Barrie Kosky

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Barrie Kosky[1] (*18. Februar 1967 in Melbourne/Australien) ist Opern- und Theaterregisseur. Heute lebt und arbeitet er in Berlin.

Biographie[Bearbeiten]

Kosky, Enkel jüdischer Einwanderer aus Russland, Polen und Ungarn ging auf die Melbourne Grammar School, wo er 1981 in Brechts Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui auf der Bühne stand und später sein erstes Theaterstück inszenierte. Nach einer profunden musikalischen Ausbildung in Klavier und Musikgeschichte an der Universität Melbourne wandte er sich der Regie zu, stand aber in vielen seiner Produktionen auch immer wieder selbst auf der Bühne oder saß am Klavier.[2] Barrie Kosky kennt keine strenge Trennung in Sprech- und Musiktheater. So etablierte er in allen seinen Inszenierungen an Sprechtheaterhäusern Musik und Gesang als wichtige theatrale Ebene. In vielen Inszenierungen begleitet er das Geschehen auf der Bühne selbst am Klavier ("Poppea", "Das verräterische Herz", "Der verlorene Atem" ...) oder verbindet die Musik eines Orchesters mit der Bühnenhandlung ("Das Schloss" ...). Musik und Gesang sind bei Kosky nie Begleitung oder Untermalung des Bühnengeschehens, sondern integraler Bestandteil des theatralen Geschehens.

Karriere[Bearbeiten]

Zu seinen Inszenierungen in Australien gehören unter anderem Senecas Oedipus und Eugene O’Neills Mourning Becomes Electra bei der Sydney Theatre Company, Shakespeares King Lear bei der Bell Shakespeare Company, The Golem von Larry Sitsky, Verdis Nabucco, Wagners Der fliegende Holländer und Alban Bergs Wozzeck am Sydney Opera House, Oedipus Rex an der Queensland Opera, Goethes Faust I und II bei der Melbourne Theatre Company; die moderne Oper Oresteia von Liza Lim, Mozarts Die Hochzeit des Figaro und Rossinis Der Barbier von Sevilla an der Victoria State Opera, The Knot Garden von Michael Tippett und "The Burlesque Tour" mit dem Sänger und Entertainer Paul Capsis beim Melbourne Spoleto Festival.

Von 1990 bis 1997 war Barrie Kosky künstlerischer Leiter der Gilgul Theatre Company. Dort inszenierte er Der Dybbuk, Es brennt ... Levad, The Wilderness Room und Der operirte Jud’ – alles Werke, mit denen Kosky sich Fragen jüdischer Kultur und jüdischer Identität zuwandte.

1996 übernahm er die künstlerische Leitung des Adelaide Festivals.

Von 2001 bis 2005 war er Codirektor des Wiener Schauspielhauses. Dort führte er Regie bei Euripides' Medea, "Boulevard Delirium" – einem Abend mit dem Sänger und Entertainer Paul Capsis, der sich Gesangsdiven von Judy Garland bis Janis Joplin widmete. Bei Shakespeares Macbeth, Das verräterische Herz nach E. A. Poe sowie bei der "Jewtopia-Trilogie" (Dafke!!, Der verlorene Atem und Das Schloss) setzte er sich abermals mit jüdischer Identität und jüdischen Künstlern von Kafka über Schumann bis zu Houdini und Sarah Bernhardt auseinander. Weiters zeigte er mit Poppea – bei der er die Musik Monteverdis mit Songs von Cole Porter kombinierte und Offenbachs Hoffmanns Erzählungen zwei Inszenierungen, die mit Sängerinnen und Sängern, Schauspielerinnen und Schauspielern Oper und Schauspiel verbanden und eine einzigartige Form des musikalischen Theaters weiterentwickelten.

Nach seinem Engagement am Schauspielhaus entwickelte Kosky sich zu einem gefragten Opernregisseur im deutschsprachigen Raum. Für die Berliner Staatsoper inszenierte er Monteverdis L’Orfeo und an der Komischen Oper Berlin einen vielbeachteten Le Grand Macabre von György Ligeti, dem Inszenierungen von Figaros Hochzeit und Glucks Iphigenie auf Tauris folgten. An der Wiener Staatsoper hatte 2005 seine Inszenierung des Lohengrin Premiere. 2006 inszenierte er zusammen mit Tom Wright den achtstündigen Abend The Lost Echo – basierend auf Ovid's Metamorphosen und Euripides' Die Bakchen – für die Sydney Theatre Company. Im selben Jahr inszenierte er am Aalto-Theater in Essen Wagners Der fliegende Holländer und sorgte damit für einen Eklat; dem folgte im Dezember desselben Jahres Tristan und Isolde (nominiert für den Faust-Preis) sowie Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Brecht/Weill. An der Komischen Oper Berlin inszenierte er für die Spielzeit 2008/9 Kiss Me, Kate, welches von der TheaterGemeinde Berlin zur „Aufführung des Jahres“ gekürt wurde. Am selben Haus folgte Rigoletto (Spielzeit 2009/10), Rusalka (Spielzeit 2010/11), Die sieben Todsünden (2012) mit, wie auch schon bei Kiss Me, Kate mit Dagmar Manzel in der Hauptrolle.

Des Weiteren inszenierte er Brittens Ein Sommernachtstraum in Bremen sowie Peter Grimes und Leoš Janáčeks Aus einem Totenhaus für die Staatsoper Hannover und Vivaldis Orlando furioso für das Theater Basel.

Im Herbst 2008 gab Barrie Kosky mit Strindbergs Ein Traumspiel sein viel beachtetes Debüt am Deutschen Theater Berlin. Die englische Version des Solos Das verräterische Herz (Tell-Tale Heart) zeigte er beim Edinburgh International Festival und beim Sydney International Festival.

2009 begann er seinen Ring-Zyklus in Hannover, den er im Juni 2011 abschloss. 2010 inszenierte er Strauss' Die schweigsame Frau an der Bayerischen Staatsoper. Außerdem führte er im Dezember des gleichen Jahres Regie bei einem Doppelabend mit Dido und Aeneas von Henry Purcell und Herzog Blaubarts Burg von Béla Bartók an der Oper Frankfurt.

Im Jahr 2010 inszenierte er Der Kaufmann von Venedig am Schauspiel Frankfurt und Rameaus Castor et Pollux an der English National Opera London.[3] Die Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin, die ab Mai 2014 auch in Berlin zu sehen sein wird, erhielt 2011 den Laurence Olivier Award als Beste neue Opernproduktion.

Mit Beginn der Spielzeit 2012/13 hat Barrie Kosky als Nachfolger von Andreas Homoki die Leitung der Komischen Oper Berlin als Intendant und Chefregisseur übernommen. Bereits seine Eröffnungsinszenierung aller drei vollständig erhaltenen Opern Claudio MonteverdisOrpheus, Odysseus und Poppea – die dreimal an jeweils einem einzigen Tag als Monteverdi-Trilogie zu erleben waren, erntete große Resonanz bei Publikum und Presse. Gemeinsam mit Suzanne Andrade und Paul Barritt, den künstlerischen Köpfen der britischen Theatergrupe »1927«, überraschte er in der Neuinszenierung von Mozarts Zauberflöte mit einer neuartigen Verbindung von live agierenden Sängern und filmischer Animation. Im Juni 2013 folgte die Neuinszenierung von Paul Abrahams 1932 uraufgeführter Jazz-Operette Ball im Savoy mit Dagmar Manzel, Katharine Mehrling und Helmut Baumann in den Hauptrollen.

Im Oktober 2013 wurde die Komische Oper Berlin mit ihrem Programm der ersten Spielzeit unter Barrie Kosky von der Fachzeitschrift Opernwelt zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt.

Koskys Inszenierung von Glucks Armide hatte im Oktober 2013 am Opernhaus in Amsterdam Premiere. Für die Zukunft sind Inszenierungen in Zürich, Glyndebourne und Frankfurt geplant.

Im Mai 2012 wurde Kosky als neues Mitglied in die Akademie der Künste Berlin berufen, deren Wahl er annahm. Eine aktive Mitgliedschaft setzt voraus, dass Künstler aktiv an den Aufgaben der Akademie mitwirken, sodass er zukünftig weitere Präsenz in der Akademie zeigen wird.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Preisträger

Nominiert

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Bauer: No Escape. Aspekte des Jüdischen im Theater von Barrie Kosky. Edition Steinbauer, Wien 2008, ISBN 978-3-902494-34-4.
  • Barrie Kosky: On Ecstasy. Melbourne University Publishing, Melbourne 2008, ISBN 978-0-522-85534-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manchmal wird Barrie Kosky falsch buchstabiert: Barry Kosky, Barrie Koski, Barrie Koskie.
  2. Wie zum Beispiel in seiner Produktion von Monteverdi's Poppea
  3. Spielplan English National Opera
  4. Neue Mitglieder der Akademie der Künste Akademie der Künste, Pressemitteilung 18. Juni 2012.