Bangor (Wales)

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Bangor
Bangor High Street mit Uhrenturm
Bangor High Street mit Uhrenturm
Bangor (Wales)
Bangor
Bangor

53.228333333333-4.1280555555556Koordinaten: 53° 14′ N, 4° 8′ W

Basisdaten
Landesteil Wales
Region Nordwales
Shire county Gwynedd
Civil parish Bangor
Bevölkerung 17.575 (Stand: 2011)
Verwaltung
Post town Bangor
Postleitzahlen­abschnitt LL57
Vorwahl 01248
Britisches Parlament Arfon
Website: / Webseite der Stadtverwaltung

Bangor ist eine Stadt in der 1996 gebildeten Unitary Authority Gwynedd im Nordwesten von Wales. Bis 1974 gehörte sie zur ehemaligen Verwaltungsgrafschaft Caernarfonshire und liegt am Nordausgang der Menai Strait 12 Kilometer nordöstlich von Caernarvon. Die Universitäts- und Bischofsstadt hat etwa 20.000 Einwohner[1]. Die 1826 errichtete Menai-Brücke spannt sich von Bangor über die Menai Street bis zum Dorf Menai Bridge auf der Insel Anglesey.

Geschichte[Bearbeiten]

Bangor im Jahr 1610

Die Ursprünge der Stadt reichen ins 6. Jahrhundert zurück. 525 wurde die erste Kirche und ein Kloster von Mönchen unter Leitung von Deiniol gegründet.[2] Um 546 wurde Deiniol von Maelgwn Hir ap Cadwallon, dem König von Gwynedd, zum Bischof seines Königreiches ernannt. Das Kloster gewann rasch an Einfluss und wurde von Beda Venerabilis seinerzeit als das bedeutendste in ganz Britannien bezeichnet. Die Stadt wuchs um die Kathedrale herum. Bangor ist einer der ältesten Bischofssitze der Britischen Inseln.

Der Name Bangor stammt aus dem Walisischen und bedeutet in etwa „eingezäuntes Grundstück“ und bezieht sich wohl auf das Gelände der ursprünglichen Kathedrale. Die heutige Kathedrale ist jüngeren Datums und wurde während der Jahrhunderte immer wieder umgestaltet. 1557 wurde die noch heute bestehende Friars School als eine Grammar School von Geoffrey Glyn gegründet.

Im 19. Jahrhundert gewann die Stadt an Bedeutung, da die Steine des Penrhyn-Steinbruchs, dem damals größten Schiefersteinbruch der Welt, über den Stadthafen Port Penrhyn exportiert wurden.

Bangors Partnerstadt ist seit 1973 Soest in Deutschland.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1801 1.770[3]
1841 7.500[3]
2001 13.725
2011 17.575

Bangor University[Bearbeiten]

University College of North Wales, Student Union (unten links) und Theatr Gwynedd (unten rechts), um 1975

Die Universität wurde am 18. Oktober 1884 mit 58 Studenten und zehn Mitarbeitern als University College of North Wales in einem ehemaligen Gasthaus gegründet. Die Studenten erhielten bis 1893 Abschlüsse der University of London. Im Jahr 1893 war Bangor eines der drei Gründungscolleges der University of Wales. Die Universität wird als Prifysgol Bangor oder Bangor University bezeichnet[4].

Im letzten Research Assessment Exercise (RAE 2008) wurden rund 50 Prozent der Forschungsfelder als weltweit führend angesehen. Dort belegte die Universität den ersten Rankingplatz in Großbritannien im Bereich Accounting, Banking und Finance und den zweitbesten in der Elektrotechnik. Im Jahr 2011 wurde sie unter den weltbesten 275 Universitäten in der Times Higher Education World University Rankings platziert. Bangor schnitt in der Lehre als die beste Universität in Wales ab und zählt zu den Top 15 britischen Universitäten für ausgezeichnete Lehre (Sunday Times University Guide für 2012).

Sie wurde überwiegend aus Spenden finanziert, nicht zuletzt durch Spenden der Arbeiter aus den Schieferbergwerken von Gwynedd, die für ihre Kinder eine akademische Ausbildung sichern wollten. Der Besuch der existierenden Universitäten war für sie unerschwinglich. Zum Teil unterlagen die überwiegend Freikirchen (Welsh Methodists) angehörenden Waliser auch Zulassungsbeschränkungen aufgrund ihrer konfessionellen Zugehörigkeit. 1911 zog die Universität um in das eigens errichtete Gebäude im Tudorstil (heutzutage "Main Arts Bulding" genannt) auf dem Berg über der Stadt. Internationale Geltung erlangte das Department of Welsh Studies unter Prof. Bedwyr Lewis Jones (1933–1992) in den 1970er Jahren. Zum Universitätskomplex gehört auch das Anfang der 1970er Jahre errichtete Theatr Gwynedd, das seit dem Beginn des Akademischen Jahres 2008 geschlossen hat[5]. 2003 wurde das Centre for Evidence-Based Conservation gegründet.

In den 1970er Jahren war die Universität ein Zentrum des walisischen Nationalismus. Es kam zu spektakulären Aktionen durch radikale walisische Studenten, beispielsweise Störungen von auf Englisch gehaltenen Vorlesungen oder der Vernichtung von Karteikarten englischer Bücher in der Bibliothek. Daher erwog die Regierung Thatcher zu Beginn der 1980er Jahre sogar die Schließung der Lehranstalt. Aktuell sind über 11.000 Studenten an der Bangor University eingeschrieben.[6]

Zu den zahlreichen Partneruniversitäten in Deutschland gehören unter anderem die Eberhard-Karls-Universität Tübingen, die Universität Passau, die Universität Leipzig, die Universität Magdeburg und die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Kathedrale[Bearbeiten]

Blick auf die Kathedrale von Bangor

Die Kathedrale von Bangor (englisch Bangor Cathedral), die einen niedrigen, spitzen Turm besitzt, steht an der Stelle des einst von Deiniol um 525 gegründeten Klosters, das 634 und 1073 geplündert wurde; von ihm haben sich keine Überreste erhalten. Die ältesten Teile der heutigen Kathedrale wurden während des Episkopats des Bischofs David (1120-1139) erbaut. Das Kirchengebäude wurde 1211 von Soldaten des englischen Königs Johann Ohneland während eines Einfalls in Gwynedd zerstört, ebenso 1282 während des zweiten Feldzugs von Eduard I. gegen Wales, woraufhin umfangreiche Arbeiten für den Wiederaufbau stattfanden. Keine zeitgenössischen Zeugnisse gibt es für die angebliche Niederbrennung der Kathedrale im Jahre 1402 während des Aufstandes des walisischen Adligen Owain Glyndŵr, obwohl sie sehr wohl in Mitleidenschaft gezogen worden sein könnte. Bischof Henry Deane ließ den Chor, Bischof Thomas Skevington 1532 das Kirchenschiff und den Turm wiedererrichten, doch blieb Letzterer unvollendet. Die heutige Gestaltung des Bauwerks erfolgte 1866-1875 im Zuge umfassender Restaurierungsarbeiten unter der Aufsicht des englischen Architekten George Gilbert Scott.

Plan von Bangor aus dem Jahre 1947

Verkehrswege[Bearbeiten]

Die Bahnstation von Bangor liegt an der Nord-Wales-Küstenlinie (North Wales Coast Line) von Crewe nach Holyhead.

Den Ort berühren die Routen 5, 8 und 85 des nationalen Radwegenetzes (National Cycle Network). Bangor ist der auch Endpunkt des North Wales Path, des 60-Meilen (ca. 100 km) langen Nord-Wales-Küstenwanderweges nach Prestatyn.

Sport[Bearbeiten]

Der erfolgreichste ortsansässige Fußballverein ist der dreimalige walisische Meister Bangor City, der 1876 gegründet wurde.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung[Bearbeiten]

In unmittelbarer Nähe der Stadt befinden sich zwei der mittelalterlichen Burgen, für die Nordwales berühmt ist: Auf der Bangor gegenüber liegenden Insel Anglesey liegt Beaumaris Castle, und etwa fünfzehn Kilometer entfernt liegt Castell Gaernarfon, besser bekannt als Caernarfon Castle, die Krönungsstätte für den Prince of Wales (zuletzt 1969).

Trivia[Bearbeiten]

Penrhyn Castle um 1870

Ein durch den Schieferabbau reich gewordener Industrieller ließ sich Mitte des 19. Jahrhunderts außerhalb von Bangor ein im anglo-normannischen Stil gehaltenes Schloss, Penrhyn Castle, bauen. Im Schloss befindet sich ein überdimensionales Himmelbett, das aus einem einzigen Schieferblock gehauen ist. Es soll einer lokalen Überlieferung nach für Queen Victoria hergestellt worden sein, die beim Anblick des stabilen Ungetüms ihr berühmtes „We are not amused“ ausgesprochen habe, da sie die Konstruktion als eine persönliche Kränkung empfand.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bangor, Wales – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. UKCities: Largest Cities in the UK
  2. Esgobaeth Bangor - Bangor Diocese
  3. a b BBC: North West Wales History
  4. Bangor University: A Brief History of Bangor University
  5. Theatr Gwynedd Homepage
  6. Bangor University: University Profile, abgerufen 13. Januar 2014