Barchfeld

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Barchfeld (Begriffsklärung) aufgeführt.

50.80055555555610.303888888889254Koordinaten: 50° 48′ 2″ N, 10° 18′ 14″ O

Barchfeld
Wappen von Barchfeld
Höhe: 254 m ü. NN
Fläche: 11,34 km²
Einwohner: 3144 (31. Dez. 2011)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 2012
Postleitzahl: 36456
Vorwahl: 036961
Die Kirche in Barchfeld

Die Kirche in Barchfeld

Barchfeld ist ein Ortsteil der Gemeinde Barchfeld-Immelborn im Wartburgkreis in Thüringen und Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort liegt im Südwesten von Thüringen im Tal der Werra zwischen Thüringer Wald und Rhön. In Barchfeld mündet die Schweina in die Werra.

Nachbarorte sind Immelborn im Westen, Bad Salzungen im Nordwesten, Witzelroda (Gemeinde Moorgrund) im Norden, die Stadt Bad Liebenstein und deren Stadtteil Schweina im Nordosten sowie Breitungen/Werra (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) im Süden.

Geschichte[Bearbeiten]

Älteste Belege für die Besiedlung der Barchfelder Flur entstammen der Bronzezeit. Bei Arbeiten in einer Kiesgrube am Linsenkopf wurden zerscherbte Urnen und Grabbeigaben freigelegt, eine bronzene Spange wurde dem damaligen Pfarrer geschenkt, weitere Funde gelangten in das Ortsmuseum von Bad Liebenstein.[2] Mit der Ausdehnung der fränkischen Herrschaft unter Karl dem Großen auf sächsisch-thüringisches Stammesgebiet kamen auch die ersten christlichen Missionare ins Werratal. Im Anschluss an die Errichtung des Bistums Erfurt und des Klosters Fulda durch den angelsächsischen und päpstlich autorisierten Bischof Winfrid, besser bekannt als Bonifatius, begann im 8. Jahrhundert die von da an ununterbrochene Arbeit der Kirche. Barchfeld erhielt zunächst eine kleine Holzkirche, der mehrere Nachfolgebauten folgten, sie waren wahrscheinlich der Jungfrau Maria geweiht.

Hochmittelalter[Bearbeiten]

Der heutige Ort Barchfeld entstand am rechten Werraufer und lag im Schutz einer Niederungsburg, die sich in der Talaue der Werra befand und deren Hauptaufgabe dem Schutz des östlich benachbarten Königsgutes Königsbreitungen diente, dessen Besitzungen um 1250 auf das Prämonstratenser-Doppelkloster Herrenbreitungen und Frauenbreitungen übertragen wurde.

Die Ersterwähnungsurkunde aus dem Jahr 933: Tauschvertrag der Orte Breitungen, ... und Barchfeld gegen die Dörfer Wiehe und Burgdorf an der Unstrut

Um 915 wurde die königliche Pfalz Breitungen durch die Ungarn während ihrer Einfälle in das Frankenreich zerstört.

Im Jahr 933 wurden Barchfeld und Breitungen das erste Mal urkundlich in der so genannten Königsurkunde Heinrich I. als „Barcuelda“ und „Bretinga“ erwähnt. Das in der königlichen Kanzlei vervielfältigte Schriftstück beschreibt die Grenzen der Mark Breitungen, die an einer wichtigen Werra-Furt lag und ein Gebiet von etwa 280 Quadratkilometern umfasste.[3]

Alt-Barchfeld[Bearbeiten]

Die ursprüngliche Siedlung Barchfeld lag, nach Auswertung von Archivalien (Katasterkarte von 1772), im Bereich des späteren Schlossparkes und um die Barchfelder Kirche. Ein Großbrand im Jahre 1749 zerstörte weite Teile dieses Ortes einschließlich der Kirche und des Pfarrhauses. Dieser ursprüngliche Ort war von einer Ortsbefestigung aus Wall, Zäunen und Gräben umgeben und besaß zwei Tore – das „Schenkentor“ befand sich neben dem Gasthaus „Zur Sonne“, durch das „Fischertor“ gelangte man zur Nürnberger Straße, der alten Heerstraße im Werratal. In der Ortslage waren ein Brauhaus, die Dorfschule und zwei Freihöfe vorhanden. Die durch Lehnsverträge an den Grundherren belegbaren Bauernhöfe waren „Hopfen Gut“, „Witzels Gut“, „Perlets Gut“, „Hünisches Gut“, „Schmidts Gut“, „Stockhauser Gut“, „Vintzen Gut“, „Heringer Gut“ und das „Langen Gut“. Auch außerhalb der Ortslage befanden sich Höfe und Mühlen: Das bereits 1330 erwähnte „Gehöft Grimmelbach“ und der am „Scherfstedter Berg“ gelegene „Scherfstedter Hof“ existierten bis in das 16. Jahrhundert, die Fluren der beiden Wüstungen wurden später aufgeteilt. Am Werraufer befand sich zeitweise ein Fährhaus, in der Nähe des Ortes lagen noch die beiden Schneidhöfe – vermutlich als Sägemühlen genutzt.[4]

Spätmittelalter[Bearbeiten]

Kaum fünf Kilometer westlich von Barchfeld befand sich auf einem steil zur Werra abfallenden Bergsporn die Burg Frankenstein, Stammsitz der Dynasten von Frankenstein, die auch als Schutzvögte der angrenzenden Klöster in Erscheinung traten. Die Versuche der Frankensteiner, sich gegen die stärksten Mächte in der Region – Kloster Fulda und die Thüringer Landgrafen – durchzusetzen, führten zu ihrem Niedergang. 1265 wurde die Burg Frankenstein von Abt Bertous von Fulda belagert und teilweise zerstört, 1295 gelang dies ebenfalls König Adolf von Nassau, wobei die Burg wohl erneut schwer beschädigt wurde. Als eine unmittelbare Folge gewann die Barchfelder Burg weiter an Bedeutung, sie wurde ausgebaut. Die durch die Kämpfe finanziell ruinierten Frankensteiner veräußerten 1330 den Großteil ihrer Besitzungen an ihre Vettern, die Grafen von Henneberg.

Im Umfeld der Frankensteiner war das dem Dienstadel zugehörige Geschlecht der Herren von Stein-Liebenstein zu Barchfeld auch als Burgmannen der Barchfelder Wasserburg tätig. Spätestens ab 1318 und bis 1387 erhielten die Herren von Stein auch Burg und Ort Barchfeld als Lehen der Henneberger und wurden zunächst alleinige Gerichtsherren von Barchfeld. Die 1350 erfolgte Verpfändung an das Kloster Fulda blieb von kurzer Dauer, denn das Kloster lag zu dieser Zeit in Fehde mit den Landgrafen von Hessen: mit Unterstützung der Landgrafen von Thüringen wurden viele der Klosterbesitzungen militärisch erobert, darunter auch der Splitterbesitz in Barchfeld. Den Burgmannen von Stein gelang es rechtzeitig, die Fronten zu wechseln, und daher behielten sie das Burglehen in ihrem Besitz.

Hennebergisch-hessische Doppelherrschaft[Bearbeiten]

Stein’sches Schloss (Mai 2012)
Schloss Wilhelmsburg (Mai 2012)
Rathaus

Im Jahr 1387 verkauften die in finanziellen Schwierigkeiten stehenden Wetzel der Ältere und sein Sohn Wetzel der Jüngere drei Viertel des Besitzes an den Landgrafen von Hessen. Ein Burgfrieden wurde mit den Hennebergern geschlossen, auch um die Verwaltung des nun aufgeteilten Ortes Barchfeld zu regeln. Als Folge der hessischen Übernahme mussten die Herren vom Stein Teile der Burg an hessische Burgmannen (von Buchenau, von Herda) übergeben. Durch Heirat und Erbschaft gelangte 1527 der landgräflich hessischen Hofrichter Ludwig von Boyneburg zu Gerstungen, an den Besitz der Herren von Herda. Boyneburg war einer der einflussreichsten Männer der hessischen Landgrafschaft und mehrfach als Diplomat im kaiserlichen Auftrag tätig.

An Stelle der bereits verfallenen Burg wurden zwei Schlösser errichtet. Die Herren von Stein-Liebenstein zu Barchfeld ließen 1571 bis 1581 das Stein’sche Schloss im Stil der Renaissance errichten; es befand sich unmittelbar neben dem einstigen Burggraben. Die Boyneburger hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Schlösser in Stadtlengsfeld und Weilar fertiggestellt und versahen dort die nötigen Amtsgeschäfte, lediglich ein Gutshof diente ihnen in Barchfeld als Amtssitz.[5][6] Offenbar in diesem Zusammenhang entstand eine erste hölzerne Werrabrücke, deren Bestand aber durch Hochwasser und Eisgang nur von kurzer Dauer war. Erst 1738 wurde ein Neubau der Werrabrücke in Auftrag gegeben. Die jüdische Gemeinde Barchfeld entstand im 16. Jahrhundert und bildete ein Zentrum jüdischen Lebens in der Region. Die Reformation wurde im 16. Jahrhundert eingeführt. Während des Dreißigjährigen Krieges befand sich das durch Erbgang zu Hessen-Darmstadt gehörige Gebiet von Barchfeld auf der Seite der katholischen Liga und war somit von protestantisch regierten Ländern eingeschlossen. Die mehrheitlich protestantische Bevölkerung hatte besonders 1634 und 1635 unter beiden Kriegsparteien zu leiden. Als Folge der Pest und anderer eingeschleppter Krankheiten überlebten nur sechs Familien im Dorf. 1640 bemerkt der Schreiber der Kirchenchronik, dass viele der Überlebenden sich in die Fremde begeben hatten.[7]

1721 wurde Barchfeld zum Sitz der Landgrafen von Hessen-Philippsthal-Barchfeld, einem 1721 aus der Nebenlinie Hessen-Philippsthal hervorgegangenen Zweig der hessischen Landesfürsten, die das Schloss Wilhelmsburg zwischen 1690 und 1732, direkt an das Stein’sches Schloss angrenzend, als ein im Grundriss dreiflügeliges Barockschloss errichteten. Hessen-Philippsthal-Barchfeld ist eine der beiden heute noch bestehenden Linien des hessischen Fürstenhauses.[8]

Ein von einem Glockengießer verursachter Großbrand im September 1753 zerstörte fast alle Höfe und Gebäude des Ortes einschließlich der Kirche und des Pfarrhauses. Die Kirche wurde innerhalb von drei Jahren im Stil des Spätbarocks wieder aufgebaut. Die evangelisch-lutherische Gemeinde änderte später ihren Namen in evangelische Gemeinde.

Schulen in Barchfeld[Bearbeiten]

Bereits um 1600 erhielt Barchfeld eine erste Schule. Als erster Lehrer konnte der Gerichtsschreiber Johann Weiß gewonnen werden. Im 18. Jahrhundert wurden bis zu 120 Schüler in einer Elementarschule unterrichtet. Die Besoldung der Lehrer erfolgte nach dem Großbrand auch in Naturalien, für das Jahr 1771 standen dem Schulmeister auch 191 Brote als Schulgeld zu. Im 19. Jahrhundert erhielt der Ort musikalisch begabte Lehrer zugeteilt, die auch das Orgelspielen beherrschten und dem Gesangsverein vorstanden. Der Lehrer Xylander betätigte sich auch als Komponist und begründete den Barchfelder Musikverein. 1849 wurde das neue Schulgebäude mit drei Sälen und zwei Wohnungen eingeweiht – heute Rathaus der Gemeinde Barchfeld. Mit der wachsenden Einwohnerzahl wurde bereits 1891 ein weiteres Schulgebäude (Alte Schule) benötigt, die Lehrerzahl erhöhte sich 1893 auf fünf Angestellte. Die heutige Heinrich-Heine-Schule – eine Staatliche Regelschule – wurde 1912 eingeweiht und hatte in diesem Jahr 521 Schüler. Nach der Schulzeit benötigten nun viele Jugendliche eine kaufmännische oder technisch orientierte Berufsschulausbildung. 1927 konnte die Gemeinde die erste hauswirtschaftliche Berufsschule im Kreis Herrschaft Schmalkalden einweihen. Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Gemeinde Barchfeld durch den Zuzug von Umsiedlern und Heimatvertriebenen. Erneut mussten Schulgebäude erweitert werden und im NAW-Einsatz wurde eine Schulsporthalle erbaut. Die relativ modernen Unterrichtsräume wurden nun auch durch die Schüler der Nachbarorte Immelborn und Moorgrund genutzt. In den 1960er Jahren wurde ein provisorischer Schulhort eingeführt, um die berufstätigen Mütter zu entlasten. Am Ort der ehemaligen Gastwirtschaft „Klosterbräu“ war in der DDR-Zeit eine Landwirtschaftsschule eröffnet worden, die man später als Ausweichquartier für Hort und Unterrichtskabinette umbaute. Das nach der Generalsanierung im Jahr 2000 wiedereröffnete Gebäude wird jetzt als Grundschule genutzt. Im Schuljahr 2000/2001 wurden in der Staatlichen Regelschule Barchfeld 440 Schüler in 24 Klassen von 30 Lehrern unterrichtet.[9]

Wiederaufbau und Industrialisierung[Bearbeiten]

In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Großbrand brach der Siebenjährige Krieg aus und hemmte die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes.[10]

Mit dem Bau der steinernen Werrabrücke 1739 war das Verkehrsaufkommen um Barchfeld enorm gestiegen. Fremde Fuhrleute benötigten Vorspanndienste und Proviant, daher erhielt auch die Barchfelder Bevölkerung Arbeit und Verdienstmöglichkeiten. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts erfolgte der schrittweise Ausbau der Landstraßen als gepflasterte Chausseen: 1828 wurde die Nürnberger Straße in mehreren Baulosen von Eisenach bis Meiningen ausgebaut, 1836 bis 1837 wurde die Chaussee von Immelborn nach Bad Salzungen erbaut, 1845 erfolgte der Lückenschluss zur Straße nach Schweina, 1858 wurde die neu projektierte Liebensteiner Straße erbaut. 1865 wurden alle Chaussen und Überlandstraßen in Staatsbesitz übernommen und damit das Chausseegeld als Nutzungsabgabe abgeschafft. Innerorts wurden Brücken und Stege errichtet, Wassergräben und Hintergassen mit Schotter befestigt. Das Großprojekt der Straßenpflasterung und Kanalisation wurde in Barchfeld erst in den 1920er Jahren als Notstandsarbeit bewältigt. Der Ausbau des Schienennetzes von Salzungen nach Breitungen und Meiningen erfolgte über Immelborn. Um das auch durch Bergbau bedeutsame Gebiet um Schweina und Steinbach zu erschließen, wurde die Bahnlinie Immelborn-Barchfeld-Liebenstein-Schweina in dreijähriger Bauzeit errichtet und 1889 eingeweiht.[11]

Die Versuche des Prinzen Ernst von Hessen-Philippstal im 19. Jahrhundert, eine Tabakfabrik anzusiedeln, blieben ohne Erfolg. Die industrielle Entwicklung setzte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein, Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Barchfeld durch die Geschäftsidee von Eduard Reum zu einem Zentrum der Fahrradzubehörfertigung. Zum größten Arbeitgeber entwickelte sich nach 1917 das Pallas-Werk. Im Ersten Weltkrieg mussten 101 Einwohner von Barchfeld und im Zweiten Weltkrieg mehr als 230 Einwohner betrauert werden, an sie erinnert ein Gefallenendenkmal im Ort.[12]

Bei den Luftkämpfen über Thüringen wurde im Oktober 1944 eine amerikanische B-17 (Fliegende Festung) in etwa 7000 m Höhe abgeschossen. Der 9 Mann starken Besatzung gelang bereits über dem Eichsfeld der Ausstieg aus der Maschine, die nun ohne Piloten bis nach Barchfeld gelangte und dort auf den Wiesen am Werraufer niederging. Das Flugzeugwrack wurde umgehend zerlegt und vermutlich nach Dessau in die dortige Flugzeugwerft überstellt.[13]

Die israelitische Gemeinde in Barchfeld[Bearbeiten]

Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof in Barchfeld

Zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Barchfelds hatte auch die seit dem 16. Jahrhundert nachweisbare israelitische Gemeinde beigetragen. Um 1844/45 wurde eine neue Synagoge in der Nürnberger Straße eingeweiht, die in der Pogromnacht 1938 von SA-Männern geschändet wurde. Kultgegenstände und Mobiliar wurden auf dem Sportplatz verbrannt. 1933 lebten 57 Jüdinnen und Juden in Barchfeld, die bis 1945 terrorisiert, vertrieben und in ihrer Mehrzahl ermordet wurden. Seit 1988 erinnerte am ehemaligen Standort der Synagoge ein Gedenkstein, der 1995 auf den Jüdischen Friedhof umgesetzt wurde, an die jüdische Gemeinde des Ortes.[12]

Gegenwart[Bearbeiten]

1994 bildeten Barchfeld und die westlich gelegene Nachbargemeinde Immelborn (mit den Ortsteilen Übelroda, Ettmarshausen und Hauenhof) die Verwaltungsgemeinschaft Barchfeld. Am 3. November 2011 unterzeichneten die Bürgermeister der Gemeinden Immelborn und Barchfeld einen Vertrag über die Eingliederung Immelborns nach Barchfeld im Jahr 2012. Die neue Gemeinde wird den Namen Barchfeld-Immelborn tragen.[14]

Am 31. Dezember 2012 schlossen sich die Gemeinden Barchfeld und Immelborn zur neuen Gemeinde Barchfeld-Immelborn zusammen, zugleich wurde die Verwaltungsgemeinschaft Barchfeld aufgelöst.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Im Jahr 1955 lebten im Ort 3969 Einwohner.[15]

Entwicklung der Einwohnerzahl der ehemaligen Gemeinde (31. Dezember):

  • 1994 – 3755
  • 1995 – 3679
  • 1996 – 3668
  • 1997 – 3625
  • 1998 – 3626
  • 1999 – 3592
  • 2000 – 3597
  • 2001 – 3573
  • 2002 – 3509
  • 2003 – 3453
  • 2004 – 3431
  • 2005 – 3379
  • 2006 – 3347
  • 2007 – 3334
  • 2008 – 3286
  • 2009 – 3244
  • 2010 – 3192
  • 2011 – 3144
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Bürgermeister[Bearbeiten]

Als letzter hauptamtlicher Bürgermeister wurde Ralph Groß (CDU) am 6. Juni 2010 gewählt.[16]

Religionen[Bearbeiten]

Heute ist Barchfeld Sitz einer Pfarrei mit 1260 Gemeindemitgliedern. Als Folge der historischen Entwicklung verblieb die evangelische Kirchengemeinde Barchfeld bei der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und gehörte auch in der DDR-Zeit nicht zur Evangelisch-Lutherischen Kirche Thüringens. Gegenwärtiger Pfarrer ist Michael Stahl. Außerdem gibt es eine Gemeinde römisch-katholischer Christen, die zur Pfarrei Bad Liebenstein gehören, jedoch teilweise auch den evangelischen Gottesdienst besuchen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Jüdischer Friedhof in Barchfeld, Nürnberger Str. 73
Erbfriedhof der Familie Stein-Liebenstein zu Barchfeld (2007)
  • Das Stein’sche Schloss wurde 1571 bis 1581 auf der Anlage einer ehemaligen Wasserburg erbaut. Es ist schwer baufällig und der Zutritt ist untersagt.
  • Zwischen 1690 und 1732 entstand nach dem Abriss des Boineburgischen Schlosses das Schloss Wilhelmsburg der Landgrafen von Hessen-Philippsthal-Barchfeld. Es ist eine Dreiflügelanlage, die direkt an das Stein’sche Schloss angrenzt. Das Gebäude befindet sich auf industriell genutztem Privatgrund und ist nicht zugänglich.
  • Der jüdische Friedhof mit der 1988 eingeweihten Gedenkstätte ist sehenswert.
  • Ein Gedenkstein aus dem Jahre 1988 von dem Bildhauer Gerhard König, zunächst in der Nürnberger Straße am ehemaligen Standort der Synagoge gesetzt, jetzt auf dem Jüdischen Friedhof, erinnert an die Verfolgung der jüdischen Gemeinde.
  • Die evangelische Pfarrkirche wurde als Saalkirche in Bruchsteinmauerwerk mit Eckquadersteinen errichtet. Der Ostturm besitzt eine verschieferte Haube, darin befindet sich das Glockengestühl. Nord- und Südportal wurden mit der Jahreszahl 1752 versehen. Im Inneren bemerkt man am Kanzelaltar einen reich verzierten Wappenschmuck (hessische Löwen), die Westempore wurde dem Kirchenpatron vorbehalten und wiederum reich mit Wappenschmuck verziert. Der Orgelprospekt wurde im 18. Jahrhundert angefertigt. Die Kirche diente bis Mitte des 18. Jahrhunderts auch als Grablege des Ortsadels.[17]
  • Das Erbbegräbnis der Familie von Stein-Liebenstein zu Barchfeld befindet sich im Waldstück "auf der Heide" etwa drei Kilometer Luftlinie östlich der Ortslage von Barchfeld auf dem Stephansberg. Es wurde im Jahre 1835 eingerichtet, nachdem die Beisetzung in der Barchfelder Kirche, wo auch Mitglieder der landgräflichen Nebenlinie von Hessen-Philippsthal-Barchfeld bestattet worden waren, seit Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr statthaft war. Zunächst hatte man die Verstorbenen des Hauses in einer separaten Ecke des Gemeindefriedhofs bestattet, dann aber wurde der etwa 10 x 15 Meter große Erbfriedhof in dem der Familie gehörigen Waldstück angelegt. Insgesamt 29 erkennbare Grabstellen befinden sich heute dort. Die letzte Grablegung erfolgte in den 1930er Jahren. Der kleine Friedhof verwahrloste danach und wurde erst nach 1989 von einem entfernten Verwandten derer von Stein-Liebenstein gekauft und allmählich wieder hergerichtet.[18]
  • Ein Grabdenkmal auf dem Friedhof an eine umgekommene Russin erinnert an das Schicksal der Zwangsarbeiter im Ort[19]

Sport und Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten]

Für die Freizeitgestaltung stehen in Barchfeld eine Jugend- und Freizeitzentrum, eine Kleinsportanlage, eine Mini-Pipe, Spielplätze und Parkanlagen zur Verfügung. In der Immelborner Werraaue befindet sich ein Naherholungszentrum mit zwei Badeseen und einem Campingplatz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die in der Talaue entlang der Werra vorhandenen Kiesvorkommen wurden bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts bei der Suche nach Kalisalzlagerstätten erkundet, seit 1964 entstanden schließlich großflächige Baggerseen, welche in den 1990er Jahren teilweise für Wassersport und einen Campingplatz umgewidmet wurden.

Gewerbegebiete[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über zwei ausgewiesene Gewerbegebiete, auf denen sich vorrangig Unternehmen des Maschinenbaus und der Elektrotechnik angesiedelt haben:

  • Das Gewerbegebiet Im Vorwerk. befindet sich am südöstlichen Ortsrand von Barchfeld. Es verfügt über eine Gesamtfläche von 23,26 ha.[20]
  • Das Gewerbegebiet Am Eisberg. befindet sich am nordöstlichen Ortsrand zur Gemeinde Witzelroda. Das Gebiet umfasst ca. 58,3 ha Baufläche. Die Erschließung erfolgte in zwei Bauabschnitten.[21]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet führt die Bundesstraße 19, in welche im Ort die Bundesstraße 62 einmündet. Die Bahnstrecke von Immelborn über Barchfeld nach Steinbach wurde 1973 stillgelegt. Durch Barchfeld führt der Werratal-Radweg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). Auf Grund der Urkundensammlung der Freifrau Frieda Stein-Schlotheim dargestellt. Selbstverlag der Gemeinde, Barchfeld 1933, DNB 576812072.
  • Heinrich Weldner: Die Mundart von Barchfeld an der Werra. Steiner, Stuttgart 1991, ISBN 3-515-05422-7. (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beiheft 68).
  • Walter Höhn: Thüringische Rhön. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2005, ISBN 3-86568-060-7, S. 33.
  • Roland Geißler: Wanderführer um Bad Liebenstein und den Inselsberg. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2007, ISBN 978-3-938997-79-6.
  • Klaus Schmidt: Natur- und Heimatbuch Barchfeld/Werra. Eine Darstellung von Natur, Landschaft und historischer Entwicklung. Eigenverlag Naturschutzbund Deutschland, Barchfeld 2008, DNB 991511824.
  • Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). Auf Grund der Urkundensammlung der Freifrau Frieda von Stein-Schlotheim dargestellt. Selbstverlag der Gemeinde Barchfeld, Feodor Wilisch, Schmalkalden, 1933

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung nach Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften
  2. Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). 1933, S. 7.
  3. 1075 Jahre Breitungen (Werra). DNB 987022482. (Festschrift)
  4. Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). 1933, S. 20–23.
  5.  Paul Lehfeldt, Georg Voss (Hrsg.): Dietlas. In: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Herzogtum Sachsen-Meiningen, Amtsgerichtsbezirk Salzungen. Heft XXXV, Jena 1909, S. 44–47.
  6. Freiherr von Boineburg: Schloss Lengsfeld In: Album der Residenzen, Schlösser und Rittergüter Thüringens, insbesondere der Sächsischen Lande Ernestinischer Linie. Heft 1. Werl, Leipzig 1858.
  7. Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). 1933, S. 18–19.
  8.  Hans Patze (Hrsg.): Thüringen. In: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bd. 9, Kröner, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-31302-2, S. 40.
  9.  E. Schmidt: Entwicklung des Schulwesens in der Gemeinde Barchfeld. In: Altensteiner Blätter. Schweina 2001–02, S. 87–104.
  10. In einer zeitgenössischen Familienchronik eines Barchfelder Müllers Ebert steht geschrieben, welche Lasten er zu ertragen hatte:
    1756 hat sich der erbärmliche Krieg mit dem König von Preußen angefangen und ist von Tag zu Tag schlimmer geworden. ... daß ich also 1757 an Soldaten gehabt hab 15 mal und alsmal Rittmeister, Obrist, Leutnant, Hauptmann, und zwar 3 bis 4 Offiziere. ... 1758 wieder 7 mal, auch allemal Offiziere, aber zum Teil 3 bis 4 Wochen gehabt ..., 1759 wieder 14 mal Offiziere ..., 1760 wieder 6 mal Offiziere ..., 1761 wieder 8 mal Offiziere, 1762 wieder gehabt 8 Offiziere ... bin meines Lebens nicht sicher gewesen, 1763 Dragoner, 1 Generaladjudant gehabt, und da hat sich der Krieg gottlob wieder gegeben ... Als Folge der Kriegsereignisse waren die Getreidepreise enorm gestiegen. (aus Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). Selbstverlag der Gemeinde, Barchfeld 1933, S. 35–38.)
  11. Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). 1933, S. 59–64.
  12. a b  K. Schmidt: Ein Streifzug durch die Geschichte von Barchfeld. In: Altensteiner Blätter. Schweina 1997–98, S. 131–36.
  13.  E. Schmidt: Flugzeugabsturz. In: Altensteiner Blätter. Schweina 1997–98, S. 141–45.
  14. sdk/ide: Ja zu Barchfeld-Immelborn. Südthüringer Zeitung (Redaktion Bad Salzungen), 4. November 2011, abgerufen am 4. November 2011: „Einstimmig sprachen sich die Räte für den Entwurf des Vertrages zur Eingliederung der Gemeinde Immelborn in die Gemeinde Barchfeld aus. ... Das Gesetzgebungsverfahren nimmt voraussichtlich ein dreiviertel Jahr in Anspruch, sodass die Eingliederung frühestens Ende 2012 rechtskräftig werden kann. Die derzeit bestehende Verwaltungsgemeinschaft (VG) wird dann aufgelöst. Den entsprechenden Beschluss fasste die VG-Versammlung ebenfalls am Mittwochabend einstimmig und ohne Diskussionen.“
  15.  Paul Luther, Rat des Kreises Bad Salzungen, Abt. Volksbildung (Hrsg.): Materialien für den Heimatkundeunterricht – Kreis Bad Salzungen, Bezirk Suhl. Bad Salzungen 1959, Struktur vom Bezirk Suhl (Übersicht der Orte und Einwohnerzahlen der Landkreise), S. 5–11.
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKommunalwahlen in Thüringen am 6. Juni 2010. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 6. Juni 2010.
  17.  Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Thüringen. Deutscher Kunstverlag, München 2003, ISBN 3-422-03095-6.
  18. Barchfeld – Die letzte Ruhestätte derer von Stein (Version vom 31. August 2010 im Internet Archive)
  19. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 318. (Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen)
  20. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGewerbegebiete in der Wartburgregion. In: Wartburgkreis-Online. Archiviert vom Original am 15. Mai 2011, abgerufen am 18. Februar 2010.
  21. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGewerbegebiet “Im Vorwerk”. In: Barchfeld - Werra. Abgerufen am 18. Februar 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Barchfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien