Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin

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Porträt von Veuve Clicquot-Ponsardin

Barbe-Nicole Clicquot, geborene Ponsardin (* 16. Dezember 1777 in Reims; † 29. Juli 1866 in Boursault), war eine Geschäftsfrau und die erste Frau überhaupt, die ein Champagnerhaus leitete. Sie wurde häufig als die „Grande Dame de Champagne“ (die Große Dame des Champagners) bezeichnet und gab dem heute noch bekannten Haus Veuve Clicquot Ponsardin ihren Namen.

Sie heiratete François Clicquot, dessen Vater im Jahr 1772 ein Champagnerhaus gegründet hatte. Am 20. März 1799 wurde ihr einziges Kind, Clémentine Clicquot, geboren. Als Barbe-Nicole Clicquot ihren Ehemann am 23. Oktober 1805 verlor, übernahm sie im Alter von 27 Jahren die Leitung des Champagnerhauses, das zu jener Zeit jährlich ca. 100.000 Flaschen vermarktete.

Die „Veuve Clicquot“ (übersetzt: Witwe Clicquot) verfügte über viel geschäftliches Gespür und eine erhebliche Durchsetzungskraft. Sie hinterließ bei ihrem Tod im Jahr 1866 ein Unternehmen, das europaweit jährlich 750.000 Flaschen verkaufte.

Sie erfand das Verfahren des Rüttelns und Degorgierens des Champagners, das die Hefe beseitigte, die vorher den Flascheninhalt trübte.

Ein Großteil des Erfolgs war eine zu jener Zeit sehr aktive Vermarktungsstrategie mit Reisenden in ganz Europa. Während sich Europa nur schwer von den napoleonischen Kriegen erholte, gelang es ihr, ihre Champagner in die ganze Welt zu exportieren. Sie stellte ihre Produkte an allen Herrschaftshöfen Europas vor und trug zur Verbreitung des französischen Savoir-vivre bei. So war während einiger Jahrzehnte bis in die 1870er Jahre Russland der wichtigste Exportmarkt des Unternehmens. In ihre Zeit fiel auch bereits die Schaffung des jetzt noch bekannten gelben Etiketts, das eine leichte Identifizierung der Marke in den Regalen ermöglicht.

Um eine konstant gute Qualität des Champagners zu garantieren, erwarb sie zahlreiche Weinberge in besten Lagen in Bouzy, Verzy, Verzenay, Avize und Le Mesnil-sur-Oger.

Neben dieser bekannten Aktivität eröffnete sie am 1. Juni 1822 die Bank Veuve Clicquot Ponsardin & Cie. Die Bankgeschäfte entwickelten sich hervorragend. Zahlreiche Firmen aus Reims bauten auf das neue Geldinstitut und ermöglichten so die Expansionspolitik des Champagnerhauses.

Im Jahr 1843 ließ sie Château de Boursault in Boursault erbauen, wohin sie sich später zurückzog und starb. Beerdigt wurde Barbe-Nicole Clicquot auf dem Cimetière du Nord in Reims.

Ihr Einfluss auf die deutsche Sektindustrie ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Georg Christian von Kessler arbeitete von 1807 bis 1825/26 im Hause Veuve Clicquot (seit 1810 als Prokurist, später als Teilhaber) und gründete nach diesem Engagement 1826 in Esslingen am Neckar die erste deutsche Sektkellerei.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Mazzeo, Tilar J.: Veuve Clicquot. Die Geschichte eines Champagner-Imperiums und der Frau, die es regierte. Hamburg 2009, ISBN 978-3-455-50124-7.