Barett (Uniform)

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Die britische Armee gab den maßgeblichen Impuls zur Ausbereitung der modernen Formen des militärischen Baretts
Mitglieder der Päpstlichen Schweizergarde mit dunkelblauem Barett

Ein Barett ist eine schirmlose runde oder eckige Kopfbedeckung aus Stoff, Samt oder gefütterter Seide. Das Wort wurde im 15. Jahrhundert aus dem mittellateinischen barretum/birretum entlehnt.

Geschichte[Bearbeiten]

Es wird gemutmaßt, dass das lateinische Wort birrus seinen Ursprung in den keltischen Sprachen hat.[1] Dort gibt es ein gleichlautendes Wort, das übersetzt in etwa die Bedeutung von kurz besitzt. Auch das altgriechischen βίρρος – birrus könnte aus dieser keltischen Wortwurzel stammen. Im Irischen hat sich dazu das Wort bai read erhalten.[2] Zu birrus gibt es noch die ebenfalls lateinische Form burrus. Die erst im Mittellateinischen zu findenden Begriffe barretum beziehungsweise birretum bezeichneten wie das ältere birrus einen mantelartigen Umhang mit Kaputze. Unsicher bleibt, ob das deutsche Wort Barett aus dem Französischen entlehnt wurde oder direkt auf die mittellateinischen Formen zurückgeht.[3]

15. bis 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Ein Landsknecht mit seiner Frau

Das Barett ist seit dem 15. Jahrhundert in der europäischen Mode bekannt und wurde ursprünglich als Zeichen gebildeter Stände getragen. Über den Adel wurde es zu einem europaweit beliebten Modestück bei Bürgertum und Bauernstand. Mit dem Aufkommen neuer Hutformen im Laufe des 16. Jahrhunderts, speziell im damals stilbildenden Spanien, wurde das Barett bis 1600 langsam wieder aus der militärischen Mode verdrängt. Bei den im späten 15. Jahrhundert ebenfalls aufkommenden Landsknechten war das Barett neben anderen Hutformen und Helmen ein sehr beliebte militärische Kopfbedeckung. Form und Ausführung waren an keine Richtlinien gebunden und orientierten sich nur am Geschmack des Trägers. Auf militärische Zweckmäßigkeit wurde keine Rücksicht genommen. Landsknechte wählten oft sehr auffallende, weit ausladend gestaltete Baretts und schmückten sie vielfach mit bunten Federn.

Das Barett konnte sich als Kopfbedeckung der Akademiker, Richter und der Geistlichkeit sowie in der Damenmode über die Zeiten hinweg halten. Insbesondere bei bäuerlichen Bevölkerungen – unter anderem in Irland und Frankreich – blieb es aktuell. Sehr bekannt wurde das Barett in der Form der „Baskenmütze“, welche zur Tracht der Schäfer in den gebirgigen Pyrenäen gehört.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Theodor Körner, Karl Friedrich Friesen und der Jurastudent Heinrich Hartmann als Lützower Jäger mit schwarzem Barett

Während und nach den Befreiungskriegen erfuhr das Barett eine erste, kurze Wiedergeburt. So trug der Freiwilligenverband der Lützower Jäger, dem etliche patriotische und intellektuelle Größen ihrer Zeit angehörten, teilweise ein ausladendes, schwarzes Barett. In der Folge kam diese Kopfbedeckung im freiheitlich denkenden Bürgertum als politisch motiviertes Kleidungsstück in Mode. Es gehörte damals zur sogenannten Altdeutschen Tracht, die sich sehr frei an die Zeit Martin Luthers anlehnen wollte. Diese Kleidermode galt nach dem Wiener Kongress bei den wiedererstarkten deutschen Fürsten und Königen als so provokativ und aufrührerisch, dass sie teilweise verboten wurde.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Französischer Gebirgsjäger-Kommandeur im Jahr 1939 mit dem 1889 eingeführten Barett
Deutscher Panzerkommandant mit der Panzerschutzmütze

Im neuzeitlichen Militärwesen hat das Barett erstmals 1889 bei den französischen Gebirgsjägern Einzug gefunden. Zum damaligen Zeitpunkt noch in Form der traditionellen ausladenden Baskenmütze aus dunkelblauem Wollstoff.[4] Die extrem ausladenden Form verschwand 1916 von den Schlachtfeldern. Als Ersatz wurde eine reduziertere, modernere Form für den Truppengebrauch eingeführt, wobei sich die ältere Form zu Paradezwecken bis heute hielt.

1910 wurde in Deutschland eine neue Feldmütze ausgegeben, welche sich deutlich an historischen Barettformen orientierte, aber durch seine handliche Größe und moderne Umsetzung wesentlich zweckmäßiger war. Die Feldmütze M1910 bestand aus feldgrauem Stoff und besaß ein einfassendes Band in den Farben der jeweiligen Streitkräfte sowie zwei Kokarden in den Farben des Reiches und des jeweiligen Landes aus dem der Soldat stammte.[5] Da die meisten Soldaten während des Ersten Weltkriegs keinen Wert auf einen sachgemäßen Sitz der Feldmütze legten, ist ihre Konzeption als Barett anhand vieler Fotografien nicht gleich zu erkennen. Moderne Tragerekonstruktionen erleichtern dagegen die Zuordnung.[6] 1917 versuchte man die Feldmütze in einer dunkleren Version mit einem für alle Waffengattungen einheitlichen grünen umlaufenden Band einzuführen, was jedoch durch die schwierige Rohstofflage bis zuletzt nicht durchgehend gelang.

Mit Gründung der Reichswehr verschwand das kaiserzeitliche Barett bei der Truppe. Stattdessen führte man 1919 die bis dahin nur für die Offiziere typische Schirmmütze auch bei den Mannschaften ein.

Im Zuge der Aufstellung der deutschen Panzertruppe während der 1930er Jahre wurde die sogenannte Panzerschutzmütze eingeführt. Diese war als ausladendes, schwarzes Barett gestaltet, das in seinem Inneren mehrere dicke, stoßabweisende Einlagen besaß. Auf der Vorderseite befand sich das Hoheitsabzeichen mit Eichenlaub und Kokarde. Auch die Panzerabteilung der Legion Condor war mit schwarzen Baskenmützen ausgestattet,[7] die jedoch nicht die ausladende Form der Panzerschutzmützen und kein Innenfutter besaßen. Die Einsatzbedingungen zeigten, daß die Panzerschutzmütze für die Besatzungen der Panzer eher hinderlich war. Daher wurde die Mütze bereits zu Beginn des Jahres 1940 durch ein schwarzes Schiffchen M 1938 ersetzt.

Damit wurde während des Zweiten Weltkriegs das Barett ein ausschließliches Kennzeichen britischer Streitkräfte. Dieses bestand aus khakifarbenem Wollstoff. 1944 wurden die ersten bordeaux-roten Barette als Kennzeichen für die britischen Fallschirmjäger ausgegeben.

Bei den US-Streitkräfte waren es zunächst lediglich Fallschirmjäger des 509. US-Fallschirmjägerregiments der 82. US-Luftlandedivision, die erstmals mit Baretten aus den Beständen der britischen Fallschirmjäger ausgestattet waren. Im Laufe des zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren es dann hauptsächlich amerikanische Spezialeinheiten, die für das Tragen dieser Kopfbedeckung bekannt wurden.

In der Nationalen Volksarmee der DDR waren Baretts kaum üblich – zur Dienstuniform gehörte stattdessen ein sogenanntes Käppi, eigentlich ein Schiffchen. Lediglich die NVA-Fallschirmjäger trugen ein graues Barett zur Dienstuniform und ein rotes, später ein oranges, Barett zur Ausgehuniform.

Bis in die 1970er Jahre spielte das Barett – neben seiner zu Amtstrachten gehörend Funktion – in Deutschland als Kleidungsstück eine untergeordnete Rolle. Insbesondere bei Intellektuellen und Künstlern erfreute es sich einiger Beliebtheit. Im uniformmäßigen Bereich trugen es lediglich einige Studentenverbindungen sowie seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts einige wichtige internationale Pfadfinderbünde.

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Das Barett ist weltweit Bestandteil vieler Uniformen, meist im militärischen oder polizeilichen Bereich, jedoch auch von zivilen Organisationen.

Militär[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Hauptartikel: Barett (Bundeswehr)

Das Barett ist eine der Kopfbedeckungen der deutschen Bundeswehr. Bei fast allen Heeresuniformträgern aber auch einigen Luftwaffen- und Marineuniformträgern zählt das Barett zur persönlichen Ausrüstung. In vielen Truppenteilen der Bundeswehr ist das Barett außerhalb des Gefechtsdienstes die gewöhnliche Kopfbedeckung. Seine Farbe und das am Barett über der linken Schläfe angesteckte Truppengattungsabzeichen erlauben häufig die Zuordnung des Soldaten zu einer Truppengattung (bzw. Dienstbereich oder Verwendungsreihe) bzw. zu einem multinationalen Großverband.

Österreich[Bearbeiten]

Grünes Barett (Infanteristen des österreichischen Bundesheeres)

Ähnlich wie bei der deutschen Bundeswehr gilt auch im österreichischen Bundesheer, dass sich Rekruten ihr Barett „verdienen“ müssen. Es wird ihnen zwar bereits mit der Einkleidung ausgehändigt, darf aber in der Regel erst nach Ende der 2. Woche der Grundausbildung getragen werden. Bis dahin ist die Feldmütze zu tragen. Darüber hinaus ist es vom jeweiligen Truppenkörper abhängig, ob anstatt des Baretts nach der Grundausbildung nicht auch weiterhin die Feldmütze getragen wird. Generell gilt jedoch, dass bei Panzerverbänden stets das Barett bevorzugt wird - auch im Rahmen des Gefechtsdiensts.

Barettfarben:

  • Schwarzes Barett (Panzertruppe, Panzergrenadiere und Panzerartillerie, mechanisierte Einheiten)
  • Scharlachrotes Barett (Garde)
  • Korallenrotes Barett (Militärstreife/MP)
  • Bordeauxrotes Barett (Jägerbataillon 25, Luftlandebataillon, gegründet 1973, damals wurde auch das rote Barett für diese Truppe festgelegt)[8]
  • Gelbgrünes Barett (Soldaten des Heeressportzentrum)
  • Hechtgraues Barett (ABC-Abwehrtruppe)
  • Rostbraunes Barett (Fernmeldetruppe)
  • Grasgrünes Barett (Infanterie, Jägertruppe, Pioniertruppe, alle Waffengattungen ohne eigener Barettfarbe)
  • Schlammgrünes Barett (Jagdkommando)
  • Schlammgrünes Barett mit Jagdkommando-Abzeichen anstelle des Bundesadlers (Soldaten mit abgeschlossenem Jagdkommando Grundkurs)
  • Dunkelblaues Barett (Heereslogistikschule, Kommando Einsatzunterstützung, Sanitäter in den Heeresspitälern)
  • Blaues UNO-Barett (Soldaten im internationalen Einsatz der Vereinten Nationen)

Farbe des Bundesadlers:

  • Altsilber: Rekruten und Chargen
  • Silber: Unteroffiziere
  • Gold: Offiziere

Schweiz[Bearbeiten]

Panzersoldat der Schweizer Armee, Béret nach links mit Emblem rechts.

Das Barett wird in der Schweizer Armee Béret genannt. Ab 1. Januar 1990 wurde das Béret an alle Auszugseinheiten abgegeben. Seit 1. Januar 1991 ist es auch bei allen übrigen Einheiten vorgeschrieben.[9] Im Gegensatz zu Deutschland und Österreich sind nur die Farben Ausdruck für die jeweilige Truppengattung. Das Emblem am Béret steht für die Haupteinheit, zu der der Träger gehört. Die Embleme der höheren Unteroffiziere (ab Stufe Feldweibel) und Offiziere (siehe Dienstgrade der Schweizer Armee) sind mit einem goldenen Eichenkranz versehen. In der Schweizer Armee wird im Gegensatz zu den meisten anderen Organisationen und Armeen das Béretemblem rechts getragen.

  • schwarz: Generalstabsdienst, Territorialdienst, Panzer, Genie, Rettung, Übermittlung/Führungsunterstützung, ABC-Abwehr, Militärischer Nachrichtendienst, Militärjustiz, Armeeseelsorge, Bereitschaftsdienst, Sport
  • grün: Infanterie, Militärmusik
  • rot: Artillerie
  • dunkelblau: Luftwaffe
  • blau: Sanitätstruppen, Rotkreuzdienst
  • bordeauxrot: Logistiktruppen (Versorgung, Material, Transporte, Veterinäre)
  • grau: Militärische Sicherheit
  • hellblau: Friedensförderungseinsatz für die UNO

Polizei[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Bereitschaftspolizei[Bearbeiten]

Vor allem bei der Bereitschaftspolizei und bei Fußstreifen, insbesondere in Fußgängerzonen oder in ländlichen Gebieten, gehört zum Einsatzanzug bzw. zur Uniform auch ein Barett, das seit Einführung der neuen bundeseinheitlichen Polizeiuniform im Jahr 1976 getragen wird. Teilweise sind auch Hundeführer der Polizei im Einsatzanzug mit dieser Kopfbedeckung ausgestattet.

  • grün bzw. blau: Einsatzhundertschaften der Bereitschaftspolizei
  • grün bzw. blau: Bereitschaftspolizeikomponente der Bundespolizei
  • schwarz: Bayerisches Unterstützungskommando (USK)/ geschlossene Einheiten der Berliner Polizei
  • bordeauxrot: Baden-Württembergisches und Bayerisches Spezialeinsatzkommando (SEK)
  • weiß: Motorradstaffel bzw. Motorradfahrer des Streifen- und Eskortendienstes

Bundesgrenzschutz, heute Bundespolizei[Bearbeiten]

Auch beim Bundesgrenzschutz (BGS) wurde mit der Einführung der neuen Polizeiuniformen 1976 zum Einsatzanzug ein grünes Barett eingeführt. Die Nachfolgeorganisation des BGS, die Bundespolizei, übernahm bei ihrer Entstehung 2005 diese Praxis.

Zoll[Bearbeiten]

Ein grünes Barett gehört zur Dienstkleidung der deutschen Zollverwaltung und wird v.a. von den Beamten der Sachgebiete (Grenz-) Kontrollen und Zollämter getragen.

Österreich[Bearbeiten]

Dunkelblaues Barett der Bundespolizei

Als ziviler, wenngleich auch militärisch organisierter Wachkörper, hat auch die österreichische Bundespolizei verschiedene Barettfarben:

Farbe des Bundesadlers:

  • Platin: Eingeteilte Beamte
  • Silber: Dienstführende Beamte
  • Gold: Leitende Beamte

Zivil- und Katastrophenschutz[Bearbeiten]

Nachdem bereits seit Anfang der 1970er Jahre einige Ortsverbände des deutschen Technischen Hilfswerks (THW) mit dem Barett experimentiert hatten, entschied die THW-Leitung 1991 die endgültige Einführung dieser Kopfbedeckung. Die Farbe des Baretts ist Schwarz, als Abzeichen wird das Organisationsemblem aus Metall getragen (übereinanderstehende Initialen „THW“ im Zahnrad). Das Barett ist in der Bekleidungsrichtlinie als der maßgeblichen Verwaltungsvorschrift für den Multifunktions-Einsatzanzug und den Arbeitsanzug vorgesehen; es kann jedoch auch zum Dienstanzug getragen werden. Da es seit einiger Zeit nicht mehr neu ausgegeben wird, ist die praktische Verwendung örtlich unterschiedlich. Als Alternative ist nun das amerikanische Baseballcap vorgesehen.[10] Neben dem THW tragen viele weitere Organisationen des Katastrophenschutz Barette, unter anderem auch Feuerwehren (meist rot oder dunkelblau, je nach Land/Region).

Rotes Kreuz[Bearbeiten]

Das Deutsche Rote Kreuz trägt dasselbe Barett wie die Sanitätstruppe der Bundeswehr, allerdings mit dem roten Kreuz mit Umrandung als Barettabzeichen. Auf Ebene der DRK-Ortsvereine und Kreisverbände sind diese Umrandungen in silberner Farbe gehalten, für die Bezirks- und Landesverbände sowie den Bundesverband in goldener Farbe.

Pfadfinder[Bearbeiten]

Pfadfinderinnen- und Pfadfinderbünde und -verbände verschiedener Länder tragen oder trugen seit den 1920er Jahren ein Barett als Bestandteil ihrer Kluft, teilweise als Alternative oder Ersatz zum ursprünglichen Pfadfinderhut. Spätestens seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Barett bei einigen der größten Pfadfinderorganisationen wieder abgeschafft.

Australien[Bearbeiten]

Noch in Abhängigkeit zur Pfadfinderbewegung Großbritanniens wurde die dortige Uniformreform von 1967 mitvollzogen und das Barett eingeführt. Allerdings schafften die australischen Verantwortlichen nicht, wie in Großbritannien, den Pfadfinderhut ab. Bis zu einer großen, neuen Uniformrefom, die Anfang 2004 eingeführt wurde,[11] konnten Pfadfinder, Rover und Führer der Scout Association of Australia („Scouts Australia“) zwischen dem Pfadfinderhut oder einem grünen Barett wählen. Venture Scouts trugen ein kastanienbraunes Barett.[12] Mit der Reform von 2004 wurde der Pfadfinderhut und das Barett abgeschafft. Eine marineblaue Baseballmütze, ein marineblauer Knautschhut aus Wollfilz sowie ein dunkelblauer Schlapphut (sog. „Fischerhut“) gehören seither zur offiziellen Ausrüstung.[13]

Deutschland[Bearbeiten]

Angehörige des Bundes Deutscher Pfadfinderinnen 1925 mit der Baskenmütze
Deutsche Pfadfinderinnen des kleinen, in französischer Tradition stehenden Bundes der Katholischen Pfadfinderschaft Europas mit marineblauem Barett im Jahr 2011

In Deutschland etablierte sich im Bereich der Wandervogel- und Jugendbewegung seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts das sechs- oder achteckige Barett aus Samt oder Cord. Hervorzuheben ist hierbei der 1919 gegründete Nerother Wandervogel. Diese Barette sollte an die mittelalterliche Hutmode anknüpfen und an das Fahrende Volk des Mittelalters, die Vaganten, erinnern. Diese konnten zwar ein „freies Leben“ führen, galten gesellschaftlich jedoch als Außenseiter. Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Barettmode und das dazugehörende Lebensgefühl von etlichen bündisch orientierten deutschen Pfadfindern übernommen. Die größte Pfadfinderorganisation in Deutschland, die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), führte 1964 ebenfalls ein anthrazitgraues Barett mit kunstledernem Stirnband als Kopfbedeckung ein. Die neue Kopfbedeckung konnte von Pfadfindertrupps wahlweise statt dem Pfadfinderhut getragen werden.[14] Allerdings wurde der Pfadfinderhut bereits im darauffolgenden Jahr vollständig abgeschafft. In diesem Fall knüpften die Verantwortlichen bei der Einführung des Baretts nicht an die jugendbewegte Ideen an, sondern folgten einer damals gerade erst in Erscheinung tretenden Mode innerhalb der internationalen Pfadfinderbewegung. Mit dem verstärkten Aufkommen des Baretts bei der Bundeswehr in den 1970er Jahren distanzierten sich viele deutsche Pfadfinder von dieser Hutmode, um gesellschaftlich nicht in die Nähe zum Militär gerückt zu werden. Heute ist das Barett daher nur noch in sehr wenigen deutschen Pfadfinderbünden ein offizieller Bestandteil der Kluft. Bereits 1978 gehörte es in der DPSG nicht mehr zur offiziellen Kluft.[15] Bis heute wurde dort keine offizielle Kopfbedeckung mehr eingeführt. Seit Ende der 1990er Jahre werden in der DPSG jedoch – neben anderen diversen Hüten und Kappen – wieder der Pfadfinderhut und seit der Zeit nach 2005 eine grüne Baseballmütze für Wölflinge als inoffizielle Ausrüstungsgegenstände angeboten. Andere große Pfadfinderbünde in der Nachkriegszeit, wie der Bund Deutscher Pfadfinder (BDP) oder die Christlichen Pfadfinder Deutschlands (CPD) haben nie eine offizielle Kopfbedeckung besessen. Ebenso wenig ihre Nachfolgeorganisationen, der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) und der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP).

Frankreich[Bearbeiten]

Bereits in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts trugen einige französische Pfadfinder neben dem Pfadfinderhut eine Baskenmütze. Sie gehörten den Gebirgspfadfindern an und hatte diese Kopfbedeckung von den französischen Gebirgsjägern übernommen. Um eine Verwechslung mit den Gebirgsjägern zu vermeiden, wurde der Mützenstoff in die entgegengesetzte Richtung herabgezogen. Später wurden auch die Wölflinge mit der Baskenmütze ausgestattet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs machten die Raidern der Scouts de France den Vorschlag, das Barett der französischen Fallschirmjäger einzuführen. In der Folge erhielten alle Pfadfinder der Scouts de France ein marineblaues Barett, während deren Raider – eine insbesondere in Frankreich bekannte Pfadfinderstufe, bei der sich Rover oder Ranger für eine längerfristige Aufgabe verpflichten – ein grünes Barett erhielten. Die Nachfolgeorganisation der Scouts de France, die 2004 gegründeten Scouts et Guides de France besitzen keine offizielle Kopfbedeckung. Lediglich kleiner Bünde, wie die 1958 gegründete Association des Guides et Scouts d'Europe, halten am marineblauen Barett fest.

Großbritannien[Bearbeiten]

In Großbritannien entstand 1967 aus der 1910 gegründeten Boy Scouts Association die Scout Association. Im Zuge dieses Umbaus der Organisation wurde damals ein grünes Barett anstelle des Pfadfinderhuts eingeführt.[16] Nach einer verbandsinternen Studie von 1989 wurde dieses Barett zu Beginn des Jahres 1990 wieder abgeschafft. Lediglich die Luftpfadfinder der Scout Association tragen bis heute ein marineblaues Barett.[17] Alle übrigen Pfadfinder werden mit Baseballmützen ausgestattet.

Kanada[Bearbeiten]

Kanadischer Pfadfinder mit dem bis 1992 getragenen Barett (Aufnahme von 1976)

In Kanada wurde das Barett zwischen 1968 und 1998 zur Pfadfinderuniform der Boy Scouts of Canada (heute Scouts Canada) getragen. Bis 1992 besaß es eine grüne Farbe, dann wurde auf marineblau umgestellt. Heute wird nur noch die Baseballmütze oder ein sandfarbener Safarihut aus Stoff offiziell angeboten. Für die „Biber“, die früher Wölflingen hießen, gibt es einen leichten dunkelblauen Schlapphut (sog. „Fischerhut“) mit stark herabfallender Krempe.

Thailand[Bearbeiten]

In Thailand gilt das Pfadfindertum als staatstragend. Mit Ausnahme der Wölflinge besitzen alle Pfadfinder der Nationalen Pfadfinderorganisation Thailands ein rotes Barett.

USA[Bearbeiten]

Bei den Boy Scouts of America (BSA) gehörte das rote Barett seit dem 1. September 1972 zur Uniform. Es konnte von Ortsgruppen alternativ statt dem khakifarbenen Schiffchen, einer khakifarbenen Feldmütze im Stil einer Baseballkappe oder dem Pfadfinderhut getragen werden.[18] Lediglich die rote Farbe wurde anfangs als nicht attraktiv empfunden,[19] später wurde auch festgestellt, dass das Barett bei verschiedenen Witterungseinflüssen in keinem Fall so praktisch sei, wie der Pfadfinderhut.[20] Seit den 1990er Jahren wird das Barett nicht mehr offiziell ausgegeben, ist jedoch auch nicht abgeschafft. Das rote Barett kann weiterhin neben dem Pfadfinderhut sowie diversen Baseballkappen getragen werden.[21] Bei den amerikanischen Pfadfinderinnen (Girl Scouts of the USA) wurde zeitweise ein grünes Barett getragen, was in der Bevölkerung jedoch zu Irritationen führte, da das grüne Barett ein Erkennungszeichen der Spezialeinheiten in der US-Army ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günther Drosdowski: Etymologie, Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus, Mannheim 1989, ISBN 3-411-20907-0, S. 63–64.
  2. Norbert Nail, Joachim Göschel: Über Jena: Das Rätsel eines Ortsnamens: alte und neue Beiträge. Franz Steiner Verlag, 1999, ISBN 3-515-07504-6, S. 90.
  3. Gunvor Krogerus: Bezeichnungen für Frauenkopfbedeckungen und Kopfschmuck im Mittelniederdeutschen, Commentationes Humanarum Litterarum, 72 (Societas Scientiarum Fennica), Helsinki 1982, ISBN 951-653-110-5, S. 53.
  4. Laurent Mirouze: Infanteristen des ersten Weltkriegs. Verlag Karl-Heinz Dissberger, Düsseldorf 1990, ISBN 3-924753-28-8, S. 28.
  5. Laurent Mirouze: Infanteristen des ersten Weltkriegs. Verlag Karl-Heinz Dissberger, Düsseldorf 1990, ISBN 3-924753-28-8, S. 62.
  6. Laurent Mirouze: Infanteristen des ersten Weltkriegs. Verlag Karl-Heinz Dissberger, Düsseldorf 1990, ISBN 3-924753-28-8, S. 63.
  7. Manfred Merkes: Die deutsche Politik im spanischen Bürgerkrieg. 1936–1939. Bonner historische Forschungen, Bd. 18, Röhrscheid, Bonn 1969, S. 56.
  8. Erich Blüml (Hrsg.): Wehrhaftes Kärnten. Das Österreichische Bundesheer in Kärnten von 1955 bis 2005. Vehling, Werl 2005, ISBN 3-85333-110-6
  9. Jürg Burlet: Geschichte der eidgenössischen Militäruniformen 1852 bis 1992. Textaid DTP, Egg 1992, ISBN 3952035009, S. 160.
  10. Wolfgang Reuber: Das Barett – die ideale Kopfbedeckung für den THW-Helfer, Webseiten der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, Ortsverband Bad Homburg. Abgerufen am 13. April 2014.
  11. Die neue Uniform der Scouts Australia von 2004 in Wort und Bild. Archivierte Seite vom 25. September 2003. Abgerufen am 14. April 2014.
  12. Faktenpapier vom September 2003 zu den australischen Pfadfinder mit der damaligen Uniform. Abgerufen am 14. April 2014.
  13. The Scout Shop der Scouts Australia. Abgerufen am 14. April 2014.
  14. Beschlüsse des 24. Bundesthings. In: Georgspfadfinder, 4, 1964. S. 118–119; hier S. 118.
  15. Bundesleitung der DPSG (Hrsg.): Die Pfadfinderkluft. In: Pfadfinder. Ein anderer Weg. Georgs-Verlag, Düsseldorf 1978, S. 327–333.
  16. Die Geschichte der Scout Association (Scoutbase). Archivierte Seite vom 2. Februar 2006. Abgerufen am 13. April 2014.
  17. The Official Scout Shop of The Scout Association. Abgerufen am 14. April 2014.
  18. Scouting’s new look. In: Scouting, Bd. 60, Nr. 6 (1972), S. 18–29, hier: S. 28; Vote for the uniform of your choice. In: Boys’ Life, September 1972, S. 71 (Abbildung der neuen Uniformen).
  19. Leserbrief von Ralph C. Reiner. In Scouting, Bd. 61, Nr. 1 (1973), S. 15.
  20. Kenneth H. Powers: Campaign hats off! (Leserbrief). In: Scouting, Bd. 69, Nr. 1 (1981) S. 19.
  21. Douglas K. Daniel: Search-a-ree. In: Scouting, Bd. 90, Nr. 5 (2002), S. 37–39 sowie S. 51; zur Einführung einer neuen Uniform und neuer Baseballkappen siehe: Boys’ Life, September 1980, S. 37–39 (Abbildung der neuen Uniformen).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Baretts (Uniformen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien