Basteln

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Origami-Kranich
Kinderkunstwerk aus Papierschnipseln
Ein Eisbär aus Perlen

Basteln ist eine handwerkliche Tätigkeit, bei der man versucht, aus den vorhandenen Materialien mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ein nicht klar definiertes Ziel zu erreichen. Es ist demnach eine spielerische Herangehensweise, die Phantasie, Kreativität und Improvisationstalent erfordert.

Die Methode der Bastelei wird in der modernen Welt hauptsächlich noch als Hobby ausgeführt, während sie früher und in „naturnahen Kulturen" eine wichtige Quelle der Erfahrung war. Claude Lévi-Strauss schuf dafür den Begriff „Wildes Denken". Als didaktisches Konzept der Früherziehung findet Basteln im deutschsprachigen Raum im Rahmen des Werk- und Textilunterrichts Platz.

Hintergrund[Bearbeiten]

Basteln ist ein wertvolles Erziehungsmittel, da sich im Spiel handwerkliche Fähigkeiten erlernen lassen und der Spieltrieb dadurch gefördert wird. Basteln unterscheidet sich vom Handwerk insofern, als die Tätigkeit des Herstellens an sich bereits den Zweck der Tätigkeit (meist Spaß zu haben) erfüllt, nicht der späteren Besitz des hergestellten Gegenstandes. Für die Kinderentwicklung hat Basteln einen hohen Stellenwert, da das taktile Erfassen der Umwelt und überhaupt manuelle Fertigkeiten wichtig sind, Unterentwicklungen in späteren Lebensphasen aber nur schwer kompensiert werden können. Einige Museen bieten im Bereich der Museumspädagogik teilweise auch Bastelnachmittage für Familien an.

Es ist jedoch auch ein Überbegriff für kreative Hobbys, die experimentell betrieben werden. Oft richten sich Bastler einen eigenen Raum z. B. im Keller des Hauses als Werkstatt bzw. Hobbyraum ein, um dieser Tätigkeit ungestörter nachgehen zu können, ohne Angst um wertvolle Einrichtungsgegenstände haben zu müssen.

Materialien[Bearbeiten]

Die Materialien können völlig unterschiedlich sein: Perlen, Stoffe, Polystyrol, Tontöpfe, Flötenreiniger, Altpapier, Kunstfell, Lederbänder, Gips, Plexiglas, Glas, Holz, Metall, Papier, Pappe oder Stein; es gibt aber auch viele Bastler, die Gegenstände aus Kronkorken, Bierdeckeln oder Zündhölzern und noch mehr herstellen. Die Grundstoffe fürs Basteln findet man oft im Baumarkt oder in speziellen Bastelfachgeschäften. Auch einige Versandhäuser haben sich auf den Vertrieb von Bastelmaterialien spezialisiert.

Basteln für und mit Kinder(n)[Bearbeiten]

Kinder sind immer auf der Suche nach neuen Dingen; wer auf die Bedürfnisse der Kinder eingeht, ist in der Lage, seine Zöglinge zu fördern. Durch das Basteln mit Kindern erreicht man viel mehr, als man für möglich hält: Vertrauen in die eigene Kreativität, Entdecken der Möglichkeiten des eigenen Könnens, Entwickeln von verschiedensten Ausdrucksmöglichkeiten, Sprachbefähigung und mathematisches Vermögen. Diese Aspekte kann man mit einfachen Bastelideen fördern. Es kann mit verschiedensten Materialien gearbeitet werden. Man kann mit den verschiedensten Dingen unterschiedliche Sachen herstellen. Basteln mit Fundsachen, z. B. Lebensmitteln, Recyclingmaterial, Sand, Steine, Rinde. Als Naturkunst oder „Land Art“ wird das Basteln mit Naturmaterialien im Außenraum bezeichnet. Es bietet sich an, dass man der Kreativität der Jahreszeit entsprechend freien Lauf lässt. Zu Beginn des Frühjahrs schmücken lustige Clowns, fröhliche Käfer und flotte Bienchen Tisch und Frühlingsstrauß. Im Sommer kann man Sommerkappen, Girlanden für Feste, Windmühlen usw. basteln. Im Herbst bieten sich viele Naturmaterialien wie beispielsweise Kastanien an, um daraus Igel und Eichhörnchen zu basteln. Im Winter schmücken Sterne und Weihnachtskugeln den Christbaum. Viele Bastelideen sind einfach, verblüffend und leicht nachzumachen.

Übersicht kreativer Bastelarbeiten[Bearbeiten]

Handarbeitsgruppe mit traditionellen Spinnrädern, 1988

Gehörten früher Handarbeiten (Stricken, Häkeln, Nähen) und Werkarbeiten (Schnitzen, Streichholz- und Kronkorken-Arbeiten) zu den geschlechterabhängig betriebenen Bastelarbeiten, so ist das heutige Basteln immer weniger auf ein spezifisches Geschlecht bezogen. In neuerer Zeit gehören zum Basteln auch spezielle Techniken wie Serviettentechnik, Window-Color, Tontopffiguren, Scoubidou, Grußkarten, Freundschaftsbänder, Perlentiere.

Für die Serviettentechnik werden Gegenstände mit der obersten Serviettenschicht (der Druckschicht) verziert und mit Klarlack mit dem Untergrund verbunden. Window-Color bezeichnet klassische Fenstermalfarben, die in kleinen Plastikfläschchen verkauft werden – zuerst wird eine Randlinie gesetzt, dann mit einer Füllfarbe das Motiv ausgefüllt. Mit den neuen Fenstermalfarben können abziehbare, wiederverwendbare Fensterbilder geschaffen werden. Tontopffiguren werden aus den gebrannten Tontöpfen hergestellt, die sonst in der Gartenarbeit Verwendung finden. Ebenfalls eine Verbindung von Basteln mit einem künstlerischen Hauch findet man bei Mobiles. Das gilt auch für das kreative Gestalten von Traumfängern. Mit der japanischen Papierfalttechnik Origami können auch komplizierte Gegenstände aus einem Stück Papier gestaltet werden. Weniger frei ist man beim Kartonmodellbau (oder Modellbaubögen), wo man nur vorgegebene Modelle nachbauen kann.

Scoubidous sind aus Plastikbändern hergestellte Schlüsselanhänger; sie werden mittels einer besonderen Flechttechnik hergestellt. Freundschaftsbänder werden aus Nähgarnen geflochten und an Freunde verschenkt – mit etwas Geschick lassen sich Namen und Formen einflechten. Perlentiere werden aus Perlen und Draht oder Plastikfaden hergestellt – durch Auffädeln der Perlen in genauer Reihenfolge entstehen so 3D-Objekte wie ein Rabe, eine Schildkröte oder Weihnachtsmänner. Auch das Basteln mit Materialien aus der Natur ist möglich. Beim Kastanienmännchenbasteln werden z. B. Rohstoffe (Samen des Rosskastanienbaums) aus der Natur verwendet und mit Alltagsgegenständen kombiniert (Schnüre, Streichhölzer etc.). Neben der Herstellung von Gefäßen aus Ton (Töpferei) bieten Materialien wie FIMO neue Möglichkeiten. Die Herstellung von Fantasy- und Tierfiguren fällt durch die vorgefärbten Materialien leicht, ein Brennofen ist nicht mehr nötig.

Basteltechniken[Bearbeiten]

Je nach Zeitalter waren immer die Sparten beliebt, die – doch vor allem für Jungen – im Spiel die jeweils aktuellen High-Tech-Trends widerspiegelten. Das begann mit Metallbaukästen und Anker-Steinbaukästen sowie Modell-Dampfmaschinen, später ging es über zu Bauelementen aus Kunststoff (z. B. Lego oder fischertechnik) und Modelleisenbahnen. Heute ist man entsprechend der technischen Entwicklung bei Elektronikbasteln und Basteln rund um den Computer – z. B. Casemodding sowie Car-Tuning – angelangt; aber auch Software-Erstellung (Programmierung) kann im weitesten Sinne mitgezählt werden. Eine Gruppe dieser Bastler nennt sich Maker. Modellbau spielt heute eine geringere Rolle als früher. Besonders gute Angebote unter kommerziell vertriebenen Baukästen ließen schon immer der Kreativität breite Freiheiten und engten den Benutzer nicht zu sehr auf den Nachbau eines bestimmten Gegenstands ein.

Basteln in verschiedenen Ländern[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Anders als im deutschsprachigen Raum, wo „Basteln“ oft als – zwar pädagogisch wertvolle, aber mit wenig Prestige verbundene – Kinderbeschäftigung klassifiziert wird, gilt Arts and Crafts in den Vereinigten Staaten als ernsthaftes Hobby mit hohem kunsthandwerklichen Anspruch, das besonders bei Frauen außerordentlich beliebt ist. Kaufhausketten, die auf entsprechenden Fachbedarf spezialisiert sind (wie Michaels, A. C. Moore, Hobby Lobby, Ben Franklin Stores und Jo-Ann Fabrics), sind in den USA ähnlich verbreitet wie z. B. Garten- und Baumärkte oder Fachkaufhäuser für Küchenbedarf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bock, Erika: Das Bastelbuch für kleine Hände – Die schönsten Ideen im Jahreslauf, Freiburg im Breisgau 2004, christopherus-verlag
  • Claude Lévi-Strauss: Das wilde Denken, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1968, 7. Aufl. 1989
  • Panagiotis Loudrias: Design as Bricolage - Anthropology Meets Design Thinking, Published in Design Studies Vol 20, Oktober 1999 S. 517-535
  • Martin Herzog: La Dialectique du Bricolage, In: Basteln, Tüfteln, Improvisieren ...., 11. Mai 2007, online auf brainworker.ch
  • Prof. Dr. Franz Liebl: Unbekannte Theorieobjekte der Trendforschung (XLII): Der Bastler als Schnittstelle von Cultural Studies, Soziologie und Marketing
  • Prof. Dr. Iris Kohlhoff-Kahl: Hand-Arbeit macht klug. Vom Werken und Basteln und wild „denkenden“ Händen
  • WDR 3 open: pop drei Ingo Kottkamp, Gunnar Luetzow: Schöne Sachen selber machen – Das Leben als Bastelbogen

Siehe auch[Bearbeiten]