Bengasi
32.11666666666720.066666666667Koordinaten: 32° 7′ N, 20° 4′ O
| arabisch بنغازي Bengasi |
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| Basisdaten | ||
| Staat | Libyen | |
| Bengasi | ||
| ISO 3166-2 | LY-BA | |
| Einwohner | 670.797 (2006) | |
| Satellitenfoto von Bengasi | ||
Bengasi (auch in den Schreibweisen Banghazi, Benghasi oder Benghazi, arabisch بنغازي, DMG Banġāzī, türk. Bingazi) ist eine libysche Hafenstadt im Nordosten des Landes und liegt an der Großen Syrte. Bengasi ist mit 670.797 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2006) nach Tripolis die zweitgrößte Stadt Libyens und das politische und wirtschaftliche Zentrum der Kyrenaika.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Die Stadt wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. von Griechen als Kolonie mit dem Namen Euhesperides gegründet. Dieser Name bezieht sich auf die Gärten der Hesperiden. Dem Mythos nach war es eine der Aufgaben des Herakles, aus diesen Gärten die goldenen Äpfel zu holen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt unter dem Namen Berenike erneut gegründet. Im 2. Jahrhundert n. Chr. kam es aufgrund sozialer Missstände zu Unruhen. Während der arabischen Herrschaft im 7. Jahrhundert n. Chr. versank sie in Bedeutungslosigkeit.
Die Türken besetzten Bengasi im Jahr 1578. Von 1711 bis 1835 wurde die Stadt von der Familie der Qaramanli von Tripolis aus regiert. Danach kam sie bis 1911 unter osmanische Herrschaft.
Während der italienischen Kolonialzeit war Bengasi das Verwaltungszentrum der Kyrenaika. 1931 wurde der libysche Freiheitskämpfer Umar Muchtar in Bengasi zum Tode verurteilt und im Konzentrationslager nahe der Stadt Soluk öffentlich gehängt.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch Bombardierungen schwer beschädigt und wechselte ebenso wie die gesamte Kyrenaika fünfmal den Besitzer: Am sechsten Februar 1941 wurde sie durch die 6. australische Division erobert und am 3. April von Erwin Rommel zurückerobert. Am 24. Dezember 1941 eroberten sie die Briten und am 29. Dezember eroberten sie die Deutschen zurück. Nach der Niederlage von El Alamein drängten die Alliierten die Achsenmächte zurück und am 20. November 1942 eroberten die Briten schließlich die Stadt (siehe auch Afrikafeldzug).
In den 1950er Jahren beherbergte die Stadt eine Residenz des libyschen Königs und war damit neben Tripolis offizielle Hauptstadt des Königreichs. Das Königreich Libyen endete mit der Machtergreifung Gaddafis im Jahre 1969 und damit auch Bengazis Status.
1986 war die Stadt Ziel von Luftangriffen der amerikanischen Luftwaffe, die die US-Regierung als Vergeltung für die mutmaßliche Unterstützung terroristischer Aktivitäten durch Libyen befohlen hatte (Operation El Dorado Canyon). Im Februar 2006 kam es im Rahmen islamischer Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen zu gewalttätigen Ausschreitungen, in deren Verlauf das italienische Generalkonsulat in Brand gesetzt wurde. Bei den Zusammenstößen mit der Polizei kamen mehrere Menschen ums Leben.
Am 31. August 2008 unterzeichnete der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi in Bengasi ein Abkommen, mit dem sich Italien verpflichtete, über 20 Jahre hinweg 5 Milliarden Dollar als Wiedergutmachung in die ehemals italienische Kolonie Libyen zu investieren.
Im Februar 2011 wurde die Stadt ein Zentrum des Aufstands in Libyen gegen das Gaddafi-Regime.[1] Zwischen dem 17. und dem 20. Februar wurden heftige Kämpfe in und um Bengasi ausgetragen, in deren Zuge die dort stationierte Garnison unter General Fattah Junis sich dem Aufstand anschloss. Am 19. März wurde die Belagerung der Stadt und der Beschuss mit schwerer Artillerie durch Gaddafi-Tuppen im Rahmen des Internationalen Militäreinsatz in Libyen gestoppt und die Stadt von den Aufständischen am 20. März als befreit erklärt.[2][3]
Am 19. Mai 2012 fanden die Wahlen zum Stadtrat von Bengasi statt. In den ersten Wahlen seit 1964 wurde die 41 Mitglieder des Rates gewählt. Die Wahlsieger aus jedem der Wahlbezirke vertreten zudem seither die Stadt im nationalen Übergangsrat.[4][5]
Wirtschaft [Bearbeiten]
Die Wirtschaft ist vor allem auf das Verarbeiten von landwirtschaftlichen Produkten aus dem Umland und den Fischfang ausgerichtet. Bengasi ist ein Zentrum des Erdölgeschäfts im Nordosten Libyens.
Verkehr [Bearbeiten]
Die Stadt ist auf dem Landweg (Kairo-Dakar-Highway), auf dem Seeweg über das Mittelmeer (Hafen von Bengasi) und auf dem Luftweg über den Flughafen Bengasi (IATA: BEN, ICAO: HLLB) zu erreichen.
Derzeit ist ein Neubau der Bahnstrecke Sirt–Bengasi als Teil einer pan-arabischen West-Ost-Achse im Bau. Von 1911 bis 1965 bestanden von Bengasi aus lokale Schmalspurbahnen ins Umland.
Bildung [Bearbeiten]
Die Universität von Bengasi (Garyounis University) wurde 1955 gegründet.[6] Die libysche International Medical University ist die erste akkreditierte private medizinische Universität und wurde 2007 gegründet.
Klimatabelle [Bearbeiten]
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Bengasi
Quelle: wetterkontor.de
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Weblinks [Bearbeiten]
- Deutsches Afrikakorps.de: Der Feldzug in Afrika 1941, Eintrag aus dem Kriegstagebuch des OKH, abgefragt am 3. April 2010.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Ghadhafi-Gegner und Polizei liefern sich Strassenschlachten – 35 Tote. In: www.tagesanzeiger.ch, 18. Februar 2011.
- ↑ Regimegegner gewinnen Boden. In: Die Zeit, 5. März 2011.
- ↑ http://blogs.aljazeera.net/live/africa/libya-live-blog-march-20-0
- ↑ Ibrahim Majbari:Cradle of Libyan revolution votes for local council, AFP vom 19. März 2012. Abgerufen am 19. März 2012. (Englisch)
- ↑ George Grant: Benghazi local election results announced— woman candidate wins most votes UPDATE, Libya Harald vom 21. Mai 2012. Abgerufen am 27. Mai 2012. (Englisch)
- ↑ http://www.benghazi.edu.ly/englishMain.aspx