Bauernstruktur

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Die Bauernstruktur beschreibt im Schach die Position der einzelnen Bauern zueinander zu einzelnen Zeiten einer Partie. Häufig wird die Bauernstruktur zum Hauptfaktor, nach dem sich die Eröffnung einer Partie richtet.

Allgemeine Klassifizierung[Bearbeiten]

Man unterscheidet bei der Klassifizierung von Bauernstrukturen folgende drei Fälle:[1]

Offene Bauernstruktur[Bearbeiten]

Von einer offenen Bauernstruktur spricht man, wenn sich zwischen den Bauern große Räume bieten, sodass die anderen Figuren in ihrer Bewegungsfreiheit durch die Bauern kaum behindert werden. Oft finden in einer offenen Struktur wiederholte Bauerntäusche statt. Häufig resultieren aus offenen Bauernstrukturen zudem offene oder zumindest halboffene Linien, sodass solche Bauernstrukturen meist mit offensivem Spiel verbunden sind.

Typische Zugfolgen und Eröffnungen bei offenen Bauernstrukturen[Bearbeiten]

Typische Zugfolgen, die in einer offenen Bauernstruktur münden, sind z. B.

1. e4 - e5
2. Sf3 - Sc6
3. d4
oder
1. e4 - e5
2. d4 - exd4
3. c3
oder
1. d4 - d5
2. c4 - c5

Typische Eröffnungen, die zu einer offenen Bauernstruktur führen, sind z. B. die Hauptvariante der Italienischen Partie mit 5. d2-d4, Schottisch und Spanisch sowie Gambits.[2]

Halboffene Bauernstruktur[Bearbeiten]

Bei einer halboffenen Bauernstruktur sind zwar Räume zwischen den Bauern vorhanden, diese sind aber nicht allzu groß und können nicht immer zur Entwicklung genutzt werden (z. B. bei Französisch: Für den Läufer c8 bleibt nur das Feld d7, welches aber kein ideales Feld ist. Aus diesem Grund wird übrigens oft Caro-Kann statt Französisch gespielt, was aber auch Nachteile hat). Bauerntäusche finden eher selten statt, und selbst wenn, werden dabei meist keine Linien offen. Eine solche Bauernstruktur führt vorerst zu etwas passiverem Spiel, lässt aber die Möglichkeit schneller, überraschender Angriffe noch zu.[3]

Typische Zugfolgen und Eröffnungen bei halboffenen Bauernstrukturen[Bearbeiten]

Typische Zugfolgen, die in einer halboffenen Bauernstruktur münden, sind z. B.

1. e4 - e6
2. d4 - d5
3. Sc3 - dxe4
oder
1. e4 - c5
2. Sf3 - Sc6
3. d4 - cxd4

Typische Eröffnungen, die zu einer halboffenen Bauernstruktur führen, sind z. B. Französisch, Caro-Kann, die Sizilianische Verteidigung und einige Englischvarianten bzw. einige Systeme des Abgelehnten Damengambit.

Geschlossene Bauernstruktur[Bearbeiten]

Geschlossene Bauernstrukturen bieten keine oder fast keine Räume zwischen den Bauern, oft ist die Struktur so, dass sich gegnerische sowie eigene Bauern blockieren und Bauerntäusche daher nicht möglich sind. Daher gibt es keine freien Diagonalen oder Linien. Oft werden die Figuren aufgrund des Platzmangels suboptimal oder gar nicht entwickelt. Das Spiel ist fixiert auf Sicherheit und oft sehr defensiv. Schnelle Angriffe sind selten, meist wird erst die Entwicklung vollständig abgeschlossen.

Typische Zugfolgen und Eröffnungen bei geschlossenen Bauernstrukturen[Bearbeiten]

Typische Zugfolgen, die in einer geschlossenen Bauernstruktur münden, sind z. B.

1. e4 - d6
2. d3 - e5
oder
1. e4 - g6
2. Sf3 - Lg7
oder
1. c4 - e6
2. g3 - Sf6
3. Lg2 - Sc6

Typische Eröffnungen, die zu einer geschlossenen Bauernstruktur führen, sind z. B. die Moderne Verteidigung, einige Sizilianisch- und Englischvarianten sowie einige Varianten indischer Eröffnungen.

Besondere Strukturen[Bearbeiten]

Bauernkette[Bearbeiten]

Unter einer Bauernkette versteht man eine Bauerngruppe, bei der sich alle beteiligten Bauern gegenseitig decken, d.h. der erste wird vom zweiten gedeckt, der zweite vom dritten usw. Dazu müssen sich die Bauern alle auf der gleichen Diagonale befinden.[4] Einziger ungedeckter Bauer einer Bauernstruktur ist zwar der, der sich am nächsten an der eigenen Grundreihe befindet. Da dieser für den Gegner aufgrund der großen Entfernung zu den eigenen Bauern kaum erreichbar ist, versucht man oft, die Bauernkette vorne anzugreifen, was natürlich ein schwieriges Unterfangen ist, da zu viele Bauernzüge die eigene Entwicklung hinauszögern. Bauernketten schränken den Gegner in seiner Bewegungsfreiheit massiv ein, da alle Bauern Felder gleicher Farbe angreifen und so oft einem der Läufer alle Felder nehmen. Sehr oft tauchen lange Bauernketten in der Französischen Eröffnung auf, wo sich die weißen Bauern auf den Feldern b2, c3, d4 und e5 befinden bzw. beim Gegner auf f7, e6 und d5, in manchen Fällen auch noch c4. In dem Fall entstehen in der Französischen Eröffnung geschlossene Stellungen.

Doppelbauer[Bearbeiten]

In einigen Partien kommt es vor, dass nach bestimmten Schlagabwicklungen zwei Bauern gleicher Farbe auf derselben Linie vorzufinden sind, oft auf unmittelbar angrenzenden Reihen. Dann spricht man von einem Doppelbauer.[5] Da sich Doppelbauern gegenseitig nicht decken können, sind sie oft ein Nachteil für die Stellung des betreffenden Spielers. Es kann aber auch vorkommen, dass sie rasch wieder aufgelöst werden, indem man den Gegner zwingt, einen eigenen Bauern gegen den vorderen Bauern des Doppelbauers zu tauschen. Am gefährlichsten sind Doppelbauern unmittelbar vor dem König, da sie Linien frei lassen, auf denen der Gegner ungestört attackieren kann. Beispiel: Weiße Bauern auf f2 und f3 (freie g-Linie).

Freibauer[Bearbeiten]

Ein Freibauer ist ein Bauer, auf dessen beiden benachbarten Linien sich keine gegnerischen Bauern befinden, die den Bauern auf seinem möglichen Weg zur Umwandlung noch schlagen könnten. So ist solch ein Bauer ein enormer Vorteil, da er den Gegner dazu zwingt, höhere Figuren zum Abfangen des Freibauers zu benutzen, wodurch diese von anderen Funktionen abgelenkt werden. Nicht jeder Freibauer führt auch zum Gewinn, am stärksten sind Freibauern in zentralen Linien, Freibauern am Rand sind vor allem bei wenig Figuren auf dem Brett schwierig "durchzudrücken", da sie wegen des Brettrands nur von einer Seite und nicht wie in der Mitte von zwei Seiten unterstützt werden können.

Isolierter Bauer[Bearbeiten]

Ein isolierter Bauer, häufig auch Isolani genannt, ist ein Bauer, der sich auf einer Linie befindet, an die sich rechts und links Linien anschließen, auf denen sich kein eigener Bauer befindet.[6] Er kann leicht attackiert und nur schwer gedeckt werden, da ihn eigene Bauern nicht verteidigen können. Er bindet also eigene Figuren, wodurch sich die Stellung letztlich verschlechtert. Isolierte Bauern sind häufig bei Anfängern zu beobachten, die seine Wirkungslosigkeit und Anfälligkeit oft unterschätzen und glauben, anderweitig Vorteile zu erlangen. Beispiel: Auf d4 steht ein weißer Bauer, auf der c-Linie und auf der e-Linie aber keine.

Rückständiger Bauer[Bearbeiten]

Dies ist ein Bauer, dessen benachbarten Bauern schon weiter vorne postiert sind und ihn daher nicht mehr decken können.[7] Die Auswirkungen entsprechen dabei im Allgemeinen denen eines Isolanis. Beispiel: Auf d3 steht ein weißer Bauer, auf c5 steht ein zweiter und auf e5 ein dritter. Der d-Bauer ist rückständig.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Soltis, Andy (1995). Pawn Structure Chess. McKay. ISBN 0-8129-2529-7
  2. http://www.steffanklaus.de/schach/dietzearchiv/Eroeffnung1%20-%20Uebersicht.pdf
  3. http://www.schachclub-bellheim.de/schachunterricht/caro-kann-durchzugsvariante.pdf
  4. http://www.wiki-schacharena.de/index.php/Bauernkette
  5. http://www.az-enzyklopadie.info/d/208954_Doppelbauer_(Schach)/
  6. http://www.myschach.de/Bauer_(Schach)_SchachWiki.htm
  7. http://www.steffanklaus.de/schach/dietzearchiv/Mittelspiel4%20-%20Rueckstaendiger%20Bauer.pdf