Bananenschale

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Zwei Bananenschalen

Eine Bananenschale ist die äußere Umhüllung der Frucht von Bananen (Gattung Musa). Im engeren Sinne handelt es sich dabei um die Schale einer Dessert- oder Kochbanane, die in größerem Maßstab angebaut werden.

Bananenschalen werden teilweise als Futtermittel genutzt. Außerdem sind sie Gegenstand der medizinischen und technischen Forschung zur Ermittlung weiterer Nutzungsformen.

Aufbau[Bearbeiten]

Querschnitt durch eine Dessertbanane
Querschnitt durch eine wilde Banane mit großen Samen

Die Bananenfrucht gehört botanisch zu den Beeren. Ihre Schale bildet die äußere Schicht und umgibt das Fruchtfleisch, das als Pulpa (lateinisch pulpa „Fleisch“) ursprünglich die bei den heutigen Dessert- und Kochbananen fehlenden Samen enthielt. Die Schale entsteht durch die Verschmelzung des Blütenbechers (Hypanthium) und der äußeren Schicht des Perikarps, dem Exokarp. Die Pulpa hingegen entsteht aus der inneren Schicht des Perikarps, dem Endokarp.[1]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Zusammensetzung der Schalen von Dessert- und Kochbananen in verschiedenen Reifephasen[2]
Dessertbanane
unreif
Dessertbanane
reif
Kochbanane
unreif
Kochbanane
reif
Trockenmasse 13,1 % 15,4 % 16 % 17,9 %
Faseranteil
(% der Trockenmasse)
15 % 9,9 % 7,4 % 8,4 %
Protein
(% der Trockenmasse)
6,7 % 7,1 % 8,3 % 8,7 %
Ether-Extrakt
(% der Trockenmasse)
6,0 % 11,6 % 5,4 % 7,0 %
Mineralien
(% der Trockenmasse)
13,2 % 12,0 % 10,8 % 12,0 %

Reifeprozess[Bearbeiten]

Während des Reifeprozesses verändern sich der Aufbau und die Zusammensetzung der Frucht und auch der Schale. Äußerlich erkennbar ist dies vor allem durch die Verfärbung von der unreifen (grün) zur reifen Frucht (gelb). Während des weiteren Reifeprozesses bilden sich braune Flecken, die am Ende die gesamte Schale einnehmen können.

Aufkommen[Bearbeiten]

Bananenschalen fallen in größerer Menge als Abfall und Nebenprodukt vor allem in den Anbauregionen der Bananen und im Bereich der verarbeitenden Industrie an. Diese umfassen primär die tropischen und subtropischen Regionen in Asien, Afrika und Südamerika.

Nach Angaben der FAO umfassen Bananenschalen gemeinsam mit anderen Reststoffen (nicht nutzbare, zerstörte oder als nicht exportierfähig aussortierten Früchte) etwa 30 bis 40 Prozent der Gesamtanbaumenge. Sie stehen vor allem als Futtermittel für Nutztiere zur Verfügung.[3]

Für 1988 wurde dieses Aufkommen – bei einer weltweiten Produktion von Dessert- und Kochbananen von etwa 65 Millionen Tonnen – auf 20 bis 24 Millionen Tonnen geschätzt.[3]

Nutzung[Bearbeiten]

Tierfutter[Bearbeiten]

Bananenschalen werden vor allem als Zusatzstoffe und zur Produktion von Tierfutter verwendet. Insbesondere regional werden sie von Kleinbauern als Zusatz für die Fütterung von Rindern, Ziegen, Schweinen und Geflügel genutzt. Außerdem gelangen sie in das Futter für Kaninchen sowie in Spezialfutter für Aquarienfische und Schnecken.[2]

Der Nährwert der Bananenschalen entspricht dem anderer Pflanzenschalen, etwa von Zitrusfrüchten oder den Schalen von Maniok. Dabei enthalten grüne Schalen mehr nutzbare Energie als reife gelbe Schalen,[4] zugleich enthalten unreife Schalen und Früchte jedoch einen höheren Anteil an Tanninen.[5]

Nach Untersuchungen an Milchkühen kam es durch die Verfütterung von bis zu 21 Kilogramm reifer Bananenschalen zu einer Steigerung der Milchproduktion. Bei grasgefütterten Zebus konnten 15 bis 30 Prozent der Futtermenge durch Bananenschalen ersetzt werden, die zu einer deutlichen Gewichtszunahme führten, ohne Gesundheitsprobleme nach sich zu ziehen.[2] In der Ziegenfütterung können getrocknete Kochbananenschalen den Zusatz von Maiskörnern als Kohlenhydratquelle vollständig ersetzen,[1] in der Milchproduktion führte ein Ersatz von Maisblättern und Napiergras durch Bananenschalen und Leguminosen zu einer Reduzierung des Fett- und Milcheiweiß­anteils in der Milch.[2]

Weil Bananen mit Pestiziden behandelt werden, gelangen diese möglicherweise über die Bananenschalen in tierische Gewebe. Von 28 untersuchten Bananen-Pestiziden könnten Carbaryl, Chlorothalonil, Dicofol and Prochloraz für Rückstände in Fleisch und essbaren Schlachtabfällen verantwortlich sein.[2]

Wasserreinigung[Bearbeiten]

In verschiedenen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass Bananenschalen zur Reinigung von Wasser genutzt werden können, das durch die Pestizide Atrazin und Ametrin verunreinigt ist.[6][7] Für die Entfernung von Schwermetallen wurden Bananenschalen experimentell als Ersatz herkömmlicher Bioabsorber wie Reet oder der Grünalge Scenedesmus quadricauda eingesetzt, insbesondere für die Behandlung von chrom­belastetem Wasser (Cr(III)- und Cr(IV)-Verbindungen).[8] Weitere Untersuchungen zur Reinigung industrieller und verunreinigter Gewässer wurden für die Reinigung von Cadmium, Ammonium-Stickstoff[9] sowie phenolischer Komponenten aus Abwässern der Olivenindustrie[10] durchgeführt, wobei Bananenschalen in allen Fällen den Reinigungsprozess verbesserten.

Biotechnologie[Bearbeiten]

Aufgrund des vergleichsweise hohen Anteils an fermentierbaren Zuckern sind Bananenschalen im Prinzip auch für die Nutzung von Fermentationsprozessen der industriellen Biotechnologie geeignet. Insbesondere für die Produktion von Enzymen wie Laccase[11] oder Cellulasen[12] über eine Feststoff-Fermentation wurden Bananenschalen als gutes Substrat identifiziert.

Für die Bioethanol-Produktion wurden Fermentationsprozesse getestet, bei denen simultan zur Fermentation Enzyme zur Verzuckerung der Cellulose (Cellulasen) und des Pektins (Pektinasen) eingesetzt wurden.[13]

Medizinische Forschung[Bearbeiten]

Wie viele andere pflanzliche Produkte enthält auch die Bananenschale eine Vielzahl von Inhaltsstoffen, die in der medizinischen Forschung untersucht werden. Neben Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und Gallocatechin wurden auch Fraktionen mit antimykotischer und antibiotischer Aktivität in Bananenschalen gefunden.[14]

Das phenolische XJP-1 (7,8-Dihydroxy-3-methyl-isochroman-4-on) hat eine hemmende Wirkung auf die Anheftung von Monozyten an das Endothel in Blutgefäßen und Untersuchungen sollen zeigen, ob durch seine Anwendung das Risiko von Arteriosklerose reduziert werden kann.[15][16]

Kompostierung[Bearbeiten]

Analog zu anderen Pflanzenresten verrotten auch Bananenschalen durch den Einfluss von Pilzen und Bakterien und können entsprechend auch zu Kompost verarbeitet werden. Bei Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Kompostierung von Bananenschalen unter aeroben Bedingungen, also in Anwesenheit von Sauerstoff, deutlich schneller abläuft als unter anaeroben Bedingungen. Der Kompost zeichnet sich durch hohe Anteile von Kalium von mehr als 100 g/kg und Stickstoff von mehr als zwei Prozent aus, wodurch er vor allem für diese beiden Stoffe ein hohes Potenzial als Dünger hat. Bei einer Zumischung von Kuhdung und Geflügelkot kommt es zudem zu einer hohen Aggregierung von Mineralstoffen im Dünger.[17]

Verwendung in den Medien[Bearbeiten]

Bananen sind mechanischen Einwirkungen gegenüber sehr empfindlich, Stöße und Anecken führen schnell zum Vermatschen. Bereits die satirische Zeitschrift Puck, die von 1871 bis 1918 erschien, thematisierte das Ausrutschen auf einer Bananenschale wahrscheinlich 1892[18] im Puck's Banana Skin Manual, einer Abfolge von Cartoons, die sechs verschiedene, stilvolle Arten des Ausrutschens – darunter den „Dude Kick“ und den „Vanderbilt Slide“ – darstellte.[19]

In Filmen ist das Ausrutschen auf Bananenschalen seit der Stummfilmzeit ein regelmäßig wiederkehrender Slapstick-Gag. Das Ausrutschen auf der Bananenschale gehört wie der sogenannte „Pratfall“ (d. h. das überraschende Auf-dem-Hintern-Landen einer Respektsperson), das Mit-Wasser-übergossen-werden, das ungewollte, rückwärtige Piksen mit einem Gehstock (Variante: das Sich-drehen mit einem Brett auf den Schultern) und dem Tortenwurf ins Gesicht zum klassischen Repertoire der Slapstick-Komiker. Man findet es in Zeichentrickfilmen und Komödien, so bei Harold Lloyd[20] wie auch in Woody Allens Science-Fiction-Parodie Der Schläfer.[21] Den Rekord für die Anzahl an Personen, die auf Bananenschalen ausrutschen, dürfte der Marx-Brothers-Film Horse Feathers (dt. Blühender Blödsinn) von 1932 halten, in dem Harpo das Football-Team von Huxley zum Sieg führt, indem er das ganze gegnerische Team von Darwin ausschaltet, indem er Bananenschalen hinter sich wirft.[22] In einem Sketch von Loriot geht es ausschließlich darum, dass ein Reisender versucht, auf dem Flughafen eine halb gegessene Banane loszuwerden, aber keinen Mülleimer finden kann.[23]

In der populären Videospiel-Reihe Mario Kart des japanischen Herstellers Nintendo können Bananenschalen als Waffen gegen die Renngegner eingesetzt werden: Überfährt ein Kart eine Bananenschale, gerät es ins Schleudern und fällt somit zurück. Diese Funktion wurde bereits mit der ersten Ausgabe (Super Mario Kart) 1992 eingeführt.

Bananadine[Bearbeiten]

1967 veröffentlichte die Untergrundzeitschrift Berkeley Barb einen Hoax über angebliche psychoaktive Substanzen (Bananadine) in Bananenschalen und wie diese zu gewinnen wären.[24] Der Schriftsteller William Powell glaubte an die Wirkung und veröffentlichte das Rezept 1970 in seinem Buch The Anarchist Cookbook. Die angebliche bewusstseinserweiternde Wirkung von Musa sapientum beziehungsweise Bananadine ist allerdings nur ein Placebo­effekt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Australian Government, Department of Health and Ageing, Offive of Gene Technology Regulator: The Biology of Musa L. (banana). Januar 2008 (Volltext; PDF; 1,7 MB).
  2. a b c d e Banana peels. Porträt auf feedipedia.org, einem Projekt von INRA, CIRAD, AFZ und FAO, abgerufen am 1. Juni 2013.
  3. a b G.M. Babatunde: Availability of banana and plantain products for animal feeding. In: D. Machin, S. Nyvold: Roots, tubers, plantains and bananas in animal feeding. Proceedings of the FAO Expert Consultation held in CIAT, Cali, Colombia FAO ANIMAL PRODUCTION AND HEALTH PAPER 95, FAO, Roma, 1992.
  4. Thomas Happi Emaga, Jérôme Bindelle, Richard Agneesens, André Buldgen, Bernard Wathelet, Michel Paquot: Ripening influences banana and plantain peels composition and energy content. Tropical Animal Health and Production 43 (1), 2011, S. 171–177; doi:10.1007/s11250-010-9671-6.
  5. J. Ly: Bananas and plantains for feeding pigs: some aspects of the chemical composition of the fruits and of its palatability. Revista Computadorizada de Producción Porcina 11 (3), 2004 (Volltext).
  6. C.R. Silva, T.F. Gomes, G.C. Andrade, S.H. Monteiro, A.C. Dias, E.A. Zagatto, V.L. Tornisielo: Banana Peel as an Adsorbent for Removing Atrazine and Ametryne from Waters. Journal of Agricultural and Food Industry 61 (10), 2013, S. 2358–2363; doi:10.1021/jf304742h.
  7. A. Chaparadza, J.M. Hossenlopp: Adsorption kinetics, isotherms and thermodynamics of atrazine removal using a banana peel based sorbent. Water Science Technology 65 (5), 2012, S. 940–947, doi:10.2166/wst.2012.935.
  8. K. Pakshirajan, A.N. Worku, M.A. Acheampong, H.J. Lubberding, P.N. Lens: Cr(III) and Cr(VI) Removal from Aqueous Solutions by Cheaply Available Fruit Waste and Algal Biomass. Applied Biochemistry and Biotechnology 170 (3), 2013, S. 498–513; doi:10.1007/s12010-013-0202-6.
  9. Y. Chen, L. Ding, J. Fan: Ammonia-nitrogen sorptional properties of banana peels. Water Environmental Research 83 (4), 2011, S. 368–372; PMID 21553592.
  10. M. Achak, A. Hafidi, N. Ouazzani, S. Sayadi, L. Mandi: Low cost biosorbent “banana peel” for the removal of phenolic compounds from olive mill wastewater: kinetic and equilibrium studies. Journal of Hazardous Materials 166 (1), 2009, S. 117–25, doi:10.1016/j.jhazmat.2008.11.036.
  11. V. Vivekanand, P. Dwivedi, N. Pareek, R.P. Singh: Banana peel: a potential substrate for laccase production by Aspergillus fumigatus VkJ2.4.5 in solid-state fermentation. Applied Biochemistry and Biotechnology 165 (1), 2011, S. 204–20, doi:10.1007/s12010-011-9244-9.
  12. Hai-Yan Sun, Juanhua Li, Pingjuan Zhao, Ming Peng: Banana peel: A novel substrate for cellulase production under solid-state fermentation. African Journal of Biotechnology 10 (77), 2011, S. 1788, doi:10.5897/AJB10.1825 (Volltext; PDF; 81 kB).
  13. H.S. Oberoi, P.V. Vadlani, L. Saida, S. Bansal, J.D. Hughes: Ethanol production from banana peels using statistically optimized simultaneous saccharification and fermentation process. Waste Management 31 (7), 2011, S. 1576–1584, doi:10.1016/j.wasman.2011.02.007.
  14. Julia F. Morton Fruits of warm climates (1987), S. 29–46, ISBN 0961018410
  15. Rong Fu, Tianhua Yan, Qiujuan Wang, Qinglong Guo, Hequan Yao, Xiaoming Wu, Yang Li: Suppression of endothelial cell adhesion by XJP-1, a new phenolic compound derived from banana peel. In: Vascular Pharmacology 57 (2–4), 2012, S. 105–112; doi:10.1016/j.vph.2012.05.006.
  16. Rong Fu, Qiujuan Wang, Qinglong Guo, Jinyi Xu, Xiaoming Wu: XJP-1 protects endothelial cells from oxidized low-density lipoprotein-induced apoptosis by inhibiting NADPH oxidase subunit expression and modulating the PI3K/Akt/eNOS pathway. In: Vascular Pharmacology 57 (1–2), 2013, S. 78–86; doi:10.1016/j.vph.2012.08.004.
  17. F. Kalemelawa, E. Nishihara, T. Endo, Z. Ahmad, R. Yeasmin, M. M. Tenywa, S. Yamamoto: An evaluation of aerobic and anaerobic composting of banana peels treated with different inoculums for soil nutrient replenishment. Bioresource Technology 126, 2012, S. 375–82, doi:10.1016/j.biortech.2012.04.030.
  18.  The Banana Skin Manual. In: The Prairie Farmer. 64, Nr. 41, The Prairie Farmer Publishing Co., Chicago 8. Oktober 1892, S. 656 (Abdruck zwei der sechs Zeichnungen mit Herkunftsangabe "The Queenslander". „The ›Vanderbilt Slide‹“ als „The Tourist's Trip“ und „The ›Croton Slam‹“ als „The Backbone Buster“, Illinois Digital Newspaper Collection, abgerufen am 9. April 2014).
  19. Puck's Banana Skin Manual
  20. Anthony Balducci: The Funny Parts: A History of Film Comedy Routines and Gags. McFarland, 2011, S. 7 ff.
  21. Foster Hirsch: Love, Sex, Death, And The Meaning Of Life: The Films Of Woody Allen. Da Capo Press, 2001, S. 154.
  22. Horse Feathers: Das Football-Spiel zwischen Huxley und Darwin
  23. Loriot: Bananen-Sketch (Ausschnitt) aus Loriot: Alles über das Fliegen
  24. Cecil Adams: Will smoking banana peels get you high? In: The Straight Dope, 26. April 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Banana peels. Porträt auf feedipedia.org, einem Projekt von INRA, CIRAD, AFZ und FAO, abgerufen am 1. Juni 2013.