Barcamp
Ein Barcamp (häufig auch: BarCamp, Unkonferenz, Ad-hoc-Nicht-Konferenz) ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden. Barcamps dienen dem inhaltlichen Austausch und der Diskussion, können teilweise aber auch bereits am Ende der Veranstaltung konkrete Ergebnisse vorweisen (z.B. bei gemeinsamen Programmierworkshops).[1]
Seit dem ersten Barcamp in Palo Alto (Kalifornien) im August 2005 in den Räumlichkeiten der Firma Socialtext werden in Nordamerika, Asien und Europa Barcamps abgehalten. So fanden bereits Ende September 2006 in Berlin und Wien die ersten Barcamps im deutschsprachigen Raum statt.
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Entwicklung [Bearbeiten]
Der Name ist eine Anspielung auf eine von Tim O’Reilly initiierte Veranstaltungsreihe namens FooCamp, bei der ausgewählte Personen (Friends of O'Reilly) sich zum Austausch und zur Übernachtung (Camping) trafen. Während man zur Teilnahme am FooCamp eine Einladung von O'Reilly benötigt, kann an Barcamps ohne Einladung teilgenommen werden. Mit Foo und Bar werden in der Informatik Platzhalter bezeichnet.[2]
Barcamps sind eine Form der Großgruppenmoderation. Sie haben Ähnlichkeiten mit Open Space, sind aber lockerer organisiert. Ein Barcamp besteht aus Vorträgen und Diskussionsrunden (sogenannte Sessions), die jeden Morgen auf Whiteboards, Metaplänen oder Pinnwänden – in sogenannten Grids (Stundenplan) – durch die Teilnehmer selbst koordiniert werden. Alle Teilnehmer sind aufgefordert, selbst einen Vortrag zu halten oder zu organisieren.
Barcamps werden hauptsächlich in Wikis organisiert und über Kanäle wie Blogs, Mikro-Blogging, Social Bookmarks und IRC beworben und dokumentiert. Jeder kann selbst ein Barcamp organisieren und dafür auch das Wiki auf Barcamp.org benutzen. Die Teilnahme ist oft kostenlos und nur aus Platzgründen limitiert, eine vorherige Anmeldung daher notwendig. Auf vielen Barcamps im Ausland ist es möglich, am Veranstaltungsort im eigenen Schlafsack die Nacht zu verbringen. Die Kosten der Veranstaltung und für Verpflegung werden von Sponsoren getragen.
Auf Barcamps werden Themen wie Webanwendungen in frühem Stadium, Open-Source-Technologien und Soziale Software diskutiert. Mittlerweile finden jedoch auch regelmäßig Barcamps zu weiteren Themen statt, etwa das BibCamp für Themen rund um Bibliotheken, das EduCamp zu Fragen des Lehrens und Lernens oder Barcamps im touristischen Umfeld (Tourismuscamp, Hotelcamp, MICEcamp, Spacamp, Castlecamp)
Charakteristika [Bearbeiten]
Da oft mehrere Dutzend bis Hunderte Teilnehmer kommen, werden Großgruppenmethoden zur Moderation eingesetzt. Bewährt hat sich die Open Space-Methode: Die Teilnehmer geben eigene Themen ins Plenum und gestalten dazu je eine Arbeitsgruppe. In dieser werden mögliche Projekte erarbeitet. Die Ergebnisse werden am Schluss gesammelt. Open Space kann in kurzer Zeit eine große Vielfalt von konkreten Maßnahmen produzieren. Bei Barcamps entstehen manchmal fertige Projekte mit lauffähigem Code, oder Code-Schnipsel zur Verbesserung bestehender Projekte. Oder es entstehen Projektideen, die nach dem Barcamp praktisch umgesetzt werden.[3]
Zentrale Aufgabe hat der Moderator, der das Plenum als Start des Barcamps moderiert, und im Schlussplenum gemeinsam mit den Teilnehmern das gute Gelingen feiert. Wichtig ist eine Infrastruktur während des Barcamps, die für funktionierende Netzwerke und Hardware sorgt, für ausreichend Stifte, Packpapier, Klebeband, aber auch für Getränke und Verpflegung. Auch die Sammlung und Verteilung der Ergebnisse bedarf einer guten Struktur. Der Erfolg der Veranstaltung hängt letztlich an der Fähigkeit der Veranstalter, nach dem Barcamp die Projektgruppe bei der Umsetzung ihrer Ideen zu unterstützen und zu begleiten.
Veranstaltungen [Bearbeiten]
Barcamps finden mittlerweile in praktisch jedem Land statt, wobei die Organisation besonders in Deutschland meist über die Community-Plattform Mixxt abgewickelt wird, in Österreich über das Wiki barcamp.at. In anderen Ländern kommt stattdessen häufig das Content-Management-System Drupal zum Einsatz.
Vereinigte Staaten [Bearbeiten]
In den USA werden Barcamps zu den verschiedensten Themen abgehalten. Überregionale Bekanntheit haben vor allem die Veranstaltungen im Silicon Valley und den Großstädten an der Ostküste erreicht. Außerdem werden regelmäßig sogenannte WordCamps veranstaltet, die sich speziell an Blogger richten und vom WordPress-Entwickler Automattic unterstützt werden.[4]
Deutschland [Bearbeiten]
Stand 2013 gibt es in Deutschland über 70 Veranstaltungen, die in Form eines Barcamp abgehalten werden.[5] Überregionale Bekanntheit und die höchsten Besucherzahlen haben vor allem CommunityCamp[6], das ConventionCamp[7] sowie das Politcamp erreicht.
Literatur [Bearbeiten]
- Dominik Rzepka und Franz Patzig: Think Tank für das Web 2.0. Heute.de vom 3. November 2007 Volltext
- Meike Richter: Barcamp: Wissen durch Teilung. Die Zeit Nr. 48 vom 26. November 2008 Volltext
- Laetitia Seybold: Barcamp – Pause als Programm. Focus Online vom 6. Januar 2009 Volltext
- Kapitel Barcamp in Charlie Hailey: Camps: A Guide to 21st Century Places. MIT Press, 2009. ISBN 0-262-51287-4.
Weblinks [Bearbeiten]
- Liste aller BarCamps und ThemenCamps in Deutschland
- Wie erklär ich's meiner Mutter? Was ist ein BarCamp?
- Erklär-Video: Was ist ein Barcamp? Einfach erklärt!
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Oliver Gassner: Happy Campers. In: Telepolis. 20. Dezember 2006, abgerufen am 23. August 2012.
- ↑ Franz Patzig: Was ist eigentlich BarCamp? 13. Februar 2007, abgerufen am 23. August 2012.
- ↑ Meike Richter: Barcamp: Wissen durch Teilung. In: Zeit Online. 26. November 2008, abgerufen am 23. August 2012.
- ↑ Übersicht aller WordCamps. Automattic, abgerufen am 23. August 2012.
- ↑ Barcamp-Liste D-A-CH. Abgerufen am 12. April 2013.
- ↑ CommunityCamp Berlin. Abgerufen am 23. August 2012.
- ↑ ConventionCamp Hannover. Abgerufen am 23. August 2012.