Bandbremse

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Außenbandbremse
Außenbandbremse
Laurin & Klement Typ 1 (1899)
Außenbandbremse am Fahrrad

Eine Bandbremse ist eine mechanische Reibungsbremse, bei der im Gegensatz zur Backenbremse, ein Band um oder in einer Trommel geschlungen wird. Die Bremswirkung entsteht durch die Reibung zwischen Trommel und Band. Man unterscheidet zwischen der

  • Außenbandbremse – das Bremsband wird außen um die Bremstrommel geschlungen – und der
  • Innenbandbremse, bei der das Bremsband von innen an die Bremstrommel gepresst wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Bandbremse ist eng verknüpft mit der Geschichte des Automobils. Der Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von 1886 hatte an der Vorgelegewelle eine Trommel, um die ein Bremsband geschlungen war – die erste Bandbremse beim Automobil.[1] 1889 folgte Daimlers Stahlradwagen mit einer Außenbandbremse.[2] Während in Europa bis zum Ersten Weltkrieg kaum noch Außenbandbremsen in Pkw eingebaut und diese durch Innenbackenbremsen ersetzt wurden, blieben Außenbandbremsen in den USA bis 1927 das vorherrschende Bremsprinzip.[3]

Erste Außenbandbremsen beim Motorrad erschienen 1899 beim Laurin & Klement Typ 1 am Vorderrad,[4] 1901 lieferte NSU Motorenwerke das erste Serienmodell mit einer Außenbandbremse aus.[5] Mit gefederten Vorderradaufhängungen verschwand die Bandbremse an der Lenkachse (bei NSU Motorenwerke 1906), während am Hinterrad die Außenbandbremse von verschiedenen Herstellern bis in die 1920er Jahre eingebaut wurde. Selten wurde die Kardanwelle über eine Bandbremse abgebremst, so z.B. bei BMW R 39.

Aufbau und Wirkung der Außenbandbremse[Bearbeiten]

Das Band kann ein Stahl-, Textil- oder Lederband, aber auch ein Seil oder ein profiliertes Band ähnlich einem Keilriemen sein. Dabei wird jeweils ein Ende an einem Festpunkt befestigt und am anderen Ende durch ein Gewicht, eine Feder oder etwa einen durch Muskelkraft betätigten Seilzug belastet. Dadurch kann die Bremswirkung genau eingestellt werden. Im Gegensatz zu den Backenbremsen hängt die Bremswirkung von der Drehrichtung ab. In einer Richtung wirkt die Bandbremse fast selbsthemmend, was zu großen Belastungen führen kann. Mit Kenntnis der Bandzugkräfte kann das Bremsmoment durch Anwendung der Euler-Eytelwein-Formel (auch: Seilreibungsformel) bestimmt werden.

Heutige Anwendung der Außenbandbremse[Bearbeiten]

Sie wird heute noch für geringe Bremsleistungen beispielsweise im Textilmaschinenbau aber auch Kranbau eingesetzt. Auch die früher im Fahrzeugbau allerdings nur als Feststellbremse verwendete Kardanbremse beruht auf diesem Prinzip. Frühere Automatikgetriebe verwendeten Bandbremsen zum Festbremsen der Hohlräder, heute werden hierfür Lamellenbremsen eingesetzt. In der See- und Binnenschifffahrt werden Ankerwinden mit Bandbremsen ausgerüstet.

In der Ausführung als Brems-Dynamometer dient die Bremse zur Leistungsmessung rotierender Wellen. Dazu wirken eine auf die Antriebswelle aufgelegte Bremse, die Messung der Leistung erfolgt über die Reibarbeit. Am gebräuchlichsten ist der Pronysche Bremszaum. Heute noch in Betrieb findet sich die Bandbremse als Zusatzsicherung in den Dampflokomotiven der Schneebergbahn (Zahnradbahn). Dort wird sie als geschwindigkeitsüberwachte Druckluftbremse eingesetzt und wirkt auf die Achsen. Als Fahrradbremse kommt sie heute vor allem bei Kinderlaufrädern zum Einsatz, und zwar als auf das Hinterrad wirkende Handbremse.

Anwendungsbeispiel Außenbandbremse am Schwungrad einer Dampfmaschine

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Olaf von Fersen (Hrsg.): Ein Jahrhundert Automobiltechnik. Personenwagen. VDI Verlag 1986, ISBN 3-18-400620-4., S. 398
  2. Konrad Reif: Bremsen und Bremsregelsysteme. Vieweg & Teubner Verlag, 2010, EAN 9783834897145., S. 40
  3. Olaf von Fersen (Hrsg.): Ein Jahrhundert Automobiltechnik. Personenwagen. VDI Verlag 1986, ISBN 3-18-400620-4., S. 400
  4. Christian Bartsch (Hrsg.): Ein Jahrhundert Motorradtechnik. VDI Verlag 1987, ISBN 3-18-400757-X., S. 220
  5. Peter Schneider: NSU im Bild – Motorräder seit 1900. 1. Auflage, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-02063-7., S. 14