Basil Zaharoff

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Sir Basil Zaharoff (griechisch Βασίλης Ζαχάρωφ, * als Βασίλειος Ζαχαρίας (Vasílios Zacharías), auch Zacharias Basileos Zacharoff, vermutlich 6. Oktober 1849 in Muğla, Türkei; † 27. November 1936 in Monaco) war ein griechischer Unternehmer, Waffenhändler und Mäzen.

Aufstieg[Bearbeiten]

Nach dem Schulbesuch und einem Stipendium arbeitete Basil Zaharoff im väterlichen Textilhandel, später beteiligte er sich an einer Kette von Textilgeschäften seinens Onkels. Beide Unternehmen liefen nicht gut, so dass Basil Zaharoff auch als Fremdenführer arbeitete und dabei seine Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch verbesserte, sowie zeitweise auch als Feuerwehrmann. Er emigrierte nach London.

Als Händler für Thorsten Nordenfelt[Bearbeiten]

1876 ließ er sich in Athen nieder, durch Vermittlung von Stephanos Skouloudis wurde Zaharoff am 14. Oktober 1877 als Generalvertreter für den Rüstungshersteller Nordenfelt für die Region Balkan und Orient engagiert. Zahlreiche Konflikte und Auseinandersetzungen, wie dem Griechisch-Türkischen Krieg oder dem Chinesisch-Japanischen Krieg, führten zu erfolgreichen Geschäftsabschlüssen von Zaharoff für die Firma Nordenfelt.

Als größte Konkurrenz für Nordenfelts Schnellfeuergewehre erwies sich die Erfindung des nachladenden Maschinengewehrs, des Hiram Maxim, doch bereits 1888 verschmolzen sich die beiden Firmen. Später wurde diese dann von Vickers übernommen. Das größte Projekt das er unter Dach und Fach brachte, war der gewaltige Bau eines Munitions- und Waffenarsenals in Zarizyn, der Vertrag wurde 1913 unterzeichnet.[1]

Thorsten Nordenfelt hatte ein gut steuerbares Unterseeboot konstruiert, welches er seinem Heimatstaat Griechenland in Ratenzahlung verkaufte. Die Türkei betrachtete die Unterzeichnung als Bedrohung und bestellte anschließend zwei Unterseeboote des gleichen Typs, diesen Kauf betrachtete dann Russland als Bedrohung und kaufte ebenfalls zwei Exemplare.

Nach dem ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem ersten Weltkrieg gingen die Rüstungsausgaben in den meisten europäischen Ländern und im nahen Osten zurück. Zaharoff beschäftigte sich mit dem Schiffsbau und dem Maschinenbau. Alfred Nobel verkaufte Basil Zaharoff die Patente für Dynamit, der mit der industriellen Herstellung des Sprengstoffs begann.[2] Davon profitierte besonders der Eisenbahn- und Straßenbau.[3]

Zaharov war davon überzeugt, dass dampfbetriebene Maschinen durch erdölbetriebene ersetzt werden würden.[4] Er half der Anglo-Persian Oil Company (heute: BP) auf dem französischen Markt Fuß zu fassen, und bekam im Gegenzug Transportaufträge für seine Öltanker.

Auf Vermittlung von Louis II. von Monaco übernahm Zaharoff die damals bankrotte Spielbank von Monte Carlo. Nach fünf Jahren als Buchhalter an der Spielbank in Monte Carlo - wo er aber nie an einem Spieltisch saß - zog er sich aus diesem aktiven Geschäft zurück. Mit 75 Jahren heiratete er am 22. September 1924 nach dreißigjähriger Bekanntschaft Maria del Pilar Antonia Angela Patrocinio Simona de Muquiro y Beruete, verwitwete Duchesse de Villafranca des los Caballeros.[5] Sie wohnten im Schloss Balincourt und in Monte Carlo.

Vermögen[Bearbeiten]

Laut dem Time-Magazine war der zweitreichste Mann John D. Rockefeller, Henry Ford, Hugo Stinnes oder Basil Zaharoff.[6] Sein Vermögen umfassten Minderheits- und Mehrheitsbeteiligungen an vielen Betrieben der Schwerindustrie, beispielsweise Maschinenbauunternehmen und Werften, darunter Vickers, Krupp und Škoda. Er galt zu seiner Zeit als bedeutendster Waffenhändler Europas.

Mäzenatentum[Bearbeiten]

Insider nannten Zaharoff aufgrund seiner Stiftungstätigkeiten für das Rote Kreuz und einen Arbeitslosenfond, den „roten Basil Zaharoff“.[7]

Ein Großteil seines Vermögen stiftete er im Laufe seines Lebens zu wohltätigen Zwecken, darunter:

  • Stiftung eines Lehrstuhls für Luftfahrt in Nantes, 1909[8]
  • Stiftung von 200.000 Francs zur Errichtung eines Militärhospitals in Biarritz, Frankreich, 1914.[9] [10]
  • Stiftung eines Lehrstuhls für Aerodynamik in Paris (Kosten: 700.000 Francs)
  • Initiative und Stiftung des Institut Pasteur à Athènes, 1919
  • Hilfe an Erdbebenopfer und Wiederaufbau der Stadt Korinth
  • Stiftung eines Gebäudes für die Griechische Botschaft in Paris
  • Stiftung eines Studiengangs Luftfahrt an der Universität St. Petersburg
  • Stiftung einer Professur für französische Literatur an der Universität Oxford und einer Professur für englische Literatur an der Sorbonne.
  • Stiftung einer halben Milliarde Goldfranc für die Verwirklichung der Megali Idea an den griechischen Staat.[11]

Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Légion d'honneur
  • Grand-officier de la Légion d'honneur (Großkreuz der Ehrenlegion)
  • Ernennung zum Ritter durch König George V.
  • Ehrendoktorwürde der Universität Oxford

Rezeption[Bearbeiten]

Zaharoff mied die Öffentlichkeit und ließ sich in seiner Zeit als Unternehmer nie fotografieren. Angeblich soll er sogar Doppelgänger beschäftigt haben. Er hatte den Ruf "the mystery man of Europe" zu sein.

Als Händler und später Fabrikant stellte er sich neutral und nie auf der Seite einer Kriegspartei, er belieferte auch entgegen persönlicher Ansichten die Gegenpartei. Als Freund von Venizelos war er ein Unterstützer dessen Megali Idea Griechenlands, was ihn nicht daran hinderte Waffen an Atatürks Streitkräfte zu liefern. Seine Belieferung beider Kriegsparteien, und ist immer wieder Gegenstand kritischer Dokumentationen und künstlerischer Themen.

In den 1930er Jahren erscheinen Publikationen die Zaharoff als Kriegshetzer darstellen. So wird auch behauptet Basil Zaharoff sei eigentlich ein litauischer Jude namens Manel Sahar gewesen,[12] eine Quelle von 1940 behauptet er sei ein levantinischer Jude names Zachariou. [13]. "In diesem Zusammenhang entlarvt der Autor auch die verbrecherische Rolle, die der Jude Sir Basil Zaharoff aus persönlicher Rache gegen die Achse Berlin-Rom gespielt hat." schreibt Bernhard Payr 1942. [14]

In Hergés Comic-Werk Der Arumbaya-Fetisch, tritt Zaharoff unter dem Namen Basil Bazaroff als Waffenhändler in Erscheinung, der versucht, seine Waffen den beiden verfeindeten Staaten „San Theodoros“ und „Nuevo-Rico“ zu verkaufen.

Carl von Ossietzky bezeichnete Zaharoff als "griechischen Abenteurer" aus dem Umfeld von David Lloyd George[15]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Lewinsohn: Der Mann im Dunkel – Die Lebensgeschichte Sir Basil Zaharoffs, des „mysteriösen Europäers“. (Originaltitel: The career of Sir Basil Zaharoff) Fischer, Berlin 1929. Aktuelle Ausgabe (Reprint): The Mystery Man of Europe Sir Basil Zaharoff, Kessinger Publishing, Whitefish, MT 2004, ISBN 978-1-4179-1689-4 (englisch).
  • Robert Neumann: Sir Basil Zaharoff, der König der Waffen. Bibliothek Zeitgenössischer Werke, Zürich 1934, K. Desch, München 1951; Neuauflage mit einem Vorwort von Anne Maximiliane Jäger-Gogoll und Johanes Maria Becker, Edition Flaschenpost / Wunderkammer, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-941245-07-5.
  • Peter Meyler: Geheimnis um Zaharoff. Kauf, Wien 1948.
  • Walter Persich: Zaharoff, der Dämon Europas. [Pappband] Schaffer, Berlin [1940] (ein Propagandabuch).
  • George Tallas, Anthony Stephen: Peddler of Wars: Sir Basil Zaharoff Story, AuthorHouse 2007, ISBN 978-1-425-99140-1 (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Lewinsohn, Der Mann im Dunkel : die Lebensgeschichte Sir Basil Zaharoffs des "mysteriösen Europäers", Berlin 1929, S. 113
  2. Bárbara Meyer: Gesellschaftliche Implikationen bundesdeutscher Nachkriegsfilme, 1964, S. 44
  3. Christian Reder (Herausgeber). Graue Donau, Schwarzes Meer: Wien, Sulina, Odessa, Jalta, Istanbul, S. 135
  4. Anthony Stephen, ‎George Tallas: Peddler of Wars: Sir Basil Zaharoff Story, S. 185
  5. Richard Lewinsohn, Der Mann im Dunkel : die Lebensgeschichte Sir Basil Zaharoffs des "mysteriösen Europäers", Berlin 1929, S. 218
  6. Time Magazine, eine Ausgabe von 1922
  7. Alice Rühle-Gerstel: Der Umbruch oder Hanna und die Freiheit, Fische 1984, S. 283
  8. Hans Manfred Bock, ‎Ilja Mieck: Berlin-Paris (1900-1933): Begegnungsorte, 2005, S. 289
  9. Otto Lehmann-Russbüldt: War for profits, 1930, S. 55
  10. Richard Lewinsohn: 'The man behind the scenes: the career of Sir Basil Zaharoff
  11. Hans Hallmann: Neugriechenlands Geschichte 1820-1948. H. Bouvier u Co., Bonn 1949, S. 132
  12. Das Neue Tage-Buch - Volume 4, Issues 27-52 - Page 1166
  13. Der achte Kreuzzug Unveröffentlichte Enthüllungen eines Britischen Stabsoffiziers (aus dem Englischen übertragen). S.25
  14. Bernhard Payr: Phönix oder Asche?: Frankreichs geistiges Ringen nach dem Zusammenbruch
  15. Carl von Ossietzky: Die Neue Weltbühne, Nr. 30, 16-30 - S. 611
  16. Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame. Tragische Komödie, Zürich: Diogenes 1998, S. 141.