Bandenwerbung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bandenwerbung während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern

Bandenwerbung wird auf unterschiedlich konstruierten Werbeträgern eingesetzt und ist vor allen Dingen bei Sportveranstaltungen verbreitet.

Allgemeines[Bearbeiten]

Beim Fußball können pro Fußballplatz etwa 240 laufende Meter an Banden unmittelbar entlang der Seitenlinien des Spielfelds platziert werden. Über die Positionierung direkt am Spielfeldrand hinaus sind in den Stadien mittlerweile auch zweite Bandenreihen üblich sowie zusätzliche Eckbanden und Off-Banden. Letztere wenden sich in die Gegenrichtung und sind nur von der jeweiligen Tribüne aus zu sehen. Je nach Bauweise des Stadions oder der Arena kommen auch maßgeschneiderte Sonderlösungen zum Einsatz, um das Vermarktungspotenzial aller bestehenden Flächen auszuschöpfen.

Für alle Bandensysteme gilt, dass die Oberfläche möglichst reflexionsarm sein sollte, um eine Blendung der Zuschauer und Kameras zu vermeiden. Dies wird einerseits mit der Wahl des Oberflächenmaterials erreicht, andererseits mit dem Aufstellwinkel. Behördliche Auflagen gelten unter anderem hinsichtlich des Brandschutzes in Versammlungsstätten, das Material muss daher schwer entflammbar sein. Ferner müssen bei der Positionierung gegebenenfalls Flucht- und Rettungswege beachtet werden.

Ulrich Beckmann hat in seiner Göttinger Dissertation (bei Arnd Krüger) die Wirkung von kleinflächiger Bandenwerbung beim Bundesliga-Handball untersucht und festgestellt, dass nur dann, wenn die Werbung pfiffig ist, sie auch einen entsprechenden Erinnerungswert hat. Dies könne am ehesten durch konkrete Poesie erreicht werden.[1]

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Bandenwerbung wird als ein klassisches Element des Sportsponsorings aufgefasst und gehört aus Marketingsicht zur Kommunikationspolitik des werbenden Unternehmens. Nach der Trikotwerbung gehört die Bandenwerbung zu den bekanntesten und wichtigsten Formen des Sportsponsorings und stellt eine der wichtigsten Formen in der Kategorie Präsenz im Vorfeld und Umfeld von Sportveranstaltungen dar.[2][3] Insbesondere durch Bandenwerbung können auch regionalwirtschaftliche Effekte erzielt werden.[4]

Die Vermarktung von Bandenwerbung wird unterschiedlich gehandhabt; Vereine lassen diese sowohl durch Sportvermarktungs-Agenturen als auch in Eigenregie vermarkten.[5]

Erscheinungsformen[Bearbeiten]

Drehbanden[Bearbeiten]

Besonders vielseitig sind Drehbanden bzw. Rotationsbanden. Pro Modul können mehrere bedruckte Poster-Bahnen nach vorgegebenem Takt nacheinander oder auch als Standbild gezeigt werden. Der Betreiber, also der Verein oder Vermarkter, hat somit viele Kombinationsmöglichkeiten zur Verfügung, um seine Sponsorpartner zu präsentieren. So ist es möglich, einen Partner innerhalb einer kompletten Rotation aller zusammengeschalteten Module rund um das Spielfeld für den bestimmten Zeitraum exklusiv zu zeigen oder aber auch gleichzeitig jedes einzelne Modul mit unterschiedlichen Partnern. Drehbanden werden in unterschiedlichen Bauweisen und Größen angeboten. Sie können unter anderem hinterleuchtet sein, wodurch sich eine brillantere Darstellung ergibt oder auf Vorder- und Rückseite über Rotationsflächen verfügen.

Statische Banden[Bearbeiten]

Statische Banden sind der schon seit Jahrzehnten bekannte Klassiker der Stadionwerbung. Es handelt sich um auf Reitern fixierte Metall-, Kunststoff- oder – in heutiger Zeit kaum noch gebräuchlich – Holzpaneele. Je nach Konstruktion und der sich daraus im Querschnitt ergebenden Form unterscheidet man zwischen A- und L-Reitern.

Sonderformen[Bearbeiten]

Doppelbanden und Cam Carpets sind darauf ausgerichtet, bei Übertragungen auf dem Fernsehbildschirm lesbar zu sein.

Bei Doppelbanden sind die Werbemotive derart auf hintereinander postierte Flächen aufgeteilt, dass sie nur im Blickwinkel der Führungskamera einwandfrei zu erkennen sind. Die meisten Zuschauer im Stadion sehen daher ein zerstückeltes Bild.

Cam Carpets werden hinter den Linien, aber noch vor den Banden flach auf dem Rasen ausgebreitet. Ihre Werbemotive sind gemäß dem Strahlensatz perspektivisch so gestaltet, dass sie aus dem Blickwinkel der Führungskamera wie aufrecht stehende Werbeflächen wirken.

Die Werbefläche auf Radialbanden ist gekrümmt und daher größer als die von konventionellen Systemen, die Bildwirkung der abgebildeten Motive ist plastischer.

Videobanden[Bearbeiten]

Videobanden bestehen aus LEDs und gleichen in ihrer Funktion den Videowänden. Ihr Vorteil besteht in der Möglichkeit, die Werbebotschaften anhand von attraktiv gestalteten Animationen zu präsentieren. Wegen spezieller Einsatzbedingungen sind einige technische Parameter anders zu bewerten als bei Videowänden. Insbesondere das Zusammenspiel mit übertragenden Fernsehkameras bedarf einiger Abstimmungsprozesse im Detail, um den störenden Moiré-Effekt, ein Flimmern im Bild, zu minimieren. Seitens der Bande gehört diesbezüglich die Bildwiederholungsrate zu den entscheidenden Faktoren. Für einen hohen Bildkontrast auch unter Einstrahlung grellen Sonnenlichts stehen die u.a. von der Prozessorleistung abhängige, in Nit angegebene, Helligkeit und die Fähigkeit, durch reflexionsarme Oberflächen ein tiefes Schwarz wiederzugeben. Parameter wie der verwendete Pixelabstand und damit die Auflösung stehen in Zusammenhang mit dem optimalen Betrachtungsabstand. Dieser ist in einem Fußballstadion größer als in einer Halle.

Verbreitung[Bearbeiten]

Während Videobanden im europäischen Ausland schon länger gebräuchlich sind, haben die Vertreter der Bundesligavereine erst Ende 2007 Richtlinien für den Einsatz solcher Werbebanden in deutschen Stadien aufgestellt. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) genehmigte daraufhin eine Testphase in der Rückrunde der Saison (2007/08). Bis zur Saison 2009/10 war der Anteil von Videobanden in den Bundesliga-Stadien bereits angestiegen; ob sich diese Technologie in Deutschland als Standard durchsetzen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. In erster Linie der im Vergleich zur Drehbande deutlich höhere Anschaffungspreis wirkt hier als limitierender Faktor. 2010 verfügten sieben der 18 Vereine in der Bundesliga über LED-Banden.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Miriam Hebben: K(l)eine Spielchen am Rande. Stadionwerbung: Was die LED-Bande dem Kunden nutzt - und wie er seine Botschaft zur Geltung bringt. In: Horizont. Heft 45/2010, S. 22.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Beckmann: Bandenwerbung wirksam gestalten: Wirkung von Techniken der Konkreten Poesie auf Handballzuschauer. Berlin: Tischler 1993, ISBN 3-922654-36-3.
  2. Manfred Bruhn: Sponsoring. Systematische Planung und integrativer Einsatz. 5. Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-8349-1111-7, S. 82f.
  3. vgl. Manuela Sachse: Negative Kommunikationseffekte von Sponsoring und Ambush-Marketing bei Sportgroßveranstaltungen. 1. Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-8349-2239-7, S. 20f.
  4. Rüdiger Hamm: Regionalwirtschaftliche Effekte eines Fu8ballbundesligisten. In: Raumforschung und Raumordnung. 1998, S. 47.
  5. Stephanie Gruber: Frauen, Familie, Fußball. In: werben & verkaufen. Heft Nr. 32/2010, S. 22f. mit einer Übersicht der Vermarktung in der 1. Fußball-Bundesliga.
  6. Stephanie Gruber: Frauen, Familie, Fußball. In: werben & verkaufen. Heft Nr. 32/2010, S. 22.