Bathonea

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Bathonea war eine antike und frühmittelalterliche Stadt, die nur aus den Quellen bekannt ist, sich also nicht mit einer bestimmten archäologischen Fundstätte in Verbindung bringen ließ. Plinius der Ältere erwähnt einen thrakischen Fluss namens „Bathynias“ (Naturalis historia 4, 47), Theophanes (Bd. V, S. 340, ed. Bonn) nennt den Fluss „Bathyrsos“, Appian nennt ihn „Bithyas“ (Mithridatius 1), auch erscheint er bei Claudius Ptolemäus (Tetrabiblos, 3, 11, 6).[1] Im August 2009 ließen sich jedoch am Marmarameer, etwa 20 km westlich von Istanbul, Ruinen einer Stadt von den seit 2007 dort tätigen Ausgräbern mit Bathonea in Verbindung bringen.[2]

Die Stätte liegt an der Lagune von Küçükçekmece, wo sich auch eine der ältesten Fundstätten der Türkei befindet, die Höhlen von Yarımburgaz (Yarımburgaz Mağarası). Bathonea umfasste nach bisherigen Erkenntnissen eine Fläche von beinahe 8 km², seine Seemauern waren halb so lang wie die von Konstantinopel. Die Vermögenden der Hauptstadt errichteten hier Villen und Paläste. In der Mitte der Lagune fanden Unterwasserarchäologen Überreste eines Leuchtturms, eines der wenigen römischen, außer denen von Alexandria und Patara in Lykien, sowie eines Hafens.[3] Zudem fanden sich Hunderte von Ziegeln mit dem Stempel „Konstans“, die sich auch in hauptstädtischen Bauten wie der Hagia Sophia belegen lassen. Der Fernhandel zeigt sich anhand von Tonwaren, die aus Syria und Palaestina stammten.

Bathonea war eine Phyle im Sinne einer von Byzantion, der Vorgängerin Konstantinopels, abhängigen Siedlung. Die Hauptfunde stammen aus der Zeit zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. Dazu zählen der Hafen mit Docks, Anlegestellen und umgebenden Gebäuden, Hafenmauern, eine riesige Zisterne von 120 × 30 m Fläche, eine byzantinische Kirche aus dem 5. oder 6. Jahrhundert und Überreste von Straßen, sowie ein Friedhof mit Überresten von 20 Individuen. Die Kirche wurde von einem Erdbeben im Jahr 557 schwer beschädigt, war jedoch bis zum Einsturz im Jahr 1037 in Gebrauch. Die Überreste von drei Männern, die dabei von einstürzenden Mauern erschlagen worden waren, konnten geborgen werden. Es scheint, als habe sich die Stadt von dem Erdbeben nie erholt, das möglicherweise eine Stärke von 8,0 aufwies.

Möglicherweise stellte die Stadt einen Nebenhafen von Konstantinopel dar, doch ist unterwasserarchäologische Forschung sehr schwierig, da die Lagune stark von Industrieabwässern belastet ist. Erst nach der Errichtung einer vorgesehenen Kläranlage können die Unterwasserarbeiten intensiviert werden.

Zwar wurden die Ruinen bereits in den 1920er Jahren von dem Schweizer Zeichner Ernest Mamboury besucht, doch identifizierte er sie mit dem gleichfalls aus den Quellen bekannten Rhegium, das seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. bekannt ist.[4] Die heutige Ausgrabungsleiterin ist Şengül Aydıngün, Lehrbeauftragte (associate Professor) an der Kocaeli-Universität. Beteiligt sind Wissenschaftler von acht Universitäten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jennifer Pinkowski: After Being Stricken by Drought, Istanbul Yields Ancient Treasure, in: The New York Times, 23. Januar 2012. (online)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Bathynias, in: Dictionary of Greek and Roman Geography, 1854.
  2. Oğuz Tekin: Byzantion'un Etnik Yapılanması ve bir Örnek: Bathonea. Bir Lokalizasyon Önerisi Üzerine Düşünceler, in: Arkeoloji ve Sanat 132 (2009) 139-141. (online).
  3. S. Ramazanoğullari Turgut, Eda Cactas Ceylan: In the Wake of a Local Government Initiative. Istanbul - Küçükçekmece, Ayazma-Tepeustu Urban Regeneration Project, WIT Press, Southampton 2012, S. 16-18.
  4. Vgl. Jonathan Bardill: Brickstamps of Constantinople, Bd. 1: Text, Oxford University Press 2004, S. XXXII, 301 u.a.).