Bank Run

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Bei einem Bank Run (dt. etwa: „Ansturm auf eine Bank“, deutsch: Schaltersturm, umgangssprachlich auch: „Bankensturm“[1]) versuchen viele Anleger einer Bank zeitnah ihre Einlagen (Depositen) abzuheben. Da eine Bank meistens nur einen Bruchteil ihres Vermögens als Bargeld bereithält und der Hauptteil in längerfristigen Aktiva angelegt ist, kann dies zur Insolvenz einer Bank führen.

Mechanismus[Bearbeiten]

Berlin, Bankenkrach, Andrang bei der Sparkasse 1931
Bankkunden stehen vor einer Filiale von Northern Rock am 14. September 2007 Schlange

Die Fristentransformationsfunktion der Banken funktioniert reibungslos, wenn nur ein Teil der Sparer von der Möglichkeit, die Einlagen kurzfristig abzuziehen, Gebrauch macht. Auf die normalen Abhebegewohnheiten sind die Institute nämlich eingestellt. Wenn jedoch Gerüchte über Probleme oder eine drohende Schieflage bekannt werden, ist zu befürchten, dass die Sparer ihre Einlagen massenweise abziehen. Die Gefahr, dass bereits vage Vermutungen einen Ansturm der Sparer auf die Bankschalter auslösen können, ist darauf zurückzuführen, dass Bankeinlagen sequentiell, also nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ bedient werden. Bei diesem Regime kommt es für den einzelnen Sparer darauf an, dass er bei einer Schieflage der Bank seine Einlagen schneller abzieht als andere Einleger.[2]

Es gibt verschiedene mögliche Gründe für einen Bank Run:

  • Bei einer Hyperinflation kann derjenige, der sein Geld als erster abhebt, für den gleichen Geldbetrag die meisten Güter kaufen.
  • Bei einer (möglicherweise falschen) Information, dass sich die Bank in einer Krise befindet oder gar insolvent zu werden droht, muss der Anleger um seine Einlagen fürchten und seine Verlustgefahr ist umso größer, je länger er seine Einlagen auf der Bank behält. Durch den Run, der dann zur tatsächlichen Insolvenz der Bank führen kann, nimmt dies den Charakter einer selbsterfüllenden Prophezeiung an.
  • Es kann sich auch um eine zufällige Massenabhebung handeln, der sich andere Anleger im Vertrauen darauf, dass dies einen bestimmten Grund haben muss, blindlings anschließen („Herdenverhalten“).

In allen diesen Fällen ist es für den Anleger eine optimale Strategie, möglichst früh am Run teilzunehmen, da damit die Wahrscheinlichkeit, an sein Geld zu kommen, am höchsten ist. Es handelt sich somit um den Fall eines Nash-Gleichgewichtes. Diese Situation ist jedoch instabil, sie kann zum Zusammenbruch der Bank und dem Verlust eines Großteils der Einlagen führen.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Weltwirtschaftskrise
  • Argentinienkrise
  • Im Sommer 2007 kam es zu einem Ansturm auf die britische Bank Northern Rock. Northern Rock war aufgrund einer einseitigen Refinanzierungsstrategie, welche sich überwiegend auf den Geldmarkt konzentrierte, in Liquiditätsengpässe geraten, da sich Geldmarktrefinanzierungen aufgrund von Liquiditätsverknappung und Risikoneubewertung seitens der Investoren immens verteuert hatten.
  • Im Herbst 2008 kam es bei der Schweizerischen UBS zu einem Bank Run, bei welchem der Bank innerhalb kurzer Zeit 25 Mrd CHF Kapital abgezogen wurden. Daraufhin musste die Schweizerische Eidgenossenschaft einen Notfallplan auslösen, den sie zusammen mit UBS und Zentralbank ausgearbeitet hatte um die Liquidität der Bank zu gewährleisten.
  • Im Frühling 2012 wurde in Griechenland und Spanien wesentlich mehr Bargeld als üblich bei den Banken abgehoben und dies in vielen Medien mit dem Begriff Bank Run in Verbindung gebracht.[3][4]

Abgrenzung[Bearbeiten]

In Deutschland werden jeden Tag Milliarden Euro Bargeld bei der Bundesbank eingezahlt und ausgezahlt, dabei entstehen selbst in der Monatssumme Differenzen zwischen der Menge der Einzahlungen und Auszahlungen, die üblicherweise bis zu Milliarden Euro betragen. Der 10. Oktober 2008 war ein besonders auszahlungsstarker Tag mit 4,2 Mrd. Euro Bargeldauszahlung, während an diesem Tag nur 1,5 Mrd. Euro Bargeld eingezahlt wurden.[5] Der Monat Oktober 2008 war der Monat mit dem bisher größten Geldmengenwachstum und zwar um 42 Mrd. Euro.[6]

Im Monat Dezember steigt die Bargeldmenge des Euroraums jedes Jahr deutlich an und sinkt im Januar deutlich ab, beispielsweise Dezember 2007 20 Mrd. Anstieg, Januar 2008 12 Mrd. Euro Senkung,[5] im Dezember 2008 19 Mrd. Anstieg, Januar 2009 12 Mrd. Senkung,[5] Dezember 2010 18 Mrd. Euro Anstieg, Januar 2011 13 Mrd. Euro Senkung, im Dezember 2011 16 Mrd. Euro Anstieg, Januar 2012 14 Mrd. Euro Senkung.[7]

Maßnahmen[Bearbeiten]

Einlagensicherung[Bearbeiten]

Wenn ein Sparer auf die Rückzahlung seiner Einlage vertrauen kann, unabhängig davon, ob die anderen Sparer ihre Einlagen vorzeitig abziehen oder nicht, gibt es keine rationale Notwendigkeit, die eigene Einlage vorzeitig abzuziehen. Deshalb können Einlagensicherungssysteme einem Bank Run vorbeugen, da sie die Liquidität der Bank gerade in deren Krise garantieren. Bei diesem wird dem Anleger über die Ausgabe von Wertpapieren oder die Möglichkeit, die Anlagen einer anderen Bank zu übertragen, die Sicherheit gewährt, seine Einlagen nicht zu verlieren. Eine Einlagensicherung lässt sich staatlich und privat organisieren. Eine private Institution muss über genügend Sicherheiten verfügen, während der Staat sich durch Erhebung von Steuern refinanziert. In Deutschland findet ähnlich wie bei einer Versicherung eine Einlagensicherung auf freiwilliger Basis statt, indem die Banken jährlich einen Geldbetrag zur Einlagensicherung einzahlen.

Bei stochastischem Anteil der Investoren mit Konsumwünschen in einer Periode (siehe unten: stochastisches Alpha) kann zusätzlich die optimale Allokation durch eine ex-post Steuer erreicht werden.

Aussetzung der Rückzahlung[Bearbeiten]

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Um einem Bank Run vorzubeugen, kann die Bank ankündigen, ab einer bestimmten Sperrschwelle die Zahlungen auszusetzen (Aussetzung der Zahlungen). Diese Sperrschwelle wird vertraglich festgelegt und öffentlich bekannt gemacht. Also werden nur solche Anleger ihre Einlagen abheben wollen, die das Geld tatsächlich benötigen; alle anderen müssen sonst um ihre Auszahlungen bangen, da unklar bleibt, wann die Sperrschwelle erreicht ist und den Anlegern klar sein muss, dass jede weitere Abhebung mit einem immer größeren Risiko behaftet ist.

Dies funktioniert jedoch nur optimal, wenn der Anteil der Sparer, die frühzeitig abziehen wollen, in etwa bekannt ist. Sonst besteht das Problem darin, den Schwellenwert festzulegen. Wird dieser zu niedrig gewählt, werden die Anleger der Bank misstrauen und nicht anlegen; wird dieser zu groß gewählt, dann muss die Bank einen unverhältnismäßig großen Teil von Geldern zur Verfügung stellen, mit denen sie keinen oder nur geringen Gewinn machen kann.

Direkte Begrenzung[Bearbeiten]

Das Problem des Bank Run ergibt sich daraus, dass die Bank durch die bloße Aufbewahrung von Geld keinen nennenswerten Gewinn machen kann. Sie ist deshalb bestrebt, ihr Vermögen gewinnbringend zu verwerten, indem sie in gewinnbringende Anlagen investiert oder Geld verleiht und dabei eine Aufwandsentschädigung in Form von Kreditzinsen zurückbekommt. Langfristige Anlagen bringen oft einen höheren Gewinn als kurzfristige. Bei einem Bank Run ist es der Bank nun in der ihr zur Verfügung stehenden Zeitspanne nicht möglich, die langfristig angelegten Anlagen wieder in Bargeld umzuwandeln, so dass trotz evtl. genügend vorhandenem Kapital die Zahlungsunfähigkeit droht.

Theoretische Analyse des Bank Run: Das Modell von Diamond und Dybvig[Bearbeiten]

Einlagen in Form von Bargeld gehören dem Kunden und durch die Zuschreibung eines festen Wertes kann damit bei einem Tausch weder Verlust noch Gewinn erzielt werden. Für den Kunden ist das Geld damit eine ständig verfügbare Reserve, mit der er seinen schwankenden Bedarf an Gebrauchsgütern decken kann. Die Bank hingegen kann damit im Gegenstück zu Aktien oder Edelmetallen keinen Handel betreiben. Diamond und Dybvig gehen in ihrem Modell von zeitlich schwankenden Ausgaben und zudem von einem risikominimierendem Verhalten des Sparers aus. Die Auszahlungen an den Anleger finden nacheinander statt.

Der Ablauf wird in zwei Zeiträume aufgeteilt. Es gibt zwei Typen von Anlegern: Der erste Anleger interessiert sich nur dafür, welchen Nutzen er mit seinem Vermögen in einem Zeitraum erhalten kann, der zweite Typ betrachtet den Gesamtnutzen über beide Zeiträume. Steigt das Vermögen gleich bleibend an, nimmt bei beiden Anlegern die Zunahme des Nutzens immer weiter ab. Beide Anleger können für einen Zeitraum entscheiden, ob sie investieren wollen. Angenommen, es besteht eine Investitionsmöglichkeit, bei der über beide Zeiträume hinweg ein kleiner Gewinn erzielt wird, jedoch bei nur einer Investitionsperiode keine Veränderung eintritt. In diesem Fall ist die Anlage für Anleger 1 uninteressant (d. h. sie investieren nicht oder fordern ihre Einlagen nach einem Zeitraum zurück), für Anleger 2 ist die Investition lohnend und deshalb wird kein Anleger vom Typ 2 seine Investition nach einem Zeitraum abziehen. Die Situation ist stabil.

Diamond und Dybvig konnten nun zeigen, dass durch die Einschaltung eines Mittelmannes (der Bank), der selbst ohne Gewinninteresse investiert, eine instabile Situation entstehen kann. Dazu muss dem Anleger vom Typ 1 nur eine Möglichkeit gegeben werden, durch Risikoausgleich zwischen den beiden Typen von Anlegern trotzdem einen kleineren Gewinn in nur einem Zeitraum zu bekommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bank Run – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. z. B. Neue Zürcher Zeitung, 23. Mai 2012: „Finanzkrise - Einlegerschutz soll Sturm auf Banken vorbeugen“
  2. Institut der deutschen Wirtschaft Köln, „Arbeitsweise der Bankenaufsicht vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise“, Februar 2009, Seite 5
  3. Boris Kálnoky: Griechischer Bank-Run – Athens finanzieller Kollaps, eine Spirale des Horrors. In: Welt Online. 16. Mai 2012, abgerufen am 18. Mai 2012.
  4. Angst vor dem Crash: Spanier plündern ihre Bankkonten. In: Deutsche Mittelstands-Nachrichten. 17. Mai 2012, abgerufen am 18. Mai 2012.
  5. a b c Deutsche Bundesbank: Monatsbericht Juni 2009. 19. Juni 2009, abgerufen am 18. Mai 2012.
  6. Deutsche Bundesbank: Zeitreihe TVE300. Abgerufen am 18. Mai 2012.
  7. Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2012. 20. April 2012, abgerufen am 18. Mai 2012.