Bastonade

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Bastonade. Iran, frühes 20. Jahrhundert

Unter Bastonade oder Bastinado (franz. bastonnade, ital. bastonata = Stockhieb, zu: bastonare = prügeln, zu: bastone = Stock)[1] versteht man eine sehr alte Erscheinungsform der körperlichen Züchtigung bzw. Prügelstrafe, die in sehr vielen Staaten weltweit praktiziert wurde und bis heute wird, jedoch durch die Medien zumeist mit nahöstlichen und fernöstlichen Ländern in Verbindung gebracht wird. In China wird die Bastonade seit dem Jahr 960 praktiziert, in Europa findet sie im Jahr 1537 die erste Erwähnung.[2] Im Arabischen ist der Begriff auch als Falaka bekannt. Im deutschen Sprachraum wurde früher auch der Begriff Sohlenstreich verwendet, vgl. Mozarts Zauberflöte, siehe unten. Im englischen Sprachraum wurde zeitweilig der Begriff booting verwendet.[3]

Anwendung [Bearbeiten]

Die Bastonade wird bis heute entsprechend häufig gerade dort verwendet, wo die hiermit zu züchtigenden Menschen aus unterschiedlichen Gründen von vornherein barfüßig sind. Im Zeitalter der neuzeitlichen Sklaverei etwa in Brasilien oder den amerikanischen Südstaaten wurde die Bastonade dort angewendet, wo ein sogenanntes "sauberes Schlagen" (clean beating) geboten war. Bei weiblichen Sklavinnen sollte eine "Wertminderung" vermieden werden, welche ggf. infolge von Narbenbildung durch ein reguläres Auspeitschen eintreten konnte. Somit wurde bei Frauen ausweichend die Bastonade verwendet, da diese Methode in der Schmerzverursachung nicht minder effektiv war, jedoch bei gekonnter Ausführung mit geeignetem Schlaginstrument keinerlei dauerhafte Verletzungen zurück blieben.[4] Die Bastonade wurde und wird bis heute bei Verhören von Geheimpolizeien oder im Rahmen kriegerischer Auseinandersetzungen eingesetzt. So wurde diese innerhalb der französischen Sûreté zur Erlangung von Geständnissen eingesetzt, von britischen Besatzern in Palästina verwendet sowie in Venezuela, dem französisch besetzten Algerien, in Südafrika und von US-Soldaten in Vietnam. Routinemäßig kam die Bastonade in griechischen Gefängnissen zum Einsatz, so berichten 83% aller inhaftierten Personen im Jahre 1967 von einer Züchtigung nach dieser Methode. Von der spanischen Guardia Civil wurden 39% der Inhaftierten auf diese Weise geschlagen. Um die studentische Bewegung in Griechenland einzuschüchtern, wurde diese Methode dann allgegenwärtig eingesetzt, da praktisch keine sichtbaren Spuren mehr festzustellen waren, sobald die so gezüchtigten Studenten aus der Haft entlassen wurden. Weitere Staaten, in denen die Bastonade zum Einsatz kam bzw. kommt sind Syrien, Israel, die Türkei, Marokko, Iran, Ägypten, Irak, Libyen, Libanon, Tunesien, Yemen, Saudi-Arabien, Kuwait, Brasilien, Argentinien, Nicaragua, Chile, Südafrika, Rhodesien/Simbabwe, Paraguay, Honduras, Bolivien, Äthiopien, Somalia, Kenia, Kamerun, Mauritius, Philippinen, Südkorea, Pakistan und Nepal. In Europa wurde bzw. wird sie in Zypern, Polen, Litauen, Bulgarien, Georgien, Ukraine, Portugal, Mazedonien, Slowakei und Kroatien gegenüber Gefangenen eingesetzt.[5] Im kolonialen Indien wurde die Bastonade im Zusammenhang mit Steuervergehen angewendet[6], in französischen Gefängnissen in Neukaledonien kam sie zum Einsatz, die ungarische sowie jugoslawische Polizei verwendete diese in den 1930er Jahren, das NS-Regime setzte die Bastonade im besetzten Dänemark und Norwegen gegenüber Einheimischen ein, die rumänische Polizei gegenüber Gefangenen bis zum Ende der kommunistischen Ceaușescu-Diktatur.[7]

Geschlagen wird, meist mit einer Rute, Schlaggerte oder einem Stock, auf die bloßen Fußsohlen der zu strafenden Person, deren Füße nach nahöstlicher Methode an einen Balken geschnürt und mit ihm emporgehoben werden. Im Bericht von amnesty international vom September 1987 File on Torture (in Turkey) wird diese am häufigsten angewandte Methode (tr: falaka) bildlich gezeigt und beschrieben, dass hierzu nur ein Stuhl und ein Seil notwendig ist, um die Füße zu fixieren. Es waren und sind jedoch in anderen Kulturen verschiedene Arten üblich, die zu strafende Person für die Bastonade zu fesseln und die Züchtigung auszuführen. In Konzentrationslagern und Frauengefängnissen des NS-Regimes, in welchen Inhaftierte häufig von vornherein barfüßig gefangen waren, wurde die Bastonade standardmäßig als Züchtigung für Verfehlungen im Vollzug wie auch bei Verhören praktiziert. Die inhaftierte Person wurde hierfür zumeist bäuchlings auf einer Prügelbank oder einem langen Brett festgeschnallt, dass die Fußrücken flach auflagen und die Fußsohlen nach oben wiesen. Die Hände wurden auf dem Rücken eng zusammengebunden und Fußgelenke wie Oberkörper durch Lederriemen auf der jeweiligen Unterlage fixiert.[8] Geschlagen wurde mit verschiedenen Instrumenten. So kamen u. a. der Ochsenziemer, Lederriemen oder Rohrstock zum Einsatz.[9] Die mit der Bastonade zu züchtigende Person wurde und wird bei allen kulturell verschiedenen Ausprägungen jedoch grundsätzlich in einer Weise gefesselt, die ihr keine Möglichkeit lässt, sich den oftmals in hoher Zahl wiederholt erfolgenden Hieben zu entziehen oder im Schmerzreflex die Füße aus der Position zu bewegen. Hierdurch sollen vor allem ungewollte ernste Verletzungen vermieden werden, die durch unpräzise Ausführung drohen. Die Schläge erfolgen zumeist in den Bereich des weichen Fußgewölbes zwischen Ferse und Ballen, welcher die höchste Schmerzsensibilität aufweist.

Sowohl vor, als auch nach dem Militärputsch in der Türkei 1980 war die Bastonade eine der klassischen Foltermethoden.[10]

In Konzentrationslagern des NS-Regimes stellte die Bastonade eine alltägliche Form der Bestrafung für Inhaftierte beider Geschlechter dar.[11]

Im Iran galten vor der Konstitutionellen Revolution von 1905 etwa fünfzig Stockschläge auf die Fußsohlen als eine vergleichsweise milde, tausend als eine grausame Bestrafung. Helmuth von Moltke berichtet in einem Brief vom 27. September 1836 aus der Türkei als Augenzeuge über eine Strafe von 500 Hieben, und zwar 250 je Fußsohle, die auf seine Bitte hin vom Sultan auf 50 reduziert wurde.

In dem Werk von Heinrich Graetz zur Geschichte der Juden berichtet er im IV. Band über den Einsatz der Bastonade in Damaskus.[12]

In der Oper Die Zauberflöte wird die Bastonade in der 22. Szene erwähnt „Nur siebenundsiebzig Sohlenstreich“. Die Anzahl der Streiche wurde in anderen Sprachen variiert, um dem musikalischen Takt zu entsprechen. In der englischen Übersetzung ist von vierzig Hieben die Rede. [13]

Vom Einsatz der Bastonade berichtet auch Karl May. Diese Form der Strafe wird sowohl in der Mahdi-Trilogie als auch im Orientzyklus erwähnt.[14]

Aus Österreich wird der Einsatz der Bastonade in Kinderheimen in den 1960er Jahren berichtet.[15]

Im Bundesstaat Massachusetts der USA wurde bis 1969 die Bastonade standardmäßig im Vollzug der Jugendstrafanstalten eingesetzt.[16]

Einzelnachweis [Bearbeiten]

  1. Vergleiche den Eintrag bei duden.de unter Bastonade; Zugriff am 19. Dezember 2012
  2. Vgl. Torture and Democracy von Darius Rejali. S. 274.
  3. Vgl. Torture and Democracy von Darius Rejali. S. 274.
  4. Vgl. Torture and Democracy von Darius Rejali. S. 277.
  5. Vgl. Torture and Democracy von Darius Rejali. S. 276f.
  6. Vgl. Torture and Democracy von Darius Rejali. S. 274.
  7. Vgl. Torture and Democracy von Darius Rejali. S. 275.
  8. Vgl. Ruxandra Cesereanu: An Overview of Political Torture in the Twentieth Century. S. 124f.
  9. Die Beilage zum Newsletter vom September 1987 kann unter Illustrated Reports of Amnesty International eingesehen werden, Zugriff am 19. Dezember 2012
  10. Siehe eine Seite beim Demokratischen Türkeiforum (DTF) vom 5. Mai 2011 Folterakte 12. September. Eine Suche auf den deutschen Seiten des DTF nach dem Begriff „Bastonade“ fördert weitere Treffer zutage; Zugriff am 19. Dezember 2012
  11. Vgl. Ruxandra Cesereanu: An Overview of Political Torture in the Twentieth Century. S. 124f.
  12. Auszüge daraus sind im Internet unter 11. Kapitel. Das Jahr 1840 und die Blutanklage von Damaskus. (1840.) einzusehen; Zugriff am 19. Dezember 2012
  13. Siehe dazu u.a. die Seite [1] Mozarts Zauberflöte.: Eine kritische Auseinandersetzung um ihre Deutung. von Jules Speller; Zugriff am 20. März 2013
  14. Siehe dazu u.a. die Seite Vater der Fünfhundert im Karl-May-Wiki; Zugriff am 19. Dezember 2012
  15. Siehe einen Bericht bei „krone.at“ vom 29. März 2012 Berichte über Folter in Kinder- Heim auf der Hohen Warte; Zugriff am 19. Dezember 2012
  16. Vgl. Torture and Democracy von Darius Rejali. S. 275.