Bambi-Effekt

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Bambi-Effekt oder Bambi-Faktor bezeichnet die Ablehnung des Tötens und des Verzehrs von Tieren, die in weiten Teilen der Öffentlichkeit als „süß“ angesehen werden. Der Begriff taucht vor allem in der Jägersprache und in der PR-Industrie auf.

Infantisielung der Natur[Bearbeiten]

Der Bambi-Effekt basiert meist auf dem Kindchenschema, dessen Erscheinungsbild zum Beispiel von großen Augen und Stupsnasen geprägt ist. Hierzu gehören Tiere wie das Reh, die Robbe oder das Kaninchen. Tiere, die diesem Schema nicht entsprechen, zum Beispiel Schnecken, Hyänen oder Haie, werden, wenn sie von den gleichen Vorgängen bedroht sind, weniger von der Öffentlichkeit beachtet. Aus dem durchaus natürlichen Beschützerinstinkt, dem Bambi-Effekt wird aber zu leicht eine komplex verzerte, für die Natur womöglich auch bedrohliche infantile Naturwahrnehmung - oder Bambi-Syndrom.[1]

Teddy Bear[Bearbeiten]

Neben seinem politischen Schaffen prägte der US-Präsident Theodore Roosevelt auch bis in die heutige Zeit die internationalen Kinderstuben: Der Teddybär wurde nach ihm benannt. Während eines tagelang erfolglosen Jagdtrips in Mississippi, bei dem sich Roosevelt vorgenommen hatte, einen Bären zu schießen, ließ sich keiner blicken; als dann einer seiner Jagdhelfer doch auf einen eher kleinen Bären stieß (235 Pfund, etwas mehr als zwei Zentner), band er diesen an einen Baum und gab ihn Roosevelt zum Abschuss frei. Der „Teddy“ Roosevelt allerdings weigerte sich, derart zu einer Jagdbeute zu kommen, und verzichtete auf den Abschuss und der Jungbär wurde dann von einem seiner Helfer mit einem Messer getötet.

Knut und Bruno[Bearbeiten]

Der Berliner Zoo-Eisbär Knut (2006-2011) verzauberte als handzahnmes Jungtier die Zuschauer. Das führte gar zu einer weltweiten Medienaufmerksamkeit. Im Jahr seiner Geburt wurde der junge Braunbär Bruno (2004-2006), welcher aber auf eigene Faust als Wildtier JJ1 aus Trentino über Österreich nach Bayern einwanderte, zum unerwünschten und bedrohlichen Problembär erklärt und behördlich genehmigt schließlich am 26. Juni auch abgeschossen, 171 Jahre nach dem letzten Bärabschuss in Bayern im Jahre 1835.

PR und Werbung[Bearbeiten]

Der Bambi-Effekt ist eines der von der PR-Industrie häufig ausgenutzten menschlichen Reaktionsmuster. So verkaufen sich bestimmte Produkte besser, wenn sie mit Bildern von Rehkitzen, Welpen, Kätzchen und ganz allgemein von pelzigen jungen Tieren beworben werden. Große Einkaufsketten verzichten mit Blick auf diesen Effekt aus Imagegründen auf den Verkauf von Pelzen.

Bambi-Effekt in den Showmedien[Bearbeiten]

  • Als vorrangiger Auslöser wird unter anderem der Film Bambi angesehen.
  • „Who killed Bambi?“, als Songtitel von den Sex Pistols erstmals eingeführt, hat sich zum vielfach gebrauchten Schlagwort entwickelt, mit dem auf den Effekt angespielt wird. Der Titel wird inzwischen auch 2003 (Regie: Gilles Marchand) für einen Erotikthriller (Wer tötete Bambi?) und eine 2004 gegründete Punkrock-Band verwendet.
  • Der Ausspruch „I killed Bambi and I’ll fuck Flipper" wird dem Punkrocker GG Allin zugeschrieben.
  • Eine Rehkitzfigur wird alljährlich als „Bambi – Medien- und Fernsehpreis“ verliehen.

in der Literatur[Bearbeiten]

In seinem Ferkelbuch benutzen die Autoren Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke bewusst das kleine süße Schwein für die kritische Hinterfragung von Religion. Der Wal Moby Dick und der Marlin aus Der alte Mann und das Meer waren bedrohlich groß und gefährlich, damit sie die Gefahr auch wirklich repräsentieren, die lange Nase des Marlins hat nur wenig Ähnlichkeit mit dem Bambi.

im Film[Bearbeiten]

In der Filmkomödie Mäusejagd ist die kleine Maus kein Schädling oder Parasit sondern ein intelligenter Sympathieträger und natürlich auch schließlich der Sieger am versöhnlichen Happy End der dramatischen Geschichte. Der Weiße Hai musste schon aus filmischen Gründen noch sehr groß und bedrohlich sein, inzwischen werden selbst Haie in den Filmen als schützenswerte Streicheltiere präsentiert.

Orca, Schwertwal oder der Killerwal verdankt seiner Popularität nicht zuletzt auch dem Film Free Willy - Teil 1, 2 und 3, die kostspielige Auswilderungsaktion seines Filmdarstelles, des Keiko aus dem Vergnügungspark Reino Aventura in Mexiko-Stadt, hat die Medien weltweit beschäftigt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matt Cartmill: Das Bambi-Syndrom. Jagdleidenschaft und Misanthropie in der Kulturgeschichte. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 3-499-55566-2, zuvor unter dem Titel: Tod im Morgengrauen, das Verhältnis des Menschen zur Natur und Jagd, (Originaltitel: A View to a Death in the Morning, übersetzt von Hans-Ulrich Möhring), Artemis und Winkler, Zürich 1993, ISBN 3-7608-1095-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Rainer Brämer, Das Bambi-Syndrom (PDF-Datei; 62 kB), Marburg, 1998 (abgerufen 29. Dezember 2012)