Bastheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bastheim
Bastheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bastheim hervorgehoben
50.410.2284Koordinaten: 50° 24′ N, 10° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Rhön-Grabfeld
Höhe: 284 m ü. NHN
Fläche: 41,75 km²
Einwohner: 2126 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97654
Vorwahlen: 09773 - 09775
Kfz-Kennzeichen: NES, KÖN, MET
Gemeindeschlüssel: 09 6 73 116
Gemeindegliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gemeinde Bastheim
Obergasse 20
97654 Bastheim
Webpräsenz: www.bastheim.de
Bürgermeisterin: Anja Seufert (CSU)
Lage der Gemeinde Bastheim im Landkreis Rhön-Grabfeld
Fladungen Hausen (Rhön) Bundorfer Forst Burgwallbacher Forst Forst Schmalwasser-Nord Forst Schmalwasser-Süd Mellrichstadter Forst Steinacher Forst rechts der Saale Sulzfelder Forst Weigler Willmars Nordheim vor der Rhön Sondheim vor der Rhön Stockheim (Unterfranken) Mellrichstadt Mellrichstadt Ostheim vor der Rhön Oberelsbach Bischofsheim an der Rhön Bischofsheim an der Rhön Sandberg Schönau an der Brend Hohenroth Niederlauer Burglauer Strahlungen Salz (Unterfranken) Bastheim Oberstreu Unsleben Wollbach (Unterfranken) Bad Neustadt an der Saale Heustreu Hendungen Hollstadt Rödelmaier Wülfershausen an der Saale Höchheim Saal an der Saale Aubstadt Herbstadt Trappstadt Großeibstadt Großbardorf Sulzfeld (im Grabfeld) Bad Königshofen im Grabfeld Bad Königshofen im Grabfeld Sulzdorf an der Lederhecke Thüringen Landkreis Haßberge Landkreis Schweinfurt Hessen Landkreis Bad KissingenKarte
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Bastheim (Mundart: Bosde) ist die größte Gemeinde im Besengau im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld.

Die Bezeichnung Besengau erklärt sich aus der Tätigkeit des Besenbindens aus Reisern (=Zweigen) der Birke, die aus wirtschaftlicher Not von der Bevölkerung in den Wintern des 18. und 19. Jahrhunderts ausgeübt wurde.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Bastheim liegt in der Region Main-Rhön. Geographisch entspricht die Gemeinde Bastheim mit ihren Ortsteilen weitestgehend dem sogenannten Besengau, mit dem gleichnamigen Dorf Bastheim als Zentrum im Tal der Els.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Bastheim gliedert sich in acht Ortsteile[2]:

Es gibt die Gemarkungen: Bastheim, Braidbach, Reyersbach, Rödles, Unterwaldbehrungen, Wechterswinkel und Wechterswinkeler Forst.

Geschichte[Bearbeiten]

Gräberfunde aus der Bronzezeit und Hallstattzeit in der Bastheimer Flur bezeugen kulturelle Aktivitäten bereits ca. 1800 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung.

Um 700 begann das Vorrücken der Franken nach Osten (bezeugt durch Ortsnamen mit der Endung ..."heim"), von denen die Thüringer (von ihnen stammen ältere Gründungsbezeichnungen ..."ungen") bis zum Rennsteig, der im Mittelalter die fränkische Grenze war, zurückgedrängt wurden. Bastheim kann man sich zu diesem Zeitpunkt als eine kleine besiedelte Waldlichtung an einem Bachlauf vorstellen.

Das Ortsadelsgeschlecht der Herren von Bastheim ist seit dem Jahr 1180 nachweisbar, und stellte im ausgehenden Mittelalter langfristig maßgebliche "Beamten" im Verwaltungsapparat für den Klerus des Fürstbischofs in Würzburg. Überregionale Bedeutung für den Besengau hatte im Mittelalter auch das säkularisierte Zisterzienserkloster in Wechterswinkel.

1525 eroberten Bastheimer Bauern im Zuge des Deutschen Bauernkrieges die Hildenburg und zerstörten diese völlig. Angeblich seien die Aufständischen der Meinung gewesen, dort befände sich der Reformator Martin Luther, und hätten die Burg dem Erdboden gleichgemacht, als sie ihn nicht gefunden hätten. Dabei dürfte es sich jedoch um eine später entstandene Legende handeln, da keinerlei historische Hinweise für dieses Motiv der Bauern gibt.

Infolge des Wiener Kongresses wurde ein großer Teil von Franken und damit auch Bastheim zugunsten Bayerns 1805 an Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen und fiel mit diesem 1814 im Ersten Pariser Frieden endgültig an das Königreich Bayern. Das Geschlecht der Freiherren von Bastheim starb im Jahre 1848 aus. Im Jahre 1856 erfolgte der Abriss des alten Wasserschlosses der Herren von Bastheim, 1869 die Errichtung der Pfarrkirche St. Sebastian.

Bastheim von Süden (2007), im Hintergrund die Rhön

Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die politische Gemeinde Bastheim.

In der Zeit der NS-Diktatur wurde die Synagoge der Jüdischen Gemeinde am Auweg 1 beim Novemberpogrom 1938 geschändet und die Kultgegenstände wurden vernichtet. Am Gebäude, das heute von der Kolpingsfamilie genutzt wird, erinnert eine Gedenktafel an dieses Geschehen.[3]

Überregionale Bedeutung hat Bastheim heute durch den 2 km nördlich der Kerngemeinde benachbarten Heimathof Simonshof. Hier betreut die Caritas Frauen und Männer aus gesellschaftlichen Randgruppen.

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Braidbach, Reyersbach, Rödles und Unterwaldbehrungen eingegliedert.[4] Am 1. Mai 1978 folgte die Eingemeindung von Wechterswinkel.[5]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bastheim im Luftbild 1999

Wirtschaft und Landwirtschaft, Tourismus[Bearbeiten]

Wie in allen ländlichen Regionen ist auch in Bastheim die ehemals vorhandene Infrastruktur der Wirtschaft stark auf dem Rückzug. Von den vor wenigen Jahrzehnten in der Kerngemeinde Bastheim ortsansässigen zwei Bäckereien, zwei Metzgereien, zwei Gastwirtschaften, vom Schuster, Büttner und allen anderen übrigen Handwerksbetrieben der wirtschaftlichen Infrastruktur ist in den vergangenen Jahren wenig übrig geblieben, bedingt auch durch die starke Attraktivität der jetzt mit dem Auto erreichbaren nahen Städte. Hauptarbeitgeber für die Bastheimer Bevölkerung sind somit die noch verbliebenen ortsansässigen Handwerksbetriebe und die mittelständischen Unternehmen und Großbetriebe in den benachbarten Städten wie Bad Neustadt oder Mellrichstadt.

Auch in Bastheim blieb die Landwirtschaft vom „Bauernsterben“ in den vergangenen Dekaden nicht verschont. War nach dem letzten Weltkrieg noch nahezu jeder Hof der Gemeinde überwiegend ein Vollerwerbsbetrieb in der Landwirtschaft, mit zusätzlicher saisonaler Nebentätigkeit (im Sommer Bauer, im Winter Waldarbeiter oder Schnitzen und im Frühjahr in den Steinbruch zum Hausbau) so sind derzeit nur noch vier in Land- und Forstwirtschaft tätige Vollbetriebe gemeldet.

Tourismus und Fremdenverkehr in einem größeren Maßstab konnte sich in Bastheim nicht etablieren, es gibt aber einige Gästehäuser und Fremdenzimmer.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Bastheim hat eigene Kindergärten in den Ortsteilen Bastheim und Reyersbach. In der Kerngemeinde Bastheim gibt es eine Grundschule. Im Dorfgemeinschaftshaus in Rödles ist eine Gemeindebücherei eingerichtet, die Öffnungszeiten werden im Amtsblatt mitgeteilt.[6]

Kultur[Bearbeiten]

Sebastiansbrunnen im Osterschmuck (2007)

Historisch bedingt ist Bastheim und der Besengau als Teil der Rhön kulturell Unterfranken zugehörig und entsprechend geprägt.

Die Sprache des "Bosdemers" ist Unterfränkisch mit starkem Rhöner Zungenschlag.

Begegnungsstätten[Bearbeiten]

  • Besengauscheune in der Kerngemeinde mit wechselnden Veranstaltungen
  • LandStadt Haus im Ortsteil Rödles, kultureller Dialog
  • Kulturspeicher: Kultur- Begegnungsstätte für den Landkreis im ehemaligen Kloster Wechterswinkel

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Vereinsleben[Bearbeiten]

Die gesellschaftliche und kulturelle Hauptaktivität in der Gemeinde geht überwiegend von den Vereinen aus, daher im folgenden eine Liste:

  • Bastheim ist regionale Faschingshochburg. Die Karnevalsgesellschaft "Ba-Ka-Ge", gemeinsam betrieben von den Vereinen TSG und Kolping, organisiert mit Unterstützung der gesamten Dorfbevölkerung Faschingsveranstaltungen nach "rheinischer Art" wie Prunksitzungen, Faschingstänze und Kinderfasching.
  • Die TSG Bastheim, die Turn- und Sportgemeinschaft, ist der zahlenmäßig größte und auch aktivste Verein; das Vereinsheim mit den Sportplätzen liegt auf dem Spielberg ca. 1 km nördlich der Ortschaft;
  • Der Musikverein Bastheim versammelt die Blasmusiker, das Vereinsheim ist im Rathaus untergebracht;
  • Der Bastheimer Zweigverein des Rhönklubs ist ebenfalls im Rathaus untergebracht;
  • Die Kolpingsfamilie hat ihr Vereinsheim am Mühlbach;
  • Die Freiwillige Feuerwehr Bastheim hat ihr Feuerwehrhaus in der Geckenauer Straße
  • Der Kleintierzuchtverein hat sein Vereinsheim in einem Nebenflügel des Rathauses;

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Ein überregional bedeutender Künstler aus Bastheim ist der Holzbildhauer Josef Gerngras. Geboren am 12. Oktober 1894 in Bastheim, gehörte er zu einer Generation, die zwei Kriege erleben musste. Überwiegende Wirkungsstätte eines entsprechend wechselvollen Lebens des selbstständigen Künstlers war der Würzburger Raum. Verstorben ist Josef Gerngras am 10. Januar 1959.

Ausgeführte Objekte in Bastheim sind in der Pfarrkirche die Christkönigsstatue, die Bruder-Konrad-Statue und das Kruzifix mit den Kriegergedächtnistafeln. Weitere ausgeführte Objekte in der näheren Umgebung sind in der kath. Pfarrkirche in Salz (ECCE HOMO) und in Heustreu (Tragmadonna und Christkönig in der Pfarrkirche) zu besichtigen.

  • Ortsansässig und berufstätig in Wechterswinkel war der Schullehrer, Schriftsteller, Mundart- und Heimatdichter Georg Trost (1906-1968), der mit viel Phantasie historische Geschichten und Sagen aus der Rhöner Heimat erzählte.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bastheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111120/175758&attr=OBJ&val=1588
  3. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 119.
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 520.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 741.
  6. Gemeindebücherei