Baraqisch

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arabisch ‏براقش‎, DMG Barāqiš
Baraqisch
Baraqisch (Jemen)
Baraqisch
Baraqisch
Koordinaten 16° 0′ N, 44° 48′ O15.99583333333344.801944444444Koordinaten: 16° 0′ N, 44° 48′ O
Basisdaten
Staat Jemen

Gouvernement

al-Dschauf
Höhe 1100 m
Ansicht von Barakisch
Ansicht von Barakisch
Beispiel für sabaäische Steininschriften (Louvre)

Baraqisch, Barakisch oder auch Baraqish (arabisch ‏براقش‎, DMG Barāqiš; altsüdarabisch Yṯl, rekonstruiert Yathill) ist eine Stadt im Nordwesten des Jemen, etwa 125 km von der Landeshauptstadt Sanaa entfernt, im sogenannten Östlichen Gebirgshang. Sie liegt zudem etwa 100 km nordwestlich des historischen Ma'rib, bekannt durch dessen Staudamm. Beide Städte bilden bedeutende archäologische Ressourcen im Land. Bei den Griechen und Römern war die Stadt unter den Namen Athlula (oder Athrula) bekannt.[1] Weitere im Dschauf gelegene historische Fundstätten sind Ma'in, As Sawdā und Al Baydā, die zwischen 25 und 50 km nördlich entfernt liegen. Barakisch war bis in die 1960er Jahre bewohnt.[2]

Stadtanlage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt etwas erhaben auf einem Hügel. Es handelt sich um die eindrucksvolle und gut erhaltene Ruinenlandschaft einer antiken Stadtfestungs- und Tempelanlage, die im 1. Jahrtausend v. Chr. entstand. Die Stadt wies einst 57 Türme auf und war durch zwei Tore zugänglich, welche sich je im Osten und im Westen der Anlage befanden. Die Maueranlage schloss in bis zu 14 Metern Höhe.

Im Südteil der Stadt befand sich eine imposante Tempelanlage. Der Tempel vermittelt noch heute Züge der Strahlkraft minäischer Architektur. Er wurde von 16 Säulen und Balken umschlossen. Archäologen vermuteten darin einen Tempel der Liebesgöttin Venus. Ein weiterer Tempel im Stadtinnern - mit nochmals vier Säulen - ist heute noch erhalten. Über die Stadtmauer hinweg verteilt sich eine Vielzahl von altsüdarabischen Inschriften.

Geschichte[Bearbeiten]

Die zu Zeiten der minäischen Königsherrschaft (seit dem 6. Jahrhundert v. Chr.) noch Yathill (Yathul) genannte Stadt liegt in einem weitläufigen Wadi, dem Wadi Fardha. Dieses bedingte eine günstige Lage für den Handelswarendurchzug und -umschlag. So stieg die Siedlung zum Knotenpunkt für den Weihrauchhandel auf und gelangte in den Ruf eines zunehmend bedeutsamen Handelszentrums. Yathill wurde von den Sabäern bis Anfang des 5. Jahrhunderts beherrscht wie auch die gesamte Region.[3]

Kurz vor der Zeitenwende versuchte der römische Kaiser Augustus (27 v. Chr.-14 n. Chr.) Saba zu unterwerfen. Zu diesem Zweck ließ er 25 v. Chr. den römischen Feldherrn Aelius Gallus unter nabatäischer Führung nach Südarabien ziehen. Auftragsgemäß wurde nach der raschen Unterwerfung Nadschrans (im grenznahen heutigen Saudi-Arabien), welches nach nur kurzer Schlacht eingenommen wurde, auch das alte Yathill besetzt. Krankheitsbedingt und in Unterschätzung der widrigen Landesgegebenheiten setzte sich Gallus mit seinen Truppen aber schnell wieder ab.

Mit der Eroberung des Hadramaut im Jahr 242 erreichten Saba und die Stadt Barakisch ihren politischen Höhepunkt. Es konnten neue Handelswege eröffnet werden und mit ihnen florierender wirtschaftlicher Aufschwung.

Umgebung[Bearbeiten]

Nicht weit von Baraqisch liegen weitere historische Sehenswürdigkeiten aus der minäischen Epoche, wie die Sandhügel von Ahqaf, die Ruinen von Duroub Al-Sabi und Kharbat Al-Lisan. Staudämme und alte Wasserkanäle können besichtigt werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jane Taylor, Petra and the lost kingdom of the Nabataeans
  2. world 66 presents Baraqish
  3. Charles Aithie, Patricia Aithie, Yemen: jewel of Arabia

Literatur[Bearbeiten]

  • Alessio Agostini: Two new inscriptions from the recently excavated temple of ʿAthtar dhū-Qabḍ in Barāqish (Ancient Minaean Yathill). In : Arabian Archaeology and Epigraphy 22/1 (2011), Seite 48-58.
  • J.-F. Breton: Les fortifications d’Arabie méridionale du 7e au 1er siècle avant notre ère. (Archäologische Berichte aus dem Yemen.) von Zabern, Mainz 1994
  • A. de Maigret und C. Robin: Le temple de Nakrah à Yathill (aujourd’hui Barāqish), Yémen, résultats des deux premières campagnes de fouilles de la Mission Italienne. In: Comptes Rendus de l’Académie des Inscriptions et Belles Lettres 1993, Seite 427–498.

Weblinks[Bearbeiten]