Barsbüttel

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Barsbüttel
Barsbüttel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Barsbüttel hervorgehoben
53.56666666666710.16666666666731Koordinaten: 53° 34′ N, 10° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Stormarn
Höhe: 31 m ü. NHN
Fläche: 24,68 km²
Einwohner: 12.072 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 489 Einwohner je km²
Postleitzahl: 22885
Vorwahl: 040
Kfz-Kennzeichen: OD
Gemeindeschlüssel: 01 0 62 009
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Stiefenhoferplatz 1
22885 Barsbüttel
Webpräsenz: www.barsbuettel.de
Bürgermeister: Thomas Schreitmüller (CDU)
Lage der Gemeinde Barsbüttel im Kreis Stormarn
Hamburg Kreis Herzogtum Lauenburg Kreis Ostholstein Kreis Segeberg Lübeck Ahrensburg Ahrensburg Ammersbek Bad Oldesloe Badendorf Bargfeld-Stegen Bargteheide Barnitz Barsbüttel Braak Brunsbek Delingsdorf Elmenhorst (Stormarn) Elmenhorst (Stormarn) Feldhorst Glinde Grabau (Stormarn) Grande Grönwohld Großensee (Holstein) Großhansdorf Hamberge Hamfelde (Stormarn) Hammoor Heidekamp Heilshoop Hohenfelde (Stormarn) Hoisdorf Jersbek Klein Wesenberg Köthel (Stormarn) Lasbek Lütjensee Meddewade Mönkhagen Neritz Nienwohld Oststeinbek Pölitz Rausdorf (Holstein) Rehhorst Reinbek Reinfeld (Holstein) Rethwisch (Stormarn) Rümpel Siek (Holstein) Stapelfeld Steinburg (Stormarn) Tangstedt (Stormarn) Todendorf Travenbrück Tremsbüttel Trittau Trittau Trittau Wesenberg (Holstein) Westerau Witzhave ZarpenKarte
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Barsbüttel (niederdeutsch Barsbüddel) ist eine Gemeinde im Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde befindet sich unmittelbar an der östlichen Landesgrenze Hamburgs im südlichen Teil des Kreises Stormarn. Durch den Ort fließt der Bach Barsbek, der kurz hinter der Hamburger Landesgrenze in den Schleemer Bach mündet.

Dorfplatz von Stellau. Im Gegensatz zum Hauptort hat sich Stellau seinen dörflichen Charakter erhalten

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde umfasst die Ortsteile Barsbüttel, Stellau, Stemwarde und Willinghusen.

Geschichte[Bearbeiten]

Historisches Gebäude in Barsbüttel

Barsbüttel wurde erstmals 1228 als Bernekesbuttle urkundlich erwähnt und gehört zu den Büttel-Ortschaften. 1306 kam das holsteinische Dorf an das Hamburgische Domkapitel. Im Tausch gegen andere Ländereien gelangte Barsbüttel 1609 zum alten Amt Reinbek.

Nach der Auflösung der landesherrlichen Ämter 1867 kam Barsbüttel zunächst zum Kirchspielvogteibezirk Reinbek. 1889 entstand der Amtsbezirk Barsbüttel, dem außer dem Ort auch Jenfeld, Öjendorf, Oststeinbek, Stemwarde und Willinghusen angehörten. 1927 schied Jenfeld aus, weil es durch das Unterelbegebietsgesetz der neuen Großgemeinde Billstedt zugeordnet wurde. Dafür kam 1929 Stellau hinzu. Das Groß-Hamburg-Gesetz ordnete 1937 Havighorst dem Amtsgebiet zu.

1948 wurde das Gebiet des bisherigen Amtsbezirkes zum Amt Barsbüttel. Im Rahmen der kommunalen Neuordnung wurde Barsbüttel im Jahr 1974 eine amtsfreie Gemeinde.

Religionen[Bearbeiten]

Seit 1953 gibt es in Barsbüttel, das zuvor nach Kirchsteinbek (heute: Hamburg-Billstedt) eingepfarrt war, eine eigene evangelisch-lutherische Kirchengemeinde.

Ende der 1970er Jahre wurde eine katholische Kapelle durch eine Kirche (St. Martin) ersetzt. Diese untersteht der Gemeinde St. Agnes in Hamburg-Tonndorf.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1974 wurden die Gemeinde Stellau, die Gemeinde Willinghusen fast vollständig und Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Stemwarde eingegliedert.[2] Das südlich der Autobahn 24 gelegene Stemwarder Gebiet ging an Reinbek (zum Ortsteil Neuschönningstedt).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1939 863
1945 2.304
1961[2] 4.770
1970[2] 5.796
2002 12.170
2006 13.200
2007 13.250
2008 12.375
2010 12.363
2011 12.434

Politik[Bearbeiten]

Das Barsbütteler Rathaus

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Von den 23 Sitzen in der Gemeindevertretung hat die CDU seit der Kommunalwahl 2013 neun Sitze, die SPD sieben, die Wählergemeinschaft BfB vier, Bündnis90/Die Grünen zwei und die FDP einen Sitz. Bürgervorsteher ist Friedrich-Wilhelm Tehge (CDU).

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot vier sechsspeichige silberne Wagenräder, 2 : 2 gestellt. Im silbernen Schildhaupt zwei gestürzte, schräg gekreuzte grüne Erlenzweige mit jeweils einem Blatt und einem männlichen Blütenstand.“[3]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften bestehen mit Ostseeheilbad Graal-Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, Keila (Landgemeinde) in Estland, Guipavas in Frankreich und Callington in England.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Barsbüttel ist durch die Bundesautobahnen 1 (Oldenburg in Holstein - Saarbrücken) und 24 (Hamburg - Berlin) an das überregionale Straßennetz angeschlossen. Ein direkter Autobahnanschluss an die A 1 wurde im Oktober 2005 im Zuge des Baus des Gewerbegebietes Nord fertiggestellt.

Im Oktober 2006 wurde die Umgehungsstraße um den Hauptort eingeweiht. Die Planungen gehen bis auf das Jahr 1969 zurück. Der Verlauf der Straße musste mehrmals geändert werden, da auf der ursprünglichen Trasse Firmen angesiedelt wurden. Die Umgehungsstraße führt im Süden um den Ort herum, zum Teil parallel zur A 24 (Hamburg - Berlin). Stichstraßen aus der Ortsmitte sind nachträglich hinzugekommen.

Der HVV betreibt in Barsbüttel drei Buslinien. Die Linien 337 und 737 fungieren als Schulbusse, die Linie 263 verbindet Stapelfeld und die Ortsteile Stellau, Stemwarde, Willinghusen und Barsbüttel über Hamburg-Jenfeld mit dem Wandsbeker Marktplatz (U-Bahnhof Wandsbek Markt).

Bauhaus
Höffner Möbelmarkt

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Das Möbelunternehmen Höffner hat seit November 2005 eine Filiale in Barsbüttel. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Unternehmen, die sich in der Wirtschaftlichen Vereinigung Barsbüttel zusammengeschlossen haben. Weitere große Unternehmen sind zum Beispiel Lugato, sowie die Firmen Arthur Krüger, Hellbut Verpackungen, Hermann Stitz & Co., Junge Fahrzeugbau und der Gartenmöbelgroßhändler Ploß & Co., der 2005 eine der größten Spendenaktionen für indonesische Tsunami-Opfer in ganz Schleswig-Holstein durchführte. Des Weiteren hat Bauhaus eine Filiale in Barsbüttel eröffnet. Das Unternehmen Fagron, Lieferant von pharmazeutischen Roh-, Wirk- und Hilfsstoffen, hat seit mehr als 15 Jahren seinen deutschen Hauptsitz in Barsbüttel. Direkt an der Autobahnabfahrt Barsbüttel befindet sich ein Gewerbepark mit einem BMW-Automobil Zentrum für Gebrauchtwagen, einer Filiale von Bauhaus und dem Möbelunternehmen Höffner.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über zwei Grundschulen sowie eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe (Erich Kästner Gemeinschaftsschule). Außerdem ist eine 1957 gegründete gemeindeeigene Volkshochschule mit einem Angebot von über 100 Kursen zur Weiterbildung und Freizeitgestaltung sowie eine private Musikschule vorhanden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Villa Lunugala (Ex Jugendhof)

Sehenswert ist die ehemalige Villa Lunugala, die 1907 von Wilhelm Anton „Tonio“ Riedemann erbaut wurde. Sie befindet sich in Privatbesitz und ist restauriert worden. Der Name „Lunugala“ geht auf einen gleichnamigen Ort auf der Insel Ceylon zurück. Dort verbrachte Riedemann mit seiner Frau Mary die Flitterwochen. Das Haus war während der NS-Zeit eine Gauführerschule.[4]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Eine der wichtigsten Veranstaltungen ist das jährliche Sommerfest der Vereine und Verbände. Es findet immer im August statt, früher auf der Wiese neben der Villa Lunugala, seit 2012 auf dem Gelände der Gemeinschaftsschule.

Deponie 78[Bearbeiten]

Deponie 78: Heute Park mit Gassammelstationen und Brunnen

Die Deponie 78 war eine 11 Hektar große, für Bauschutt und Hausmüll zugelassene Deponie zwischen dem Hauptort und der Autobahn. Diese wurde im Jahr 1977 mit 168 Häusern bebaut. Im Jahr 1986 stellte sich heraus, dass auch hochgiftige Abfälle der Hamburger Chemiefirmen Boehringer und Reichhold in den Jahren zwischen 1958 und 1968 hier abgelagert wurden. Die Firma Boehringer stellte unter anderem das hochgiftige Pflanzenschutzmittel Lindan her.[5] In den Häusern konnten verschiede Gase, insbesondere Methan und im Boden Stoffe wie Benzol, Phenol, polyzyklische Aromate sowie Altöl nachgewiesen werden.[6] Zur Sanierung wurde in den Jahren 1994 bis 1995 eine Gasfassungs- und Entsorgungsanlage auf der Fläche installiert, um das Gas aus dem Boden zu bekommen und die Häuser weiter bewohnbar zu halten. Weiterhin wurden die Fundamente einiger Häuser mit Bitumen abgedichtet. Die Gaskonzentrationen konnten durch diese Maßnahmen auf Werte unterhalb der zulässigen Grenzwerte reduziert werden.[7] Im weiteren Verlauf der Sanierung des Geländes kaufte das Land Schleswig-Holstein die Häuser für 65 Millionen Mark, sanierte diese und verkaufte sie wieder. Letztendlich jedoch wurden alle betroffenen Häuser in den folgenden Jahren abgerissen, da eine Sanierung mit Häusern zu teuer wurde.[8] Seit einigen Jahren befindet sich auf dem Grundstück ein Park. An die Deponie erinnern die Brunnen, über die das verseuchte Grundwasser zur Reinigung nach oben gepumpt wird und mehrere Gassammelstationen, die weiterhin Methan auffangen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heino von Rantzau (Hrsg.): Uns' Barsbüttel. Aus der Geschichte des Ortes. 1228 bis 1978. Hamburg 1978. ISBN 3-7672-0577-7
  • Hans-Dieter Ellerbrock (Hrsg.): Uns' Barsbüttel. Geschichten und Bilder von den vier Ortsteilen Barsbüttel, Stellau, Stemwarde und Willinghusen. Hamburg 2002.
  • Carsten Walczok: Barsbüttel. Erfurt 2006, ISBN 3-89702-987-1.
  • Carsten M. Walczok: Bomben auf Barsbüttel : Fakten, Hintergründe und Erinnerungen der Bombardierung unseres Dorfes. Barsbüttel 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Barsbüttel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 186.
  3. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  4. Jugendhof Barsbüttel
  5. Matthias Popien: Barsbüttel: Neue Untersuchungen an der Deponie 80, Artikel im Hamburger Abendblatt vom 31. Dezember 2002
  6. Kay Ingwersen: Benzol im Garten, Deponiebewohner wehren sich, Artikel in Die Zeit Online vom 15. Mai 1987
  7. E. Bußmann und A. Zeddel Sanierung einer Altlast - die Altablagerung Barsbüttel zwischen Ab- und Wiederbesiedlung. Im Jahresbericht Umweltdaten des Landes Schleswig-Holstein 1999 (PDF; 938 kB)
  8. Matthias Popien: Barsbüttel: 58 Häuser abreißen? DEPONIE 78 Die Sanierung wird der Landesregierung offenbar zu teuer, Artikel im Hamburger Abendblatt vom 24. April 2002
  9. http://www.morgenpost.de/familie/article1144989/Kirsten_Boie_ist_Astrid_Lindgrens_deutsche_Erbin.html