Batara Guru

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Batara aufgeführt.

Batara Guru, (Tagalog: Bathala, Malaysisch: Berhala) ist in der südostasiatischen Mythologie der Ranghöchste aller göttlichen Wesen, sogenannte Dewa und Dewata bzw. Diwa und Diwata (vom Sanskrit Deva und Devata), aber auch der Erschaffer der Menschen. Je nach Region verändert sich sein Name. So kennt man ihn auch als Sang Hyang Jagadnata (Herrscher des Universums), Bathalang Maykapal (allmächtiger Gott) oder aber als Sang Hyang Girinata (Herrscher der Berge). Der letzte Name rührt daher, dass in Urzeiten alle Königreiche auf Bergen gewesen sein sollen.

Je nach Insel und Region Südostasiens gibt es z.T. Unterschiede bei mythologischen Erzählungen, weswegen Ungereimtheiten zwischen verschiedenen Geschichten durchaus üblich sind. So findet man in vielen Geschichten über Batara Guru und andere Götter oder legendäre Helden Südostasiens klare Einflüsse der Mahabharata und der Ramayana, welche sich besonders stark in Indonesiens Wayang äußern. Zudem weisen die Erzählungen auf Indonesien islamische Referenzen, während sie auf den Philippinen christliche Anlehnungen vorweisen. Dennoch, in allen Geschichten ist der größte Gegenspieler des Menschenvaters das Urwesen Naga Padoha, auch Bakunawa genannt. Eine riesige Schlange und Herrscher über die Unterwelt, die so groß ist, dass sie den Mond verschlingen kann.Meist werden die südostasiatischen Mythen damals wie heute mündlich an die nächste Generation weitergegeben.

Batara Gurus Kinder[Bearbeiten]

Auf Luzon sagt man sich, dass Bathala drei Kinder, ein Sohn und zwei Töchter, mit einer menschlichen Frau habe. Diese sollen Apolaki (auch Adlaw bzw.Arao genannt), der Kriegsgott und Hüter der Sonne, Mayari (auch Bulan genannt), Göttin des Mondes, als auch Tala, der Morgenstern sein. Je nach Region kann es auch sein, dass die Göttin Hanan, die Morgenröte, entweder die Tochter oder die Schwester der Mondgöttin ist.

Auf Java hingegen hat der Göttervater Batara Guru acht Söhne mit seiner Frau Dewi Uma. Diese heißen:

Sitz des Gottes[Bearbeiten]

Das Königreich der Götter und somit Sitz Batara Gurus ist Kahyangan (Reich der „Hyang“ [indon.: Götter]), auch bekannt als Kadewatan (indon./Tag./Mal.: Reich der Dewa [auch Diwa geschrieben]) oder Kaindran (Reich der Indra, ein Wesen welches die Götter beaufsichtigt) bzw. Kaluwalhatian (Tag.: Reich der Himmel).[1]

Batara Guru im Wayang[Bearbeiten]

Während im philippinischen Archipel der Schöpfer der Menschen als eines der Urwesen beschrieben wird und sich das recht auf Herrschaft erkämpft, ist er gemäß dem Wayang Kulit Sohn von Sang Hyang Tunggal, dem Göttervater. Dieser schmiss ein Ei auf die Erde und erzeugte somit drei Götter. Der älteste war Togog (ursprünglich Tedjomantri), der König der Riesen, erschaffen aus der Eierschale. Der zweite Sohn ist Semar (welcher früher Sang Hyang Ismoyo war), der aus dem Eigelb entstand und der Jüngste war Sang Hyang Manikmoyo bzw. Sang Hyang Manikmaya(eine Anlehnung an indische Geschichten) (ab seiner göttlichen Herrschaft auch bekannt als Guru oder aber alsBatara Guru oder Bathala) , erschaffen durch das Eiweiß.

Batara Guru wird meist mit vier Armen und Händen dargestellt. Das hat mit einer Lichtgestalt (die fliegen konnte) zu tun, die zunächst als Baby erschien, sich dann aber in ein wunderschönes Mädchen verwandelte. Batara Guru wollte sie fangen, aber was immer er auch versuchte, es entwischte ihm. Er bat seinen Vater um Hilfe und dieser gab ihm zwei weitere Arme und Hände. Damit gelang es Batara Guru das Mädchen zu fangen. Er nannte sie Uma und sie wurde später seine erste Frau.

Je nach Geschichte erhielt Batara Guru die Berechtigung über die Götter zu herrschen entweder von Sang Hyang Wenang, dem Aufseher der Götter oder aber seinem Vater. Er wurde auserkoren, da er von den drei Söhnen die besten Fähigkeiten für einen Führer aufwies, wohingegen die anderen beiden sich um den Thron stritten und verwandelt wurden. Seit seiner Herrschaft stellt Batara Guru sicher, dass alle göttlichen Wesen und Urgeister ihre Pflichten erfüllen. Seine beiden Brüder stehen im hierbei als Berater zur Seite.

Batara Guru, Wayang Klitik aus Ostjava, Mitte des 19. Jahrhunderts

Als er junger Gott war er von so überragender Schönheit und Makellosigkeit, dass sein Vater, wegen seines Narzissmus, gezwungen war ihm einige Fehler zukommen zu lassen.

Menschen gegenüber wird er meist von Batara Narada begleitet. Er ist auch der einzige Gott, den Batara Guru bei allen mögliche Gelegenheiten zu Rate zieht, wobei es häufig zu heftigen Debatten kommt. Bei einer dieser Debatten wurde Batara Guru sehr ärgerlich und nannte Batara Narada, der bis dahin über einen schönen, jugendhaften Körper verfügte, einen „wirklich hässlichen Gnom“ und sofort wurde das göttliche Wort Wirklichkeit. Da solche Worte nicht mehr zurückgenommen werden können, blieb ihm diese Gestalt. Batara Guru tat diese Sache natürlich sehr leid und gelobte sich nie wieder derart hinreißen zu lassen. Von da an ist die Sprache zwischen den beiden von ausgesuchter Wortwahl und Höflichkeit.

Die Schöpfungsgeschichte[Bearbeiten]

Im Folgenden werden verschiedene Varianten der südostasiatischen Schöpfungsgeschichte aus unterschiedlichen Regionen der Archipele präsentiert, um Ähnlichkeiten und Unterschiede der Erzählungen hervorzuheben. In diesen erschafft Batara Guru, bzw. Bathala, die Menschen.

Die Schöpfungsgeschichte auf Sumatra[Bearbeiten]

Batara Guru formte die Erde und ist Vorfahre aller Menschen. Eine Schwalbe erzählte Batara Guru eines Tages, dass seine Tochter, Boru Deak Parudjar aus dem Himmel in die endlose See darunter gesprungen sei. Batara Guru zögerte nicht und überreichte dem Vogel Erde und befahl ihm, diese über dem Wasser zu zerstreuen, so dass seine Tochter darauf gehen könne.

Aus der Erde formte sich Land und Batara Guru zerstreute Samen auf ihr, aus denen Pflanzen und Tiere erwuchsen.

Zu guter Letzt entsandte Batara Guru eine Manifestation seiner selbst auf die Erde und bekämpfte und besiegte das Urwesen Naga Padoha (auf den Philippinen als Bakunawa bekannt), eine riesige Schlange und Herrscher über die Unterwelt. Wegen seines Sieges durfte er um die Hand von Boru Deak Parudjar anhalten und beide wurden die Eltern der ersten Menschen.[2]

Die Schöpfungsgeschichte auf Luzon[Bearbeiten]

Am Anfang als die Erde noch jung war, existierten nur drei Wesen Bathala, Aman Sinaya und Amihan. Bathala war der Gott der Himmel (Tag.: Langit), Aman Sinaya die Göttin der Meere (Tag.:Linaw/Dagat). Beide stritten und bekämpften sich jeden Tag. Bathala nutzte seine Blitze und Donner, und Aman Sinaya ihre Wellen und Taifune.

Aman Sinaya entschied eines Tages, ihren Sturm in die Himmel zu entsenden, um dort Unruhe zu stiften. Bathala warf Gesteinsbrocken vom Himmel, um seine Rivalin zu bekämpfen, und schuf somit das Land. Amihan, der Nordwind, der zwischen dem Reich der Himmel und des Wassers existierte, entschied, den Kampf der beiden Götter zu beenden. Er verwandelte sich in einen Vogel und flog immerzu zwischen den beiden Welten hin und her, bis diese durch seinen Wind aneinander rückten – so weit, dass sich beide Welten berührten. Daraufhin entschlossen die beiden streitsüchtigen Götter, Bathala und Aman Sinaya, sich zu einem Waffenstillstand, arbeiteten fortan zusammen und bekamen Freunde.

Als Zeichen dieser Freundschaft pflanzte Bathala einen Samen jenseits des Meeresbodens. Dieser wurde eine mächtige Bambussprosse, die weit aus dem Meer ragte. Amihan, der Nordwind, der jetzt die Form eines Vogels besaß, bemerkte, dass Stimmen aus der Sprosse kamen: „Nordwind, Lieber Nordwind! Lass uns bitte raus!“ Amihan pickte an der Sprosse, welche daraufhin längs in zwei gleich große Hälften zersprang, aus jeder Hälfte stieg ein Menschenwesen. Der eine war ein Mann, die andere eine Frau. Amihan taufte sie Malakas (dt.: stark) und Maganda (dt.: hübsch). Er brachte sie an Land, wo sie fortan ihr Leben verbrachten.

Malakas und Maganda sahen, dass alle Wesen, denen sie begegneten, Nachkommen mit ihren Partnern zeugten, und wollten es ihnen gleichtun. Doch da sie Geschwister waren, war es ihnen verboten. Und so fragten sie Bathala, wie sie sich denn fortpflanzen könnten. Bathala antwortete, dass dies nur möglich sei, wenn jedes Wesen den beiden ihren Segen für eine Vermählung geben würde. Und so reisten die beiden Menschen durch die noch junge Welt und fragten die Schildkröte (tag.: Pagong), das Krokodil (tag.: Buhaya), den Nordwind und jedes Wesen um Erlaubnis. Als sie diese erhielten, zeugten beide Millionen an Kindern.[3][4][5]

Die Schöpfungsgeschichte auf den Visayas[Bearbeiten]

Zu Beginn der Zeit existierten lediglich drei übermächtige Gottheiten, Bathala, Ulilang Kaluluwa und Galang Kaluluwa. Sie waren die einzigen Wesen im Weltall und kannten sich gegenseitig nicht. Bathala kümmerte sich stets um die Erde, während Ulilang Kaluluwa, eine riesige Schlange, in den Himmeln wohnte. Galang Kaluluwa hingegen war ein beflügeltes Wesen, auf Wanderschaft durch die Leeren des Universums.

Bathala wollte wegen seiner großen Einsamkeit auf der Kargheit der Erde Leben erschaffen, doch aus der toten Erde konnte er nichts formen. Ulilang Kaluluwa hingegen besuchte viele Orte und fand die Erde liebreizend. Dort trafen die beiden Götter aufeinander. Ulilang Kaluluwa war unzufrieden mit der Existenz eines anderen Gottes und forderte Bathala heraus; der Gewinner sollte über das Universum herrschen. Nach drei Tagen und drei Nächten Kampf tötete Bathala die Schlange. Doch anstatt sie ehrenvoll zu begraben, verbrannte er den Leichnam auf der Erde.

Nach etlichen Jahren geschah es, dass Galang Kaluluwa auf Bathalas Heimat landete. Dieser hieß die geflügelte Gottheit willkommen und lud sie ein, in seinem Reich zu wohnen. Die Freundschaft beider wuchs sehr tief und stark. Doch Galang Kaluluwa wurde krank. Die Gottheit gab ihrem Freund Bathala den Auftrag, ihre Überreste dort zu begraben, wo er zuvor Ulilang Kaluluwa verbrannte. Bathala tat, wie ihm befohlen, und aus der Ruhestätte der beiden Götter wuchs ein großer einstämmiger Baum, an dem wiederum Nüsse wuchsen. Dies war die erste Palme.

Bathala nahm die Nuss, schälte sie und bemerkte, dass das Innere der Nuss hart war. Er betrachtete die Nuss und sah, dass sie Galang Kaluluwas Kopf ähnelte, denn die Nuss besaß zwei Augen, eine platte Nase und einen runden Mund. Die Blätter der Palme erinnerten ihn an die Flügel des Gottes, doch der Stamm hatte die Härte und die Hässlichkeit der Schlange Ulilang Kaluluwa. Bathala erkannte, dass das Geschenk Galang Kaluluwas an ihn war, dass er durch die Pflanze und die Nuss alles Leben auf der Erde erschaffen könne. So erschuf er aus der Palme weitere Pflanzen, Tiere und schließlich Menschen. Das Fleisch der Nuss könnten sie essen, den Saft trinken. Aus den Blättern könne man Matten, Hüte und Besen fertigen. Aus den Fasern der Pflanze könne man Seile und Kleidung herstellen.[4][6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.joglosemar.co.id/bataraguru.html
  2. http://encarta.msn.com/encyclopedia_762504518/batara_guru.html
  3. http://web.archive.org/web/20071102183718/http://www.geocities.com/CollegePark/Pool/1644/precolonial.html
  4. a b http://store.escalate.com/store/turoturo/article3.jsp Turoturo.com
  5. http://www.experiencefestival.com/a/Bathala_-_Legends/id/4834385
  6. http://budpar.mindsay.com