Bart de Ligt

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Bart de Ligt

Bart de Ligt, eigentlicher Name: Bartholomeus de Ligt (* 17. Juli 1883 in Schalkwijk, Gemeinde Haarlem, Niederlande; † 3. September 1938 in Nantes, Frankreich) war ein niederländischer Antimilitarist, reformierter Theologe, Autor und Anarchist.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Von 1903 bis 1910 absolvierte de Ligt ein Theologiestudium an der Universität Utrecht und wurde Prediger in Nuenen (Brabant). Nach seinem Studium veröffentlichte er in Studentenzeitschriften. Beeinflusst von Tolstoj, Hegel, Kant und anderen bekannte er sich 1910 zum christlichen Sozialismus. Er war zu dieser Zeit, zusammen mit Année Rinzes de Jong, Redakteur des Monatsblattes „Wereldvrede“ (Weltfriede) und wurde Mitglied des „Bundes der Christen-Sozialisten“ (Bond van Christen-Socialisten, BCS) sowie Redakteur der BCS-Zeitschrift „Opwaarts“ (Aufwärts). [1] Im Ersten Weltkrieg schrieb de Ligt über den Krieg, welcher seiner Meinung nach alleine den Interessen der Kapitalisten diente. Zugleich kritisierte er die institutionalisierte Kirche, die durch ihre Unterstützung der „herrschenden Klasse“ den Krieg ermöglichte. Ebenfalls kritisierte er die arbeitende Bevölkerung, die sich von der Kriegsindustrie und an der Front missbrauchen ließ. Er rief zur Dienstverweigerung, Arbeitsstreiks und allgemeinen Entwaffnung auf. [2] 1914 beteiligte er sich am Manifest „De schuld der kerken“ (Die Schuld der Kirchen) und 1915 bei dem Dienstverweigerungsmanifest („Manifest für Wehr- und Kriegsdienstverweigerung“), das ebenfalls von Hendrik Ebo Kaspers und Jan Sterringa unterzeichnete wurde, wofür er 1916 für 15 Tage in Haft kam. Ein Jahr später folgte sein Austritt aus der Kirche. Durch seine kritische Stellungnahmen gegenüber Kirche und Staat kam de Ligt in Kontakt mit sozialistischen Schriften, besonders von Syndikalisten und Anarchisten. So unter anderem von Peter Kropotkin, Pierre-Joseph Proudhon und dem Philosophen J.M. Guyau. Er wurde 1921 Mitgründer des „Internationalen Anitmilitaristischen Büros“ (Internationaal Anti-Militaristisch Bureau, IAMB) und aktiv bei der „Internationalen Antimilitaristischen Vereinigung“ (Internationale Anti–Militaristische Vereenigung, IAMV). Für die IAMV war Johan de Haas als Redner tätig. Für die IAMB war de Ligt von großer Bedeutung hinsichtlich Propaganda und Organisation. Bei einer Massendemonstration hielt er eine vielbeachtete Rede für den Dienstverweigerer H. Groenendaal der sich im Hungerstreik befand. De Ligt rief darin zum Arbeitsstreik auf wofür er 26 Tage in Haft kam.

„Im Namen von Jesus Christus, im Namen von Marx, im Namen von Bakunin, im Namen von Kropotkin, im Namen von Tolstoi und im Namen von Groenendaal rufe ich euch auf zu verweigern, Kasernen und Gefängnisse zu bauen; zu verweigern, Kriegsmaterial anzufertigen; zu verweigern, in den Militärdienst zu treten; und ich rufe euch auf, aus Protest gegen das Gefangenhalten von Groenendaal in den Generalstreik zu treten“

Bart de Ligt: [3]

1919 war er Mitgründer des „Bundes für Revolutionär–Sozialistische Intellektuelle“ (Bond van Revolutionair-Socialistische Intellectueelen) und Redakteur der IAMC-Zeitschrift „De wapens Neder“ (sinngemäß: Nieder mit den Waffen). Der Anarchistenkongress in Berlin (25. bis 31. Dezember 1921) bestätigte ihn in seiner Meinung, dass der Anarchismus gegenüber dem Marxismus für eine freie Gesellschaft vorteiliger sei. 1922 veröffentlichte er „Anarchisme en Revolutie“ (Anarchismus und Revolution), darin räumte er ein, dass der Anarchismus von den Gesellschafts– und Staatstheorien des Marxismus noch lernen könne. In diesen Jahren korrespondierte de Ligt unter anderem mit Albert Einstein, Mahatma Gandhi und Aldous Huxley. 1928 wurde er Herausgeber der Zeitschrift „Bevrijding“ (Befreiung) des „Bundes religiöser Anarcho–Kommunisten“ (Bond van religieuze Anarcho-Communisten). Sein zweibändiges Werk „Vrede als Daad“ (Friede als Tat) erschien 1931/1933 und 1936 eine Biografie über Erasmus von Rotterdam.[4]

Durch den von ihm propagierten gewaltlosen Widerstand kam er unter anderem in Kontakt mit Clara Meijer-Wichmann und Lambertus Johannes Bot. In der 1926 erschienenen Schrift „De wedergeboorte van Maria“ (Die Wiedergeburt von Maria) brachte er zum Ausdruck das ein „waarachtig menselijk leven“ (wahrhaft menschliches Leben) von Frauen und Männern erst dann möglich sei, wenn beide ihre Persönlichkeit frei entfalten konnten ohne autoritäre Bevormundung durch Staat, Kirche und anderen Institutionen. Um 1933 lernte er Simone Weil kennen, von deren Schriften er einige in die niederländische Sprache übersetzte. 1934 wurde de Ligts „Kampfplan gegen Krieg und Kriegsvorbereitung“ auf einer Versammlung der War Resisters’ International (WIR) vorgestellt. In Paris gründete er 1938 eine „Friedensakademie“ (Academie de la Paix) [5] Der niederländische Künstler und Anarchist Chris Lebeau entwarf ein Exlibris für de Ligt.

Die Motivation für de Ligts christliches, sozialistisches, antimilitaristisches und anarchistisches Gedankengut fundierte auf der christlichen Nächstenliebe, dem gewaltlosen Widerstand gegen Unterdrückung von Kirche und Staat sowie seinem Bestreben für eine universielle Weltkultur ohne Grenzen im Sinne des Sozialismus und Anarchismus. Bart de Ligt war vor allem ein Inspirator für den niederländischen Anarchismus durch seine theoretischen Kenntnisse, weniger ein Organisator (N.P. Egmond). Seit 1921 lebte er in der Schweiz, reiste öfters nach den Niederlanden und während eines Aufenthaltes in Frankreich starb er 1938. De Ligt war verheiratet und Vater eines Sohnes.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Arnold: Gütekraft – Bart de Ligts humanistische Geestelijke Weerbaarheid. Verlag Bücken & Sulzer, Overath 2011. ISBN 978-3-936405-67-5. 321 Seiten
  • Martin Arnold: Gütekraft - Ein Wirkungsmodell aktiver Gewaltfreiheit nach Hildegard Gross-Mayr, Mohandas K. Gandhi und Bart de Ligt. Nomos Verlag, Baden-Baden 2011
  • Christian Bartolf (Hrsg.), Der Atem meines Lebens: der Dialog von Mahatma Gandhi und Bart de Ligt über Krieg und Frieden. Gandhi Informations-Zentrum, Berlin 2000. ISBN 3-930093-14-6
  • Nikola Bock, Pazifismus zwischen Anpassung und freier Ordnung: Friedensdiskussion in der Weimarer Republik und die Gewaltfreiheitstheorie des holländischen Pazifisten Bart de Ligt (1883 - 1938). Verlag Bormann und von Bockel, Hamburg 1991. ISBN 3-927858-12-9
  • Herman Noordegraaf, Wim Robben (Hrsg.), Bart de Ligt: de overwinning op het geweld. Rede ter gelegenheid van de vijftigste sterfdag van Bart de Ligt (1883 - 1938). Am 3 September 1988, gehalten in Utrecht, door Gernot Jochheim. Uitgeverij Boxtel, Bart de Ligt-Fonds. Zwolle 1990.
  • Gernot Jochheim, Antimilitaristische Aktionstheorie, soziale Revolution und soziale Verteidigung. Zur Entwicklung der Gewaltfreiheitstheorie in der europäischen antimilitaristischen und sozialistischen Bewegung 1890 - 1940, unter besonderer Berücksichtigung der Niederlande. Frankfurt am Main /Assen /Amsterdam, Verlag Haag und Herchen/Van Gorcum 1977
  • Bart de Ligt, Kerk, cultuur en samenleving. Tien jaar strijd. Arnhem 1925. Unter anderem Aussagen über Clara Wichmann

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Autor: Herman Noordegraaf. Portret: B. de Ligt, 1903. In: „Inventarissen van de archieven van het Theologisch-Litterarisch Gezelschap 'Secor-Dabat' te Utrecht 1844-1869“. In: „Biografisch Woordenboek van het Socialisme en de Arbeidersbeweging in Nederland“ (BWSA). Ursprüngliche Fassung: BWSA 3 (1988). Letzte Änderung: 26. August 2002. Die Angaben über B. de Ligts „Leben und Wirken“ stammen großenteils aus diesem Artikel. Niederländisch, abgerufen am 15. November 2010
  2. Autor: N.P. van Egmond: Ligt, Bartholomeus de (1883-1938), in „Biografisch Woordenboek van Nederland“. Im: Instituut voor Nederlandse Geschiedenis (ING) vom 13. März 2008. Niederländisch, abgerufen am 15. November 2010
  3. Forschungsprojekt von Martin Arnold: Bart de Ligt. Aus Bart de Ligts Rede auf der Versammlung am 26. am Juni 1921
  4. Lebensdaten von Bart de Ligt. Nach einer Vorlage von Antje Conrad. Deutsch, abgerufen am 8. April 2013
  5. Autor: Johannes Fangmeyer vom 22. Juli 2004. Kurzinformation über B. de Ligt. Deutsch, abgerufen am 14. November 2010