Baphuon

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Zeichnung des Baphuon, wie er anfangs ausgesehen haben mag, von Lucien Fournereau (1889)
Gopuram zweite Ebene
Flachrelief liegender Buddha
Östlicher Gopuram der ersten Ebene

Der Baphuon (Khmer: ប្រាសាទបាពួន), ein Mitte des 11. Jahrhunderts zu Ehren des Hindu-Gottes Shiva erbauter monumentaler Tempelberg, gehört zu den wichtigsten Zeugnissen der Angkor-Zeit. Ursprünglich Mittelpunkt der Khmer-Hauptstadt Yasodharapura, liegt die archäologische Stätte heute in Angkor Thom nahe der kambodschanischen Stadt Siem Reap.

Geschichte[Bearbeiten]

König Udayadityavarman II. regierte das mächtige Khmer-Reich in den Jahren 1050–1066. Im Zentrum der Hauptstadt Yasodhapura (einer quadratischen Anlage, die etwas größer war als die später an ungefähr gleicher Stelle gelegene Hauptstadt Angkor Thom) ließ er den Staatstempel Baphuon bauen, einen Tempelberg außerordentlichen Formats, der sich zudem durch reizvollen Reliefschmuck auszeichnete, den ersten szenischen Darstellungen seit dem Bakong.[1]

Noch in den Jahren 1296–1297 war der chinesische Diplomat Zhou Daguan von diesem Bauwerk so beeindruckt, dass er schrieb: „Etwa ein Li (eine chinesische Meile oder einen halben Kilometer)[2] nördlich des goldenen Turms (des Bayon) befindet sich ein bronzener Turm (der Baphuon). Er ist sogar höher als der goldene Turm und ein herrlicher Anblick.“[3]

Vermutlich war der Erdhügel, der den Kern des Bauwerks bildete, nicht stabil genug, und der Tempelberg stürzte im Lauf der folgenden Jahrhunderte ein. Etwa im 15. Jahrhundert gestaltete man an der Westseite der Tempelterrasse das 70 m lange Flachrelief eines liegenden Buddha,[4] offenbar aus Steinen des kollabierten zentralen Turms.[5]

1960 begann man, den mittlerweile fast komplett eingestürzten Baphuon mithilfe der Anastilosis-Methode zu rekonstruieren: ein grandioses Puzzlespiel, das durch die Machtergreifung der Roten Khmer unterbrochen wurde. Seit 1995 führt ein Team französischer Archäologen die Rekonstruktion fort; allerdings waren die Aufzeichnungen über die Positionen der bereits vorsortierten Steine nicht mehr aufzufinden, was die Aufgabe weiter erschwerte. 2011 wurden die Arbeiten erfolgreich abgeschlossen.[6]

Architektur[Bearbeiten]

Der Baphuon (12. Jahrhundert) liegt etwas nordwestlich des jüngeren Staatstempels Bayon mit seinen Gesichtertürmen (und damit des Zentrums von Angkor Thom) und unmittelbar südlich der älteren Tempelpyramide Phimeanakas. Als Baumaterial fand neben dem Erdkern der Pyramide fast ausschließlich Sandstein Verwendung; nur einige Mauern bestehen aus Laterit.[7] Die äußerste Einfriedung misst 425 m × 125 m: ein in West-Ost-Richtung gelagertes, ungewöhnlich langgezogenes Rechteck.[8] Sicherlich wurde die Ostseite mitsamt Hauptzugang erst später an die Mittelachse von Angkor Thom herangezogen, und der in Richtung Tempelberg liegende Pavillon war einst der Hauptzugang.

Vom Osttor aus erreicht man den Tempelberg über einen 172 m langen steinernen Steg (große Sandsteinplatten auf dreireihig angeordneten runden Sandsteinsäulen);[8] diese ungewöhnliche Struktur ist wohl der steinerne Nachbau hölzerner Stege, wie sie noch heute kambodschanische Pfahlbaudörfer durchziehen.[9] Besagten Pavillon durchschreitet man nach etwa zwei Dritteln der Wegstrecke.

Grundriss der Tempelpyramide

Am Ende des Stegs erreicht man eine Terrasse, 120 m × 100 m groß, die Basis einer Pyramide, deren vier Stufen eine Höhe von 24 m erreichen.[8] Der Prasat (Turm) auf der obersten Ebene, der seinerseits über einen mehrstufigen, annähernd kreuzförmigen Sockel verfügt, muss sich einst 50 m über die Umgebung erhoben haben.[1] Die Terrasse sowie die zweite und vierte Stufe der Pyramide sind jeweils von Galerien mit Gopura (Tortürmen) und Ecktürmen umgeben. An allen vier Seiten führen Treppen mittig von Torturm zu Torturm empor.

Die Reliefs mit Szenen aus hinduistischen Mythen, „naiv und reizvoll, genau beobachtet und voller Fantasie – ein Höhepunkt der Relief-Kunst“,[1] befinden sich im Pavillon am Steg und in den Galerien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Freeman und Claude Jacques: Ancient Angkor. River Books, Bangkok 1999, ISBN 974-8225-27-5.
  • Luca Invernizzi Tettoni und Thierry Zéphir: Angkor. A Tour of the Monuments. Archipelago Press, Singapur 2004, ISBN 981-4068-73-X.
  • Nick Ray: Cambodia. Lonely Planet Publications, Victoria 2005, ISBN 1-74059-525-4.
  • Johann Reinhart Zieger: Angkor und die Tempel der Khmer in Kambodscha. Silkworm Books, Chiang Mai 2006, ISBN 974-9575-60-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Baphuon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Picking up the Pieces, Artikel auf cambodiaonline.net über die Rekonstruktion des Baphuon (Stand 11. April 2009).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Zieger 2006, S. 55.
  2. Zhou Daguan 2007, S.36–37.
  3. Zhou Daguan 2007, S. 48: „About a li north of the golden tower there is a bronze tower. It is even taller than the gold tower, and an exquisite sight.“
  4. Zieger 2006, S. 56.
  5. Freeman und Jacques 1999, S. 105.
  6. Cambodia completes Angkor temple renovation ‚puzzle‘. BBC News, 3. Juli 2011.
  7. Zieger 2006, S. 54.
  8. a b c Maße nach Freeman und Jacques, S. 103.
  9. So der Kunst- und Architekturhistoriker Henri Stierlin laut Zieger 2006, S. 54.

13.433333333333103.83333333333Koordinaten: 13° 26′ 0″ N, 103° 50′ 0″ O