Bamberger Reiter

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Der Bamberger Reiter oder steinerne Reiter ist ein steinernes Reiterstandbild im Bamberger Dom aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und gehört zu den kulturellen Höhepunkten der späten Stauferzeit.[1] Er gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Bambergs.

Standort im Bamberger Dom

Standort, Beschreibung und Geschichte[Bearbeiten]

Die Skulptur, deren Schöpfer unbekannt ist, wurde aus mehreren Schilfsandsteinblöcken gehauen und vermutlich vor der Weihe des Dom-Neubaus 1237 aufgestellt. Sie befindet sich auf einer Konsole am Nordpfeiler des Georgenchors im Bamberger Dom. Neuere Forschungen (2004) haben ergeben, dass das Standbild seit seiner ursprünglichen Aufstellung im 13. Jahrhundert seinen Standort beibehalten hat und damit sowohl auf das Doppelgrab des Kaiserpaars Heinrich II. und Kunigunde als auch auf das Fürstenportal bezogen war: Nach der räumlichen Anordnung ist der steinerne König imaginär durch dieses Portal hineingeritten und hält, dem früheren Grab des Kaiserpaars huldigend zugewandt, inne.

Rekonstruktionsversuch der einstigen Farbwirkung

Der Reiter war ursprünglich mit kräftigen Farben bemalt und dadurch auffälliger als heute. So war der Sockel grün bemalt, das Pferd weiß mit braunen Flecken, das Kleid und der Umhang rot mit silbernen und goldenen Sternen, die Stiefel braun, die Krone, die Sporen und der Gürtel vergoldet, die Haare dunkel.

Das Pferd der Statue ist beschlagen, eine der ersten Darstellungen von Hufeisen überhaupt.

Mögliche Deutungen[Bearbeiten]

Die Deutung der Gesamtskulptur, die wahrscheinlich nach 1225 und vor 1237 entstand, ist bis heute Gegenstand kunsthistorischer Forschung.

Der Domreiter ist eine im Kirchenraum singuläre Erscheinung, was die Deutung erschwert. Vergleichbare plastische Darstellungen derselben Epoche befinden sich in Magdeburg (Magdeburger Reiter), an der Fassade eines Palazzo (Reiterstandbild Oldrado da Tresseno) in Mailand und am Portal der Kathedrale von Lucca – also nicht innerhalb einer Kirche. Die räumlich nächsten Darstellungen in Stein, mit der der Reiter als religiöses Programm vergleichbar ist, befinden sich im Südiran (Naqsch-e Rostam in Kazrun, Bischapur, Schapur I.), wo sich Gott Ahura Mazda und Bahram I. zu Pferde begegnen. Die Weißfärbung des Reiters erinnert an Darstellungen des auf einem Schimmel reitenden Christus.[2]

Wer in dem Standbild dargestellt ist, wird kontrovers diskutiert. Viele Deutungen haben sich damit beschäftigt, die Darstellung einer historischen Person zuzuordnen: Im Domreiter wird

Heiliger-Stephan-Theorie[Bearbeiten]

Stephan I., Denkmal in Budapest

Da die Figur in einer Kirche aufgestellt und keine Grabfigur ist, soll es sich wegen des Baldachins um einen Heiligen handeln. Könige, die Beziehungen zu Bamberg haben und zugleich heiliggesprochen wurden, sind Heinrich II. (1146 heiliggesprochen), der im Dom begraben ist, sowie Stephan I., der mit Heinrich II. verschwägert war, 1083 heiliggesprochen und im Bamberger Dom verehrt wurde. Heinrich war nicht nur römisch-deutscher König, sondern auch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, und wäre als Kaiser dargestellt worden. Deshalb sei Stephan wahrscheinlicher, wofür die Verwandtschaftsbeziehungen Bischofs Ekbert von Andechs-Meranien, in dessen Amtszeit die Skulptur vermutlich aufgestellt wurde, nach Ungarn sprechen (→ Bamberger Dom). Der Reiter sei eine Form des Dankes für das Asyl, das Ekbert nach dem Königsmord 1208 bei Andreas II. bis zu seiner Rehabilitierung genoss.

„Es ist belegt, daß Stephan von Ungarn in Bamberg schon sehr früh eine außergewöhnliche liturgische Verehrung genoß. Dies braucht nicht zu verwundern: Bamberg hatte im 13. Jahrhundert große Besitzungen in anderen Teilen Europas, die den Blick der Bevölkerung weit über die Grenzen Frankens lenkten. Von daher erscheint die Darstellung eines Ungarn im Bamberger Dom glaubhaft.“

„Auch die Legendenbildung stützt die Stephanstheorie. In den Sagen des 12. und 13. Jahrhunderts wird immer wieder die Zartheit Stephans betont. Einer weiteren Legende zufolge soll Stephan sogar bei seinem ersten Bamberg-Besuch – als Heide noch nicht mit den christlichen Gepflogenheiten vertraut – geradewegs in den Dom galoppiert sein: Dies würde das Pferd erklären. Das Tier könnte übrigens auch als ethnisches Symbol für die Ungarn gesehen werden, die man traditionell mit dem Reitervolk der Hunnen gleichsetzte.“[3]

Die Legende vom Einritt Stephans I. wird in der 1865 entstandenen Monumentalzeichnung von Anton Kraus (1838–1872) sichtbar.[4]

Diese Deutung des Reiterstandbildes als Darstellung von Stephan I. wird seit 2008 auch von dem Forscherteam um Achim Hubel (Universität Bamberg) und Manfred Schuller (TU München) vertreten[5]

König-Philipp-Theorie[Bearbeiten]

Münze mit dem Abbild des Philipp von Schwaben zu Pferde (1198)

Auf dem Fürstenportal wird auch die antijudaistische Allegorie Synagoge von einem Baldachin überdacht,[6] die gekrönte Gestalt müsse also kein Heiliger sein.[7] Würdig im Sinne des Rechtes, in einem Kirchenraum figürlich gewürdigt und dort beigesetzt zu werden, waren – belegt seit 1080 mit dem Grabmal des Rudolf von Rheinfelden im Merseburger Dom[8] auch weltliche Herrscher, die ihr Leben für die Kirche lassen. Eine äußerst dramatische Verbindung zu Bamberg weist Philipp von Schwaben auf, der 1208 in Bamberg – unbewaffnet[9] – ermordet wurde. Philipp wurde zunächst im noch im Umbau befindlichen Dom[10] beigesetzt. Die Grabstätte lag unweit jenes Chorpfeilers, an dessen Westseite der Bamberger Reiter angebracht wurde. Dessen Neffe, Friedrich II., ließ ihn 1213, bei seiner ersten Reise als (wiederholt[11] gewählter) römisch-deutscher König über die Alpen kommend, in den Speyerer Dom umbetten.[12] Seitdem gäbe es im Bamberger Dom kein sichtbares Gedenken mehr an Philipp und den ersten Mord an einem römisch-deutschen König – wenn nicht durch den Domreiter, der waffenlos zu Pferde thront, in ähnlich friedevoller Manier, wie Philipp ohne Beigabe von Waffen, als einziger und jüngster der acht Söhne – eine Reverenz an König David – neben seiner Mutter, Beatrix von Burgund, und dem für seinen Vater, Friedrich I. Barbarossa, vorgesehenen Platz, beigesetzt ist.[12] Die Positionierung des Reiters zwischen Portal und Kaisergrab veranlasst weitere Rückschlüsse. Im Fürstenportal, das Erlöste und Verdammte am Weltende unterscheidet, und dem Reiter wird die sogenannte Tor-Liturgie arrangiert (Ps 24 EU), die ihren ursprünglichen Sitz in der Wallfahrt nach Jerusalem hatte, im Christentum jedoch am Anfang des Kirchenjahres (Advent) angesiedelt wurde:

Konrad III. mit Ludwig dem Jungen vor Konstantinopel (1146/47)[13]

Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn,
wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?
Der reine Hände hat und ein lauteres Herz …
Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch, ihr uralten Pforten;
denn es kommt der König der Herrlichkeit

Der Reiter verweise auf Philipp von Schwaben als tugendhaftes Königsvorbild. Verschiedene Umstände korrespondieren mit der Außergewöhnlichkeit des Bamberger Reiters: Philipps Name (Philipp, gr. für Pferdefreund), sein Tod zur Unzeit (der während einer Hochzeit verübte Mord sorgte auf dem Frankfurter Reichstag 1208 für einen Eklat), seine Friedensliebe (er bot dem 1206 besiegten Widersacher Otto IV. seine Tochter Beatrix von Schwaben zur Vermählung an) sowie die in Bamberg nach Konrad III. sich wiederholende Tragik, dass einem gewählten staufischen König durch unzeitigen Tod die Kaiserkrönung versagt blieb. Der Reiter könne als Memorial für den römisch-deutschen König Philipp von Schwaben verstanden werden, der – anders als Stephan I. – sowohl mit Heinrich und Kunigunde durch den Besitz der Reichskleinodien als auch mit diesen und Konrad III. durch den Ort der (ersten) Grablege im Bamberger Dom verbunden war.

Staufer-Theorie[Bearbeiten]

Friedrich II. (links) verhandelt 1228 mit Sultan al-Kamil

In Weiterverfolgung der Bedeutung Bambergs für die Staufer ergeben sich mit dem sogenannten fünften Kreuzzug, dem Kreuzzug Friedrichs II., 1228/29 zahlreiche Motive für die Schaffung der Figur eines unbewaffneten Reiterkönigs: Der „Reiter“ eignet sich als Denkmal für einen neu erworbenen, prestigeträchtigen Königstitel: Friedrich II. fiel im Mai 1228 durch den Tod seiner zweiten Frau, Isabella von Brienne, die Verwaltungshoheit über den Titel „König von Jerusalem“ zu, dessen Krone er sich im Frühjahr 1229 in Jerusalem aufsetzte; das Pferd des Bamberger Reiters wäre zum einen eine Anspielung auf Gottfried von Bouillon, den Jerusalem-Eroberer und Prototyp eines Kreuzritters zu Pferde, zum anderen auf den Herrschaftsanspruch des Okzidents über den Orient, wie seinerzeit für Mark Aurel, den Bezwinger der Parther; allerdings war dieser Bezug im Mittelalter nicht bekannt, da dessen Reiterstandbild in Rom fälschlich mit dem ersten Kaiser der Christenheit, Konstantin der Große, identifiziert wurde. Die Brücke der beiden Standbilder ergäbe sich zwischen den Reitern und Orten. Bamberg war der Versuch Heinrich II., ein zweites, neues Rom[14] zu errichten; dort, am Erwartungsort für ein Himmlisches Jerusalem, kann Friedrich als letzter und legitimer Endzeit-Herrscher präsentiert werden (Offb 6,2 EU; 19,11 EU; 21,10 EU).[15] Friedrichs bewaffnete Wallfahrt war der einzige friedliche Kreuzzug, was ihn sowohl mit dem Gebaren seines Onkels, Philipp von Schwaben, verbindet, in dessen 20. Todesjahr der Kreuzzug fiel, als auch mit Bischof Gunther von Bamberg († 1065), der 1064 die erste bewaffnete Jerusalemfahrt von deutschem Boden aus leitete, und dessen Auftrag an Ezzo, dafür ein „schönes Lied“ zu dichten; Gunther starb auf dem Rückweg in Ungarn.[16] Ebenso spielt Bamberg für die Heiratspolitik Friedrich II. eine besondere Rolle: Als Elisabeth von Thüringen die Wartburg verließ, musste sie sich mit ihren drei Kindern 1228 zu ihrem Onkel, Bischof Ekbert, nach Bamberg begeben und widerstand dessen eindringlichen, für den Kaiser stellvertretenden Werben, als 20-jährige Witwe eine Ehe mit Friedrich II., ebenfalls und zum zweiten Mal Witwer, einzugehen. Elisabeth blieb ihrem Gelübde vom Karfreitag 1228 treu, ihrem Stand abzusagen. Friedrich, obwohl gebannt, weil er seinem Gelübde aus 1219, Jerusalem zu befreien, nicht nachgekommen war, schiffte sich nun doch, wenn auch kirchenjuristisch zu spät und unerlaubt, bis September 1228 nach Akkon ein, verhandelte mit Sultan al-Kamil und wurde von ihm als König von Jerusalem anerkannt. Einer der im Orient erzielten Erfolge lässt sich an der Aufhebung des (wiederholten) Banns 1230/31 ablesen. Der Bamberger Reiter stünde somit als Symbol nicht einer einzelnen Person, sondern der Staufer-Dynastie und ihrem Machtanspruch schlechthin – bis zur Annullierung des Kaisertitels 1245, was ein neues Verständnis des Domreiters ermöglichte und die seither zahlreichen Hypothesen und aufkommenden Legenden erklärte.

Messias-Theorie[Bearbeiten]

Der sog. erste Reiter(Offb 6,2 EU) in der Bamberger Apokalypse (um 1000)

Der Mittelalterhistoriker Hannes Möhring, Privatdozent an der Universität Bayreuth, vertrat 2004 die Auffassung, dass der waffenlose und mit einem Tasselmantel bekleidete gekrönte Reiter den am Ende der Zeiten wiederkehrenden Messias aus der Offenbarung des Johannes darstelle, den König der Könige (Offb 19,11–16 EU). Er habe in den Zeiten der Kreuzzüge die Gläubigen daran erinnern sollen, dass die Feinde des Christentums, vor allem die Muslime, nur durch Gottes Wort wirklich zu besiegen seien.

Universal-Theorie[Bearbeiten]

Teilweise wird in der Skulptur auch eine symbolische Abbildung der gesamten Welt gesehen. Der auf der Konsole rechts unter dem Sockel dargestellte Dämon stellt die Unterwelt dar, darüber kommt die Pflanzenwelt, dann die Tierwelt, sodann der Mensch und darüber veranschaulicht der Baldachin die schwebende Stadt Jerusalem, den Himmel.

Rezeption[Bearbeiten]

Im 20. Jahrhundert, insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg, wurde der Reiter politisch instrumentalisiert als „Schlüsselgestalt nationalistischer Schwärmerei und hypertropher Großmachtphantasien“.[17] Die akademische Kunsthistorie des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts habe die Figur derart in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, dass ihr „eine ahistorische wie metaphysische Deutung“ aufgezwungen und dadurch „eine völkisch-rassistisch orientierte Bewertung“ mit populärem Einschlag möglich geworden sei.[18]

Kopf des Reiters
100-Mark-Schein 1920
Briefmarke 2003

Für den Dichter Stefan George verkörperte der Domreiter in seinem „geheimen Deutschland“ ein Ideal, das er 1907 – als die Statue noch nicht allgemein bekannt war – in einer „bewusst elitäre[n] Geste“ rühmte:[19]

Du Fremdester brichst noch als echter spross
Zur guten kehr aus deines volkes flanke.
Zeigt dieser dom dich nicht: herab vom ross
Streitbar und stolz als königlicher Franke!
Dann bist du leibhaft in der kemenat
Gemeisselt – nicht mehr Waibling oder Welfe –
Nur stiller künstler der sein bestes tat·
Versonnen wartend bis der himmel helfe.[20]

Im Kreis um George nutzte Ernst Kantorowicz die Gesichtszüge des Reiters 1927 in seiner rühmenden Biographie über den Stauferkaiser Friedrich II. als Ausweis dafür, dass beide Figuren den mittelmeerischen Germanentypus verkörperten; das Bamberger Gesicht verrate, „dass jener schöne und ritterlich adlige Menschentypus [des Kaisers] damals in Deutschland gelebt haben muss“,[21] der Dom von Bamberg wurde für ihn in einem Rundfunkvortrag 1935 daher „das wahre Nationalheiligtum der Deutschen“.[22]

Gedenktafel für Hitler-Attentäter im Dom

Der spätere Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde im George-Kreises, dessen Mitglied er seit 1923 war, verherrlichend als „Bamberger Reiter“ bezeichnet; die Assoziation ging so weit, dass eine äußere Ähnlichkeit Stauffenbergs mit der Figur des Standbilds behauptet wurde.[23]

Im Ersten Weltkrieg waren die Ulanen des 1. Königlich Bayerischen Ulanenregiments als Bamberger Reiter bezeichnet worden (da in Bamberg stationiert). Auch die Mitglieder des 17. Reiter-Regiments der Reichswehr wurden Bamberger Reiter genannt. Für fünf Regimentsmitglieder, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus starben (darunter Claus Schenk Graf von Stauffenberg) ist im Bamberger Dom eine Gedenktafel angebracht.

In der Zeit der Weimarer Republik begann die Popularisierung der Figur; so findet sich der Kopf des Reiters auf dem 100-Mark-Schein von 1920, und der Fotograf Walter Hege schuf Lichtbilder des Kopfes, die weite Verbreitung fanden[19] und als „die Ikone des politischen Programms einer deutschen renovatio imperii“ galten.[24]

Im Dritten Reich wurde der Bamberger Reiter von den Nationalsozialisten als Signatur arischer Kultur[18] zu Propagandazwecken missbraucht, etwa von Hans Freyer. 1935 begrüßte er den Nationalsozialismus mit den Worten: „Das unbekannte Volk steht auf und sagt ein politisches Ja. Aus den alten Säften wächst, noch einmal, eine Epoche, die Sinn hat. … Zukunft liegt über dem Heute, weil es eine Wandlung des Ewigen ist. Die Menschen glauben, schreiten aus, blicken vorwärts und zwischen ihnen reitet, ungesehen, der Reiter aus Bamberg.“[25] Hans F. K. Günthers Rassenkunde des deutschen Volkes setzte den Kopf des Reiters aufs Titelbild, ebenso Paul Schultze-Naumburgs Die Kunst der Deutschen.[26] Der Kunsthistoriker Alfred Stange erklärte die Figur 1935 zum „Denkmal des ewigen Deutschen“,[27] und in der NS-Bildästhetik wurde der Kopf „ästhetisches Double“ Adolf Hitlers.[24]

Friedrich Sieberts sinfonische Dichtung Der Bamberger Reiter wurde 1939 in Bad Salzuflen uraufgeführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die politische Vereinnahmung zugunsten einer populärkulturellen Nutzung zurück. Bei der Eröffnung der Stuttgarter Staufer-Ausstellung 1977 nannte Bundespräsident Walter Scheel die Plastik neben literarischen Gestalten „ein Stück von uns selbst“, das die Stauferzeit als „unsere erste Klassik“ hervorgebracht und „unsere geistige Identität [mit-]geformt“ habe.[28] Jedes Jahr verleihen die Bamberger Kurzfilmtage einen Bamberger Reiter in Schokolade an den Preisträger der Publikumsabstimmung sowie eine Miniaturversion des Reiters als Preis der Jugendjury. 2003 würdigte die Deutsche Post den Reiter mit einer Abbildung auf einer Briefmarke der Dauerserie Sehenswürdigkeiten. Der 2005 erschienenen Mittelalterroman Die Nacht des steinernen Reiters verknüpft seine Handlung mit der Entstehung des Reiters. Im Rahmen des 1000-jährigen Domjubiläums 2012 ließ das Bamberger Diözesanmuseum einen Playmobil-Reiter herstellen, der sich an der mittelalterlichen Bemalung orientiert.[29]

Literatur[Bearbeiten]

  • Berichte des Historischen Vereins Bamberg. 143, 2007, ISBN 3-87735-192-1, darin:
    • Heinz Gockel: Der Bamberger Reiter: Stephan von Ungarn oder Endzeitkaiser? S. 39–57.
    • Achim Hubel: Der Bamberger Reiter. Beschreibung – Befundauswertung – Ikonographie. S. 121–157.
    • Otto Spälter: Der vergessene Christus oder: abermals der Bamberger Reiter. S. 59–120.
  • Walter Hartleitner: Zur Polychromie der Bamberger Domskulptur. Universitätsbibliothek der Universität Bamberg, Bamberg 2011, ISBN 978-3-86309-014-2, zugleich Dissertation, Universität Bamberg, 2011 (Volltext bei der Universität Bamberg). Kurzfassung: ders.: Zur Polychromie der Bamberger Domskulptur. In: Das Münster. Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft. 56 (2003), S. 366–380 (Inhalt).
  • Berthold Hinz: Der „Bamberger Reiter“. In: Martin Warnke (Hrsg.): Das Kunstwerk zwischen Wissenschaft und Weltanschauung. Gütersloh 1970, S. 26–44.
  • Achim Hubel: Kaiser Heinrich II., die Idee einer Roma secunda und die Konkurrenz zwischen Regensburg und Bamberg im 11. Jahrhundert. In: Christine und Klaus van Eickels (Hrsg.): Das Bistum Bamberg in der Welt des Mittelalters. Bamberg 2007, ISBN 978-3-923507-28-3, S. 103–140.
  • Hannes Möhring: König der Könige. Der Bamberger Reiter in neuer Interpretation. Königstein im Taunus 2004, ISBN 3-7845-2141-X.
  • Stefan Schweizer: „Unserer Weltanschauung sichtbaren Ausdruck geben“. Nationalsozialistische Geschichtsbilder in historischen Festzügen zum „Tag der Deutschen Kunst“ 1933 bis 1939. Wallstein, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0107-8, Exkurs: Der ,Bamberger Reiter‘ als Sinnbild ,deutscher Kunst‘, S. 91–105.
  • Wolfgang Ullrich: Der Bamberger Reiter und Uta von Naumburg. In: Etienne François, Hagen Schulze (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte. Band 1, Beck, München 2001, ISBN 3-406-59141-8, S. 322–334.
  • Otto Eberhardt: Der Bamberger Reiter als Endzeitkaiser? Noch einmal zu einer verfehlten These. In: Berichte des Historischen Vereins Bamberg. 148, 2012, ISBN 978-3-87735-211-3, S. 73–85.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bamberger Reiter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Mack: Von der Steinzeit zur Stauferstadt. Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7820-0685-2, S. 280.
  2. Rolf Toman (Hrsg.): Die Kunst der Romanik. Köln 1996, ISBN 3-89508-213-9, S. 430, mit einer Abbildung einer solchen Darstellung in der Krypta der Kathedrale von Auxerre (um 1150).
  3. Zitiert aus: Fränkischer Tag, 8. Mai 1987. Der Status Heide für den ersten christlichen König Ungarns darf nur als despektierliche, moralische Note verstanden werden, da er im Alter von fünf Jahren getauft wurde.
  4. Bamberg-Guide: Wer ist der Bamberger Reiter?
  5. Bamberger Reiter war König von Ungarn, WELT online vom 8. August 2008.
  6. Zur Funktion des Baldachins vgl. das Portal der Kirche zu Geiß-Nidda (Vogelsberg), das um 1230 entstanden ist. Dort sind der Gekreuzigte, Bischof Nikolaus, eine Stifterfigur und eine schwer zu bestimmende Frauen(?)gestalt gemeinsam überdacht. Die Aufgabe des Baldachins ist, vergleichbar einem Heiligenschein oder der Flügelpaare der Evangelistensymbole, das Darstellung darunter als Glaubensbotschaft auszuweisen und damit von Profanem zu unterscheiden.
  7. Johannes Lehmann: Die Staufer. München 1978, S. 343, verweist auf den Ahnenkult und sieht im Reiter einen adligen Ritter, also keinen Heiligen, sondern einen geheiligten Menschen.
  8. Toman: Romanik. S. 313.
  9. Mack: Staufer. S. 249. Die römisch-deutsche Königin Irene-Maria von Byzanz starb bald nach dem Mord ihres Gemahls bei einer Frühgeburt, das Kind kurz darauf.
  10. Mack: Staufer. S. 247.
  11. Mack: Staufer. S. 260; Grablege
  12. a b Mack: Staufer. S. 247.
  13. Jean Fouquet (1416–1480), die Abbildung ist spiegelverkehrt zum Original in der Bibliothèque National, Paris.
  14. Hubel: Roma secunda. S. 117.
  15. Wer dieses Interesse hätte verfolgen wollen, ist unklar. Friedrich II. weilte zwischen 1213 und 1235 nicht in Deutschland, sein Sohn Heinrich (VII.) vertrat ihn zwar, rivalisierte aber gegen ihn (Mack: Staufer. S. 220) und ist demnach als Auftraggeber kaum denkbar; Ekbert gehörte gewiss zu den Anhängern Friedrich II., war aber häufig außerhalb seines Bistums engagiert. Als Bamberger Bischof hatte er dennoch den größeren Vorteil von der Figur, da sie den neuen Dom und das von einem Kaiser gegründete Bistum aufwertete, zumal im Dom mit Papst- und Kaisergrab eine Ansicht der Zwei-Schwerter-Theorie gegeben war, in die sich der endzeitliche Domreiter nahtlos einfügt.
  16. Dieter Kartschoke: Geschichte der deutschen Literatur im frühen Mittelalter. München 1990, ISBN 3-423-04551-5, S. 271.
  17. Tobias Runge: Das Bild des Herrschers in Malerei und Grafik des Nationalsozialismus. Eine Untersuchung zur Ikonografie von Führer- und Funktionärsbildern im Dritten Reich. LIT, Berlin 2010, ISBN 978-3-643-10856-2, zugleich Dissertation, Universität Tübingen, 2009, S. 134 f.
  18. a b Stefan Schweizer: „Unserer Weltanschauung sichtbaren Ausdruck geben“. Nationalsozialistische Geschichtsbilder in historischen Festzügen zum „Tag der Deutschen Kunst“ 1933 bis 1939. Wallstein, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0107-8, S. 91..
  19. a b Wolfgang Ullrich: Der Bamberger Reiter und Uta von Naumburg. In: Etienne François, Hagen Schulze (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte. Beck, München 2001, Band 1, S. 322–334, hier S. 328..
  20. Stefan George: Bamberg, zitiert nach: Werke. Ausgabe in zwei Bänden, 2. Auflage, Düsseldorf 1968, Bd. 1, S. 336f.
  21. Ernst Kantorowicz: Friedrich der Zweite. Berlin 1927; zitiert nach Thomas Karlauf: „kommt wort vor tat kommt tat vor wort?“ Überlegungen zu Stauffenbergs geistiger Disposition. In: Jakobus Kaffanke, Edwin Ernst Weber, Thomas Krause (Hrsg.): Es lebe das „Geheime Deutschland“! Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Person – Motivation – Rezeption. (= Anpassung – Selbstbehauptung – Widerstand. Band 30) Lit, Berlin 2011, ISBN 978-3-643-10144-0, S. 93–106, hier S. 103..
  22. Ernst Kantorowicz: Deutsches Papsttum. In: Tumult. Schriften zur Verkehrswissenschaft. Zitiert nach: Ulrich Raulff: Ernst Kantorowicz – Die zwei Werke des Historikers. In: Hartmut Lehmann, Otto Gerhard Oexle (Hrsg.): Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften. Leitbegriffe – Deutungsmuster – Paradigmenkämpfe. Erfahrungen und Transformationen im Exil. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-35862-8, S. 451–470, hier S. 467..
  23. Melissa S. Lane, Martin A. Ruehl: Introduction. In: dies. (Hrsg.): A Poet’s Reich. Politics and Culture in the George Circle. (= Studies in German Literature, Linguistics, and Culture.) Camden House, Rochester NY 2011, ISBN 978-1-57113-462-2, S. 1–24, hier S. 18, Anm. 32.
  24. a b Uwe Hebekus: Der Wille zur Form. Politischer Ästhetizismus bei Georg Simmel, Ernst H. Kantorowicz – und Alfred Rosenberg. In: ders., Ingo Stöckmann (Hrsg.): Die Souveränität der Literatur. Zum Totalitären der Klassischen Moderne 1900–1933. Fink, München 2008, ISBN 978-3-7705-4104-1, S. 45–76, hier S. 66 (Preprint; PDF; 364 kB).
  25. Hans Freyer: Pallas Athene. Ethik des politischen Volkes. Leipzig 1935, S. 122.
  26. Stefan Schweizer: „Unserer Weltanschauung sichtbaren Ausdruck geben“. Nationalsozialistische Geschichtsbilder in historischen Festzügen zum „Tag der Deutschen Kunst“ 1933 bis 1939. Wallstein, Göttingen 2007, S. 97..
  27. Stefan Schweizer: „Unserer Weltanschauung sichtbaren Ausdruck geben“. Nationalsozialistische Geschichtsbilder in historischen Festzügen zum „Tag der Deutschen Kunst“ 1933 bis 1939. Wallstein, Göttingen 2007, S. 96..
  28. Walter Scheel: Nationale Identität im Europa von morgen. Rede zur Eröffnung der Ausstellung 'Die Zeit der Staufer' in Stuttgart (25. März 1977). In: ders.: Reden und Interviews. Band 3, Köln 1977, S. 237–244, hier S. 240.
  29. Der Bamberger Reiter fürs Kinderzimmer, Münchner Kirchenradio vom 14. Juli 2012.

49.89086910.882765Koordinaten: 49° 53′ 27″ N, 10° 52′ 58″ O