Banditenstreiche

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Werkdaten
Titel: Banditenstreiche
Form: operettenhaftes Singspiel
Originalsprache: Deutsch
Musik: Franz von Suppé
Libretto: Ludwig Bender
Uraufführung: 27. April 1867
Ort der Uraufführung: Wien
Ort und Zeit der Handlung: Hafenstadt in Italien Anfang des 19. Jahrhunderts
Personen
  • Lidia, Tochter des Bürgermeisters (Sopran)
  • Malandrino, Räuberhauptmann (Tenor)
  • Gaetano, Lidias Bräutigam (Bariton)
  • Stella, Lidias Freundin (Sopran)
  • Lelio, ein reicher Jüngling (Tenorbuffo)
  • Doktor Tondolo, Schulmeister (Tenorbuffo)
  • Babbeo, Bürgermeister (Bassbuffo)
  • Spaccamonti, Gemeindeschreiber (Bassbuffo)
  • Zwei Banditen (Tenor und Bariton)
  • Junger Räuber (Alt, Hosenrolle)
  • Eine Räuberbraut (Sopran)
  • Gesinde, Hochzeitsgäste, Nachbarn, Banditen und deren Bräute (Chor und Statisterie)

Banditenstreiche ist eine Operette von Franz von Suppé nach einem Libretto von B. Boutonnier. Das Werk erlebte seine Uraufführung am 27. April 1867 am Carltheater in Wien. Es gehört zur Goldenen Operettenära.

Entstehung[Bearbeiten]

Bei der Uraufführung war die Operette noch ein Einakter. Das Textbuch war jedoch – wie bei vielen anderen Operetten des Komponisten - so schwach, dass das Werk auf der Bühne zwangsläufig scheitern musste. Suppés wertvolle Musik hatte dies jedoch nicht verdient. Um das Stück fürs Theater zu retten, überarbeitete Ludwig Bender die Vorlage gründlich und baute sie zu einem dreiaktigen Stück mit einer spannungsreichen Handlung aus. Dazu bedurfte es natürlich zusätzlicher Musik. August Peter Waldenmaier stellte diese mit großem Einfühlungsvermögen aus verschiedenen anderen unbekannten Operetten Suppés zusammen. In dieser Fassung ging das Werk zum ersten Mal 1955 als „Komische Oper“ über die Bühne.

Orchester[Bearbeiten]

Zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, drei Trompeten, drei Posaunen, eine Harfe, eine Gitarre, großes Schlagwerk und Streicher

Handlung[Bearbeiten]

Die Operette spielt in einer kleinen Hafenstadt im Golf von Neapel Anfang des 19. Jahrhunderts.

Erster Akt[Bearbeiten]

Bild: Gartenterrasse

Der als alter Diener verkleidete Malandrino erfährt vom Gemeindeschreiber Spaccamonti, Lidia, die Tochter des Bürgermeisters Babbeo, werde in wenigen Stunden heiraten. Dass Malandrino in Wirklichkeit der berüchtigte Kopf einer Räuberbande ist, bemerkt der naive Schreiber nicht. Ihm entgeht auch, dass er nur ausgehorcht werden soll, weil die Banditen einen neuen Streich planen: Im Trubel der Hochzeitsfeier ließe sich sehr gut ein Coup durchführen, weil alle Gäste mit Essen, Trinken und Tanzen beschäftigt sind. Malandrino gelingt es leicht, Spaccamonti und die Polizei durch eine falsche Fährte ins Gebirge zu locken. Er behauptet einfach, dort treibe gerade der Räuberhauptmann sein Unwesen und könne leicht gefasst werden.

Das Brautpaar ist zur Eheschließung bereit; doch der gerissene Babbeo zögert sein Einverständnis immer weiter hinaus. Ihm passt Gaetano als Schwiegersohn nicht. Statt diesem Habenichts sähe er es lieber, wenn seine Tochter den reichen Lelio aus Aversa zum Manne nähme. Als man Babbeo einen Brief von eben jenem Lelio übergibt, hellen sich seine Züge auf. Der Wunschkandidat hält bei ihm um die Hand seiner Tochter an und versichert, schon zu ihm unterwegs zu sein. Daraufhin schickt der Bürgermeister die Hochzeitsgäste nach Hause und erklärt, die Feier werde verschoben. Auch Gaetano will er nicht mehr sehen, wo doch jetzt Lidia eine bessere Partie machen könne.

Die Braut ist völlig verzweifelt. Für sie kommt nur Gaetano als Ehemann in Frage. Ihre Freundin Stella empfiehlt dem ebenfalls unglücklichen Bräutigam, er solle sich an den Banditenhauptmann Malandrino wenden und ihm sein Missgeschick schildern. Der Hauptmann habe für junge Liebende immer Verständnis und verstehe es auf seine Weise, ihnen zu helfen. Obwohl Stella den Oberbanditen überhaupt nicht kennt, schwärmt sie für ihn, weil das Gerücht umgeht, er bestehle nur die Reichen und gebe den Armen von seiner Beute ab.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Bild: Marktplatz

Nachdem es mit der Hochzeit nicht geklappt hat, beabsichtigt Gaetano jetzt, heimlich seine Braut zu entführen. Dabei stößt er auf den Chef der Banditen und schildert ihm seine Misere. Als Malandrino dann vernimmt, dass Gaetanos Nebenbuhler eigentlich schon im Hafen angekommen sein müsste, kommt ihm eine Idee ...

Inzwischen hat Babbeo den Schulmeister Tondolo beauftragt, Lelio am Hafen abzuholen. Bevor jedoch dieser sein Ziel erreicht, wird er von Malandrinos Spießgesellen überfallen und ausgeraubt. Der Räuberhauptmann kommt hinzu und spielt den Menschenfreund, indem er der Bande befiehlt, die ganze Beute dem Bestohlenen zurückzugeben. Tondolo strahlt vor Glück und will jetzt seinem Retter einen Gefallen tun. Malandrino schlägt vor, gemeinsam den ankommenden Freier auszurauben. Weil Tondolo seinen Auftraggeber Babbeo eh nicht leiden kann, lässt er sich gerne dazu überreden.

Alles klappt wie am Schnürchen. Lelio wird nicht nur seinen Geldsack los, sondern muss auch noch mit Malandrino die Kleider tauschen. Im Habitus Lelios ruft Malandrino die Leute herbei und gibt vor, der reiche Freier von Babbeos Tochter zu sein, der beinah von einem Räuber überfallen worden wäre. Gemeinsam mit dem Schulmeister sei es ihm aber gelungen, diesen dingfest zu machen. Im Nu wird der vermeintliche Bandit verhaftet und ins Gefängnis gesteckt.

Malandrino stellt sich als Lelio dem Bürgermeister vor. In schwelgerischen Worten schildert er ihm, wie es ihm gelungen sei, den schon lange gesuchten Banditenhauptmann aus dem Verkehr zu ziehen. Babbeo ist sichtlich stolz darauf, so einen tüchtigen Helden bald seinen Schwiegersohn nennen zu dürfen. Selbstverständlich erhält er auch die für den Fang des Räubers ausgesetzte Belohnung von 1000 Dukaten.

Nachdem Lidia von Malandrino das Versprechen erhalten hat, er werde ihre Liebe zu Gaetano zum guten Ende führen, geht sie zum Schein auf sein Werben ein und spielt mit ihm ein verliebtes Paar. Ihre Freundin Stella aber glaubt, in dem verhafteten Lelio den von ihr umschwärmten edlen Räuber zu sehen, und verliebt sich gleich unsterblich in ihn. Als es aber heißt, morgen müsse er sein Leben am Galgen beenden, ist sie nicht mehr zu trösten.

Dritter Akt[Bearbeiten]

Bild: Eine Loggia

Am nächsten Morgen sind die Hochzeitsvorbereitungen in vollem Gange. Babbeo kann es kaum erwarten, dass der Ehekontrakt endlich unterzeichnet wird. Der „Bräutigam“ spielt auf Zeit und ermuntert Lidia, ein fröhliches Liedchen zu trällern. Währenddessen umringen „Lelios“ vermeintliche Freunde – in Wahrheit handelt es sich um die Banditenschar – die Hochzeitsgesellschaft. Das lustige Treiben wird jäh unterbrochen, als Gemeindeschreiber Spaccamonti auftaucht und verkündet, der im Gefängnis Schmachtende sei gar nicht der vermaledeite Räuberhauptmann, sondern Lelio aus Aversa! Der echte Malandrino aber sei – Tondolo! Welch eine Überraschung! Aber wer ist dann Lidias Bräutigam? Jetzt hält Malandrino den Zeitpunkt für gekommen, das falsche Spiel zu beenden. Mit gezogener Pistole lüftet er sein Inkognito, beschenkt Gaetano mit Lelios Geldsack und der 1000-Dukaten-Kopfprämie und zwingt den Bürgermeister, dem Ehevertrag seiner Tochter mit Gaetano zuzustimmen. Weil aber die Banditen auch etwas für sich selbst haben wollen, erleichtern sie noch rasch die Hochzeitsgäste um ihre Wertsachen. Trotzdem machen die meisten von ihnen gute Mine zum bösen Spiel, weil die Banditenstreiche einem sich liebenden Paar zum Glück verholfen haben.

Musik[Bearbeiten]

Das Werk ist reich mit sprühenden Melodien ausgestattet. Neben den Sologesängen kommen auch Ensemblesätze und Aufgaben für das Ballett nicht zu kurz. Als musikalische Höhepunkte seien lediglich Malandrinos Lieder Südliche Sonne, blauer Himmel und Süß lockt ihr Bild sowie der vom Chor gesungene Walzer Lass den Kopf nur nicht hängen hervorgehoben.

Weblinks[Bearbeiten]