Barbara Frischmuth

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Buchwoche in Wien 1974, von links nach rechts:Alfred Hrdlicka, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker und Barbara Frischmuth

Barbara Frischmuth (* 5. Juli 1941 in Altaussee, Salzkammergut) ist eine österreichische Schriftstellerin und Übersetzerin.

Leben[Bearbeiten]

Barbara Frischmuth wurde in Altaussee als Tochter des Hoteliers Anton Frischmuth, der im Zweiten Weltkrieg 1943 in Russland fiel, und dessen Gattin Maria geb. Schmidt geboren. Nach dem Tode des Vaters führte seine Ehefrau den Hotelbetrieb bis 1956 weiter und verheiratete sich erneut.

Sie verbrachte ihre Kindheit in Altaussee, besuchte die Gymnasien in Gmunden und Bad Aussee und später wegen eines Umzuges das Pestalozzi-Gymnasium in Graz, wo sie auch maturierte. An der Karl-Franzens-Universität studierte Frischmuth ab Herbst 1959 am Dolmetsch-Institut Türkisch, Englisch und später Ungarisch. Ein Stipendienaufenthalt führte sie 1960/61 an die türkische Atatürk Universität in Erzurum. 1964 übersiedelte Frischmuth nach Wien, wo sie das Studium der Turkologie, Iranistik und Islamkunde begann.

Im Herbst 1966 brach sie ihr Studium ab und wurde hauptberuflich als Schriftstellerin und Übersetzerin aktiv. Schon während ihrer Studienzeit veröffentlichte sie Gedichte und wurde 1962 Mitglied der später so genannten „Grazer Gruppe“. Sie nahm an Lesungen teil und kam mit dem Forum Stadtpark in Kontakt, zu dessen Gründungsmitglied sie während ihrer Zeit im Erzurum ernannt wurde. Mehrere Auslandsaufenthalte führten sie in die Türkei, nach Ungarn, Ägypten, England, China, Japan und die USA, wo sie am Oberlin College in Ohio und an der Washington University in St. Louis Vorlesungen hielt.

Heute lebt die Autorin in Altaussee. Dort befindet sich auch ihr Garten, der den Stoff für ihre bislang drei Gartengeschichten-Bücher liefert. Sie ist als Schriftstellerin, Übersetzerin und Kolumnistin tätig. Barbara Frischmuth ist weiters die Nichte von Edith Hauer-Frischmuth, deren Lebensgeschichte sie in ihr Werk "Einander Kind" einfließen ließ, zu der sie allerdings ein familiär gespaltenes Verhältnis hatte.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Romane, Erzählungen[Bearbeiten]

  • Die Klosterschule. Frankfurt/Main 1968
  • Geschichten für Stanek. Berlin 1969
  • Tage und Jahre. Sätze zur Situation. Salzburg, Wien 1971
  • Das Verschwinden des Schattens in der Sonne. Frankfurt/Main 1973; als dtv-Taschenbuch, neue reihe, München 1980, ISBN 3-423-06302-5.
  • Rückkehr zum vorläufigen Ausgangspunkt. Residenz Verlag, Salzburg/Wien 1973, ISBN 3-7017-0044-3.
  • Haschen nach Wind. Erzählungen. Residenz Verlag, Salzburg/Wien 1974, ISBN 3-7017-0111-3.
  • Die Mystifikationen der Sophie Silber. Roman. Salzburg/Wien 1976, ISBN 3-7017-0152-0.
  • Amy oder Die Metamorphose. Roman. Salzburg, Wien 1978
  • Entzug - ein Menetekel der zärtlichsten Art. Pfaffenweil 1979
  • Kai und die Liebe zu den Modellen. Roman. Residenz Verlag, Salzburg/Wien 1979, ISBN 3-7017-0224-1; als dtv Taschenbuch, neue reihe, München 1980, ISBN 3-423-06313-0.
  • Bindungen. Erzählungen. Salzburg, Wien 1980.
  • Die Ferienfamilie, Roman. Residenz verlag, Salzburg/Wien 1981, ISBN 3-7017-0286-1; als dtv-Taschenbuch, München 1984, ISBN 3-423-10273-X.
  • Landschaft für Engel. Wien u. a. 1981.
  • Die Frau im Mond. Roman. Salzburg, Wien 1982
  • Vom Leben des Pierrot. Erzählungen. Mit Holzschnitten von Alfred Pohl, Pfaffenweil 1982
  • Traumgrenze. Erzählungen. Salzburg, Wien 1983
  • Kopftänzer. Roman. Residenz Verlag, Salzburg/Wien 1984, ISBN 3-7017-0380-9.
  • Herrin der Tiere. Erzählung. Salzburg, Wien 1986
  • Über die Verhältnisse. Roman. Salzburg/Wien 1987, ISBN 3-7017-0506-2.
  • Mörderische Märchen. Erzählungen. Salzburg, Wien 1989
  • Einander Kind. Roman. Salzburg, Wien, Residenz 1990
  • Mister Rosa oder Die Schwierigkeit, kein Zwerg zu sein. Spiel für einen Schauspieler. Wien 1991
  • Traum der Literatur - Literatur des Traums. Salzburg, Wien 1991
  • Wassermänner. Lesestücke aus Seen, Wüsten und Wohnzimmern. Salzburg, Wien 1991
  • Hexenherz. Salzburg, Wien 1994
  • Die Schrift des Freundes. Salzburg, Wien, Residenz 1998
  • Fingerkraut und Feenhandschuh. Ein literarisches Gartentagebuch. Berlin, Aufbau 1999
  • Schamanenbaum. Gedichte. Graz, Wien, Droschl 2001
  • Die Entschlüsselung. Roman. Berlin, Aufbau 2001
  • Löwenmaul und Irisschwert. Gartengeschichten. Berlin, Aufbau 2003
  • Der Sommer, in dem Anna verschwunden war. Berlin, Aufbau 2004
  • Marder, Rose, Fink und Laus. Meine Garten-WG. Graz, Wien, Droschl 2007
  • Vergiss Ägypten. Ein Reiseroman. Berlin, Aufbau 2008
  • Die Kuh, der Bock, seine Geiss und ihr Liebhaber. Tiere im Hausgebrauch. Mit Grafiken von Wouter Dolk, Berlin, Aufbau 2010
  • Woher wir kommen. Aufbau, Berlin 2012, ISBN 978-3-351-03508-2.

Kinder- und Jugendbücher[Bearbeiten]

  • Amoralische Kinderklapper, 1969
  • Der Pluderich, 1969
  • Philomena Mückenschnabel, 1970
  • Polsterer, mit Illustrationen v. Robert Zeppel-Sperl, 1970
  • Die Prinzessin in der Zwirnspule und andere Puppenspiele für Kinder, mit Illustrationen v. Ulrike Enders, 1972
  • Ida - und Ob, 1972
  • Grizzly Dickbauch und Frau Nuffl, mit Linolschnitten v. Axel Hertenstein, 1975
  • Der liebe Augustin, mit Illustrationen v. Inge Morath, 1981
  • Die Ferienfamilie, 1981
  • Biberzahn und der Khan der Wind, mit Illustrationen v. Angelika Kaufmann, 1990
  • Sommersee, 1991
  • Machtnix oder Der Lauf, den die Welt nahm. Eine Bildergeschichte, 1993
  • Gutenachtgeschichte für Maria Carolina, mit Illustrationen v. Ducan Kállay, 1994
  • Vom Mädchen, das übers Wasser ging, mit Illustrationen v. Dusan Kállay, 1996
  • Donna & Dario, 1997
  • Die Geschichte vom Stainzer Kürbiskern, mit Illustrationen v. László Varvasovsky, 2000
  • Alice im Wunderland, mit Illustrationen v. Jassen Ghiuselev, 2000

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • Der grasgrüne Steinfresser, 1973
  • Die Prinzessin in der Zwirnspule, Regie: Georg Ourth, Salzburger Landestheater, 1976
  • Daphne und lo oder Am Rande der wirklichen Welt, Schauspielhaus Wien, 1982
  • Mister Rosa oder Die Schwierigkeit, kein Zwerg zu sein. Groteske. Regie: Udo Schoen. Aachen: Stadttheater, 1989
  • Anstandslos. Eine Art Posse. Regie: Michael Gampe. Wien: Volkstheater in den Außenbezirken, 1994
  • Eine kurze Geschichte der Menschheit. Dramatisierung für Optisches Konzert. Musik: Marco Schädler, Konzept, Bearb., Regie: Johannes Rausch. Choreografie: Guillermo Horta Betancourt. Feldkirch: Saal der Arbeiterkammer, 1994
  • Lilys Zustandekommen. Monolog, geschrieben für Anna Maria Gruber/Irmi Horn. Regie: Steffen Höld. Graz: forum stadtpark theater in den Gewächshäusern des Botanischen Garten 2002
  • Rabenmutter. Melodrama 1989. Regie: Michael A. Richter. Graz: kunstGarten 2004

Libretti[Bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten]

  • Die Mauskoth und die Kuttlerin. SWF, 1970
  • Die unbekannte Hand. SWF, NDR, ORF, 1970
  • Löffelweise Mond. Regie: Klaus Mehrländer. WDR, 1971
  • Ich möchte, ich möchte die Welt. SWF, 1977
  • Die Mondfrau. SDR, ORF, 1979
  • Biberzahn und der Khan der Winde. Regie: Hartmut Kirste. SDR, NDR, 1986
  • Binnengespräche. Regie: Ernst Wendt. SDR, ORF Wien, 1986
  • Tingeltangel oder Bin ich noch am Leben? Regie: Manfred Marchfelder. SDR, ORF Wien, 1988
  • Mister Rosa oder Die Schwierigkeit, kein Zwerg zu sein. Regie: Götz Fritsch. ORF Wien, 1990
  • Die Mozart hörende Hanako und ihre fünf Kätzchen. Mit Kazuko Saegura. Regie: Georg Madeja. ORF Wien, 1991
  • Anstandslos. Regie: Götz Fritsch. ORF, WDR, 1992
  • Der grasgrüne Steinfresser. Regie: Johannes Rausch. ORF Vorarlberg, 1993
  • Eine Liebe in Erzurum. Regie: Götz Fritsch. ORF, WDR, 1994
  • Miss Potter hat es sich anders überlegt. ORF, WDR, 1996
  • Genesis. Radio Bremen, 1997.
  • Vier Verse für einen Mantel oder die Verwandlung des Abu Seid von Serug, WDR 1997

Übersetzungen[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Der Mäuseschreck. TV-Bildergeschichte nach einem Puppenspiel von Barbara Frischmuth. Regie: Tony Munzlinger. SWF, 1972
  • Na und. Eine Hexengeschichte. Fernsehfilm, SWF 1972
  • Die Prinzessin in der Zwirnspule. TV-Zeichentrickfilm nach Barbara Frischmuth. Regie: Tony Munzlinger. SWF, 1973
  • Ida – und Ob. BR 1973
  • Baum des vergessenen Hundes. Fernsehfilm, ORF 1976
  • Abschiede. TV-Film in zwei Teilen. Drehbuch (nach einer Novelle von Arthur Schnitzler und einer Erzählung von Barbara Frischmuth) Regie: Gedeon Kovacs. ORF, ZDF, 1986
  • Otter. Fernsehspiel. ORF 1985.
  • Ausseerland, ORF, 1991
  • Rabenmutter, Regie: Christian Berger, ORF, 1991
  • Sommersee. Fernsehserie in sechs Folgen, Regie: Erhard Riedlsperger, ORF, ZDF, 1992

Literatur[Bearbeiten]

  • Barbara Frischmuth, hrsg. v. Kurt Bartsch. Literaturverl. Droschl, Graz u.a. 1992 (= Dossier. Die Buchreihe über österreichische Autoren; 4).
  • Barbara Frischmuth, hrsg. v. Silvana Cimenti u. Ingrid Spörk. Literaturverl. Droschl, Graz u.a. 2007. (= Dossier. Die Buchreihe über österreichische Autoren; Extra) ISBN 978-3-85420-719-1.
  • Barbara Frischmuth. Fremdgänge. Ein illustrierter Streifzug durch einen literarischen Kosmos, hrsg. v. Daniela Bartens u. Ingrid Spörk. Residenz-Verl., Salzburg u.a. 2001, ISBN 3-7017-1255-7.
  • Barbara Frischmuth in contemporary context, hrsg. v. Renate S. Posthofen. Ariadne Press, Riverside, Calif. 1999, ISBN 1-57241-054-X.
  • Christa Gürtler: Schreiben Frauen anders? Untersuchungen zu Ingeborg Bachmann und Barbara Frischmuth. Heinz, Akad. Verl., Stuttgart 1983. (= Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik; 134) ISBN 3-88099-138-3.
  • Andrea Horváth: Wir sind anders. Gender und Ethnizität in Barbara Frischmuths Romanen. Königshausen u. Neumann, Würzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3632-3.
  • Silvia Maria Koger: Die Funktion der Schauplätze im erzählerischen Werk von Barbara Frischmuth. Dipl.-Arb. Univ. Wien 1990.
  • Bärbel Kuehn: Kindergeschichte, Spiel und Parabel. Untersuchungen zu kurzen Prosatexten um 1970. Lang, Frankfurt am Main u.a. 1988. (= Analysen und Dokumente; 23) ISBN 3-8204-1084-8.
  • Matthias Luserke: Schule erzählt. Literarische Spiegelbilder im 19. und 20. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999 (= Kleine Reihe V&R; 4016), S. 109–116.
  • Beate Müller: Das Phantastische in der Frauenliteratur. Vergleichende Betrachtungen zu ausgewählten Werken Irmtraud Morgners und Barbara Frischmuths. Leipzig, 1995. (= Deutsche Hochschulschriften; 2290) ISBN 3-8267-2290-6.
  • Beatrix Rödl: Barbara Frischmuth: Eine Studie zur Rezeption ihrer Werke. Hausarbeit Univ. Wien 1983.
  • Gerlinde Saupper: Barbara Frischmuth. Versuch einer Charakteristik des Gesamtwerks unter besonderer Berücksichtigung der Trilogie: „Die Mystifikation der Sophie Silber“ (1976), „Amy oder die Metamorphose“ (1978) und „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979). Hausarbeit Univ. Wien 1984.
  • Edith B. Vandervoort: The emergence of female adolescent protagonists in selected twentieth-century novels from French Canada, Germany, and Austria. Univ. of Tennessee, Diss., Knoxville 2003.

Weblinks[Bearbeiten]