Base-Bleed-Geschoss

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Base-Bleed-Geschoss. Oben Blick auf den Boden des Geschosses mit den Auslassdüsen, unten Schnitt durch den hinteren Teil des Geschosses mit dem pyrotechnischen Gaserzeuger

Das Base-Bleed-Geschoss ist eine besondere, reichweitengesteigerte Art des Artilleriegeschosses. Sie erreicht die Reichweitensteigerung durch eine Verringerung des Bodensogs des Geschosses.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Reichweite eines Artilleriegeschosses hängt von verschiedenen Faktoren ab. In erster Linie wird sie von der Mündungsgeschwindigkeit des Geschosses, die wiederum von der Stärke der Treibladung und von der Rohrlänge abhängig ist, sowie vom Luftwiderstand des Geschosses während des Fluges beeinflusst. Deswegen gilt vereinfacht die Regel, dass eine höhere Mündungsgeschwindigkeit und niedrigerer Luftwiderstand die Reichweite vergrößern.

Da für eine Erhöhung der Mündungsgeschwindigkeit normalerweise konstruktive Veränderungen am Geschütz nötig sind, wird versucht, die Reichweite über die Munition zu erhöhen, um den Aufwand zu verringern. Dies führte zur Entwicklung von reichweitengesteigerter Munition. Dabei kann die vorhandene, konventionelle Munition weiterhin zur Bekämpfung näher gelegener Ziele verwendet werden.

Beeinflussende Arten des Luftwiderstandes[Bearbeiten]

Auf ein Geschoss wirken während des Fluges im Wesentlichen drei Arten des Luftwiderstandes ein:

  • Der Wellenwiderstand hat bei herkömmlichen Artilleriegeschossen einen Anteil von etwa 50 bis 60 Prozent am Gesamtwiderstand
  • Der Reibungswiderstand trägt zwischen 7 und 11 Prozent zum Gesamtwiderstand bei
  • Der Bodensog hat einen Anteil von 30 bis 40 Prozent. Er entsteht dadurch, dass hinter dem Geschoss durch den raschen Flug Wirbel entstehen, die für einen Unterdruck sorgen. Durch diesen Sog wird das Geschoss abgebremst.

Das Base-Bleed-Geschoss[Bearbeiten]

Base-Bleed-Geschosse besitzen im Heck einen pyrotechnischen Satz, der beim Abschuss gezündet wird. Er hat die Aufgabe, durch den Ausstoß von Verbrennungsgasen den Unterdruck hinter dem Geschoss zu reduzieren und somit den Bodensog zu verringern. Bei einer weiteren Vergrößerung des pyrotechnischen Satzes ergibt sich ein fließender Übergang zum Geschoss mit zusätzlichem Raketenantrieb.

Base-Bleed-Geschosse ermöglichen je nach Auslegung eine Reichweitensteigerung von etwa 20 bis 30 Prozent. Bei einem typischen NATO-Geschütz erhöht sich die Reichweite beispielsweise von etwa 23 auf etwa 28,5 km. Bei der Panzerhaubitze 2000 konnte die Reichweite mit einem kombinierten System von Base-Bleed und Raketensatz sogar um rund 40 Prozent auf 56 km gesteigert werden.[1]

Durch den Platz- und Gewichtsbedarf für den pyrotechnischen Satz verringert sich allerdings die Nutzlast des Geschosses. So kann ein Geschoss des NATO-Standardkalibers 155 mm in der konventionellen Ausführung 88 Bomblets tragen, mit Base-Bleed dagegen nur 64. Beim Kaliber 203 mm verringert sich die Anzahl von 180 auf 135. Dies entspricht in beiden Fällen einer Verringerung von etwa 25 Prozent.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung von KMWeg zur Reichweitensteigerung

Quellen[Bearbeiten]

  • Raimund Germershausen: Rohrartilleriesysteme. In: Neuzeitliche Artilleriesysteme. Forum der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik an der Artillerieschule in Idar-Oberstein am 6. u. 7. Oktober 1983. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1985, ISBN 3-7637-5603-5, S. 25–36 (Wehr und Wirtschaft 3).