Barockliteratur

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Als Barockliteratur oder Literatur des Barocks (von barocco pt. für seltsam geformte, Schief-Runde Perle) wird in heutigen Literaturgeschichten die literarische Produktion in Europa in dem Zeitraum zwischen etwa 1600 und 1720 bezeichnet.

Literarische Motive im Barock[Bearbeiten]

Die Barocklyrik ist im Wesentlichen von drei Leitmotiven geprägt, die das Lebensgefühl der Menschen beschreiben. Vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges war der Alltag der Menschen von Gewalt und Zerstörung bestimmt. Alle diese Motive setzen sich mit der dadurch weit verbreiteten Angst vor dem Tod und dessen Auswirkungen auf verschiedene Art auseinander

  • Carpe diem (lat. = Nutze/Genieße den Tag). Dieses Motiv ruft dazu auf, fröhlich zu sein, den Tag bewusst zu erleben und zu genießen und die Gedanken an die Vergänglichkeit nicht allzu schwer auf sich lasten zu lassen. Das Carpe-diem-Motiv orientiert sich an den Freuden des Lebens und geht nicht oder kaum auf den Tod ein. (Beispiel: Ode „Ich empfinde fast ein Grawen” von Martin Opitz [1624])
  • Memento mori (lat. = „Erinnere dich des Moments / Bedenke, dass du sterben musst“). Das Memento-mori-Motiv drückt das quälende Todesbewusstsein aus. Dazu zählt die häufig wiederholte Erinnerung an den (nahen) Tod. Es bezieht sich mehr auf den Tod und das Sterben als auf das Leben und steht somit in klarem Kontrast zu dem appellierenden Carpe-diem-Motiv. (Beispiel: „Thränen deß Vaterlandes Anno 1636“ von Andreas Gryphius)
  • Vanitas (lat. = „Eitelkeit“, „Nichtigkeit“, „Misserfolg“, „Vergänglichkeit der Welt“). Das Vanitas-Motiv ist dem Lebensgefühl des memento mori darin ähnlich, dass sie sich beide mit dem Tod und der Vergänglichkeit beschäftigen, anstatt das noch bevorstehende Leben zu fokussieren. Hierbei steht nicht der Tod an sich, sondern die Vergänglichkeit und Nichtigkeit der Menschen im Vordergrund. Dies ist auch in Zusammenhang zu sehen mit der hohen Bedeutung der Transzendenz zu dieser Zeit, das heißt des christlichen Glaubens an ein besseres Leben im Jenseits. (Beispiele: Es ist alles eitel von Gryphius und „Die Welt“ von Christian Hofmann von Hofmannswaldau [1679])

Die drei Motive sind Teil der häufigen Intention der Dichter (siehe unten), die in der Aufforderung zum Lebensgenuss sowie der Ermahnung, des Todes und der Nichtigkeit alles Irdischen zu gedenken und der sich daraus ergebenden Empfehlung sich dem Glauben zuzuwenden, besteht.

Das Lebensgefühl im Barock wies eine ausgeprägte Antithetik (Gegensätzlichkeit) auf. Häufige Ausprägungen dessen waren

  • Diesseits und Jenseits
  • Spiel und Ernst
  • Schein und Sein
  • Wollust und Tugend
  • Erotik und Askese
  • irdisches und himmlisches Leben
  • Carpe diem“ (lat. „Nutze den Tag“) und „Memento mori“ (lat. „Bedenke, dass Du sterben wirst“)

und wurden auch so in den lyrischen und epischen Werken als auch in den Dramen der Zeit umgesetzt.

Weitere häufig verwendete Stoffe und Themen entstammen hauptsächlich der Antike, aber auch das Schicksal christlicher Märtyrer sowie der Frauenpreis und die Liebe wurden oft behandelt.

Literatur des Barocks[Bearbeiten]

Zu den Autoren der Literatur des Barocks zählen unter Anderen: Martin Opitz, Casper von Lohenstein, Andreas Gryphius, Grimmelshausen, Caspar Ziegler, Paul Fleming, Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau und Angelus Silesius.

Lyrik des Barocks[Bearbeiten]

Die bevorzugte Literaturform war das Gedicht, vor allem das Sonett, übliches Versmaß war der Alexandriner mit 6-hebigen Jamben mit starken Zäsuren, häufig in der Versmitte. Im Barock spielten die äußere Ästhetik und der Wohllaut eine große Rolle. Um diese Wirkung zu erreichen, wurde auf diverse Stilmittel zurückgegriffen, darunter Anaphern, Metaphern, Antithetik, Hyperbolik sowie Allegorien und Repetitio. Stilmittel wie Anaphern und Symbole wurden bevorzugt eingesetzt, um durch bildliche Darstellungen elementare Dinge wie Diesseits und Jenseits, sowie die Rolle des Menschen zu erläutern. Metaphern und Allegorien wie der „Port“ (im Gedicht „Abend“ von A. Gryphius) für eine Heimkehr zu Gott sind typisch. Ebenso wurden Embleme und Allegoresen verwendet, die hinter Namen und Dingen eine tiefere, verborgene Bedeutung erschließen und erkennen lassen.

Der Pfarrerssohn Gryphius zum Beispiel musste als Kind den Herztod seines Vaters mitansehen, nachdem eine brandschatzende Soldateska in dessen Kirche eindrang. Seine Gedichte über Eitelkeit - in der Bedeutung von Nichtigkeit - und Vergänglichkeit Es ist alles eitel und Tränen des Vaterlandes gehören zu den bekanntesten Barockgedichten. Auch die Kirchenlieder von Paul Gerhardt (1607–1676) wie Geh aus, mein Herz, und suche Freud werden der Barocklyrik zugeordnet. Ein wichtiges Prosawerk ist der Schelmenroman Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch (1668) von Grimmelshausen.

Diese Motive, die stets zur verantwortungsvollen Verbesserung der schlechten Realität auffordern, entspringen der christlichen Prägung der Autoren. Sie vertrauten auf eine bessere Ordnung und ein besseres Leben bei Gott.

Die Barockpredigt[Bearbeiten]

Fabeln und Märchen vermitteln meist eine moralische Lehre. Ferner wurden Vergleiche, Schwänke sowie Sprichwörter häufig verwendet. Viele Prediger benutzten Sprachbilder und griffen dabei nicht nur auf die Bibel zurück, sondern auch auf antike Werke. Die Themenwahl der Predigten war breit gestreut. So wurden theologische Probleme ebenso erörtert wie bibelexegetische Aussagen.

Abraham a Sancta Clara ist im deutschsprachigen Raum der bekannteste katholische Prediger des Barocks. Der heute weniger bekannte Georg Scherer bekämpfte in seinen Barockpredigten oft die Reformation.

Der Jesuit Piotr Skarga (1536–1612) war der bekannteste polnische Prediger der Barockzeit. Seine wichtigsten Werke sind die Parlamentpredigten von 1597, die Heiligengeschichten von 1579 und die Militärmessen von 1618.

Kritik am Epochenbegriff des Barocks[Bearbeiten]

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Der Begriff Barockliteratur ist in dreifacher Hinsicht ein historisches Konstrukt der Germanistik des 19. und 20. Jahrhunderts: problematisch ist erstens der Literaturbegriff, der an dieser Stelle als historisch authentischer des 17. Jahrhunderts konstruiert wird – ihm entspricht kein vergleichbarer Begriff des 17. Jahrhunderts. Problematisch ist zweitens die epochale Zuordnung, die hier versucht wird – sie negiert epochale Selbsteinschätzungen des 17. Jahrhunderts. Problematisch ist drittens die Anschlussfähigkeit der Forschung, die hier geschieht – das deutsche Barock wird zu einem nationalen Sonderweg, ihm steht kein vergleichbares englisches oder niederländisches Barock gegenüber. Eine Forschung, die in Anbetracht des intellektuellen Austauschs, der Europa im 17. Jahrhundert beherrschte, Anschlussfähigkeit sucht, wird die neutralere Option wählen und der österreichischen Literatur, Poesie- und Romanproduktion des 17. Jahrhunderts gelten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Hankamer: Deutsche Gegenreformation und deutsches Barock (Stuttgart, 1935)
  • Gerhard Dünnhaupt:Der barocke Eisberg. Überlegungen zur Erfassung des Schrifttums des 17. Jahrhunderts, in: Aus dem Antiquariat (1980), Nr. 10 ISSN 0343-186-X
  • Herbert A. u. Elisabeth Frenzel: Daten deutscher Dichtung. Chronologischer Abriß der deutschen Literaturgeschichte (1953).
  • Das Libretto als literarische Leitgattung am Ende des 17. Jahrhunderts? Zu Zi(e)glers Roman Die Asiatische Banise und seinen Opernfassungen, in: Eleonore Sent (Hg.), Die Oper am Weißenfelser Hof (= Weißenfelser Kulturtraditionen, 1 (Rudolstadt, 1996), S. 143–196.
  • Abbildung aus: Olaf Simons, Marteaus Europa oder Der Roman, bevor er Literatur wurde (Amsterdam, 2001), p.12.
  • Willy Grabert, Arno Mulot, Helmuth Nürnberger: Geschichte der deutschen Literatur (1983)
  • Volker Meid: Barocklyrik, 2. Auflage, Metzler 2008
  • Werner Wilhelm Schnabel: Was ist barock? Zum Geltungsbereich des literaturwissenschaftlichen Epochenschlagworts und Periodisierungskonstrukts. In: Dieter J. Weiß (Hg.): Barock in Franken. Dettelbach 2004 (Bayreuther Historische Kolloquien, 17), S. 47-79.

Literaturhinweise zur Barockpredigt:

  • Werner Drobesch: Sozialpolitische Aussagen in den Predigtsammlungen der Gegenreformation.
    in: Katholische Reform und Gegenreformation in Innerösterreich 1564–1628, ed. France M. Dolinar (Klagenfurt, 1994) 491–507
  • Valentin Hertle: Andreas Strobl als Modellfall der bayrischen Barockpredigt (kath.-theol. Diss. München, 1965)
  • Maximilian Neumayr: Die Schriftpredigt im Barock. Auf Grund der Theorie der katholischen Barockhomiletik (Paderborn, 1938)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Barock – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen