Bassetthorn

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Bassetthorn
en.: basset horn, it.: corno di bassetto, frz.: cor de basset
Basset horn.png
Klassifikation Holzblasinstrument
mit Einfachrohrblatt
Tonumfang Tonumf-Bassetth.jpg
Verwandte Instrumente Klarinette

Das Bassetthorn ist der Vertreter der Tenorlage in der Klarinettenfamilie. Es transponiert in F, klingt also eine Quinte tiefer als notiert. Üblicherweise wird sein Part im Violinschlüssel geschrieben, in älteren Werken finden sich auch tiefe Bassetthornstimmen im Bassschlüssel. Diese allerdings sollen eine Quarte höher klingen als notiert, müssen also vom Musiker nach oben oktaviert gegriffen werden.

Aufbau[Bearbeiten]

Das Bassetthorn besteht wie die Klarinette aus fünf Teilen, die, abgesehen vom S-Bogen, der anstelle der Birne das Mund- mit dem Oberstück verbindet, auch die gleichen Namen tragen. Der Schallbecher ist aus Metall und bei modernen Instrumenten in „Pfeifenform“ aufwärts gerichtet wie bei der Bassklarinette. (Die Abbildung rechts zeigt ein älteres Instrument aus dem 19. Jahrhundert). Die Mechanik kann entweder nach dem Böhm-System oder in deutscher Griffweise gebaut sein. Sie unterscheidet sich wesentlich von derjenigen der Bassettklarinette.

Geschichte[Bearbeiten]

Um 1760 wurden die ersten Bassetthörner gebaut, damals noch in verschiedenen Stimmungen von D bis G. Da die tiefere Stimmung eine längere Luftsäule erforderte, wurden die ersten Instrumente in Form eines Halbkreises hergestellt, damit sie trotz ihrer Länge handlich blieben. Es ist anzunehmen, dass der Name Bassett-Horn einerseits von dieser charakteristischen Form herrührt, andererseits vom metallenen Schallstück, das die Klarinette nicht hatte. Eine weitere Verlängerung des Rohres wurde gewunden und in einem Holzquader am unteren Ende des Bassetthorns angebracht.

Später wurde die runde Form zugunsten einer abgewinkelten Bauart aus zwei geraden Teilen aufgegeben und das Klappensystem entwickelte sich parallel zur Klarinettenmechanik weiter. Eine kurzlebige Mischform zwischen Bassetthorn und Klarinette war die Bassettklarinette in A, für die Mozart sein Klarinettenkonzert ursprünglich komponierte; sie wurde von Anton Stadler, einem Freund Mozarts erfunden. Er erweiterte die normale Klarinette um vier tiefere Töne, nämlich Dis, D, Cis und C.

Die gestreckte, gerade Bauform, die das Bild rechts zeigt, begann sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts durchzusetzen. Zugleich erlebte das Instrument in diesen Jahrzehnten aber eine Abwertung, einerseits weil es zu leise für das romantische Orchester war, andererseits, weil sich die Bassklarinette durchzusetzen begann. Abgesehen von Richard Strauss, der das „altmodische“ Bassetthorn sehr gerne einsetzte, geriet das Instrument in Vergessenheit und wurde erst Ende des 20. Jahrhunderts wiederbelebt. Dies geschah zum einen in Verbindung mit der historischen Aufführungspraxis, aber auch mit der neu entstehenden Literatur für Klarinettenquartett (zwei Klarinetten, Bassetthorn und Bassklarinette).

Verwendung[Bearbeiten]

Der eigentümliche Klang des Bassetthorns, der dunkler, zarter und mischfähiger als der der Klarinette ist, wurde nur von wenigen Komponisten eingesetzt.

Besonders geliebt haben soll es aber Wolfgang Amadeus Mozart, der neben Bassetthorntrios (Divertimenti, KV439b) und -duos (KV 487) auch dreistimmige Kanzonetten für Gesang und Bassetthörner komponierte und es im Orchester gerne für religiöse Inhalte einsetzte: Im Requiem trägt es zur dunklen Orchesterfarbe bei und in der Zauberflöte wird es mit Sarastro und seinen Priestern in Verbindung gebracht. In Mozarts Oper La clemenza di Tito ist die Arie der Vitellia (Nr. 23) Non più dei fiori mit konzertierendem Solo-Bassetthorn komponiert. Weitere Solokonzerte aus der klassischen Epoche existieren von Alessandro Rolla, Carl Stamitz und Heinrich Backofen.

Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte zwei reizvolle Konzertstücke für Klarinette, Bassetthorn und Klavier und Richard Strauss setzte das Instrument in einigen seiner Opern und in der Bläserkammermusik ein. Hartmut Schmidt bearbeitete die Englischhornstimme seines Englischornquartetts für Bassetthorn, weiter wird in seinen Postkastengeschichten zur Charakterisierung des Frosches das Bassetthorn verwendet, das Stück: „Einige Ländler“ für 2 Klarinetten und Fagott wurde auch für 3 Bassetthörner bearbeitet.

Exemplarisch für die Renaissance des Instruments Ende des 20. Jahrhunderts stehen die Werke, die Markus Stockhausen für die Musikerin Tara Bouman komponierte („TARA für Bassetthorn solo“, „PORTRAIT FOR TARA - for basset horn and ensemble“). Auch sein Vater Karlheinz Stockhausen verwendete das Bassetthorn, unter anderem auf der Bühne als Figur der „EVA“ in seinem Licht-Opernzyklus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Grass, Dietrich Demus, Das Bassetthorn. Seine Entwicklung und seine Musik. 2. Aufl. 2004,ISBN 3831144117.
  • Josef Saam, Das Bassetthorn - seine Erfindung und Weiterentwicklung., 1971, B. Schott, Mainz