Barkas

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Autohersteller Barkas. Für weitere Bedeutungen siehe Barkas (Begriffsklärung).
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Barkas
Barkas B 1000

Barkas B 1000

Barkas B 1000
Produktionszeitraum: 1957–1991
Klasse: Utilities
Karosserieversionen: Kastenwagen, Kleinbus, Pritschenwagen
Motoren: Ottomotor:
1,0 Liter (30,9 kW)
Länge: 4520 mm
Breite: 1860 mm
Höhe: 1850 mm
Radstand: 2400 mm
Leergewicht: ab 1240 kg
Vorgängermodell: Barkas V 901/2
Nachfolgemodell: Barkas B 1000-1

Barkas war der Name des sächsischen Automobilherstellers VEB Barkas-Werke Karl-Marx-Stadt und die Markenbezeichnung der von 1957 bis 1991 von ihm hergestellten Nutzfahrzeuge, die zur Fahrzeuggattung der Kleintransporter zählen. Zeitweise war der VEB-Stammbetrieb Teil des IFA-Kombinats Personenkraftwagen. Die Fertigungskapazitäten des modernen Barkas B 1000 konnten bis in die 1970er-Jahre weder die Nachfrage im In- noch dem Ausland auch nur ansatzweise abdecken. Aus planwirtschaftlichen Gründen ließ sich die Produktion auch nicht entsprechend aufstocken oder der Preis anpassen. Nur wenige tausend Fahrzeuge rollten jährlich vom Band.

Entstehung[Bearbeiten]

Der Betrieb geht auf die von Jørgen Skafte Rasmussen im Jahr 1923 als Zulieferer für sein DKW-Werk in Frankenberg/Sachsen gegründeten Metallwerke Frankenberg zurück. Der Betrieb wurde ab 1933 schrittweise nach Hainichen verlegt und hieß seit dem 1. Januar 1934 FRAMO-Werke Hainichen. 1957 wurde der Betrieb in VEB Barkas-Werke Hainichen umbenannt. Der einzige von ihm hergestellte Fahrzeugtyp wurde vom Framo V 901/2 zum Barkas V 901.

1958 wurden die VEB Barkas-Werke Hainichen mit dem Motorenwerk Karl-Marx-Stadt und dem Fahrzeugwerk Karl-Marx-Stadt zusammengelegt. Der Betriebssitz wurde in diesem Zusammenhang nach Karl-Marx-Stadt verlegt, der Name wechselte zu VEB Barkas-Werke Karl-Marx-Stadt. 1965 wurde noch der VEB Fahrzeughydraulik Frankenberg integriert.

B 1000[Bearbeiten]

Ab 1954 wurde systematisch an einem komplett neu entwickelten Nachfolger unter der Bezeichnung „L1“ gearbeitet, da eine Studie des Forschungs- und Entwicklungswerkes Karl-Marx-Stadt 1951 die Grundkonzeption beider Typen als völlig überholt auswies. 1956 wurde das erste Funktionsmuster des L1 als Kastenwagen gebaut. 1961 begann die Serienfertigung des völlig neu entwickelten Barkas B 1000 als „Schnelltransporter“.[1] Angetrieben wurde er von einem Wartburg-Dreizylinder-Zweitaktmotor mit ursprünglich 900 cm³ und einer Leistung von 43 PS. Später waren es 1000 cm³ mit einer Leistung von 46 PS. Der Motor des Fronttrieblers war mittig zwischen Fahrer- und Beifahrersitz eingebaut und vom Fahrzeuginneren über einen kleinen Servicedeckel zugänglich. Es gab diverse Ausführungen, etwa als Kasten-, Krankentransport-, Pritschenwagen oder als Kleinbus. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 100 km/h.

Die zahlreichen Aufbauvarianten wie Pritschen, Koffer, Planen, Kleinbus und Abschleppwagen machten das Fahrzeug sehr flexibel nutzbar. So gab es den Barkas unter anderem als Personentransporter, Polizeifahrzeug, Krankenwagen der SMH, Kleinlöschfahrzeug (Typ KLF), Pritschentransporter, Sattelschlepper und Militärfahrzeug. Bei seiner Einführung 1961 fiel der Transporter durch die damals ungewöhnlich hohe Zulademöglichkeit von einer Tonne bei gleichzeitig niedriger Ladehöhe auf. Wegen seiner einfachen Bauart war er relativ robust und zuverlässig. Es gab nur eine Serienausstattung, die kontinuierlich verbessert wurde. Ab 1984 wurde eine LED-Anzeige für Tankinhalt und Kühlwassertemperatur eingebaut. Die seitliche Klapptür an den geschlossenen Ausführungen wurde ab Juni 1987 von einer Schiebetür abgelöst.

Zur Markteinführung entsprach der B 1000 formal und technisch durchaus dem Stand der Technik. Mit den westlichen Transportern VW-Bus, Ford Transit, DKW-Schnellaster, Tempo Wiking oder Renault Estafette konnte er ohne Probleme mithalten. Erst im Laufe der Jahre verlor der B 1000 gegenüber den weiterentwickelten westeuropäischen Transportern den Anschluss. Vom B 1000 wurden 175.740 Fahrzeuge gebaut.

Prototypen (B 1100)[Bearbeiten]

Einer von drei Prototypen des B 1100, Exponat im Fahrzeugmuseum Frankenberg

Ähnlich wie bei anderen Fahrzeugmarken in der DDR wurden zwischen 1969 und 1972 auch Nachfolgemodelle des B 1000 bis zum Prototypenstatus entwickelt, diese durften jedoch nach Vorgaben aus der Politik nicht in die Serienproduktion gehen (zum Beispiel B 1100). Die Prototypen sollten in diesem Zusammenhang verschrottet werden. Dadurch war die Modellpalette aller DDR-Fahrzeugmarken spätestens in den 1980er-Jahren veraltet und international nicht mehr konkurrenzfähig.

B 1000-1[Bearbeiten]

Im Herbst 1989 wurde der erste Barkas B 1000-1 vorgestellt. Er hatte wie der Wartburg 1.3 einen 58 PS leistenden Viertaktmotor mit 1272 cm³, der in VW-Lizenz von Barkas im Motorenwerk in Karl-Marx-Stadt produziert wurde. Ursprünglich war vorgesehen, die Barkas-Transporter mit Viertaktmotor auch optisch zu überarbeiten. Mit einem großen Formteil aus Kunststoff, das die Scheinwerfer und den Kühlergrill zusammenfasste, sollte die Frontpartie modernisiert werden. Es wurden einige Prototypen gebaut. Die neue Frontgestaltung wurde jedoch nicht mehr serienwirksam. Bis zur Produktionseinstellung am 10. April 1991 wurden noch 1900 dieser Fahrzeuge gebaut.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jürgen Lisse: Fahrzeuglexikon Framo/Barkas. Bildverlag Böttger GbR, Witzschdorf 2008, ISBN 978-3-937496-23-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Barkas-Fahrzeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einst Spitzenkonzept mit alter Technik in FAZ vom 25. September 2012, Seite T4