Basilika St. Clemens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Basilika St. Clemens (Hannover))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Basilika St. Clemens
Auch nachts weithin sichtbar: Die beleuchtete Kuppel der Basilika

Die Basilika St. Clemens ist die katholische Hauptkirche von Hannover und das Zentrum des Regionaldekanats. Sie gehört heute zur Pfarrgemeinde St. Heinrich im Dekanat Hannover des Bistums Hildesheim.

St. Clemens war die erste katholische Kirche Hannovers nach der Reformation. Grundsteinlegung in der Calenberger Neustadt war am 6. Juli 1712, die Weihe am 4. November 1718. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 bei dem schwersten der Luftangriffe auf Hannover von Bomben zerstört und am 25. März 1945 erneut von Bomben getroffen.[1] Nach Kriegsende wurde die Kirche wiederaufgebaut und nach den ursprünglichen Plänen ihres Architekten, des Italieners Thomaso Giusti, mit der von ihm geplanten Kuppel ausgestattet. Sie ist in Norddeutschland die einzige Kirche mit rein italienischem Charakter.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

St. Clemens am nordwestlichen Stadtgraben der Calenberger Neustadt (Stadtplan von 1822)

Nach der Reformation war es auch in Hannover immer wieder zu Unruhen zwischen Altgläubigen und Lutheranern gekommen. Als sie 1533 eskalierten, flohen am 14. September des gleichen Jahres die Bürgermeister und fast alle Ratsherren in das benachbarte katholische Hildesheim. Das katholische Leben in Hannover erstarb, zumal der Rat der Stadt 1588 den Katholiken auch das Wohnrecht in der Altstadt entzog.

Als 1665 Herzog Johann Friedrich den Herzogsthron in Hannover bestieg, änderte sich die Situation; denn Johann Friedrich war vier Jahre zuvor bei einem Besuch in Assisi zum katholischen Glauben übergetreten. Bedienstete des Hofes, vor allem Franzosen und Italiener, bildeten die kleine katholische Gemeinde und feierten Weihnachten 1665 unter Leitung von Valerio Maccioni – sein Epitaph befindet sich in der Krypta der Basilika – den ersten katholischen Gottesdienst nach der Reformation. Am 28. Dezember 1679 starb Johann Friedrich, sein jüngerer Bruder Ernst August übernahm die Regierung. Zwar wandelte er das Recht der öffentlichen Religionsausübung für die Katholiken in ein privates Recht und ließ die Schlosskirche für den dort bis dahin gefeierten katholischen Gottesdienst schließen. Trotzdem versprach er freie Religionsausübung und erlaubte den Bau einer katholischen Kirche.

Diesen immer wieder hinausgezögerten Kirchenbau brachte der italienische Priester, Komponist und Diplomat Agostino Steffani voran. Steffani war 1688 als Hofkapellmeister in den Dienst von Ernst August getreten. 1707 empfing er in Bamberg die Bischofsweihe und im April 1709 wurde ihm das Vikariat von Ober- und Niedersachsen übertragen.

Steffani übertrug seinem Landsmann Tommaso Giusti Planung und Bauleitung der neuen Kirche. Giusti entwarf einen venezianischen Kuppelbau mit zwei flankierenden Türmen. Auf Kuppel und Türme musste schließlich mangels Finanzen verzichtet werden. Namenspatron der ersten nachreformatorischen Kirche Hannovers wurde der Namenspatron des damals regierenden Papstes, der heilige Clemens Romanus. Hintergrund: Papst Clemens XI. hatte sich in besonderer Weise für den Bau der Kirche eingesetzt und für ihre Finanzierung Geld gesammelt.

Nach den Zerstörungen durch die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche nach Plänen des Architekten Otto Fiederling von 1947 bis 1957 wieder aufgebaut,[3] (für knapp 1,7 Millionen Mark). Vorbereitende Arbeiten begannen bereits 1946, und am 23. November 1949 konnte Richtfest gefeiert werden.[4] Am 24. November 1957 wurde St. Clemens durch den damaligen Apostolischen Nuntius Aloysius Muench geweiht. Am 12. März 1998 erhob Papst Johannes Paul II. die Kirche mit dem Apostolischen Schreiben Inter sacras zur Basilica minor.

1967–1986 war Weihbischof Heinrich Pachowiak Bischofsvikar an St. Clemens. Sein Nachfolger als Propst war bis 1996 Joop Bergsma.

Seit dem 1. September 2010 gehört die Basilika zur Pfarrgemeinde St. Heinrich.

Ausstattung[Bearbeiten]

Der Altar der Basilika

Die Innenausstattung entspricht dem Schlichtheitsideal der 1950er Jahre. Bemerkenswert sind mehrere überlebensgroße Apostelfiguren aus dieser Zeit. Die Bronzeportale wurden von Heinrich Gerhard Bücker entworfen.

Unter der Oberkirche befindet sich die Krypta, die ursprünglich als Begräbnisstätte für verdiente Gemeindemitglieder diente. Unter anderem ist auch der Architekt der Kirche, Tommaso Giusti, dort bestattet. Heute werden in der Krypta Gottesdienste in kleinem Rahmen gefeiert.

Die Orgel von St. Clemens wurde 1973 von der Orgelbaufirma Johannes Klais (Bonn) erbaut. Das Instrument hat 32 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[5]

I Hauptwerk C–g3

1. Pommer 16′
2. Principal 8′
3. Rohrflöte 8′
4. Octave 4′
5. Blockflöte 4′
6. Quinte 22/3
7. Superoctave 2′
8. Cornett V (ab fis0) 8′
9. Mixtur V 11/3
10. Trompete 8′
11. Vox humana 8′
12. Clarion 4′
II Schwellwerk C–g3
13. Holzgedackt 8′
14. Gamba 8′
15. Schwebung (ab c) 8′
16. Principal 4′
17. Spillpfeife 4′
18. Waldflöte 2′
19. Larigot 11/3
20. Sesquialter II 22/3
21. Scharff IV
22. Holzdulcian 16′
23. Hautbois 8′
Pedal C–d1
24. Principal 16′
25. Subbass 16′
26. Gedecktbass 102/3
27. Octave 8′
28. Koppelflöte 8′
29. Octave 4′
30. Mixtur IV 22/3
31. Posaune 16′
32. Kopftrompete 8′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Spielhilfen: zwei freie Kombinationen, eine freie Pedalkombination, Setzeranlage

Glocken[Bearbeiten]

Der Nordturm birgt ein vierstimmiges Geläut in der Schlagtonfolge dis1–fis1–gis1–ais1. Die beiden größeren Glocken stammen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die anderen beiden goss die Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock (Gescher).

Epitaph im Frankfurter Dom, mit Erwähnung und Abbildung der St.-Clemens-Basilika Hannover

Varia[Bearbeiten]

Im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main befinden sich Grab und Epitaph des Erbauers der St.-Clemens-Basilika, Bischof Agostino Steffani. Das Marmorepitaph stifteten die Katholiken Hannovers aus Dankbarkeit für die Erbauung von St. Clemens. Die Kirche in ihrer ursprünglichen Form (ohne Kuppel) ist darauf abgebildet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Georg Aschoff: St. Clemenskirche. In: Hannovers Kirchen. 140 Kirchen in Stadt und Umland. Hrsg. von Wolfgang Puschmann. Hermannsburg: Ludwig-Harms-Haus 2005, S. 22–25, ISBN 3-937301-35-6.
  • Klaus Funke: Die Basilika St. Clemens, Hannover. Verlage Schnell & Steiner und Bernward, ISBN 978-3-7954-1326-2, Regensburg 2000.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Basilika Sankt Clemens (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Hermann Seeland: Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirchen in Hannover, in: Unsere Diözese in Vergangenheit und Gegenwart, S. 97. Hannover 1952.
  2. abgesehen von der sehr viel kleineren Markuskirche in Equord
  3. Helmut Knocke FIEDERLING, Adam Otto, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 116 u.ö.; online über Google-Bücher
  4. Hermann Seeland: Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirchen in Hannover, in: Unsere Diözese in Vergangenheit und Gegenwart, S. 98. Hannover 1952.
  5. Nähere Informationen zur Orgel von St. Clemens

52.3730555555569.7266666666667Koordinaten: 52° 22′ 23″ N, 9° 43′ 36″ O