Bartholomäus Bruyn der Ältere

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Porträt einer Dame mit Tochter

Bartholomäus Bruyn (* 1493; † 1555 in Köln; auch Barthel Bruyn, Bartholomaeus Bruyn, Bertoult Bruyn meler (ndl.), Bartell Bruen) war ein deutscher Maler der Renaissance und zählt zu den bedeutendsten Porträtisten des 16. Jahrhunderts.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Der 1493 geborene Bruyn erlernte sein Handwerk zeitgleich mit Joos van Cleve bei Jan Joest, z. B. bei Arbeiten in Wesel, Kalkar und Werden, bevor er schon in jungen Jahren nach Köln übersiedelte. Bruyn heiratete zwischen 1515 und 1520 Agnes († 1550). Sie hatten fünf Kinder.[1] Ab 1512 kann von einer Mitarbeit in der Werkstatt des sog. Meisters von St. Severin (Köln) ausgegangen werden, erstmals urkundlich festgehalten wurde seine Tätigkeit in Köln jedoch erst 1515. Bereits drei Jahre später wurde Bruyn Mitglied der Vierundvierziger (erweiterter Stadtrat). Im Folgenden etablierte sich Bruyn insbesondere durch seine Arbeit als Altarmaler und Porträtist als angesehener Künstler. Als typisch für seine Porträts gilt Bruyns naturgetreue und treffsichere Charakterisierung der Porträtierten. Auch wählte er zumeist geschweifte Abschlüsse für seine Werke. 1549 wurde der mittlerweile zu Wohlstand gelangte Bruyn Vertreter der Schildergaffel (Malerzunft) im Kölner Rat.

Bruyns Tätigkeiten beschränkten sich jedoch nicht nur auf Köln: u. a. fertigte er von 1522/25 Altargemälde für das Essener Damenstift, die sich heute in der dem Essener Münster vorgelagerten Kirche St. Johann Baptist befinden. 1529/34 folgten Altarflügel des Hochaltars der Stiftskirche St. Viktor in Xanten einschließlich eines Selbstbildnisses mit Bildnissen seiner Ehefrau und seines ältesten Sohnes. Der Xantener Altar stellte einen Wendepunkt in Bruyns Werken dar, indem er seine Kenntnisse der italienischen Renaissance-Malerei vertiefte und vermehrt druckgraphische Blätter aus Italien verarbeitete. Für Köln, wo Bruyn eine eigene Werkstatt unterhielt in der auch seine Söhne Arnt Bruyn und Bartholomäus Bruyn der Jüngere arbeiteten, ist ab 1547 insbesondere der Bilderzyklus für den Kreuzgang des Karmeliterklosters als Werk Bruyns zu erwähnen. 1539 arbeitete in seiner Werkstatt ein Meister Johan. Dieser zeichnete die Porträts von Christian und Hermann von Weinsberg. Bei letzterem Werk steht auf der Vorderseite: „Effigies Hermanni a Weinsberch Anno 1539 carbone depicta aetatis 22 fere.“ und auf der Rückseite: „Dies ist die contrafitung Hermanni von Weinsberch anno 1539 gemacht do er in der Cronenburssen wonte mit syner Bonetten (Mütze) und paltrock der sanguinenfarb war und die mauwen (Ärmel) dannet leder. Syn broder Christian noch fast kyndischs, hat folgens die roit flecken daruber gesmirt, dass fleckelgin under den Augen war eyn lochelgyn im papyr. Dass angesicht ist folgenss seyrr verandert, durch eyn kale stirn, bart und rüntzel dass bar war domailss kastanienbrün.“[2] Sein Spätwerk ist geprägt durch Altargemälde für Kölner Kirchen sowie den kurz vor seinem Tod entstandenen Kreuzigungsaltar in St. Andreas. Bruyn starb 1555. Ob der 22. April, vermerkt in den Rechnungsbüchern der Pfarrkirche St. Alban, sein Todes- oder Begräbnistag ist, bleibt unklar. Mit seinem Tod endet die produktivste Phase der Kölner Renaissancemalerei, die sich durch ein Festhalten an traditionellen Gattungen (Flügelaltar) und Themen (Heiligenreihe) bei einer gleichzeitigen Öffnung für neue Strömungen auszeichnet.

Werke[Bearbeiten]

  • 1515 Hausaltar für Professor Peter van Clapis und Bela, geb.Bonenberg. Ihre Porträts finden in den Innenseiten bei den Darstellungen von St.Ivo und St.Anna. Mitteltafel: Krönung Mariens. Außentafel: Verkündigung en gris, in Grisaille. 1891 bei Franz Hax, Köln. Sein Stil in der Feinheit der Darstellung erinnert Firmenich-Richartz bei diesem und den folgenden Werken an Joos van Cleve.
  • Madonna auf der Mondsichel mit Hl. Benedikt und Scholastika. 1891: Konsul Eduard Weber in Hamburg.
  • Altar: Dreifaltigkeit und Annaselbdritt, Museum Berlin, Nr.613, 613a.
  • Altar: Dreifaltigkeit und Annaselbdritt mit St.Gereon Konsul Weber, Hamburg.
  • Martyrium der Hl.Ursula, Museum Köln, Nr.219.
  • Verkündigung, Darmstadt, Nr.255.
  • Kreuzaltar für die Kartäuserkirche in Köln, Pinakothek München, Nr.68-72.

Diese Gemälde gehören zu seinem Frühwerk. Die Szenen werden von Landschaften hintermalt.

  • Maria und Johannes von einer Abtissin verehrt Museum Köln, Nr.304.
  • Auferstehung Christi mit Heiligen und Stiftern Kunibert Kirche, Köln. Die Seitentafeln mit Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten zeigen eine reifere Malerhand.
  • Madonna mit dem betenden Herzog von Cleve, Museum Berlin Nr.631. „Die flachen wie aus Holz gedrechslten Idealköpfe Bartehl werden nun runder, kürzer und derber, grelle farben leuchten aus einem bräunlichen Gesamtton hervor.[3]
  • 1520 Hermann und Sybilla Rinck Öl auf Eichenholz, Pyxis-Porträts, Miniaturbilder inkl. Wappen, Wallraff-Richartz Museum in Köln.[4] Bemerkenswert ist die Darstellung des Schattenbildnisses der jew. Dargestellten und des Schattenwurfs des Rahmens.
  • 1522-1525 8 Hauptaltar-Flügelbilder, Essen Damenstift
  • Johannes van Ryht Porträt des Kölner Bürgermeisters, 1891 in der Berliner Galerie
  • Ratsherr Martin im Hoefe Porträt
  • 1529-1534 8 Hochaltar-Gemälde, 4 große Flügelgemälde, eine mittelgroße halbkreisförmige Kreuzigungsdarstellung als Bekrönung. Die 3 kleinen Bilder im Mittelteil sind aus dem 19. Jahrhundert, St.Viktor in Xanten. Darstellungen: Hl. Helena mit Konstantin, Sylvester, Hl.Viktor, St.Gereon Ecce homo, Auferstehung. Die Holzarbeiten des Vierflügel-Reliquienaltars schuf Meister Wilhelm von Roermond aus Köln, 8 Gesellen waren an der Entstehung des Werks beteiligt. Bruyn verleiht den Physiognomien zeitgenössische Porträts.
Hochaltar St.Viktor, Xanten, 1534
  • 1545 Bürgermeister von Heymbach[5]
  • Bürgermeister Arnold Browiller († 4. Juli 1552), 2 Porträts
  • 1549 Heinrich und Hilgin/Helene Salzburg Doppelporträt, jede Tafel misst 82×55 cm. Der 27-jährige Heinrich Salsburg († 16. Juni 1553) ist Jurist, seine Frau 52 Jahre alt war eine Geborene Tyndarius und die Witwe des Bannerherrn der Fassbinder, Theis von Polhem. Er hatte sie vor 3 Jahren geheiratet.[6]
  • Dr. Peter van Clapis († 15. September 1551), Jurist. Bruyn porträtierte ihn mindestens 5 Mal. Sein Pyxis-Porträt, ein Miniaturbild inkl. Wappen aus dem Jahr 1537 befindet sich im Wallraff Richartz Museum in Köln.[7]
  • Hittorp Porträt
  • Kannegiesser Porträt
  • 1547 Bilderzyklus des Neuen Testaments
  • 1550/55 Triptychon: Die Anbetung der Könige (Mitteltafel), der hl. Georg (Innenseite, linker Flügel), der hl. Christophorus (Innenseite, r. Flügel), Verkündigung an Maria/Stifterfigur (Außenseite,l. Fl.), die Flucht nach Ägypten/Stifterfigur (Außenseite, r. Fl.), Öl auf Eichenholz. Auf den Außenseiten sind die Stifterfiguren von Gortzius Geldorp und die Verkündigung und Flucht nach Ägypten. 73×50 cm (Mitteltafel) | 71×21 cm (Flügel). Seit 1921 in dem Kunstmuseum Basel[8]
  • 1550 Christian von Weinsberg, posthumes Porträt in Öl auf Holz, vermutl. n.d.Zeichnung seines Werkstattmitarbeiters Meister Johan a.d. J.1539.
  • 1551 Witwe Christian von Weinsberg
  • 1551 Hermann und Grete von Weinsberg
  • Gemälde für den Altar in St.Johann Baptista, Pinakothek in München und Nürnberger Germanischem Museum.
  • Kreuzigung St.Andreas in Köln
  • Abendmahl St.Severin in Köln

Literatur[Bearbeiten]

  • Annekatrein Löw: Bartholomäus Bruyn: die Sammlung im Städtischen Museum Wesel. Städtisches Museum Wesel, Wesel 2002, ISBN 3-924380-65-1
  • Horst-Johannes Tümmers: Bartholomäus Bruyn der Ältere: 1493–1555 ; ein Maler vom Niederrhein. Rheinland-Verlag, Köln 1982, ISBN 3-7927-0646-6
  • Hildegard Westhoff-Krummacher: Barthel Bruyn der Ältere als Bildnismaler. München 1965
  • Horst-Johs (Johannes) Tümmers: Die Altarbilder des älteren Bartholomäus Bruyn. Mit einem kritischen Katalog. Köln 1964 (Zugl. Diss. Univ. Köln 1959)
  • Ausstellungskatalog: Barthel Bruyn: 1493–1555. Gesamtverzeichnis seiner Bildnisse u. Altarwerke. Gedächtnisausstellung aus Anlass seines 400. Todesjahres. Wallraf-Richartz-Museum, Köln 1955
  • Frank Günter Zehnder: Gotische Malerei in Köln, Altkölner Bilder von 1300–1550. 2. Aufl. Köln 1993
  • Wolfgang Braunfels: Bruyn, Bartholomäus der Ältere. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 692 (Digitalisat).
  • Oskar Eisenmann: Bruyn, Bartholomäus der Ältere. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 456 f.
  • Eduard Firmenich-Richartz: Bartholomaeus Bruyn und seine Schule. Eine kunsthistorische Studie. In: Beiträge zur Kunstgeschichte. Neue Folge XIV. E.A.Seemann, Leipzig 1891.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Cathryntgin/Katharina verh.mit Georgen van Lunen; Arnt verh.mit Gertruyden/Gertrud († 1580); Clairgin/Klara verh.mit Peter Bach; Bartholo/emeus und Mathias als Ordensname Paulus.
  2. Firmenich-Richartz, S. 18, Abb. S. 20.
  3. Firmenich-Richarz, S. 49f.
  4. Pyxis-Porträt; Von der Hausmarke zum Rinck-Wappen
  5. Kölnisches Stadtmuseum
  6. Wallraff-Richartz-Museum, Köln
  7. Pyxis-Porträt
  8. Agenda der St.Galler Kantonalbank (Übersicht über Sponsoring-Veranstaltungen 2014, nach Änderung der Webseite kein Beleg mehr für die Angabe, auch nicht in der Version von 2013 im Archiv)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bartholomäus Bruyn (I) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien