Basilika Santa Chiara (Neapel)

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Santa Chiara.
Innenansicht

Santa Chiara ist ein ehemaliger Klarissenkonvent in Neapel und umfasst die Kirche Santa Chiara, ein angrenzendes Kloster und ein Archäologisches Museum. Die Kirche ist Grablege von neapolitanischen Königen aus den beiden kapetingischen Dynastien Haus Anjou und Haus Bourbon-Sizilien.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kloster wurde 1310–1340 unter Robert von Anjou von Gagliardo Primario erbaut. Die ursprüngliche Kirche, ein zweistöckiger Saalbau mit Balkendecke und zahlreichen Seitenkapellen, wurde im provenzalisch-gotischen Stil errichtet. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche von Domenico Antonio Vaccaro durch zahlreiche Um- und Anbauten durchgreifend barockisiert. Der Campanile wurde nach mehreren Einstürzen erst 1604 vollendet. Nachdem das Gebäude im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bombardements fast vollständig zerstört wurde, wurde es in der ursprünglichen gotischen Form und Schmucklosigkeit wieder errichtet. Die heutige Kirche ist eine nahezu vollständige Rekonstruktion.

Ausstattung[Bearbeiten]

Grab von Robert von Anjou über dem Hochaltar

Der Kirche hat weder Querhaus noch Chor, eine Wand mit Fenster schließt den Raum ab. Vier Mitglieder der Anjou sind in Grabmälern an der Altarwand bestattet. Darunter auch das ursprünglich vierstöckige Grabmonument von Robert von Anjou, das als größtes Königsgrab in Neapel zwischen 1343 und 1345 von den florentiner Bildhauern Bertini geschaffen wurde. Die meisten der Grabmonumente schuf Tino di Camaino.

Die Orgel wurde 1962 von der Orgelbaufirma Mascioni erbaut.[1] Das Instrument ist auf zwei Orgelkörper, links und rechts des Altars untergebracht. Es hat 40 Register (2327 Pfeifen) auf drei Manualwerken und Pedal. Die Trakturen sind elektrisch.

I Positivo C-c4
Corno di notte 8'
Flauto armonico 4'
Principale 4'
Ottava 2'
Quintina 11/3'
Cromorno 8'
Tremolo
II Grand'Organo C-c4
Principale 8'
Corno camoscio 8'
Flauto dolce 8'
Ottava 4'
Duodecima 22/3'
Quintadecima 2'
Ripieno V 11/3'
Tromba 8'
III Espressivo C-c4
Principale 8'
Bordone 8'
Viola dolce 8'
Fugara 4'
Flauto camino 4'
Nazardo 22/3'
Flautino 2'
Terza 13/5'
Larigot 11/3'
Ripienino V 2'
Oboe 8'
Tromba armonica 8'
Tremolo
Pedale C-g1
Acustico 32'
Basso 16'
Principale 16'
Subbasso 16'
Basso 8'
Principale 8'
Bordone 8'
Ottava 4'
Principale 4'
Flauto 4'
Doublette 2'
Fagotto 16'
Fagotto 8'
Fagottino 4'

Kreuzgang[Bearbeiten]

Kreuzgang

Eine besondere Sehenswürdigkeit ist der Kreuzgang Chiostro delle Maioliche, der als der schönste in Kampanien angesehen wird. Er wurde um die Mitte des 14. Jahrhunderts angelegt und 1739-40 zu einem Innenhof mit zentralem Wegekreuz umgebaut. Er wurde dabei mit einem Brunnenhaus, Begrenzungsmauern, Stützen und Bänken ausgestattet, die vollkommen mit ornamentalen und figürlichen Majolikabildern bedeckt sind. Die Fliesen wurden von Donato und Giuseppe Massa geschaffen, Schüler des Francesco del Grue, der 1716 als Kriegsgefangener im Castello Nuovo eingekerkert war.

Grablege[Bearbeiten]

Bedeutung erlangte die Kirche als Grablege der Könige von Neapel und Sizilien. Die drei hier bestatteten Könige wurden unter dem Altar, die restlichen Familienmitglieder in einer rechten Seitenkapelle bestattet. Folgende 48 Personen liegen hier begraben:

Gruft des Königshauses Bourbon-Sizilien
Bourbonengräber
  1. Prinzessin Maria Josefa (20. Januar bis 12. April 1742) – (Tochter von König Karl IV.)
  2. Prinzessin Maria Isabel (6. September 1740 bis 31. Oktober 1742) – (Tochter von König Karl IV.)
  3. Prinzessin Maria Isabel (30. April 1743 bis 17. März 1749) – (Tochter von König Karl IV.)
  4. Prinzessin Maria Teresa (29. November 1749 bis 29. April 1750) – (Tochter von König Karl IV.)
  5. Prinzessin Maria Anna (3. Juli 1754 bis 11. Mai 1755) – (Tochter von König Karl IV.)
  6. Prinz Carlo (4. Januar 1775 bis 17. Dezember 1778) – (Sohn von König Ferdinand I.)
  7. Prinzessin Anna (23. November 1775 bis 22. Februar 1780) – (Tochter von König Ferdinand I.)
  8. Prinz Giuseppe (18. Juni 1781 bis 19. Februar 1783) – (Sohn von König Ferdinand I.)
  9. Prinzessin Maria Cristina Amelia (17. Januar 1779 bis 26. Februar 1783) – (Tochter von König Ferdinand I.)
  10. eine unbenannte Prinzessin (19. Juli 1783) – (Tochter von König Ferdinand I.)
  11. Prinz Carlo Gennaro (12. April 1780 bis 2. Januar 1789) – (Sohn von König Ferdinand I.)
  12. Prinz Carlo (26. August 1788 bis 1. Februar 1789) – (Sohn von König Ferdinand I.)
  13. Prinzessin Clotilda (18. Februar 1786 bis 10. September 1792) – (Tochter von König Ferdinand I.)
  14. Prinzessin Enrichetta (31. Juli 1787 bis 20. September 1792) – (Tochter von König Ferdinand I.)
  15. Prinz Alberto (2. Mai 1792 bis 25. Dezember 1798) – (Sohn von König Ferdinand I.)
  16. Prinzessin Maria Isabella (2. Dezember 1793 – 23. April 1801) – (Tochter von König Ferdinand I.)
  17. Prinz Ferdinando (27. August 1800 bis 1. Juli 1801) – (Sohn von König Franz I.)
  18. Maria Klementine von Österreich (24. April 1777 – 15. November 1801) – (erste Gemahlin von König Franz I.)
  19. eine unbenannte Prinzessin (17. August 1819) – (Tochter von Prinz Leopoldo)
  20. Prinz Lodovico (19. Juli bis 7. August 1824) – (Sohn von Prinz Leopoldo)
  21. Ferdinand I., König beider Sizilien (12. Januar 1751 – 4. Januar 1825)
  22. eine unbenannte Prinzessin (5. Dezember 1829) – (Tochter von Prinz Leopoldo)
  23. Franz I., König beider Sizilien (19. August 1777 – 8. November 1830)
  24. Christina von Savoyen, Königin beider Sizilien (14. November 1812 – 31. Januar 1836) – (erste Gemahlin von König Ferdinand II.)
  25. Prinzessin Isabella (23.–24. März 1838) – (Tochter von Prinz Leopoldo, Herzog von Syrakus)
  26. Prinz Antonio (23. September 1816 bis 12. Januar 1843) – (Sohn von König Franz I.)
  27. Prinz Alberto (17. September 1839 bis 12. Juli 1844) – (Sohn von König Ferdinand II.)
  28. ein unbenannter Prinz (1848)
  29. Prinzessin Germania (1848)
  30. Maria Isabel von Spanien, Königin beider Sizilien (6.Juli 1789 bis 13. September 1848) – (zweite Gemahlin von König Franz I.)
  31. Prinz Emanuele (24.–26. Januar 1851) – (Sohn von Prinz Luigi, Graf von Aquila)
  32. Prinz Leopoldo, Herzog von Salerno (2. Juli 1790 bis 10. März 1851) – (Sohn von König Ferdinand I.)
  33. Prinz Giuseppe, Graf von Castro-Giovanni (4. März 1848 bis 28. September 1851) – (Sohn von König Ferdinand II.)
  34. Prinz Vincenzo (27. April 1851 bis 14. Oktober 1854) – (Sohn von König Ferdinand II.)
  35. Prinzessin Teresa (7. Januar 1855 bis 1. September 1856) – (Tochter von Francesco, Graf von Trapani)
  36. Prinzessin Amelia, Infantin von Spanien (4. November 1818 bis 6. September 1857) – (Gemahlin von Infant Sebastian von Spanien)
  37. Ferdinand II., König beider Sizilien (12. Januar 1810 – 22. Mai 1859)
  38. Prinzessin Leopoline (22. Juli 1846 bis 14. Februar 1859) – (Tochter von Prinz Luigi, Graf von Aquila)
  39. Prinz Ferdinando (25. Mai 1857 bis 22. Juli 1859)
  40. Anna von Sachsen, Großherzogin von Toskana (1836–1859) – (Gemahlin von Großherzog Ferdinand IV.)
  41. Prinz Leopoldo, Herzog von Syrakus (22. Mai 1813 bis 4. Dezember 1860) – (Sohn von König Franz I.)
  42. Maria Theresia Isabella von Österreich, Königin beider Sizilien (31. Juli 1816 bis 8. August 1867) – (zweite Gemahlin von König Ferdinand II.)
  43. Prinz Gennaro (28. Februar 1857 bis 14. August 1867) – (Sohn von König Ferdinand II.)
  44. Prinzessin Cristina (24. Dezember 1869 bis 28. März 1870) – (Tochter von König Franz II.)
  45. Prinz Leopoldo (24. September 1853 bis 4. September 1870) – (Sohn von Francesco, Graf von Trapani)
  46. Prinzessin Maria von Savoyen-Carignan (29. September 1814 bis 20. Januar 1874) – (Gemahlin von Prinz Leopoldo)
  47. Franz II., König beider Sizilien (16. Januar 1836 bis 27. Dezember 1894)
  48. Marie in Bayern, Königin beider Sizilien (4. Oktober 1841 bis 19. Januar 1925) – (Gemahlin von König Franz II.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Campanile und Kirchenschiff
  • Christoph Höcker: Golf von Neapel und Kampanien. DuMont-Kunstreiseführer, DuMont Buchverlag, Köln 1999. Erweiterte und aktualisierte Auflagen: 2000; 2004; 2006; 2008 (völlig überarbeitete Neuauflage); 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen zur Orgel (italienisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Santa Chiara (Naples) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

40.84661111111114.252833333333Koordinaten: 40° 50′ 47,8″ N, 14° 15′ 10,2″ O