesten an den Schweizer Kanton St. Gallen, im Süden an den Kanton Graubünden und im Osten und Nordosten an die Liechtensteiner Gemeinde Triesen. Der Rhein bildet die natürliche Grenze zu St. Gallen und das Rätikon grenzt die Gemeinde in Richtung Osten ab. Im Süden erhebt sich das Ellhorn – das 1948 der Schweiz abgetreten wurde – und am Fusse des Falknis verläuft die Passstrasse St. Luzisteig, die Balzers mit Maienfeld verbindet.

Die Gemeinde Balzers umfasst die Dorfteile Balzers und Mäls, das südlicher gelegen ist. Zusätzlich besitzt die Gemeinde fünf Genossenschaftsalpen in Liechtenstein und rund 370 Hektaren Wiesen und Wälder, die auf dem Gebiet des Schweizer Kantons Graubünden liegen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Gemeinde Balzers ist in ihren Grundzügen mit der des Landes Liechtenstein identisch. Aufgrund der ausgegrabenen Kulturgegenstände ist für das Gemeindegebiet der Beweis einer Besiedlungskontinuität von der Jungsteinzeit an (etwa 3000 v. Chr.) bis zum heutigen Tag erbracht worden, wobei die Ortschaft im Jahr 842 erstmals urkundlich erwähnt wird.

Das Dorf zerfiel in die beiden Teile Balzers und Mäls, wovon das rätische Mäls der ältere Teil ist. Während «Meilis», wie Mäls im Rätischen Urbar heisst, etymologisch bis heute nicht gedeutet werden konnte, kann der Name Balzers (Palazoles) in Zusammenhang mit dem lateinischen «palatium» (= Herrenhof, Pfalz) gebracht werden.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Archäologische Ausgrabungen haben gezeigt, dass der Burghügel der Burg Gutenberg seit der Jungsteinzeit besiedelt ist. Seit im Jahr 1934 Funde am Südfuss des Burghügels Gutenberg entdeckt wurden, gilt Balzers als die südlichste Fundstelle der Rössener Kultur. Die «frühe» und die «späte Bronzezeit» sind durch am Burghügel Gutenberg gefundene Gefässreste fassbar. Von grosser kunstgeschichtlicher Bedeutung sind sieben menschliche Bronzestatuen und zwei Tierfiguren (Eber und Hirsch), die am Burghügel gefunden wurden. Dabei ist die Figur «Mars von Gutenberg» mit einer Grösse von zwölf Zentimetern besonders bedeutsam. Bei diesen Figuren handelt es sich wohl um Fruchtbarkeits- oder Ritualgegenstände.

Im Jahr 15 v. Chr. eroberten die Römer unter Augustus das Gebiet des heutigen Liechtensteins und errichteten die römische Provinz Raetia. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde die Heeresstrasse Mailand-Bregenz errichtet, die über die Luzisteig nach Balzers und weiter nach Bregenz führte. Aus diesem Grund wurden auch in Balzers verschiedenste römische Bauwerke errichtet.[3]

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten]

Im Mittelalter sind weitere Bautätigkeiten im Dorf nachweisbar. Zeitgleich gewann die Burg Gutenberg an Bedeutung, wo bereits im 9. und 10. Jahrhundert ein Friedhof mit rund 300 Gräbern angelegt wurde. Im Zürichkrieg brannten grosse Teile des Dorfes ab, sodass es neu errichtet wurde. Im Schwabenkrieg wurde die Ortschaft geplündert und die Burg Gutenberg belagert und beschossen.[4]

Im Jahr 1795 kam es im nördlichen Dorfteil zu einem Brand, in dem neben 34 Häusern die Pfarrkirche zerstört wurden. Im März 1799 überquerten französische Truppen im Koalitionskrieg den Rhein bei Balzers und im Oktober 1799 nächtigten unter dem russischen General Alexander Wassiljewitsch Suworow rund 15'000 Mann in Balzers. In dieser Zeit kam es deshalb zu einer verstärkten Verarmung der Bevölkerung.[5]

Ab dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Balzers zunehmend zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort.

Einwohnerentwicklung
Jahr 1584 1850 1930 1950 1975 1995 2000
Einwohner 313 1083 1347 1756 3104 3954 4233

Wappen[Bearbeiten]

Das Gemeindewappen von Balzers war ursprünglich das «Balzner Förkle», eine dreigezackte Heugabel. Am 16. August 1956 wurde von Fürst Franz Josef II. der Gemeinde ein neues Wappen verliehen. Dieses neue Wappen lehnt sich an dasjenige des Freiherrn von Frauenberg an, welche um 1300 Burgherren von Gutenberg waren. Das Wappen zeigt im blauen Schild einen goldenen Greif mit roter Zunge.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Nikolaus
Mariahilfkapelle
  • Die Burg Gutenberg ist das Wahrzeichen der Gemeinde Balzers. Die im 12. Jahrhundert errichtete Burg thront auf einem 70 Meter hohen Felssporn, der zu allen Seiten freisteht. Nach vielen Jahren in Privatbesitz wurde sie im Jahr 1979 vom Land Liechtenstein übernommen.
  • Die Ruine der Burg Grafenberg (im Volksmund auch Mörderburg genannt) liegt auf dem Gemeindegebiet Fläschs, der Burghügel gehört jedoch der Gemeinde Balzers. Erhalten sind weite Teile des Mauerwerks mit Schartenfenstern und Balkenlöchern. Die Entstehung der Burganlage wird im 13. Jhd. vermutet.
  • Die Pfarrkirche St. Nikolaus wurde im Jahre 1912 eingeweiht und vom Wiener Architekten Gustav von Neumann entworfen. Die am Fusse des Burghügels gelegene Kirche wurde von Fürst Johann II. anlässlich seines 50. Regierungsjubiläums der Gemeinde gestiftet.
  • Der Alte Friedhof wurde bis ins Jahr 1966 genutzt und in den Jahren 1997/1998 aufgelöst. 1805 bis 1807 wurde hier eine Pfarrkirche gebaut, die die beim Dorfbrand von 1795 zerstörte Kirche ersetzte. Im Jahr 1926 wurde die neu erbaute Pfarrkirche aus Platzgründen abgebrochen. Stehengeblieben ist der alte Kirchturm, der von einer Parkanlage umgeben ist.
  • Das Alte Pfarrhaus wurde von 1804 bis 1870 erbaut und ersetze das Pfarrhaus, welches beim Dorfbrand von 1795 zerstört wurde. Seit Mitte 2011 wird das Alte Pfarrhaus und der angrenzende Pfarrstall als Kulturzentrum genutzt.
  • Die Entstehungszeit der Mariahilfkapelle ist nicht eindeutig belegt. Möglicherweise geht sie auf das Jahr 1289 zurück, als eine Schlacht ausgetragen worden war und die Mariahilfkapelle als Andenken an den Kampf errichtet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie immer wieder ausgebaut und verschönert. Lange Zeit war die im Ortsteil Mäls gelegene Kapelle ein beliebter Wahlfahrtsort, die heute als Heiratskapelle von Bedeutung ist. Einer Legende nach soll die Kapelle als Dank an die Jungfrau Maria erbaut worden sein: Ein Lindwurm soll sein Unwesen im Dorf getrieben haben und schliesslich baten die Bewohner Maria den Lindwurm zu vertreiben, was sie schlussendlich auch getan hat. An diese Legende erinnert ein Drachenkopf, der an der Turmspitze der Kapelle angebracht ist.
  • Die Kapelle St. Peter entstand wahrscheinlich im 13. oder 14. Jahrhundert. Sie liegt wie die Mariahilfkapelle im Ortsteil Mäls und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ausgebaut und erweitert. Historisch bedeutsam ist ein spätgotischer Flügelaltar und eine thronende Madonna aus der Zeit um 1415.
  • Das Haus Gutenberg ist ein Bildungshaus am Fusse der Burg Gutenberg. Fürstin Franziska von Liechtenstein liess das Gebäude in den Jahren 1854–1856 errichten. Es wurde von unterschiedlichen religiösen Orden u.a. als Gymnasium (bis 1973) genutzt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Grenzübergang Balzers–Trübbach

Liechtenstein selbst besitzt keine Autobahnen, allerdings führt die Schweizer A13 entlang der linken Rheinseite. Balzers verfügt mit der Autobahnausfahrt in der St. Galler Gemeinde Trübbach über einen Autobahnanschluss in unmittelbarer Nähe.
Der Bahnhof in Trübbach ist der nächstgelegene Bahnhof mit regionaler Anbindung. Der überregionalbedeutende Bahnhof Sargans ist mit den öffentlichen Bussen der Verkehrsbetriebs LIECHTENSTEINmobil in rund zehn Minuten erreichbar und so ist die Gemeinde Balzers auch mit den Schweizer Städten Chur, St. Gallen und Zürich verbunden.[6]

In Balzers gab es Ende 2010 rund 2.900 Arbeitsplätze, von denen die meisten zur Industrie zu zählen sind. Die OC Oerlikon Balzers ist der wichtigste Arbeitgeber der Gemeinde.[7]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevorsteher ist Arthur Brunhart (VU), der zusätzlich das Amt des Landtagspräsidenten bekleidet. Der Gemeinderat besteht aus zwölf Mitgliedern, der sich seit der Gemeindewahl 2011 folgendermassen zusammensetzt: VU mit fünf, FBP mit sechs und FL mit einem Sitz.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johann Baptist Büchel (1853–1927), Geistlicher, Lehrer, Politiker und Historiker
  • Xaver Frick (1913–2009), Liechtensteiner Leichtathlet und Skilangläufer
  • Hans Brunhart (* 1945), ehemaliger Regierungschef von Liechtenstein
  • August Wolfinger (* 1949), ehemaliger liechtensteinischer Skirennläufer
  • Arthur Brunhart (* 1952), Liechtensteiner Historiker und Politiker
  • Mario Frick (* 1965), ehemaliger Regierungschef von Liechtenstein
  • Markus Foser (* 1968), ehemaliger Liechtensteiner Skirennläufer
  • Achim Vogt (* 1970), ehemaliger Liechtensteiner Skirennläufer

Literatur[Bearbeiten]

  • Adulf Peter Goop, Günther Meier, Daniel Quaderer: Brauchtum Liechtenstein. Alte Bräuche und neue Sitten. Alpenland-Verlag, Schaan 2005, ISBN 3-905437-09-0.
  • Franz Büchel: Gemeinde Balzers. Beiträge zur Geschichte 842–1942. Gemeinde Balzers, Balzers 1987.
  • Mario F. Broggi (Hrsg.): Alpenrheintal – eine Region im Umbau. Analysen und Perspektiven der räumlichen Entwicklung (= Liechtenstein politische Schriften. Bd. 41). Historisch-Heimatkundliche Vereinigung der Region u. a., Werdenberg u. a. 2006, ISBN 3-033-00977-8.
  • Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Band 2: Das Oberland (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Bd. 112). Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 2007, ISBN 978-3-906131-85-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Liechtenstein - Amt für Volkswirtschaft
  2. Bevölkerung und Wohnverhältnisse (PDF), Amt für Statistik, abgerufen am 25. November 2013
  3. Georg Malin: Das Gebiet Liechtensteins unter römischer Herrschaft. 1958, S. 22.
  4. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 25–27.
  5. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 27–28.
  6. LIEmobil. Abgerufen am 30. April 2013.
  7. Amt für Statistik. Abgerufen am 4. Juni 2011.
  8. Gemeindewahlen 2011. Abgerufen am 14. Mai 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Balzers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Balzers – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen