Barry Lyndon

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Filmdaten
Deutscher Titel: Barry Lyndon
Originaltitel: Barry Lyndon
Produktionsland: Großbritannien
Erscheinungsjahr: 1975
Länge (PAL-DVD): 177 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick
Produktion: Stanley Kubrick
Musik: Leonard Rosenman
Kamera: John Alcott
Schnitt: Tony Lawson
Besetzung

Barry Lyndon ist ein Film von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1975. Er basiert auf dem Roman Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon (1844) von William Makepeace Thackeray. Der Film spielt im 18. Jahrhundert und zeigt die Geschichte von Aufstieg und Fall eines jungen irischen Abenteurers, der sich darum bemüht, einen festen Platz im englischen Adel für sich zu gewinnen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

Der erste Teil des Films handelt vom Aufstieg des jungen irischen Landadeligen Redmond Barry, der Mitte des 18. Jahrhunderts seine Heimat verlässt, nachdem er ein Duell gegen einen englischen Offizier ausgetragen hat. Das Duell war fingiert, aber da er glaubt, seinen Gegner erschossen zu haben, befürchtet er nun strafrechtliche Konsequenzen. Ausgestattet mit den Ersparnissen seiner Mutter, macht er sich auf nach Dublin, wird aber auf dem Weg dorthin überfallen und ausgeraubt. Nun mittellos, meldet er sich als Freiwilliger in der englischen Armee. England befindet sich zu der Zeit im Siebenjährigen Krieg. Redmond muss daher nach Deutschland, um dort gegen das französische Heer zu kämpfen. Nach der Schlacht bei Warburg verliert er die Lust am Krieg, desertiert und versucht, verkleidet als Offizier, ins neutrale Holland zu fliehen. Aber die Flucht misslingt: Er wird von dem preußischen Offizier von Potzdorf entlarvt und zum Dienst in der preußischen Armee gezwungen. Potzdorfs Onkel ist Minister in Berlin; von diesem bekommt Redmond den Auftrag, den irischstämmigen Falschspieler Chevalier de Balibari zu beobachten, der verdächtigt wird, ein Spion Österreichs zu sein. Schon als er sich dem Chevalier vorstellt, ist er von dessen Persönlichkeit so beeindruckt, dass er - auch von dem Gefühl der Begegnung mit einem Landsmann in der Fremde überwältigt - seinen Auftrag offenbart. Von da an arbeitet er als Doppelagent für den Chevalier. Als der Chevalier aus Preußen fliehen muss, schließt Barry sich ihm an und die beiden ziehen als Falschspieler von Hof zu Hof. Auf diesen Reisen lernt Redmond die reiche Gräfin Lyndon kennen, die er nach dem Tod ihres wesentlich älteren Ehemanns wenig später heiratet. Redmond nimmt den Namen Barry Lyndon an und hat nun fast alles erreicht, was er erreichen wollte: er gehört zur obersten Gesellschaftsschicht und verfügt über das beträchtliche Vermögen seiner Frau. Ihm droht aber, dass bei einem eventuellen Tod seiner Ehefrau deren Sohn aus der ersten Ehe, Lord Bullingdon, Erbe von Titel und Vermögen werden könnte, wodurch Barry Lyndon und sein leiblicher Sohn auf dessen Gnade angewiesen sein könnten.

Hier beginnt der zweite Teil des Films: der Fall Barry Lyndons. Um vom König einen Adelstitel zu erhalten, setzt er Unsummen ein, um sich bei Hofe bekannt und beliebt zu machen. Die Beziehung zu Lord Bullingdon, dem Sohn Lady Lyndons aus erster Ehe, wird aber immer stärker von Gewalt geprägt. Während eines Konzerts provoziert Bullingdon eine Szene. Er hat seine Schuhe ausgezogen und betritt den Saal nur mit weißen Strümpfen an den Füßen. An der Hand führt Bullingdon seinen kleinen Halbbruder, der seine viel zu großen Schuhe trägt. Damit möchte er symbolisieren, wie er zu Hause behandelt wird, denn ihm wurden die Schuhe des Erben ausgezogen und seinem Halbbruder angezogen. Er stellt vor allen Gästen die Liebe seiner Mutter in Frage und verkündet, dass er sein Elternhaus verlassen werde. Außerdem provoziert und beleidigt er Barry. Daraufhin verprügelt dieser seinen Stiefsohn vor den Augen der zahlreichen Gäste. Aufgrund dieser Entgleisung wird Barry beim englischen Adel zur Persona non grata und zerstört seine Chancen auf den angestrebten Adelstitel. Verschuldet und verlassen muss Barry überdies den Tod seines einzigen Sohnes erleben, der vom Pferd gestürzt ist, und wird schließlich vom erwachsen gewordenen Lord Bullingdon zu einem Duell gefordert; infolge einer dabei erlittenen Schussverletzung verliert Barry einen Unterschenkel. Letztlich wird er von Lord Bullingdon faktisch gezwungen, bei Erhalt einer Jahresrente England zu verlassen. Er versucht nun erfolglos, seinen früheren Beruf als Falschspieler wieder aufzunehmen. Die Schlussszene zeigt, wie Lady Lyndon den Scheck über die geringe Jahresrente Barrys ausstellt. Der Scheck ist für das Jahr 1789 datiert, in dem mit der Französischen Revolution die gezeigte Gesellschaftsordnung unterging.

Die zuletzt eingeblendete Schrifttafel lautet: „It was in the reign of George III. that the aforesaid personages lived and quarreled; good or bad, handsome or ugly, rich or poor, they are all equal now.“ (zu deutsch: „Es war während der Regentschaft Georgs III., dass die vorerwähnten Personen lebten und stritten; gut oder böse, schön oder hässlich, arm oder reich, sie alle sind nun gleich.“)

[Bearbeiten] Anmerkungen

Kubrick plante lange, ein Filmepos über Napoléon Bonaparte zu drehen. Nachdem er von dem Film Waterloo des Regisseurs Sergej Bondartschuk erfuhr, der dasselbe Thema behandelte, gab er diesen Plan aber auf. Barry Lyndon beruht zum Teil auf den ausgiebigen Recherchen, die Kubrick für den geplanten Napoléon-Film angestellt hatte.

Die Filme, die Kubrick in den 15 Jahren vor Barry Lyndon gedreht hatte – Lolita, Dr. Seltsam, 2001: Odyssee im Weltraum und Uhrwerk Orange –, hatten alle Anlass zu heftigen Diskussionen gegeben. Barry Lyndon fiel da gewissermaßen aus der Reihe: Weder war die Handlung eine Provokation noch enthielt der Film revolutionäre Neuerungen wie 2001. Kubrick versuchte dagegen, mit Barry Lyndon die Schönheit barocker Malerei und Musik filmisch erlebbar zu machen und das Leben jener Zeit authentisch wiederzugeben. Die spektakulären Bilder, die stark an Porträts aus der Zeit erinnern, sind es denn auch in erster Linie, für die Barry Lyndon bekannt ist. Um die Stimmung barocker Bilder authentisch wiederzugeben, drehte Kubrick einige Szenen vollständig bei Kerzenlicht, ohne künstliche Beleuchtung. Möglich wurde dies durch die Verwendung eines extrem lichtstarken Objektivs (f = 0,7), das ursprünglich von Carl Zeiss für die NASA hergestellt worden ist. Zusätzlich extrem lichtempfindliches Filmmaterial ermöglichte in der Tat die schwierigen Aufnahmen, die zuvor undenkbar schienen.

Neben den Bildern ist auch die Musik von Barry Lyndon erwähnenswert. Der Soundtrack des Films enthält Stücke von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert sowie traditionelle irische Musik der Gruppe The Chieftains. Diese gewann für das Stück Women of Ireland einen der vier Oscars für Barry Lyndon (siehe Auszeichnungen). Bei der Verwendung des Hohenfriedberger Armeemarsches ist Kubrick ein historischer Fehler unterlaufen: Der in einer Wirtshausszene von den preußischen Soldaten gesungene Text ist erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Marschmelodie unterlegt worden. Das Stück, das am meisten mit dem Film assoziiert wird, ist Händels Sarabande in d-Moll. Auch hier hat Kubrick die (vorhandenen) Musikstücke meisterhaft eingesetzt und sie sind dadurch, wie schon in 2001: Odyssee im Weltraum mit dem Strauß-Walzer, in die Filmgeschichte eingegangen.

Barry Lyndon wurde in Irland, England, der Bundesrepublik Deutschland und der DDR auf 35-mm-Film aufgenommen.

Es ist der einzige Film von Stanley Kubrick, der sein Geld an den Kinokassen nicht wieder eingespielt hat (auch nicht durch die DVD-Verkäufe); seit diesem Flop musste auch Kubrick mit seinen Filmen Testscreenings machen.

[Bearbeiten] Kritiken

„Kubricks konsequenter Stilwille und der bis ins Detail künstlerisch kontrollierte Aufwand machen diesen Film zu einem großen, vielschichtigen Zeitporträt, in dem sich private und gesellschaftliche Dimensionen nahtlos verbinden.“

Lexikon des internationalen Films[1]

„‚Barry Lyndon‘ ist kein moralischer oder moralisierender Film. Kubrick spart nicht mit bissiger Ironie, mit sozialer Kritik, ja mit Spott; doch es geht hier nicht so sehr um ethische Urteile, sondern um das Aufdecken von zivilisationsbedingten Verstrickungen.“

Ulrich Behrens bei Filmstarts.de[2]

[Bearbeiten] Auszeichnungen

Barry Lyndon gewann:

[Bearbeiten] Synchronisation

Die Synchronisation entstand 1976 unter der Regie von Wolfgang Staudte[3][4].

Rolle Darsteller Synchronstimme
Redmond Barry/Barry Lyndon Ryan O’Neal Jörg Pleva
Lady Lyndon Marisa Berenson Katrin Miclette
Hauptmann Potzdorf Hardy Krüger Hardy Krüger
Reverend Samuel Runt Murray Melvin Hans Clarin
Lord Bullingdon Leon Vitali Andreas von der Meden
Lt. Jonathan Fakenham Jonathan Cecil Wolfgang Draeger
Mrs. Barry Mary Kean Tilly Lauenstein
Captain Grogan Godfrey Quigley Gottfried Kramer
Bryan Patrick Lyndon David Morley Scarlet Lubowski
Chevalier de Balibari Patrick Magee Friedrich W. Bauschulte
Lord Wendover André Morell Hans Paetsch
Erzähler Michael Hordern Siegmar Schneider

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. http://www.filmevona-z.de/filmsuche.cfm?wert=25931&sucheNach=titel
  2. http://www.filmstarts.de/produkt/35803,Barry%20Lyndon.html
  3. http://www.synchronkartei.de/index.php5?action=show&type=film&id=315
  4. Eintrag in der Synchrondatenbank, Suchbegriff „Barry Lyndon“
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