Barby

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Barby (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Barby
Barby
Deutschlandkarte, Position der Stadt Barby hervorgehoben
51.96722222222211.88472222222251Koordinaten: 51° 58′ N, 11° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Salzlandkreis
Höhe: 51 m ü. NHN
Fläche: 152,72 km²
Einwohner: 8938 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 59 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 39249,
39240 (Breitenhagen, Groß Rosenburg, Lödderitz, Sachsendorf, Zuchau)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 039298, 03928 (Gnadau), 039294 (Breitenhagen, Groß Rosenburg, Lödderitz), 039295 (Sachsendorf, Zuchau)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SLK, ASL, BBG, SBK, SFT
Gemeindeschlüssel: 15 0 89 026
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 14
39249 Barby
Webpräsenz: www.stadt-barby.de
Bürgermeister: Jens Strube (parteilos)
Lage der Stadt Barby im Salzlandkreis
Barby Seeland Seeland Bördeaue Seeland Börde-Hakel Börde-Hakel Ilberstedt Borne Seeland Seeland Wolmirsleben Giersleben Seeland Güsten Plötzkau Alsleben (Saale) Nienburg (Saale) Egeln Barby Bernburg Calbe (Saale) Schönebeck (Elbe) Bördeland Könnern Hecklingen Aschersleben StaßfurtKarte
Über dieses Bild

Barby ist eine Stadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Bis zur Neubildung der Stadt am 1. Januar 2010 aus den Gemeinden der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Saale (außer Gnadau)[2] hieß die Stadt Barby (Elbe). Gnadau wurde am 1. September 2010 nach Barby eingemeindet.[2]

Geografie[Bearbeiten]

Barby liegt am linken Ufer der Elbe. Unweit der Stadt mündet die Taube in die Saale und diese in die Elbe. Die Stadt bildet die westliche Grenze des Biosphärenreservats Mittelelbe. Nordwestlich und südöstlich der Stadt liegen aus ehemaligem Kiesabbau entstandene Seen.

Stadtgliederung

Barby besteht aus den Stadtteilen Kolphus, Monplaisir, Weinbergsiedlung und Zeitz sowie aus folgenden Ortschaften:

PLZ Ortschaft Einwohner Ortsteile
Breitenhagen Glinde Gnadau Groß Rosenburg Lödderitz Pömmelte Sachsendorf Tornitz Wespen Zuchau Barby SalzlandkreisDistricts of Barby.svg
Über dieses Bild
Die Ortschaften von Barby
(anklickbare Karte)
39240 Breitenhagen 492 Alt Tochheim
39249 Glinde 304 -
39249 Gnadau 523 Döben
39240 Groß Rosenburg 1.680 Klein Rosenburg
39240 Lödderitz 230 Rajoch
39249 Pömmelte 644 Neue Siedlung und Zackmünde
39240 Sachsendorf 307 Patzetz
39249 Tornitz 566 Werkleitz
39249 Wespen 229 -
39240 Zuchau 318 Colno
Blick auf Barby

Geschichte[Bearbeiten]

Barby wurde am 23. April 961 erstmals in einer Urkunde von Kaiser Otto I. als „barbogi“ erwähnt, was im Althochdeutschen „Ort an der waldlosen Flusskrümmung“, wörtlich: „barer Bogen“, bedeutet. Die Stadt umgab eine Mauer mit fünf Stadttoren. Reste der Stadtmauer sind noch erhalten. Das Barbyer Territorium wurde 1497 zur Reichsgrafschaft erhoben und befand sich im Besitz der Grafen von Barby. Nach dem Tod des letzten Grafen von Barby 1659 fiel Barby an den Herzog August von Sachsen-Weißenfels, dessen Sohn Heinrich ließ das Schloss 1687–1715 erbauen.

1660 geriet Maria Kühne aus Barby, genannt Fischer, Witwe des Andres Grosse, Magd im Haus des Fährmeisters Palm Gräfe, 73 Jahre alt, im Rahmen der Hexenverfolgung unter dem Vorwurf des Krankheitszaubers in einen Hexenprozess.[3] In den Ortsteilen Breitenhagen und Glinde kam es zu weiteren fünf Verfahren.

Barby war im 18. Jahrhundert jahrzehntelang Sitz der evangelischen Brüdergemeine (Herrnhuter Brüder-Unität); hier war das Predigerseminar und die leitende Behörde der weltweiten Arbeit der Herrnhuter. Einer der berühmtesten Schüler war Friedrich Schleiermacher, der die Schule von 1785 bis 1787 besuchte.

Im Oktober 1806 überschritt das französische Korps Bernadotte bei Barby („Heerstraße“) auf seinem Weg von Halle nach Lübeck die Elbe.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Cornelius Krummacher Oberpfarrer in Barby, der als Kirchenliederdichter („Stern, auf den ich schaue“) und Verfasser des Studentenliedes „Und wenn sich der Schwarm verlaufen hat“ bekannt geworden ist.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges verhinderte der evangelische Pfarrer Ludwig Fuchs unter Einsatz seines Lebens die gewaltsame Einnahme der Stadt von US-Truppen durch die Anbringung von Kirchenfahnen und weißen Tüchern.[4]

Einwohnerentwicklung

Im Jahr 1970 hatte Barby 6320 Einwohner, 2005 waren es dann nur noch 4586 Einwohner.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 37,9 %
 %
50
40
30
20
10
0
42,4 %
24,4 %
20,5 %
12,8 %

Stadtrat[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 wurden 16 Stadträte gewählt. Die Wahl ergab folgende Zusammensetzung des Stadtrats:[5]

Rathaus
Partei / Liste Sitze 2009
CDU 7
LINKE 3
SPD 4
FDP 2
Gesamt 16
Wappen von Barby bis 1998

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 25. März 1998 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung:"In Blau eine silberne Burg mit gezinnten, schwarz gefugten Mauern und drei Türmen mit roten, golden beknauften Spitzdächern; der überhöhte größere Mittelturm (Wartturm) mit offenem Rundbogentor, schwarzer Rundbogenfensteröffnung und drei Erkern mit roten, golden beknauften Dächern und schwarzen rechteckigen Fensteröffnungen, im mittleren Erker zwei, in den äußeren Erkern je eine; die äußeren Türme mit je drei (2:1) schwarzen Rundbogenfensteröffnungen. Vor dem Tor silberne Stufen."

Das Wappen wurde 1998 vom Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch im Zuge der Flaggengenehmigung nach Widerspruch der Kommunalaufsicht überarbeitet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Johanniskirche
Marienkirche
Aufnahmeheim im Schloss (Foto 1960)
Herrenhaus der Domäne Barby, nach 1868, Sammlung Alexander Duncker (nicht identisch mit dem Schloss)
  • St.-Johannis-Kirche
    Bei der St.-Johannis-Kirche handelt es sich ursprünglich um eine Klosterkirche der Franziskaner. Sie wurde als Saalkirche zwischen 1264 und 1271 errichtet.[6] Die in der lokalen Geschichtsschreibung erfolgte Erwähnung einer Brandzerstörung des Klosters in den Jahren zwischen 1370 und 1381 ist weder archivalisch noch bauhistorisch nachweisbar.[6] Das Kloster wurde um 1540 aufgegeben und in ein Gut umgewandelt. Das Geschlecht der Grafen von Barby wählte die St.-Johannis-Kirche zu ihrer Grablege.[7] Noch heute befinden sich in der Kirche bedeutende vom so genannten Weichen Stil der Parler beeinflusste Grabdenkmale.
    Wesentliche Erneuerungsarbeiten im Inneren der Kirche erfolgten Ende des 19. Jahrhunderts an Kirchengestühl, Kanzel, hergestellt (1886–1887) in der Werkstatt des Holzbildhauers Gustav Kuntzsch, Wernigerode, Empore und Orgel, gebaut (1886) von Orgelbaumeister Wilhelm Rühlmann, Zörbig.
  • Das Prinzeßchen
  • Der Prinz
  • Kapelle St. Georgii
  • St.-Marien-Kirche
    Der Bau der Marienkirche (Unserer lieben Frau) wurde vermutlich im frühen 14. Jahrhundert begonnen. Zunächst als einfaches Langhaus im gotischen Stil vollendet wurde sie Ende des 17. Jahrhunderts durch eine Nord- und Südschiff sowie eine Sakristei erweitert. Schon im 16. Jahrhundert (Grundsteinlegung am 15. Mai 1505) wurde der gewaltige Kirchturm erbaut, der nach Einsturz, Wiederaufbau und zahlreichen Veränderungen im 17. Jahrhundert seine heutige Gestalt erhielt. Er ist das Wahrzeichen der Stadt Barby.
    Das Innere beherrscht der barocke Hochaltar vom Ende des 18. Jahrhunderts sowie der gewaltige, ebenfalls barocke Orgelprospekt, hinter dem eine Rühlmannorgel von 1915 eingebaut ist. Die Orgel wurde 2006 aufwendig restauriert und ist seit dem wieder komplett spielbar. Erwähnenswert sind die zahlreichen Epitaphien aus dem 16. Jahrhundert, ein sechseckiger spätgotischer Taufstein aus der Werkstatt von Hans Bechlein, die geschnitzte Barockkanzel und die ornamentenreiche Kassettendecke.
  • Schloss
    Das Schloss ließ Herzog Heinrich von Sachsen-Weißenfels 1687–1715 errichten. Es wurde wohl mehrfach baulich verändert und diente zwischen 1855 und den 1920er Jahren als Lehrerseminar. Am 7. März 1917 wurde es durch einen Brand teilweise schwer beschädigt.[8] In den 1950er und 1960er Jahren wurde es als Übergangslager („Aufnahmeheim für Westzonenflüchtlinge“) genutzt. Es beherbergt heute das Grundbucharchiv von Sachsen-Anhalt.
  • Stadtmauer
  • Elbbrücke
    In Barby überquert die Eisenbahnstrecke von Berlin nach Blankenheim auf einer 757 m langen Brücke die Elbe einschließlich Vorflutgebieten. Der Betrieb auf der Strecke ist dauernd eingestellt.

Geschichtsdenkmal[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Barby ist über Landstraßen mit Schönebeck (Elbe), Calbe (Saale) sowie über die nahegelegene Gierseilfähre über die Elbe mit Güterglück und der B184 verbunden.

Der heute einzige Personenbahnhof in Barby ist der Bahnhof Sachsendorf (b Calbe) an der Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig, der stündlich durch Regionalbahnen bedient wird. Der ehemalige Bahnhof Barby an der Berlin-Blankenheimer Eisenbahn wurde bis 2003 von einer Regionalbahn der Linie Magdeburg – Schönebeck (Elbe) – Güterglück – Bad Belzig angefahren. Der Personenverkehr auf dieser Strecke ist jedoch mittlerweile eingestellt worden.

Von 1884 bis 1922 fuhr im heutigen Stadtgebiet von Barby die Pferdebahn Patzetz–Breitenhagen, die die Ortsteile Patzetz, Groß Rosenburg, Klein Rosenburg und Breitenhagen an den Bahnhof Sachsendorf anband.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Seit 1923 wurde im Maizena-Werk Traubenzucker hergestellt; das Werk hieß in der DDR „Maisan“. 1993 baute das Unternehmen Cerestar (2002 von Cargill übernommen) neben dem 1992 stillgelegten Werk ein neues Weizenstärkewerk. Daneben ist das Unternehmen Maxit Baustoffwerke in Barby angesiedelt, das inzwischen zu Saint-Gobain Weber gehört. Erwähnenswert ist weiterhin die Elbe-Saale Klinik, eine Rehaklinik für Herz- und Kreislauferkrankungen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helga Wäß: Form und Wahrnehmung mitteldeutscher Gedächtnisskulptur im 14. Jahrhundert. Ein Beitrag zu mittelalterlichen Grabmonumenten, Epitaphen und Kuriosa in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Nord-Hessen, Ost-Westfalen und Südniedersachsen. (= Band 1), „Katalog ausgewählter Objekte vom Hohen Mittelalter bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts“ (= Band 2), Bristol u. a. 2006, ISBN 3-86504-159-0, S. 52–63.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Barby, Germany – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 463; Monika Lücke, Dietrich Lücke: Ihrer Zauberei halber verbrannt. Hexenverfolgungen in der Frühen Neuzeit auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts. Halle 2011, S. 95–98.
  4. Gisela Reller: Zwischen den Kreuzen, in: Die Stunde Null, Berlin 1966, S. 88
  5. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
  6. a b Achim Todenhöfer: Kirchen der Bettelorden. Die Baukunst der Dominikaner und Franziskaner in Sachsen-Anhalt. Berlin 2010, S. 44–51, hier S. 46.
  7. Wäß 2006, Bd. 2, S. 51.
  8. historische Ansichtskarte mit Abbildung des ausgebrannten Gebäude(teil)s und Datierung des Brandes (Landesarchiv)