Banzai

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Banzai (Begriffsklärung) aufgeführt.

Banzai (japanisch 万歳, deutsch „zehntausend Jahre“) ist in Japan ein Hochruf, der Freude und Glück für 10.000 Jahre bringen soll.

Ursprünglich wurde das Wort aus dem Chinesischen übernommen (zehntausend Jahre) und zur Ehrung des Kaisers verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ausruf „Banzai“ entstand während der Kaiserreichszeit. Bei der Verkündung der Verfassung des Japanischen Kaiserreiches im Jahr 1889 wurde der Ruf von Politikern publik gemacht. Der Artikel 1 der Verfassung des Japanischen Kaiserreiches erklärte „eine Zeile überdauert zehntausend Jahre“ (japanisch 万世一系).

In der Nachkriegszeit in Japan wurde der Ruf auch zum Ausdruck von allgemeiner Freude und Enthusiasmus verwendet.

Der Ruf wird oft dreifach wiederholt und vom Emporstrecken der Arme begleitet.

Banzai-Angriff[Bearbeiten]

Ein Banzai-Angriff (englisch Banzai-Charge) war im Pazifikkrieg die Bezeichnung, mit der amerikanische Soldaten die oft fanatisch vorgetragenen Sturmangriffe japanischer Soldaten beschrieben,[1] weil dabei in der Regel der Ruf Banzai von den Angreifern zu hören war.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Tradition von Banzai-Rufen auf Kaiser (Tennō heika banzai!) (天皇陛下万歳) oder Land (Nippon Banzai!) zum Einleiten eines Sturmangriffs geht auf die Schlachten des Mittelalters zurück, in denen aggressiv vorgetragene Frontalangriffe noch Aussicht auf Erfolg hatten. Während aber Europäer und Amerikaner im Ersten Weltkrieg die Erfahrung gemacht hatten, dass Sturmangriffe von Infanterie gegen einen Verteidiger mit automatischen Schusswaffen sinnlos sind und nur zu schweren Verlusten beim Angreifer führen, fehlte den Japanern diese Erfahrung.[2] Solche Angriffe konnten im Zweiten Weltkrieg nur bei Nacht oder schlechten Sichtverhältnissen und auch nur dann, wenn der Gegner noch keine Verteidigung aufgebaut hatte, eine gewisse Aussicht auf Erfolg haben. Sie endeten in der Regel jedoch mit schweren Verlusten unter den angreifenden Soldaten oder der völligen Vernichtung der angreifenden Einheit, ohne dass diese dem Gegner ernsthaften Schaden zugefügt hätten.

Gyokusai[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gyokusai

In der amerikanischen Berichterstattung wurde in der Regel nicht zwischen gewöhnlichen Angriffen, die zwar riskant waren, aber klare taktische Zielsetzungen hatten und solchen, deren einziger Zweck der Tod der Angreifer war, unterschieden. So taucht der Begriff Banzai-Charge in zahlreichen englischsprachigen Veröffentlichungen zu den Schlachten um Guadalcanal auf, die 1942 stattfanden [3] und damit vor dem ersten, offiziell von den Japanern als Gyokusai (玉砕) bezeichneten Selbstmordangriff im Mai 1943 auf Attu.

Japanische Veröffentlichungen während des Pazifikkrieges unterschieden dagegen zwischen normalen Angriffen und Gyokusai-Angriffen. Letztgenannte hatten einzig das Ziel, den Kämpfenden einen ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld zu gewährleisten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Masayo Umezawa Duus, Peter Duus: Unlikely Liberators. The Men of the 100th and 442nd. University of Hawaii Press, 2007, ISBN 0-8248-3140-3, S. 103.
  2. Robert S. Burrell: The ghosts of Iwo Jima. Texas A&M University Press, 2006, ISBN 1-585-44483-9, S. 44.
  3. zum Beispiel bei Graeme Kent: Guadalcanal. Island ordeal Pan Macmillan, 1971, ISBN 0-345-09718-1, S. 61.